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Freitag, 3. Juli 2026

Rezension: "Die verborgene Erinnerung" von Michaela Abresch

Die vierzigjährige Mella Haglund soll für einen Rechercheauftrag von Köln nach Gotland reisen. Ihr Verlag möchte einen Bildband über Kirchenkunst in Europa veröffentlichen. Mella hält den Auftrag für einen Wink des Schicksals, denn Gotland ist die Heimat ihrer Mutter, die die schwedische Insel allerdings noch vor Mellas Geburt verlassen hat und nie wieder zurückgekehrt ist. Zu schmerzlich sind die Erinnerungen an Mellas Vater, der bei einem Bootsunglück ums Leben kam. Jeder Versuch, mit ihrer Mutter über die Vergangenheit zu sprechen – über Gotland, ihre Familie, ihr früheres Leben –, wird sofort abgeblockt. Aber nun ist Mella fest entschlossen, ihre Wurzeln zu suchen.
Siri Svensson hat ihr ganzes Leben auf Gotland verbracht. Aber immer wieder verspürt sie den Wunsch nach Veränderung. Auch in ihrer momentanen Beziehung, von der sie anfangs dachte, sie wäre nun endlich angekommen, ist sie nicht mehr zufrieden. Sie fühlt sich leer und irgendwie immer kalt in ihrem Inneren. Als ihre Mutter unerwartet stirbt, findet sie im Nachlass eine Fotografie aus ihrem Geburtsjahr, die sie nicht mehr loslässt. Wer sind die beiden Frauen, die beide ein Baby auf dem Arm haben? Und warum hat Jördis das Foto in ihrem Schrank versteckt?

Meine Meinung: 
"Zwei Töchter und ihre Mütter - und zwei Inselsommer in Schweden, die alles verändern." So steht es auf der Rückseite des Buches, und das fasst es perfekt zusammen.
Es geht um Mella und Siri, zwei Frauen im gleichen Alter. Die eine lebt in Köln, die andere auf Gotland. Abwechselnd wird mal aus der Sicht der einen, dann wieder aus der der anderen erzählt. Zeitlich spielen die Kapitel in verschiedenen Monaten, was man immer gut an der jeweiligen Überschrift erkennen kann. Zwischendurch gibt es zudem Einblicke in die Vergangenheit, die durch Briefe aus den frühen Achtzigern wieder lebendig wird. Wer ist die geheimnisvolle Griddy?

"Die verborgene Erinnerung" ist mein zweites Buch der Autorin und es hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte ist packend konstruiert, der Schreibstil wunderbar lebendig und besonders das atmosphärische Setting auf Gotland hat mich völlig begeistert. Mella und Siri sind zwei interessante Protagonistinnen, die das Schicksal nach Jahren zusammenbringt. Emotional und feinfühlig geschrieben erleben wir mit, wie beide unabhängig voneinander versuchen, die Geheimnisse ihrer Vergangenheit zu lüften – zunächst ohne zu ahnen, wie eng diese miteinander verwoben sind.

Fazit: Eine berührende Geschichte um Familie, Freundschaft, Liebe und Hoffnung.  


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Dienstag, 2. Juni 2026

Abgebrochen: "Ein schwedischer Sommer" von Eva Seifert

Die drei Schwestern Beate, Mona und Christine planen nach dem Tod von Beates Ehemann eigentlich eine Weltreise. Doch dann bittet sie ihr Bruder Leonhard, zu dem sie lange fast gar keinen Kontakt hatten, zu sich nach Schweden. Er hat ein paar Briefe und ein Tagebuch im Nachlass der Eltern gefunden, die Fragen aufwerfen. Was hat es mit dem Tagebuch einer gewissen Maria aus dem Sommer 1969 auf sich? Wer ist Maria, und was hat sie mit den Geschwistern zu tun? Die drei Schwestern machen sich daraufhin auf in das malerische Küstenörtchen Djursholm. Nichtahnend, dass ihnen dort der Sommer ihres Lebens bevorsteht, nach dem nichts mehr so sein wird, wie es einmal war …

Es hörte sich wirklich sehr viel versprechend an, aber leider war das Buch gar nicht mein Fall. Zunächst mal hat es für mich ewig gedauert, bis die Handlung nach Schweden verlegt wurde. Ich glaube, es waren fast 100 Seiten. Dann war mir eine der Hauptfiguren, Mona, so gar nicht sympathisch und hat mich sogar ziemlich genervt mit ihrem "Rumgezicke". Und für mich gab es auch viel zu viele Diskussionen. 

Schade, ich hatte mich wirklich auf eine schöne Sommerlektüre aus Schweden und eine interessante Familiengeschichte gefreut. Aber das war leider nichts für mich. 


Bewertung: 🌹






Rezension: "Der Ruf der Blumeninsel" von Caroline Säfstrand

Auf der malerischen Blumeninsel Ven begibt sich Bea auf eine Reise in die Vergangenheit. Jahrzehnte nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer Mutter sehnt sie sich nach Antworten und findet sich in einem Strudel aus Erinnerungen wieder. Als sie auf Julia trifft - eine verletzliche Frau, deren Leben aus den Fugen geraten ist - geschieht das Unvorhersehbare: Die beiden entdecken wider Erwarten eine überraschende Verbindung. Gemeinsam müssen sie sich den Schatten des Vergangenen stellen. Kann die Suche nach der Wahrheit ihnen endlich den Weg zur Heilung ebnen?

Bea ist Anfang 60 und kurz vor der Rente. Sie lebt in einem kleinen Häuschen auf der Insel Ven. Ihr Vater ist an Alzheimer erkrankt und sie besucht ihn regelmäßig in einem Pflegeheim in Landskrona.  
Julia ist Ende 20 und arbeitet als Frisörin. Dann verliert sie ihren Job und auch ihre Beziehung steht vor dem Aus. Als sie ein altes Foto findet, auf dem sie mit ihrem Eltern während eines Familienurlaubs auf Ven zu sehen ist ist, beschließt sie kurzerhand einen Trip in die Vergangenheit zu machen. Dort trifft sie während eines Spaziergangs auf Bea. Die beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Frauen freunden sich an.

Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Bea und Julia. Zwischendurch gibt es Kapitel, in denen eine namenslose ältere Frau einer Journalistin aus ihrem Leben berichtet. Mit der Zeit wird natürlich klar, um wen es sich handelt. 
Außerdem gibt es Rückblenden, in denen aus der Kindheit und Jugend von Bea erzählt wird und es wird klar, dass ihre Mutter psychisch krank gewesen sein muss. 
Auch Julia fragt sich, ob das Familienidyll auf dem Foto wirklich so perfekt war oder ob die Erinnerung ihr einen Streich spielt. 

"Der Ruf der Blumeninsel" ist der 3. Band der Feel-Good-Reihe. Ich kenne die anderen beiden Teile nicht, aber ich glaube, man kann die Bücher auch gut unabhängig voneinander lesen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir Wissen fehlt. 
Ein kleiner Hinweis noch zum Klappentext: Dort steht "Als sie auf Sara trifft" und ich habe mich  in den ersten Kapiteln gefragt, wann diese Sara denn nun endlich auftaucht. Es ist ein Fehler, denn dort müsste "Julia" stehen. 

Insgesamt fand ich die Geschichte ganz schön zu lesen, aber mir hat irgendetwas gefehlt. Ein bisschen mehr Wärme, mehr "Wohlfühlgefühl" wäre schön gewesen. Das Ende war für mich dann aber wieder stimmig. 

Gut gefallen hat mir, dass die Hauptfigur bereits älter ist. Ich finde, so etwas sollte auch im Klappentext erwähnt werden. Nicht alle wollen immer nur Geschichten von Zwanzigjährigen lesen. 😉


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Samstag, 11. April 2026

Rezension: "Sommerglück in Schweden" von Lisa Andersson

Sofia lebt und arbeitet in Stockholm. Sie ist bei der Finanzbehörde und dort auch zuständig für die Kunden, die ihre Steuern nicht pünktlich zahlen können. So hat sie Milla und ihren kleinen Sohn Emil kennengelernt. Milla ist vor kurzem Witwe geworden und Sofia hat Mitleid und gewährt ihr immer wieder Zahlungsaufschub. Das passt Rune, Leiter der Abteilung und Sofias Lebensgefährte aber gar nicht. Als Mila dann nach einem Unfall ins Krankenhaus muss, scheint der geplante Urlaub von ihr und Emil zu platzen. Dabei wünscht sich Emil nichts mehr als einen Sommer in "Bullerbü", dort wo seine Lieblingsgeschichten von Astrid Lindgren spielen. Sofia übernimmt kurzentschlossen Millas Platz, denn sie ist in Smaland aufgewaschen. Zusammen mit Emil reist sie in die Gegend, die sie vor zehn Jahren überstürzt verlassen hat. Als sie beim Versuch, einem Hund auszuweichen, dessen Besitzer anfährt, bleibt sie im Dorf Byn hängen. Bengt, der Tierarzt, braucht wegen seiner Verletzung nun Hilfe in der Praxis und Emil freundet sich direkt mit Bengts Kindern Lasse, Greta und Ronja. Und dann ist da noch Gösta, Bengts Schwiegervater. Aber wo ist Bengts Frau? 
Sofia hat ein schlechtes Gewissen und willigt ein, zwei Wochen in der Praxis auszuhelfen und Bengt zu "Hausbesuchen" zu fahren. Außerdem scheint Emil sich direkt wohlzufühlen und Byn ist für ihn sein Bullerbü. 

Was für eine schöne und herzerwärmende Geschichte. Einfach zum Wohlfühlen, Träumen und Abtauchen. Ein Sommer in einem Dorf in Schweden, wunderbar gezeichnete Charaktere, Szenen zum Schmunzeln, aber auch emotionale Momente.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, sehr lebendig und anschaulich führt die Autorin uns durch die Geschichte und macht das sommerliche Bullerbü....Verzeihung, Smaland vor dem geistigen Auge sichtbar. 

Natürlich weiß man, wohin die Reise geht und vielleicht ist die eine oder andere Fügung des Schicksals ein wenig zu viel des Guten. Aber "Sommerglück in Schweden" ist schließlich kein Tatsachenbericht, sondern ein Roman, der unterhalten soll und das hat die Autorin bei mir zu hundert Prozent erreicht. 


Meine Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Rezension: "Die Frauen am Fluss" von Katherine Webb

England 1922: Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr – und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder und zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf voller Schuld zurückließ.

Slaughterford ist ein kleines Dorf in der Grafschaft Wiltshire. Jeder kennt jeden und Irene hat es nicht leicht, sich in ihrer Ehe und in der Gemeinschaft zurechtzufinden. Dabei müsste sie Alistair Hadleigh eigentlich dankbar sein, dass er sie trotz des Skandals, in den sie in London verwickelt war, geheiratet hat. Alistair ist im ganzen Dorf beliebt. Er ist der größte Arbeitgeber in Slaughterford, niemand lässt ein böses Wort über ihn fallen und alle lieben ihn. Nur Irene nicht, so scheint es. Damit fällt sie direkt in Ungnade bei Alistairs Tante Nancy, die ihn nach dem Tod seiner Eltern wie ihren eigenen Sohn großgezogen hat. Als Irene schließlich zögerlich Vertrauen zu ihrem Mann aufbaut und sicher ist, sie könnte sich eines Tages auch in ihn verlieben, wird er brutal ermordet. Nun ist sie die neue Gutsherrin . Aber will sie diese Rolle überhaupt? 

Die zweite Hauptfigur in der Geschichte ist die fünfzehnjährige Pudding, die als Stallmädchen auf dem Gut arbeitet. Sie hat es nicht leicht in ihren jungen Jahren. Ihr Vater ist der Dorfarzt und tagsüber fast nie zuhause. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt, was damals natürlich noch nicht erforscht war. Und Puddings älterer Bruder Donald kam mit einer schweren Kopfverletzung aus dem Weltkrieg zurück und ist seitdem nicht mehr der Alte. Als man ihn blutverschmiert nach dem Mord an Alistair in der Mühle findet, sind alle überzeugt, dass er den Gutsherrn getötet hat.
Alle bis auf seine Schwester. Pudding ist sicher, niemals wäre ihr Bruder zu einer solchen Tat fähig. Welches Motiv hätte er? Alistair war immer freundlich zu ihm. Er war selbst im Krieg und wusste, welche schrecklichen Dinge Donald gesehen hat. 
Weil sie alleine nicht weiterkommt, bittet sie Irene um Hilfe, denn schließlich wird sie doch auch wissen wollen, wer ihren Mann tatsächlich ermordet hat und warum. Pudding ist überzeugt, dass die Familie Tanner damit zu tun hat, deren Mitglieder alle schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind.

Und dann ist da noch Clemmie, siebzehn Jahre alt und stumm von Geburt an. Da sie auch nicht schreiben kann, hat sie kaum Möglichkeiten sich mitzuteilen, wenn man ihr nicht direkt die richtigen Fragen stellt. Das bringt sie oft zur Verzweiflung, da sie ihrer Umwelt unbedingt etwas mitteilen will, aber nicht weiß, wie. Dieser Erzählstrang ist sehr interessant und geschickt in die Handlung eingewoben. Ich hatte zwar mit der Zeit einen Verdacht, aber damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Erst recht spät klärt sich alles auf und die Fäden werden für mich zufriedenstellend zusammengeführt. 

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, auch die Sprache passt sehr gut in die damalige Zeit. Bildhaft erzählt die Autorin vom Dorf Slaughterford, dem Fluss, der Mühle, den dort lebenden Familien und ich konnte alles beim Lesen direkt vor mir sehen. 

Ein fesselnder historischer Spannungsroman, den ich gerne gelesen habe und auch ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann.


Meine Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Donnerstag, 18. Dezember 2025

Rezension: "Weihnachten am Siljansee" von Linnea Holmström

Die Schwestern Inger und Malena leiten ein kleines Kinderheim am Siljansee in Dalarna. Schon die beiden sind zusammen mit Pflegekindern aufgewachsen und haben dann das Werk ihres Vaters fortgeführt. Unterstützt wurden sie dabei von ihrer alten Nachbarin Augusta. Nach ihrem Tod kommt ihr Neffe Per ins Dorf, da er Augustas Wohnhaus und das Kinderheim geerbt hat. Inger sieht schwarz für die Zukunft, denn es sind noch ein paar Monatsmieten offen. Augusta nahm es damit nicht so genau. Für sie war ein gutes Zuhause für die Kinder wichtiger. Per allerdings will das Wohnhaus verkaufen und so schnell wie möglich zurück nach Stockholm. Inger soll bis Jahresende die ausstehenden Mieten für das Kinderheim zahlen oder sie sitzen auf der Straße. Aber vor allen Dingen die kleine Lotta, die gerade erst zu ihnen gekommen ist, will ihr neues Zuhause nicht verlieren und versucht, den hartherzigen Per zu erweichen. 

"Weihnachten am Siljansee" ist mein erstes Buch der Autorin, aber sicher nicht mein letztes. Die Geschichte hat mir gut gefallen.
Bei Weihnachtsromanen bin ich immer vorsichtig, denn ich mag es nicht, wenn es zu sehr in Richtung Liebesroman geht. Hier spielen Liebe und Romantik zwar auch eine Rolle, aber eigentlich erst zum Schluss der Geschichte und das war für mich dann okay. Fast ging alles dann ein bisschen zu schnell. 
Die Autorin hat einen sehr schönen Schreibstil und besonders die Beschreibung des verschneiten, winterlichen SiIjansees ist sehr anschaulich und bildhaft. Ich konnte fast die Kälte und die Schneeflocken spüren und den Schnee unter den Schuhen knirschen hören. 

Inger ist mit Herzblut bei der Sache und kämpft für die Kinder, als wären es ihre eigenen. Letztendlich ist es natürlich auch ihr Zuhause, dessen Existenz auf dem Spiel steht. 
Bei Per dachte ich gleich zu Beginn: Wer sich so um einen fremden Hund kümmert, der kann eigentlich kein schlechter Mensch sein. 

Insgesamt ein Wohlfühlbuch und perfekt für die Winter- und Weihnachtszeit, nicht nur für Schwedenfans. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 3. Dezember 2025

Rezension: "Schwedenträume und Schokoladenzauber" von Hanna Blixt

Auf der Beerdigung einer Arbeitskollegin fragt Hilma sich, wer wohl um sie trauern würde. Mit Anfang Dreißig steht sie kurz vor einem Burn Out und entschließt sich, dass sie dringend etwas ändern muss. Sie kündigt ihren gut bezahlten Job und bewirbt sich auf eine Stellenanzeige in der eine Hilfe für ein Café gesucht wird. Angekommen im verschneiten Leksand in der Provinz Dalarna, eröffnet ihr die Besitzerin Maggie, dass das Lusthaus Gefahr läuft, abgerissen zu werden, um Platz für neuen Wohnraum am See zu machen. Erst jetzt wird Hilma klar, wie überstürzt sie ihr altes Leben hinter sich gelassen hat. Aber Aufgeben ist keine Option und nachdem Maggie sie in die Kunst des Pralinenherstellens eingeführt hat, ist sie fest entschlossen das Café zu retten. Und dann ist da ja noch der attraktive Fremde, dem sie plötzlich gegenübersteht...

Eine warmherzige Geschichte für kalte Wintertage. Die Beschreibung der verschneiten Landschaft ist so atmosphärisch und anschaulich, ich konnte mir alles wunderbar vorstellen. 
Neben der Erzählung von Hilma gibt es zwischendurch Kapitel aus der Vergangenheit, beginnend in den Sechziger Jahren. Hier geht es um einen Jungen, der Eriksson genannt wird, aber man erfährt nicht den Vornamen. Zum Schluss gibt es die Erklärung dafür, wie alles zusammenhängt.

Neben der wunderbaren Beschreibung der winterlichen Landschaft, stehen die vielschichtigen Charaktere im Vordergrund. Sie machen einen Großteil der schönen Geschichte aus, allen voran Hilma. Sie zieht beruflich gerade noch rechtzeitig die Reißleine und wagt den mutigen Schritt eines Neuanfangs. Sie hat ein großes Herz und viel Empathie für ihre Mitmenschen, was aber leider in der Vergangenheit oft ausgenutzt wurde. Auch Maggie mochte ich sehr. Nach dem Tod ihres Mannes vor ein paar Jahren führt sie das Café allein, aber langsam wird ihr alles zu viel und da kommt Hilma mit ihren frischen Ideen gerade recht. Dann ist da noch Anton, fast noch ein Kind, oft mürrisch und abweisend, aber doch sehr sensibel. Nur warum hat er eine solche Abneigung gegen Weihnachten? Nicht zu vergessen der schüchterne Ake, ein wenig verschroben, aber herzensgut. 

"Schwedenträume und Schokoladenzauber" ist kein Liebesroman, auch wenn natürlich die Liebe eine Rolle spielt. Aber es geht auch um Freundschaft und was eine Gemeinschaft bedeuten und bewirken kann, wenn sie zusammenhält und für ihre Träume kämpft. Darum, was das Leben lebenswert macht und ihm einen Sinn gibt.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹






Freitag, 12. September 2025

Rezension: "Herbstliebe auf Langeoog" von Lotta Petersen

Von einem Tag auf den anderen verliert Mia mit Anfang 30 wegen falscher Anschuldigungen ihren Traumjob in einem Londoner Luxushotel. Bis sie weiß, wie es weitergeht, flüchtet sie zu ihrer Großtante Bentje nach Langeoog, die dort das entzückende Café Kluntjes & Meer führt. Auf der Insel trifft sie den Tischler Nils wieder, der ihr bekannt vorkommt. Tatsächlich kennen die beiden sich aus Kindertagen, als Mia einen Sommer auf der Insel und jeden Tag mit Nils verbrachte. Danach sahen sie sich nie wieder, aber nun lässt der junge Witwer mit seiner niedlichen Tochter Lina die Schmetterlinge in Mias Bauch wild herumflattern und beide kommen sich schnell näher. Aber haben sie überhaupt eine Chance? Denn Mia will doch zurück in die große weite Welt, oder nicht?

Ein absoluter Wohlfühlroman, in den man eintauchen kann. Warmherzig, humorvoll und mit viel Herz wird die Geschichte von Mia und Nils erzählt. Und wir lernen auch noch viele weitere interessante Charaktere kennen, wie z.B. Bentje, die ihr Café liebt und mit Leidenschaft führt, im Stillen aber auch gerne und sehr gut näht. Dann sind da Fenja und Paul mit ihrem Buchladen "Watt & Worte", Freunde von Nils und ein zauberhaftes Paar, das sich gesucht und gefunden hat. 
Und einfach nur herrlich ist Lina, fast 6 Jahre alt und trotz des Schicksalsschlags, den sie erlebt hat, ein so fröhliches und aufgewecktes Kind. 

Die herbstliche Atmosphäre auf Langeoog ist wunderschön beschrieben und auch die Insel an sich konnte ich sehr gut vor mir sehen. 
Der Schreibstil hat mir gut gefallen, einzig die vielen Absätze im Taschenbuch waren anfangs gewöhnungsbedürftig für mich. Aber mit der Zeit habe ich darüber hinweggesehen. 

Für Zwischendurch ist "Herbstliebe auf Langeoog" auf jeden Fall eine schöne Geschichte zum Abtauchen und Wohlfühlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹



Mittwoch, 3. September 2025

Rezension: "Die Frauen vom Rosenhag - Sehnsucht nach Freiheit" von Corina Bomann

Karlskrona 1910. Dank ihrer Freundschaft und ihres Mutes haben Marlene und Liv gemeinsam eine Zuflucht geschaffen: Der malerische Rosenhag ist ein Ort, an dem Frauen einander helfen, sich gegenseitig unterstützen und Geheimnisse austauschen – ganz gleich, welche Herkunft sie auch haben mögen. Doch als ein Mann aus Marlenes Vergangenheit plötzlich in ihrem wohl geordneten Leben auftaucht, scheint alles, woran sie einst glaubte, nicht mehr gültig. Und auch das zarte Band zu Oskar könnte nun zerreißen. Liv hingegen ist bereit, sich neu zu verlieben. Wäre da nicht ihr grausamer Ehemann Sten Boregard, der mit allen Mitteln versucht, ihr Leben aus den Angeln zu reißen. Mit Zuversicht wollen die Frauen in eine selbstbestimmte Zukunft schreiten – aber ihnen werden immer wieder Steine in den Weg gelegt. Können sie ihren Gegnern endlich gemeinsam die Stirn bieten? Oder müssen sie ihre Träume ein für alle Mal aufgeben?

Es ist nicht so einfach, meine Meinung zum Buch wiederzugeben, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten. Der zweite Teil der Saga beginnt genau dort, wo der erste endet. Ein Fremder taucht am Rosenhag auf, verschwindet aber plötzlich wieder. Ein kurzer Blick auf ihn reicht allerdings aus, um Marlene einen Schock zu versetzen. 
Auch auf Liv kommen keine einfachen Zeiten zu. Zunächst genießt sie ihre Freiheit, als ihr Mann im Gefängnis sitzt, aber sie ist ständig in Sorge, dass er bald wieder freikommen könnte. Was soll sie dann tun? Wird er in eine Scheidung einwilligen?
Auch aus Oskars Vergangenheit taucht jemand auf, mit dem er nicht gerechnet hat und dadurch gerät seine gerade begonnene Beziehung zu Marlene in Gefahr. 

Von Anfang an ist man als Leser wieder mittendrin in der Geschichte um Marlene, Liv und Oskar. Wie schon im ersten Teil, wechseln sich die Kapitel in der Erzählperspektive zwischen den drei Hauptfiguren ab und es kommt noch eine vierte dazu. Dadurch ist man wieder die ganze Zeit nah an den Ereignissen. 
Ständig passiert etwas, immer wieder gibt es Wendungen und Überraschungen. Wenn man denkt, jetzt kehrt mal ein bisschen Ruhe ein, kommt wieder etwas Unerwartetes um die Ecke. So verfliegen die 600 Seiten sehr schnell. 
Der Schreibstil hat mir auch dieses mal wieder gut gefallen. Die Sprache ist der Zeit angemessen, denke ich, nicht zu altmodisch, aber auch nicht zu modern. Corina Bomann gelingt es, einen guten Eindruck der damaligen Zeit zu vermitteln, es wirkt sehr authentisch. 

Mit „Sehnsucht nach Freiheit“ ist die Dilogie um zwei starke Frauen leider auch beendet. Ich habe sie gerne gelesen und Liv und Marlene bei ihrem Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung begleitet. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹

Danke auch an das Bloggerportal und den Verlag für das Rezensionsexemplar. 






Montag, 25. August 2025

Rezension: "Das Glück liegt am Strand" von Christin-Marie Below

Liv liebt ihren Job als Intensivkrankenschwester, auch wenn sie kaum noch Zeit für sich findet. Doch als eine alte Schulfreundin auf ihrer Station nur knapp überlebt, beschließt Liv, sich endlich wieder mehr um sich selbst zu kümmern. Sie fährt nach Norderney, wo sie früher oft mit ihren Großeltern war und ihre Schwester Johanna mittlerweile ein Café betreibt. Zwischen den unterschiedlichen Schwestern kracht es allerdings schon beim ersten Treffen. Doch als Liv erfährt, dass es schlecht um Johannas Café steht, beschließt sie, ihr zu helfen. Und dann klopft plötzlich die Liebe an die Tür. Liv muss sich entscheiden. Welches Leben passt wirklich zu ihr?

Wenn das Meer die Seele freipustet. 

Dieser Satz auf der Rückseite über dem Klappentext trifft perfekt den Kern des Buches. Liv steht kurz vor einem Burnout. Als eine Schulfreundin von früher mit Krebs auf ihrer Station landet und bei einem Notfall nur knapp gerettet wird, zieht sie endlich die Reißleine. Zusammen mit einem alten Holzkästchen, dass sie von ihrer Mutter bekommen hat, fährt sie nach Norderney zu ihrer Schwester. In diesem Kästchen befinden sich Nachrichten von ihrer Oma, die sie jeden Morgen an ihren Mann, also Livs Opa, schrieb. Eine sehr schöne Idee, wie ich finde. Auch Liv helfen einige Sätze ihrer Oma, wieder zur Ruhe zu kommen, um herauszufinden, was wirklich wichtig ist. Hat sie einen Plan für ihr weiteres Leben? Welche Träume möchte sie unbedingt noch wahr machen? 
Auch die Insel, das Meer und die raue Seeluft tun ihr unheimlich gut. Und auch wenn das Wiedersehen anfangs nicht so einfach ist, fühlt sie sich doch wohl in der Nähe ihrer chaotischen Schwester Johanna. Gemeinsam erinnern sie sich an die Ferien ihrer Kindheit, die sie hier mit ihren Großeltern auf Norderney verbracht haben, denn ihre Eltern hatten eigentlich nie Zeit für sie. 
Und gemeinsam versuchen sie schließlich auch, Johannas Café zu retten.

"Das Glück liegt am Strand" ist kein Liebesroman, auch wenn die Liebe natürlich eine Rolle spielt. Aber genauso wichtig sind Familie und Freundschaft. Es geht darum, zu sich selbst zu finden und vielleicht mal zu hinterfragen, ob man wirklich glücklich ist mit seinem Leben oder ob man etwas ändern sollte. Welche Ziele, Träume und Pläne hatte man als Kind oder Teenager und welche habe ich bisher tatsächlich erfüllt oder erreicht?
Es gibt übrigens ein Wiedersehen mit Yve, die auch eine Rolle in "Unser Reetdachhaus am Strand" spielt. Leser von Christin-Marie Below werden sich erinnern. ;-) 

Und am Ende findet man leckere Rezepte für Kuchen und Kekse. :-) 

Eine Geschichte zum Wohlfühlen und Eintauchen, perfekt für den Sommer. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹




Dienstag, 12. August 2025

Rezension: "Unsere Tage am Fluss" von Karin Lindberg

Deutschland, heute: Eine rätselhafte Botschaft im Nachlass ihrer Großmutter führt Elisa nach England auf das majestätische Rosewood Manor. Unter einem Vorwand beginnt sie dort zu arbeiten, um nach einem verschollenen Tagebuch zu suchen –, und trifft auf den reservierten Hausherrn Calam. Beide gehen sich anfangs aus dem Weg, bis Elisa erkennt, dass sie mehr mit Calam verbindet als gedacht. Bei ihren gemeinsamen Recherchen kommen sie sich näher und ihr Geheimnis lastet immer schwerer auf ihr. Als sie endlich das Tagebuch findet, droht alles zu zerbrechen …

England, 1908: Harriett Lyndham führt ein Leben im goldenen Käfig. Ihre Ehe gleicht einer Fassade, hinter der sich nur noch Leere verbirgt. Doch dann kommt der charismatische Arzt Arthur Schelling nach Rosewood Manor – und zum ersten Mal seit Jahren fühlt Harriett wieder. Zwischen heimlichen Blicken und verbotenen Berührungen entflammt eine Leidenschaft, die beide in den Abgrund zu reißen droht. Denn Harrietts Ehemann ist nicht bereit, sie gehen zu lassen …

Zunächst vielen Dank an Lovelybooks und den Verlag für den Buchgewinn. 

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. 
In der Gegenwart arbeitet Elisa als Investigativjournalistin in Hamburg, aber ihre letzte Enthüllung hat sie ihren Job und auch ihren guten Ruf gekostet. Da kommt ihr der Fund ihrer Schwester im Haus ihrer verstorbenen Großmutter sehr recht. Ein Foto aus dem Jahr 1908 zeigt eine fremde Frau und einen Hinweis auf ein Tagebuch in einem herrschaftlichen Haus in England. Elisa bewirbt sich als Reinigungskraft auf Rosewood Manpr und flüchtet nach England. Sie hofft, so hat sie Gelegenheit irgendwo das Tagebuch zu finden. Der Hausherr, Calam Lyndham erwischt sie gleich zu Beginn in einer unschönen Situation, gibt ihr aber eine Chance. Gemeinsam suchen sie nach Spuren von Harriett Lyndham und begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit. 

Im Jahr 1908 steht Harriett im Mittelpunkt der Geschichte. Nach dem Tod ihres Vaters hat die Stiefmutter sie mit dem um einiges älteren Lord Edward Lyndham verheiratet, um ihr eigenes Ansehen in der Gesellschaft zu festigen. Dabei hätte Harriett viel lieber Medizin studiert. Aber ihr Mann will nur eins von ihr: einen Erben. Leider ist die Ehe seit vier Jahren kinderlos und Harriett sitzt in einem Goldenen Käfig, der Willkür ihres kalten, brutalen und herzlosen Mannes hilflos ausgeliefert. Hier wird die Situation der Frauen zu damaligen Zeit sehr deutlich, denn wenn sie verheiratet waren, hatten sie praktisch keine Rechte mehr. 
Trotzdem ist sie eine starke Frau und als sie den Arzt Arthur Schelling kennenlernt, erfährt sie zum ersten Mal wahre Zuneigung und Fürsorge. Aber das Spiel ist gefährlich und für eine gemeinsame Zukunft muss sie alles riskieren, auch ihr Leben. 

"Unsere Tage am Fluss" war mein erstes Buch von Karin Lindberg. Tatsächlich hat mir der historische Teil besser gefallen, als der in der Gegenwart. Vielleicht, weil mir die Geschichte mit Calam und Elisa doch ein bisschen zu viel in Richtung Liebesroman geht, das ist ja nicht so ganz mein Beuteschema. :-) 

Insgesamt war der Roman gut zu lesen. Ein lebendiger und flüssiger Schreibstil, vielschichtige Charaktere und anschauliche Beschreibungen der jeweiligen Zeit, auch die Sprache passt. Der Perspektivwechsel in den Kapiteln hält die Spannung aufrecht. Und auch wenn nicht in der Ersten Person erzählt wird, ist man immer mittendrin im Geschehen, sowohl bei Elisa als auch bei Harriett. Bei den Recherchen von Elisa zum Tagebuch gibt es immer wieder Überraschungen und Rückschläge. Die Auflösung war für mich dann zwar nicht sehr überraschend, aber der Weg dorthin ist auf jeden Fall sehr interessant erzählt.

Fazit: Wer Romane auf zwei Zeitebenen mag, in denen es um Familiengeheimnisse geht und kein Problem mit ein bisschen Romantik hat, dem wird "Unsere Tage am Fluss" sicher gefallen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 30. Juli 2025

Rezension: "Annas kleiner Teeladen" von Fay Keenan

Nach dem Unfalltod ihres Mannes ihres Mannes vor zwei Jahren möchte Anna Hemingway endlich einen Neuanfang wagen. Sie zieht mit ihrer kleinen Tochter Ellie in ein malerisches Cottage in ihrem Heimatort Little Somerby und übernimmt das Café ihrer Patentante. So hat sie ihre Eltern und auch ihre beste Freundin seit Kindheitstagen, Charlotte, ganz in der Nähe. Und dann trifft sie auch noch auf Matthew Carter, den Besitzer der örtlichen Cider-Farm. Langsam nähern sich die beiden an. Doch auch Matthew musste im Leben einige Enttäuschungen verkraften, nachdem ihn seine Frau vor einigen Jahren und mit einer halbwüchsigen Tochter zurückgelassen hat. Sein einziger Lichtblick ist Anna und bald gehören urige Dorffeste und Cider-Verkostungen unter den Sternen und Annas und Matthews neuem Leben. Doch dann geschieht eine Tragödie und das neu gewonnene Glück gerät in Gefahr…

Anna ist Mitte Dreißig als sie plötzlich Witwe wird. Nach zwei Jahren ergreift sie die Chance und übernimmt zunächst für ein Jahr das Café ihrer Patentante Ursula. Sie kauft das Pippin Cottage zwei Häuser neben ihrer besten Freunden Charlotte. Anna ist mir gleich sympathisch und ich finde es mutig, dass sie einen Neuanfang wagt, schon alleine für ihre Tochter.  Zunächst für ein Jahr - solange begleiten wir sie auch in ihrer neuen Heimat - und dann will sie schauen, wie es weitergehen wird.

Ich konnte direkt in die Geschichte eintauchen und der flüssige Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Autorin schafft es, die Szenen so bildhaft zu gestalten, dass man das Gefühl hat, direkt am Geschehen teilzuhaben – sei es bei einem Spaziergang durch Little Somerby, im Café oder bei der traditionellen Baumsegnung im Apfelgarten.

Im Kern ist dies schon ein klassischer Liebesroman, aber ich fand ihn trotzdem nicht zu kitschig. Die Charaktere haben Tiefgang, ihre Motivationen und inneren Konflikte werden nachvollziehbar und einfühlsam dargestellt. Man lernt sie mit all ihren Stärken und Schwächen kennen und schließt sie schnell ins Herz. Das gilt wie gesagt vor allem für Anna, aber auch für Matthew, Meredith oder Charlotte. Gerade die kleinen Marotten in ihren Persönlichkeiten sorgen immer wieder für Momente zum Schmunzeln, die dem Roman an den richtigen Stellen etwas mehr Leichtigkeit verleihen. So sieht man gerne auch mal über ein paar "funkelnde Augen" zu viel hinweg. ;-) 

Für mich persönlich war es teilweise ein bisschen zu viel Romantik, ich hätte mir gewünscht, dass das Café mehr im Mittelpunkt steht. Für Liebhaber gefühlvoller Geschichten ist "Annas kleiner Teeladen"  aber sicher genau das Richtige. Wer also auf der Suche nach einer herzerwärmenden Lektüre mit der passenden Dosis Humor ist, die das Herz höherschlagen lässt und Mut macht, wird dieses Buch lieben. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Montag, 14. Juli 2025

Rezension: "Das kleine Bücherdorf - Sommerzauber" von Katharina Herzog

Im vierten und leider auch letzten Teil der "Kleinen Bücherdorf"-Reihe von Katharina Herzog geht es dieses Mal um Ann Webster. Die Inhaberin des Second Hand Geschäfts "Vintage & Couture" verkauft wunderschöne Kleidungsstücke und jedem liegt in einem Briefumschlag die Geschichte seiner früheren Besitzerinnen bei. Nur einem nicht: dem traumhaften Brautkleid von Valentino im Schaufenster - das nicht zum Verkauf steht. Warum,  darüber schweigt Ann. Und das ist nicht ihr einziges Geheimnis. Ann schreibt heimlich und sehr erfolgreich historische Liebesromane unter einem Pseudonym. Als ein großer Verlag auf sie aufmerksam wird, ist sie überglücklich. Doch die Lektorin möchte ausgerechnet, dass sie die Geschichte des unverkäuflichen Brautkleids erzählt. Und somit auch die Geschichte von ihr und Ray, der ihr vor vielen Jahren das Herz gebrochen hat - und der nun nach Swinton gekommen ist, weil er im alten Herrenhaus Swinton Manor ein Hotel eröffnen will. Ann wird klar, dass sie sich der Vergangenheit stellen muss, wenn ihr Traum vom Glück war werden soll...

Dies ist mein vierter Besuch in Schottlands Bücherstadt Swinton-on-Sea und auch in "Sommerzauber" habe ich mich wieder sehr gut unterhalten gefühlt. 
Ann steht eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben. Sie hat ihre gutgehende Boutique, Tochter Isla ist erwachsen und steht selbst kurz vor ihrer Hochzeit und mit ihrem Ex-Mann Colin verbindet sie ein freundschaftliches Verhältnis. Aber als der Mann, der sie damals vor dem Traualtar stehen ließ, plötzlich in Swinton auftaucht, um das alte Herrenhaus zum Hotel umzubauen, bringt das ihre Welt gehörig ins Wanken. Und dann ist er auch noch Islas Chef! 
Und dann die Sache mit ihrem zweiten Standbein als Autorin historischer Liebesromane, die sie auch noch als E-Book veröffentlicht, was in einer Bücherstadt wie Swinton-on-Sea absolut verpönt ist. Bisher weiß niemand davon außer ihre Freundin Shona. Was soll sie tun? Von einem Verlagsvertrag hat sie natürlich immer geträumt, aber ist sie bereit, das Geheimnis des Brautkleids zu offenbaren und damit auch ihr eigenes?

Anns Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. Sie berührt emotional, ohne kitschig zu sein, ist lebendig geschrieben und mit einem feinen, manchmal typisch britischem Humor. Der gelungene Schreibstil schafft Atmosphäre, und lässt Bilder im Kopf entstehen.  Man hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, die Orte zu sehen und die Charaktere persönlich zu kennen. Es gibt auch ein Wiedersehen mit vielen Figuren der vorherigen Teile wie Graham und Vicky, Shona und Nate und Eliyah und Betty. Auch Nanette, Nancy und Dorothy und der selbst ernannte "Dorfsheriff" Paul sind wieder dabei. 

Fazit: Ein gelungener Abschluss der "Kleinen Bücherdorf"-Reihe. Schade, dass dies mein letzter Buch in Swinton-on-Sea" war.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹


Die anderen Teile sind:

Mit einem Klick auf die Titel kommt ihr zu meinen Rezensionen.
Und nicht wundern, dass die chronologische Reihenfolge nicht zur Reihenfolge der Jahreszeiten passt, das hat dramaturgische Gründe. 



Montag, 7. Juli 2025

Rezension: "Strandkorbbriefe" von Marie Merburg

Das Krummhörner Wochenblatt will die Tradition des Briefeschreibens wieder aufleben lassen und hat seine männlichen Leser dazu aufgerufen, der Liebe ihres Lebens öffentlich zu schreiben. Gewonnen hat ein anonymer Liebesbrief, der so wundervoll romantisch ist, dass die ganze Gegend darüber spricht. Und alle sind sich einig: Merle ist diejenige, die dem mysteriösen Dichter das Herz gestohlen hat. Die hält das jedoch für Humbug. Wenn jemand ihr so zugetan wäre, wüsste sie schließlich davon! Oder etwa nicht?! Um auf Nummer sicher zu gehen, versucht sie, die Identität des Schreibers herauszufinden. Leider weigert sich Bastian, der attraktive Redakteur des Wochenblatts, Informationen herauszurücken. Er wittert nämlich eine herzergreifende Story und heftet sich bei Merles Suche ungefragt an ihre Fersen.


Mit „Strandkorbbriefe“ führt uns die Autorin zurück nach Greetsiel. Merle kannte ich schon aus „Nordseesterne“, da steht allerdings ihre Cousine Luisa im Mittelpunkt der Geschichte.

Hier geht es nun um Merle. Die taffe Polizistin ist nach einem Vorfall im Dienst arbeitsunfähig und verbringt ihre Zeit beim Physiotherapeuten, Psychologen und mit dem Hund ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Clara. Die als Lehrerin absolut davon begeistert ist, dass noch jemand Liebesbriefe schreibt und das ganz ohne Rechtschreibfehler. Auch sie ist überzeugt, dass der Brief nur an Merle gerichtet sein kann, wofür nicht nur die Anrede „Liebe M.“ spricht. 
Merle selbst ist skeptisch, sie kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass jemand aus ihrer Vergangenheit so etwas für sie tun würde. Aber schließlich wird sie doch neugierig und wegen einer dummen Idee hat sie bei der Suche nach ihrem Verehrer dann den Zeitungsredakteur Bastian „an den Hacken“. Zusammen machen sie sich auf eine Reise in Merles Vergangenheit zu ihren Ex-Freunden, denn der Brief deutet darauf hin, dass es nur jemand sein kann, den sie zumindest schon mal geküsst hat. Dass dies zu einigen komischen Situationen, Verwirrungen und Missverständnissen führt, kann man sich denken. 

Auch der verbale Schlagabtausch zwischen Merle und Bastian hat mich oft schmunzeln lassen, denn jeder muss immer das letzte Wort haben und beide haben einen ausgeprägten Sturkopf. 
Letztendlich ist natürlich klar, wie die Geschichte endet, aber bis dahin gibt es noch einige überraschende, interessante und auch emotionale Momente. Aber es wird dabei nie kitschig.

Der Schreibstil ist sehr lebendig und bildhaft. Ich war schon ein paar Mal in Greetsiel und kenne auch viele der anderen genannten Orte, daher konnte ich alles besonders gut vor mir Sehen. 

Alles in allem habe ich mich sehr gut unterhalten und Merles Geschichte gerne gelesen. Ein kleiner Kurzurlaub in Ostfriesland. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹







Mittwoch, 4. Juni 2025

Rezension: "Das Geheimnis der verborgenen Bibliothek" von Felicity Whitman

Bei ihrer Doktorarbeit über die Entstehung von Heldenmythen macht Zoe Farwell eine Entdeckung: Ihr Vorfahre Gerald Farwell, der wie ein Heiliger verehrt wird, ist anscheinend ermordet worden. Doch warum findet sich dazu nichts in den Akten? Ihre Neugierde ist geweckt.
Liverpool, 1839. Ein Mörder geht um in der Stadt, der es speziell auf Prostituierte abgesehen hat. Doch für ermordete Dirnen fühlt sich die örtliche Polizei nicht zuständig. Einzig Madeline Brown, mit einer der getöteten Huren eng befreundet, verlangt Aufklärung. Doch die Polizei bleibt untätig. Erst als Gerald Farwell, Bruder des Earls of Wooverlough und Pfarrer der Gemeinde, gewaltsam ums Leben kommt, schaltet sich die Metropolitan Police ein. Und auch Madeline begibt sich auf Spurensuche …

„Das Geheimnis der verborgenen Bibliothek“ ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. 
In der Gegenwart ist Zoe Farwell die Hauptfigur, eine Doktorandin in Oxford, deren Dissertation ausgerechnet einen ihrer Vorfahren zum Thema haben soll. Gerald Farwell hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahe Liverpool als Pfarrer gelebt und gearbeitet. Sein Bruder war der Earl of Wooverlough.
Zoes Mentorin, die Historikerin Charlotte, ist fasziniert von Geralds Geschichte und möchte unbedingt das Geheimnis seines Todes lüften. Schließlich wird Zoes Neugierde selbst geweckt, denn warum wurde Gerald ermordet, wenn er doch so ein frommer und guter Mensch war? Um mehr herauszufinden, muss Zoe allerdings zurück in ihr Elternhaus Wooverlough Court. Kein leichter Schritt, denn sie hat seit Jahren keinen Kontakt und weiß nicht, welcher Empfang sie erwartet. Grund ist, dass ihr Vater sie damals quasi aus dem Haus warf, weil er mit ihrem Outing nicht klar kam. Sie sollte erst zurück kommen, wenn sie diese fixe Idee, Frauen zu lieben, überwunden hätte. 

Im Jahr 1839 lernen wir die resolute Madeline Brown kennen. Die junge Frau lebt zwar ein gutes Leben, denn sie hat einen reichen Liebhaber, der ihr ein teures Haus, schöne Kleider und Dienstboten bezahlt, aber sie ist nicht wirklich frei. Ihr verheirateter Geliebter besucht sie, wann es ihm passt und dann hat sie ihm zur Verfügung zu stehen. Genauso gut kann das alles von einem Tag auf den anderen wieder vorbei sein, wenn er plötzlich keine Lust mehr auf sie hat. Dann müsste sie ihr Geld auf der Straße verdienen, wie viele Frauen in Liverpool und davor hat sie Angst. Gerade zur Zeit ist es gefährlich, denn es werden immer wieder Prostituierte auf brutale Weise ermordet, doch die Polizei unternimmt nichts. Bis schließlich die Metropolitan Police aus London die Ermittlungen übernimmt. 

Der Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen, es wird abwechselnd aus Zoes und aus Madelines Perspektive erzählt. Die Sprache ist auch im historischen Teil angemessen. 
Ich muss aber sagen, mir hat Madelines Geschichte besser gefallen als Zoes und ich fand sie auch glaubwürdiger und authentischer. 
In der Gegenwart nimmt Zoes „Liebesgeschichte“ für mich zu viel Raum ein und auch Charlottes Verhalten überzeugt mich nicht. Vermutlich will die Autorin hier mit der Zeit gehen, aber dramaturgisch hätte es nicht sein müssen. Für das Zerwürfnis mit den Eltern hätte man auch einen anderen Grund erfinden können. Irgendwann war ich auch ein wenig genervt von den „funkelnden Augen“, „glänzenden Haaren“ und „geheimnisvollem Lächeln“. 

Das Ende bzw. die Auflösung um Geralds Tod und seinen Ruhm hat mich dann aber überrascht und wieder ein wenig gnädig gestimmt. Insgesamt habe ich mich dann doch noch gut unterhalten gefühlt. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Dienstag, 20. Mai 2025

Rezension: "Die Frauen vom Rosenhag - Traum vom Neubeginn" von Corina Bomann

Karlskrona 1910. Liv fühlt sich nicht nur von dem Korsett eingeengt, das sie täglich anlegt, sondern auch von der lieblosen Ehe mit dem Reeder Sten Boregard. Der Drang, von ihrem Platz an seiner Seite auszubrechen, verstärkt sich, als sie die Arbeiterfrau Marlene kennenlernt, die das Schicksal hart getroffen hat: Seit dem Tod ihres Mannes und seiner Mannschaft auf See wird Marlene von den anderen Seemannsfrauen angefeindet – und doch lässt sie sich nicht kleinkriegen. Liv ist fasziniert von Marlenes Freiheitsgeist und Tatendrang. Zarte Bande einer Freundschaft entstehen, und als Liv überraschend ein von Rosen umranktes Wildhüterhaus in den schwedischen Wäldern erbt, keimt in ihnen eine kühne Idee auf: Sie wollen einen Rückzugsort für Frauen schaffen, an dem sie sich selbst verwirklichen können. Heimlich hauchen Liv und Marlene dem Rosenhag und seinem Garten voller Wildblumen neues Leben ein – doch sie ahnen nicht, dass nicht nur ihr Geheimnis in Gefahr ist, sondern auch sie selbst…

Mit „Die Frauen vom Rosenhag“ entführt uns Corina Bomann wieder nach Schweden, diesmal ins beginnende 20. Jahrhundert.

Es geht um zwei Frauen, die zwar in unterschiedlichen Welten leben, aber eigentlich gar nicht so verschieden sind. Liv stammt selbst aus einfachen Verhältnissen und ist nur durch ihre Heirat mit dem Reeder Sten Boregard in gesellschaftlich anderen Kreisen unterwegs. Aber ihre Ehe ist seit langem nicht mehr glücklich, den Sten behandelt sie als sein Eigentum. Und er gibt ihr die Schuld, dass er keinen Erben für sein Unternehmen hat. 
Marlene war die Ehefrau eines Kapitäns, der auf einem von Boregards Schiffen gefahren ist. Aber seit einem Schiffsunglück ist sie Witwe und wird zudem noch angefeindet von den anderen Seemannsfrauen, die ebenfalls ihre Männer oder Söhne verloren haben. Denn natürlich geben sie dem Kapitän die Schuld dran, dass das Schiff gesunken ist. 
Durch einen Zufall begegnen sich die beiden Frauen und freunden sich an. 
Marlene ist eine Kämpferin, die nicht aufgibt und das macht auch Liv Mut. Sie beginnt sich zu fragen, was ihr gesellschaftliches Leben und ihre Ehe mit Sten ihr noch bedeuten. Und ob es nichts Sinnvolleres gibt, wie zum Beispiel Frauen zu helfen, die von ihren Männern geschlagen werden und einen Unterschlupf suchen. 

Die Geschichte wird von drei Personen aus der Ich-Perspektive erzählt. Jedem Kapitel wird der jeweilige Name vorangestellt, so dass man immer weiß, aus welcher Sicht gerade erzählt wird. 
Da sind Marlene und Liv als Hauptfiguren, aber dann ist da auch noch Oskar Andersson. Der Journalist aus Stockholm kommt nach Karlskrona, um vorgeblich für eine kleinere Zeitung zu schreiben. Erst im Laufe der Geschichte wird das Rätsel um seine wahren Beweggründe und seinen eigentlichen Auftrag gelöst. Bis dahin bleibt einiges im Dunkeln und zwischenzeitlich hatte ich sogar den Verdacht, dass er ein Spion sein könnte. Ob das so ist, verrate ich aber hier nicht. 
Der Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen, er ist lebendig und anschaulich. Durch den Wechsel in den Kapiteln, die oft mit einem kleinen „Cliffhanger“ enden, wird die Spannung durchweg aufrecht erhalten.

Im Nachwort sagt Corina Bomann, dass sie mit der Geschichte von Liv und Marlene wieder über ein Thema, das ihr in all ihren Romanen am Herzen liegt: Das Leben von Frauen in vergangenen Zeiten. Und das ist ihr wie immer wunderbar gelungen. Auch wenn zu Beginn des 20. Jahrhunderts erste Veränderungen spürbar waren und überall für das Wahlrecht für Frauen gekämpft wurde, hatte besonders eine verheiratete Frau in höheren Kreisen kaum etwas zu melden. Geld und Reichtum ihres Mannes nutzte ihr gar nichts, denn es gehörte ihrem Mann, nicht ihr. Auch wenn sie vor einer Heirat im Alter von 25 Jahren durch einen vom König gewährten Antrag, ihren eigenen Besitz verwalten und Geschäfte ohne einen männlichen Vormund abschließen durfte, änderte sich das mit einer Ehe. Ab dem Zeitpunkt war sie ihrem Ehemann unterstellt und ihr gesamter Besitz gehörte nun ihm. Ihre Mündigkeit erhielt die Frau erst dann zurück, wenn sie zur Witwe wurde. 

Im August erscheint mit „Sehnsucht nach Freiheit“ der zweite Teil der Saga, auf den ich sehr gespannt bin. Wie geht es mit Liv und Marlene und dem Rosenhag weiter? Werden sie in Zukunft ihr Leben selbst bestimmen können? 

Fazit: Mitreißend und emotional, mit authentischen Charakteren, eine echte Leseempfehlung. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



Mittwoch, 23. April 2025

Rezension: "Villa Seestern" von Constanze Wilken

Eva Seemann verlässt zusammen mit ihrem neunzehnjährigen Sohn und ihrer vierzehnjährigen Tochter nach der Scheidung Frankfurt, um auf Amrum einen Neuanfang zu machen. Hier hat sie die schönsten Ferien ihrer Kindheit verbracht. Nun will sie sich einen Traum erfüllen und die alte Villa Seestern zu einer Ferienpension umbauen. Zunächst ist die Enttäuschung groß, denn der Renovierungsbedarf ist doch größer als beim Kauf gedacht, Handwerker sind schwer zu bekommen und der Tag der Eröffnung rückt immer näher. Nach und nach findet Eva neue Freunde auf der Insel, aber nicht alle Insulaner sind ihr wohlgesinnt. Ihr direkter Nachbar versucht alles, ihr Steine in den Weg zu legen. Außerdem scheint die Villa ein Geheimnis zu verbergen. Nur mit Hilfe ihrer beiden Kinder, einer Gruppe neuer Freundinnen und des sympathischen Surflehrers Lennard, den Eva von früher kennt, kann sie den Traum vom eigenen B&B vielleicht doch noch verwirklichen. 

Ich habe das Buch in einer Leserunde bei Lovelybooks lesen dürfen und muss sagen, es hat mir richtig gut gefallen. Ich kenne einige Bücher der Autorin, u. a. die Wales-Reihe, die ich ebenfalls gerne gelesen habe. 

Nun geht es also auf die Nordseeinsel Amrum. Das Buch beginnt mit einem Brief, der anscheinend von einem Kind geschrieben wurde und schon älter zu sein scheint. Das macht den Einstieg schon mal sehr spannend. 
Dann lernen wir in der Gegenwart Eva Seemann kennen, die mir gleich sympathisch war. Es gehört schon einiges an Mut und Optimismus dazu, alle Brücken hinter sich abzubrechen und ein ganz neues Leben zu beginnen. Noch dazu, wenn man das Haus, das man gekauft hat, nur "auf dem Papier" gesehen hat. Aber Eva lässt sich nicht unterkriegen und irgendwie gibt es auch immer eine Lösung. Ein großes Plus sind natürlich ihre neuen Freunde und Bekannte. Durch ihre Stellenanzeige findet sie in Bree eine perfekte Hilfe für den Gästebetrieb, auch wenn die junge Frau eigentlich überqualifiziert scheint als gelernte Hotelfachfrau. Und dann ist da noch Petra, über die sie buchstäglich auf ihrem Grundstück stolpert. Sie scheint sich auf der Insel zu verstecken und macht ein großes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, kann aber wundervoll backen und zaubert die tollsten Kuchen und Torten für Evas Café. 
Überhaupt gewinnt Eva durch ihre offene Art schnell neue Freunde, auf die sich verlassen kann. Einzige Ausnahme ist der nervige Nachbar, der aber anscheinend immer in allen Dingen nur etwas Negatives sieht. Aber ich finde, auch hier schlägt Eva sich gut

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Das Buch ist einfach wunderbar zum Abtauchen und Wohlfühlen. Auch die Beschreibungen der Insel sind sehr anschaulich und lebendig. Außerdem passiert immer etwas, es wird nie langweilig. Dazu tragen auch die Briefe bei, die immer zwischendurch eingeschoben werden. Es scheint, dass ein Mädchen namens Anni vor vielen Jahren in der Villa gelebt hat.

Etwas Romantik ist auch dabei, das stört aber nicht weiter *lach*.  In der Hauptsache geht es darum, wie Eva und ihre Kinder mit ihrem neuen Leben klarkommen und wie wichtig es ist, nicht aufzugeben und wie wichtig die Unterstützung der Familie und guter Freunde sein kann. Und natürlich dürfen wir Monti nicht vergessen, der sehr viel zur positiven Stimmung in der Villa Seestern beiträgt. 

Am Ende bleiben ein paar Fragen offen, aber im Nachwort wird klar, dass dies nicht das Ende der Geschichte der Villa Seestern ist und ich hoffe, es geht bald weiter mit Eva und ihrer tollen Pension auf Amrum.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹








Donnerstag, 30. Januar 2025

Rezension: "Am dunkelsten Tag" von Nora Roberts

22. Juli 2005. Es ist ein ganz normaler Abend in einem Einkaufszentrum in Portland, Maine. Drei Teenager warten darauf, dass der Film anfängt. Ein junger Mann flirtet mit dem Mädchen am Kiosk. Mütter und Kinder kaufen zusammen ein. Doch dann fallen Schüsse. Officer Essie McVee ist zufällig am Tatort und sie handelt sofort: In nur acht Minuten überwältigen sie und ihre Kollegen die Täter. Für viele Besucher ist das jedoch zu spät. Und während die Überlebenden langsam ihr Leben wieder aufbauen, müssen sie erfahren, dass ein weiterer Verschwörer nur darauf wartet, seine Mission zu beenden.

Viele Jahre habe ich nichts von Nora Roberts. Diesen Spannungsroman habe ich letztes Jahr zufällig auf einem Büchermarkt entdeckt und ihn nun endlich von meinem SUB befreit. 
"Am dunkelsten Tag" ist kein Krimi oder Thriller, sondern ein sehr komplexer Roman, der einen Zeitraum von 13 Jahren umspannt. 
Was macht ein Amoklauf mit den Überlebenden? Wie können sie wieder ins Leben zurückfinden, wie auch mit Schuldgefühlen klar kommen, weil sie überlebt haben und viele andere nicht? 
Simone ist 16 Jahre alt, als sich ihr Leben für immer verändert. Dabei wollte sie nur mit zwei Freundinnen ins Kino. Nur die Tatsache, dass sie auf die Toilette muss, rettet sie vor den Schüssen im Kinosaal.
Reed ist nur ein paar Jahre älter und in den Collegeferien zuhause, er jobbt in einem Restaurant und hat gerade Pause, als einer der drei Täter hineinstürmt und alle Gäste erschießt. 
Alle versuchen, diesen grauenvollen Tag im Juli irgendwie zu vergessen, aber er wird immer ein Teil von ihnen sein, sie in Albträumen begleiten, ihr weiteres Leben und ihre Entscheidungen beeinflussen. 

Eindringlich und emotional erzählt Nora Roberts hier die Geschichten mehrerer Menschen nach dem Überleben eines Amoklaufs. Alles ist sehr authentisch und ich konnte mich sehr gut in die Situationen und Personen hineinversetzen. 
Im Laufe der Geschichte wird klar, wer in Wahrheit hinter dem Angriff steckt und Teile werden aus Sicht dieser Person erzählt. Das macht das Ganze noch spannender, denn man fragt sich natürlich, ob sie ihren Rachefeldzug weiter führt und wann sie endlich geschnappt wird. 
Ganz toll fand ich später im Buch das Auftauchen von Barney. :-) Er war mein Liebling und ich dachte nur: Egal, wer noch stirbt, der Hund muss überleben! 
Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet mit vielen Facetten. Neben Simone und Reed mochte ich CiCi am liebsten. 
Auch ist der Schreibstil sehr bildhaft, die Beschreibung der Insel z.B. hat mich alles genau vor mir sehen lassen. 

Ich kann "Am dunkelsten Tag" auf jeden Fall sehr empfehlen. Spannend, eindringlich, emotional, aber auch mit Momenten zum Schmunzeln. Aber besonders die ersten Kapitel sind nichts für schwache Nerven. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹






Montag, 30. September 2024

Rezension: "Der Weg ins Apfelreich" von Anna Fredriksson

Der Herbst ist im südschwedischen Kivik angekommen und die Apfelbäume tragen bereits Früchte. Vanja kann ihre erste Kunstausstellung seit langer Zeit feiern, sie wird ein großer Erfolg. Doch ein Geist aus der Vergangenheit taucht bei der Eröffnung auf und wirft sie ganz schön aus der Bahn …
Ihre Tochter Sally bekommt in ihrem Bed & Breakfast tatkräftige Unterstützung von ihrem neuen Freund Peter, mit dem sie im Liebesglück schwebt. Doch eine Sache lässt sie nicht los: Sie hat einen Onkel, doch ihre Mutter Vanja hüllt sich über ihren Bruder in Schweigen. Sally bleibt nichts anderes übrig, als selbst Nachforschungen anzustellen, um die Familie wieder komplett zu machen.
Auch Sallys Tochter Josefin eröffnet endlich ihre eigene Vintage-Boutique, doch die Kunden bleiben aus. Ist ihr Traum bereits vorbei, bevor er richtig angefangen hat?

"Der Weg ins Apfelreich" ist der dritte und abschließende Teil der Familiengeschichte um drei Frauen aus drei Generationen. Spielten die ersten beiden Teile im Frühling und Sommer, ist es nun Herbst in Kivik. 

Vanja hat mit Anfang siebzig ihre erste Kunstausstellung und diese wird ein großer Erfolg. Außerdem trifft sie dort auf jemanden aus ihrer bewegten Vergangenheit, mit dem sie nicht gerechnet hat. Dadurch werden aber auch viele alte Erinnerungen und Gefühle wieder wach, die sie am liebsten für immer begraben hätte.
Die Pension ihrer Tochter Sally läuft richtig gut und sie ist bis zur Schließung über den Winter Ende Oktober ausgebucht. Unterstützt wird sie dabei von Peter, mit dem die Beziehung nun offiziell ist, auch mit der Ernte seiner Apfelplantage.  
Sallys Tochter Josefin und ihr Lebensgefährte Harald haben auf ihrem Hof nebenbei eine Vintage-Boutique eröffnet, aber so richtig will das Geschäft nicht anlaufen. Sie hoffen, durch das jährliche Fahrradfest im Ort mehr Kontakte zu knüpfen und so durch Mundpropaganda auch mehr Kunden anzulocken. Zunächst scheint es auch zu funktionieren. Aber anscheinend treibt ein einflussreiches Paar aus dem Ort ein falsches Spiel. 

Im ersten und zweiten Teil hatte ich immer so meine Schwierigkeit mit Vanja, ich wurde mit ihr einfach nicht warm. Das war auch in diesem dritten Teil zunächst so. Aber gegen Ende, nachdem man mehr über ihre Familiengeschichte erfährt, hat sich das geändert. Ich konnte viele ihrer Handlungen und Gedankengänge besser nachvollziehen.
Sally und Josefin fand ich von Anfang an sympathisch und hoffte daher sehr, dass sich die anbahnenden Probleme irgendwann in Luft auflösen würden.  

Wie immer sind die Kapitel abwechselnd aus Sicht von Vanja, Sally und Josefin geschrieben und haben für mich genau die passende Länge. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und die Beschreibungen des herbstlichen Österlen sind sehr anschaulich. Dazu passt auch das wunderschöne Cover. 

Sollte man die ersten beiden Teile gelesen haben? Ja, ich finde schon, denn sonst hat man sicher Probleme in die Geschichte reinzukommen und gewisse Handlungen und Gedankengänge der Figuren nachzuvollziehen. Auch werden einem nur die Weiterentwicklungen der drei Frauen bewusst werden, wenn man die Vorgeschichten kennt. 

Für mich ist "Der Weg ins Apfelreich" ein gelungener und passender Abschluss der Trilogie, die ich auf jeden Fall allen Lesern von Familiengeschichten empfehlen kann. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹