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Dienstag, 2. Juni 2026

Rezension: "Die Tote im Küstenfeuer" von Anette Hinrichs

In Egernsund an der jütländischen Küste verbrennt die Leiche eines jungen Mädchens unter den Holzscheiten eines Sankt-Hans-Feuers. Wurde die deutsche Gastschülerin mit türkischen Wurzeln das Opfer eines grausamen Ritualmordes? Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg von der deutsch-dänischen Sondereinheit GZ Padborg übernehmen den Fall und stoßen in der Familie der Toten auf eine Mauer des Schweigens. Auch die Ermittlungen in der beschaulichen dänischen Küstenstadt gestalten sich schwierig, denn die Bewohner sind sich einig: Der Täter muss von außerhalb kommen. Als eine Spur zu den Betreibern der örtlichen Ziegelei führt, beginnt der Zusammenhalt der eingeschworenen Gemeinschaft zu bröckeln ...

"Die Tote im Küstenfeuer" ist der 3. Teil der Nordlicht-Reihe. Dieses Mal ermittelt die deutsch-dänische Sondereinheit in Egernsund, wo nach einer Mittsommerfeier bzw. Sankt Hans, wie es in Dänemark heißt, am nächsten Tag die Leiche der jungen Elin Akman gefunden wird. 
Die Ermittlungen sind schwierig. Elins Vater ist Türke und seine neue Frau mochte das Mädchen anscheinend nicht besonders. Ihrer Meinung nach hat sie Schande über die Familie gebracht. Elins deutsche Mutter ist am Boden zerstört und kann sich nicht erklären, wer ein sechzehnjähriges Mädchen so gehasst haben kann. 
Auch in Egernsund kommen Nyborg und Boisen nicht wirklich weiter. Die Gemeinde hält zusammen. 

Ein spannender neuer Fall für das Team. Der Schreibstil hat mir wie immer sehr gut gefallen. Bis zum Schluss rätselt man mit, was mit Elin passiert ist. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse und Spuren, Überraschungen und Wendungen, die die Spannung durchgehen aufrecht erhalten. 
Dazu die Dynamik der der beiden Hauptfiguren, deren unterschiedliche Charaktere und Vorgehensweise sich perfekt ergänzen. Typisch deutsch trifft auf typisch dänisch, was manchmal auch zum Schmunzeln anregt. 
Das Privatleben der Ermittler spielt zwar auch eine Rolle, nimmt aber nur einen kleinen Teil der Handlung ein. Der eigentliche Fall und die Ermittlungen stehen im Vordergrund. 

Das Ende hat mich dann doch überrascht und ich dachte: So muss ein guter Krimi sein. 😊 Ich kann die Nordlichtreihe wirklich empfehlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





 






Mittwoch, 28. Mai 2025

Rezension: "Nordlicht - Die Tote am Strand" von Anette Hinrichs

Das Böse kennt keine Grenzen – Zwei Länder, zwei Ermittler, ein Mord…
Im beschaulichen Küstenort Kollund an der deutsch-dänischen Grenze wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Tote wird als Liva Jorgensen identifiziert, die zwölf Jahre zuvor verschwand. Jetzt stellt sich heraus, dass Liva jahrelang unter falschem Namen in Deutschland gelebt hat. Was ist damals wirklich geschehen? Vibeke Boisen, gerade frisch als Leiterin der Flensburger Mordkommission angetreten, und ihr dänischer Kollege Rasmus Nyborg rollen den Fall wieder auf und stechen damit in ein gefährliches Wespennest.

„Die Tote am Strand“ ist der erste Fall für das deutsch-dänische Ermittlerteam Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg. Inzwischen gibt es sechs Teile der Reihe „Nordlicht“ und im nächsten Jahr erscheint der siebte. 

Vibeke Boisen ist 36 Jahre alt und lebt in Flensburg. Aufgewachsen ist sie bei ihren Adoptiveltern Elke und Werner. Ihre leibliche Mutter hat sie nie kennengelernt. Werner, selbst Polizist, hat sie nach einem Einsatz als kleines Mädchen zu sich genommen. Für Vibeke sind die beiden ihre Eltern. Deswegen ist es besonders schwer für sie, dass Werner zur Zeit nach einem Schlaganfall im Krankenhaus im Koma liegt. 
Vibeke ist bodenständig, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und hält sich stets an die Regeln. Deswegen hat sie auch immer wieder Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit dem dänischen Kollegen Rasmus Nyborg von der Polizei Esbjerg in Südjütland. Dieser ist zwar ein brillanter Ermittler, aber eher ein Bauchmensch und er gibt nicht viel auf Konventionen. Nach der Scheidung von seiner Frau lebt der Sechsundvierzigjährige in einem alten Bulli. Der Tod seines fünfzehnjährigen Sohnes hat ihn tief getroffen und letztendlich seine Ehe zerstört. 
Trotzdem müssen sich die beiden zusammenraufen, um den Tod von Liva Jorgensen aufzuklären. Auch der Rest des Teams passt gut dazu, jeder hat seine Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten und kann so zur gemeinsamen Arbeit beitragen. Zum Schmunzeln fand ich manchmal auch, wenn das „typisch deutsche“ oder das „typisch dänische“ erwähnt wird. Das macht das Ganze sehr authentisch. 

Ein gelungenes Krimidebut. Von Anfang bis Ende habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Die Spannung wird durch viele Überraschungen und Wendungen aufrecht erhalten, immer wieder gibt es neue Ermittlungsansätze. 
Auch der flüssige Schreibstil hat mir gut gefallen, ebenso wie die anschauliche Beschreibung der Gegend im Grenzgebiet Südjütland und die Arbeit der dortigen Behörden. 
Meistens wird aus Sicht von Vibeke oder Rasmus erzählt, ein paar Mal aber auch aus der anderer Charaktere.

Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und freue mich schon auf den 2. Teil. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹






Donnerstag, 13. Februar 2025

80 Jahre Feuersturm auf Dresden

Ich mag historische Romane in denen Fiktion und echte historische Ereignisse gekonnt miteinander verwoben werden.
Der Krimi "Der Angstmann" von Frank Goldammer ist so ein Buch. Obwohl es schon fast neun Jahre her ist, dass ich es gelesen habe, kann ich mich noch an viele Dinge erinnern und bekomme eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie atmosphärisch, intensiv und authentisch die Szenen in dem zerstörten Dresden beschrieben sind. 


Zum Buch: Dresden 1944. Die Menschen leiden unter den Kriegszuständen und den daraus resultierenden Entbehrungen. Fast jede Nacht gibt es Bombenalarm, fast schon Routine für die Bevölkerung. Dazu kommen die endlosen Flüchtlingsströme aus dem Osten, wo die Menschen vor den näher rückenden Russen flüchten. Kriminalinspektor Max Heller wird zu einem Tatort gerufen, an dem eine Frau brutal ermordet und zur Schau gestellt wurde. Die beiden Jungen, die die Leiche finden, erzählen vom "Angstmann" und schnell geht das Gerücht in der ganzen Stadt um. Heller versucht so gut wie möglich seinen Job zu erledigen, was nicht einfach ist, denn sein linientreuer Vorgesetzter Rudolf Klepp, ein SS-Mann, der nicht mal Polizist ist, wirft ihm immer wieder Steine in den Weg und erschwert die Ermittlungen. Als eine weitere Leiche gefunden wird, vermutet Heller, dass ein Serienmörder in der Stadt sein Unwesen treibt.
Als dann in der Nacht des 13. Februars 1945 Dresden durch Bombenangriffe dem Erdboden gleichgemacht wird und ein Feuersturm durch die Straßen rast, vermutet man, dass auch der Angstmann tot ist. Aber dann geschieht ein weiterer Mord...

Weiter geht es hier in meiner Rezension --> KLICK

Der 13. Februar 1945 war ein Faschingsdienstag. Gegen Abend machten sich sechs britische Bomberstaffeln der Royal Air Force (RAF) von Südengland auf den Weg nach Deutschland. Um 21:45 Uhr gab es in Dresden den mittlerweile 175. Fliegeralarm und ich kann mir vorstellen, dass viele Einwohner dachten, es wird auch dieses Mal schon nicht so schlimm werden. Aber es wurde sehr schlimm. Bis zu 25.000 Menschen kamen in dem sogenannten Feuersturm ums Leben. 
Drei Viertel der Dresdner Altstadt wurde in Brand gesetzt, manche Brände loderten vier Tage lang. Aufgrund der Nachtsicht ist man sich sicher, dass keine einzelnen Ziele angeflogen wurden, vielmehr sollte die Stadt möglichst großflächig zerstört und Menschenleben vernichtet werden. 
Danach konnte die Bevölkerung nicht etwa aufatmen, denn nachts erfolgte die nächste Angriffswelle. Dieses Mal waren es britische und kanadische Bomber. Eine halbe Stunde lang wurden bis zu 650.000 Stabbrandbomben abgeworfen. Diese Bomben trafen auch Gebiete, in die sich die Bevölkerung nach dem ersten Angriff bereits geflüchtet hatte wie z. B. die Elbwiesen.
Außerdem wurde die Technik der ausgerückten Feuerschutzpolizei zerstört. Löschaktionen wurden dadurch verhindert und die zahlreichen Einzelfeuer vereinten sich rasch zu einem orkanartigen Feuersturm, der ganze Straßenzüge zerstörte. Durch den starken Luftsog wurden größere Gegenstände und auch Menschen umhergewirbelt und ins Feuer gezogen. Wer sich aus den Luftschutzkellern retten konnte, war draußen dem Feuersturm und den weiter detonierenden Bomben ausgesetzt. 
Aber auch das reichte den Alliierten noch nicht. Am 14. Februar starteten die Amerikaner einen weiteren Luftangriff und warfen 1800 Sprengbomben und 136.800 Stabbrandbomben ab. Getroffen wurde u.a. der Bahnhof und das Krankenhaus in Friedrichstadt. Die ausgebrannte Frauenkirche stürzte am 15. Februar ein. Gegen Mittag erfolgte dann ein weiterer Angriff, dieses Mal auf das Gebiet zwischen Meißen und Pirna. 
Natürlich kann man sagen, es war Krieg und im Krieg gibt es Kollateralschäden. Aber diese Angriffe wurden ohne Rücksicht auf Verluste auf die zivile Bevölkerung geflogen. Auf Menschen, die sowieso schon kaum noch etwas hatten und selbst unter den Zuständen litten und von denen der Großteil gar nicht am Krieg beteiligt war und diesen auch nie gewollt hat.




Donnerstag, 5. Dezember 2024

Rezension: "Todeskalt" von Nikolas Stoltz

Kriminalpsychologin Caro Löwenstein erhält einen verzweifelten Anruf. Ihre alte Freundin Melanie ist vollkommen panisch und fühlt sich verfolgt. Sofort eilt Caro in das verschneite Dorf im Taunus. Dort entdeckt sie die Leiche einer jungen Frau - Melanie hingegen ist verschwunden.
Weitere seltsame Dinge gehen in dem verschwiegenen Ort vor sich: Die örtliche Polizei arbeitet lieber mit einer Bürgerwehr als mit Caro zusammen. Und um die Tote scheinen die Einwohner nicht im Geringsten zu trauern. Zusammen mit Kommissar Simon Berger und seinem Team macht Caro sich auf die Suche nach Melanie und dem Mörder. Was sie entdecken, bringt die Ermittler in tödliche Gefahr ...

"Todeskalt" habe ich mir von meinen Bonuspunkten bei der Lesejury gegönnt. Es ist der zweite Teil einer Krimireihe, wie ich aber erst hinterher gesehen habe. Das war aber kein Problem, ich hatte nicht das Gefühl, dass mir Wissen über eine Vorgeschichte fehlt. Der Fall an sich ist auch abgeschlossen. 

Positiv fand ich auf jeden Fall den spannenden und lebendigen Schreibstil. Der häufige Wechsel der Erzählperspektive in den Kapiteln hält den Leser natürlich "bei der Stange". Auch das Setting und die Beschreibung des verschneiten Dorfes ist gelungen, die Atmosphäre und Stimmung ist oft düster und kalt und das passt natürlich zum Inhalt. Mit der Geschichte der Erlöserin kam auch ein bisschen Mystik hinzu. 

Aber an sich fand ich die Handlung schon sehr klischeehaft und vorhersehbar. Da gibt es den depressiven Kommissar, den streitbaren und unfähigen Dorfpolizisten, die "nerdige" Computerspezialistin, Gerangel um die Zuständigkeiten usw. Im Großen und Ganzen also nicht viel Neues.
Die Handlungsweisen der Ermittler sind manchmal schwer nachzuvollziehen und auch nicht wirklich professionell. Eine Zivilperson muss z. B. die Psychologin erst darauf hinweisen, dass sie ohne Waffe einen Verdächtigen verfolgt, ehe ihr das bewusst wird. Und ein berufserfahrener Kommissar läuft blindlinks ohne Verstärkung in eine Falle. Klar, das erhöht die Spannung, aber ist auch wenig authentisch.

Ich kann schlecht beschreiben, was genau mir alles nicht so gefallen hat. Aber insgesamt reicht es dann nur für drei Sterne in meiner Bewertung. Die Geschichte und auch die Charaktere haben mich einfach nicht überzeugt. 


Bewertung: 🌹🌹🌹







Mittwoch, 11. September 2024

Rezension: "Herbstwege" von Katharina Mosel

Helen wohnt mit ihrem Mann Daniel in Hamburg. Die Kinder sind aus dem Haus und vor einem Jahr ist Helens Mutter gestorben. Seitdem spricht sie nicht mehr mit ihrer Schwester Irene, die in Leverkusen im Elternhaus lebt, das sie von der Mutter geerbt hat. Helen wurde enterbt, da sie sich nach Meinung der Mutter zu wenig gekümmert hat. Irene hingegen war immer für die kranke Mutter da. Nun herrscht Funkstille zwischen den Schwestern. Dabei ging es Helen nie um das Geld, denn sie selbst hat eine Boutique in Hamburg und auch Daniel verdient in seiner Steuerkanzlei gut. Aber die Ungerechtigkeit der Mutter hat sie in ein tiefes Loch gezogen und mit ihrem Selbstmitleid vergiftet sie auch ihre Ehe. Daniel packt kurzerhand seine Koffer und reist nach Mallorca, um über die Zukunft nachzudenken. Helen rafft sich schließlich auch auf und besucht ihre Freundin Marlene auf Sylt. Zusammen mit Yorkshire Terrier Charlie verbringt sie viel Zeit auf der herbstlichen Insel und versucht, wieder zu sich selbst zu finden. Gibt es noch eine Chance für sie und Daniel? Und will sie das überhaupt? 

Pünktlich am 2. September habe ich mit dem Buch begonnen, mein erstes Buch für den diesjährigen Herbst. Ja, "Herbstwege" spielt im September und Oktober auf Sylt und die Jahreszeit ist auch ein Thema. Aber ich denke, dass hier eher der Herbst des Lebens gemeint ist, denn die Hauptfiguren haben alle die Mitte Fünfzig schon überschritten und fragen sich: Was kommt jetzt? 

Ich muss sagen, ich wurde mit Helen nicht wirklich warm, denn ich kann ihr Verhalten ihrer Schwester gegenüber nicht so richtig nachvollziehen. Auch wenn ich natürlich nach dem Lesen des Buches das Familiengeheimnis kenne und weiß, wieso Helens Mutter ihre Schwester in der Vergangenheit vielleicht bevorzugt hat. 
Auch mit Irene hatte ich anfangs so meine Probleme, aber dank Jasper hat sie sich ja doch ein wenig gewandelt.
Direkt sympathisch dagegen waren mir Marlene und Jasper. Zu Nordlichtern habe ich einfach einen Draht. *g* 
Und natürlich nicht zu vergessen Labrador Max und Yorkshire Charlie. Sie geben der Geschichte noch mal ein bisschen Herzenswärme. Manchem Leser mag es ein bisschen "zu viel Hund" sein, mir hat es gefallen. 

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Auch die landschaftlichen Beschreibungen des herbstlichen Sylt sind lebendig und anschaulich. Und dadurch, dass man als Leser schon früh ahnt, dass es ein Zusammentreffen der Schwestern geben wird, hält die Autorin die Spannung aufrecht. Man fragt sich, was passieren wird und wie es ausgeht.

Die Verbindungen zwischen den Hauptfiguren und warum es dann letztendlich zu einem  Aufeinandertreffen der Schwestern kommt, halte ich allerdings schon für einen sehr großen Zufall. Aber gut, es ist ein Roman und Fiktion, es muss ja nicht immer realistisch sein. 

Fazit: Eine Geschichte, die mich zwar unterhalten hat, aber doch nicht so ganz überzeugen konnte. Und es hätte mehr Herbst sein dürfen ;-)


Bewertung: 🌹🌹🌹 








Mittwoch, 14. August 2024

Rezension: "Das Licht in den Bäumen" von Patricia Koelle

Der Wald ist voller Geschichten und jeder Baum erzählt seine eigene...
Viele dieser Geschichten hat Nele von ihrer Großmutter Vio erfahren, als sie klein war. Jetzt, mit Anfang 30, ist Nele erwachsen und sucht noch nach ihrem Platz im Leben. Da bittet Vio ihre Enkelin, eine kleine Kiefer nach Rügen zu bringen, damit sie dort im sogenannten Geschichtengarten weiter wachsen kann. Bei ihrer Ankunft erfährt sie zum ersten Mal mehr über die Vergangenheit ihrer Großmutter und deckt ein Geheimnis auf, das weit in ihre Familiengeschichte reicht. Sie folgt den Spuren zum Darßer Urwald und schon bald lässt dieser Wald sie nicht mehr los. Kann sie auf der Suche nach der Vergangenheit vielleicht auch zu sich selbst finden?

"Das Licht in den Bäumen" ist der erste Teil der Sehnsuchtswald-Reihe von Patricia Koelle und er stand schon länger auf meiner Merkliste. Ich hatte das Glück, das Buch letztens auf dem Büchermarkt zu ergattern. 
Übrigens ist es ein perfektes Buch für den Herbst, denn die Geschichte beginnt im September. 
Zitat Seite 100
Es wird Herbst. [...] Da ist diese erste glückliche Ahnung in der Luft. Ich habe es schon heute morgen gerochen, als Timon das Fenster geöffnet hat. Ich freue mich darauf.
Aber natürlich kann man das Buch das ganze Jahr über lesen, denn es ist wirklich eine wunderbar erzählte Geschichte.
Nele war mir gleich sympathisch. Anfangs ist sie noch ein wenig verloren und weiß nicht, was sie von dem Vorschlag ihrer Großmutter halten soll, eine kleine Kiefer nach Rügen zu bringen. Aber genau wie das Bäumchen findet Nele im Laufe des Buches dort an der Ostsee ihren Platz im Leben und die Entwicklung mitzuerleben, hat mir sehr viel Freude bereitet. 
Auch geht es um den Respekt der Natur, insbesondere den Bäumen gegenüber. Sie sind wunderschöne, lebende und atmende Wesen, die Jahrhunderte an derselben Stelle stehen und unendlich viele Geschichten erzählen könnten. 
Zitat Seite 98:
Das Licht in den Bäumen, das so grün und bewegt war, immer im Tanz mit dem Wind und den Blättern, hatte dieselbe Kraft wie immer schon und wies auf das Filigrane, Erstaunliche hin, das man sonst leicht übersah. 
Der Schreibstil der Autorin ist sehr lebendig,  manchmal fast schon poetisch und magisch. Ich sah beim Lesen alles ganz klar vor mir, die Bäume, das Meer, den Strand. Ich hörte den Wind rauschen, fühlte den beginnenden Herbst in der Luft, spürte am Strand den Sand unter den Füßen. 

Kleine Randnotiz: Es gibt ein Wiedersehen mit Charakteren aus "Das Meer in deinem Namen". Das habe ich vor vier Jahren gelesen, aber mir ist es erst aufgefallen, als Nele auf Carly trifft. Obwohl der Name Joram ja nicht alltäglich ist, hat es nicht sofort "Klick" gemacht. Und dann erinnerte ich mich auch daran, dass mir Jakob schon mal begegnet war. 

Fazit: Eine wirklich schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Ich mochte den Wald und Bäume schon immer, aber nun sehe ich sie noch mal mit anderen Augen, denn im Grunde sind es Wunder, die auf jeden Fall unseren Respekt verdienen und sie sind es wert, geschützt zu werden. 

Bewertung🌹🌹🌹🌹🌹


Es gibt noch drei weitere Bücher aus der Sehnsuchtswaldreihe, die ich sicher auch noch lesen werde:

🍂Das Glück in den Wäldern
🍂Das Leuchten der Blätter
🍂Der Klang des Windes





Donnerstag, 8. August 2024

Top Ten Thursday: Schauplatz Deutschland

 


Heute geht es in der wöchentlichen Aktion auf Aleshanees Weltenwandererblog um den Schauplatz der Handlung.
Ich hatte jede Menge Auswahl und es ist mir ziemlich schwer gefallen, nur zehn Bücher zu nennen. Als ich die Liste zum ersten Mal erstellt hatte, waren aber überwiegend Geschichten aus Hamburg dabei. Also habe ich noch mal neu gemischt. 
Mit einem Klick auf die Titel kommt ihr zu meinen Rezensionen. 

Zeige uns 10 tolle Bücher, deren Handlung in Deutschland spielt


1. 
Das Meer in deinem Namen von Patricia Koelle
Ahrenshoop

2.
Der Angstmann von Frank Goldammer
Teil 1 der historischen Krimireihe
Dresden


3.
Alles muss versteckt sein von Wiebke Lorenz
Hamburg


4.
Das rote Licht des Mondes von Silvia Kaffke
Teil 1 von 2
Duisburg - Ruhrort


5.
Bratapfel am Meer von Anne Barns
Juist


6.
Der Duft der weiten Welt von Fenja Lüders
Teil 1 der Trilogie
Hamburg


7.
Das Lied der Störche von Ulrike Renk
Teil 1 der Trilogie
Ostpreußen


8.
Ein Traum vom Glück von Eva Völler
Teil 1 der Trilogie
Essen


9.
Altes Leid von Lea Stein
Teil 1 der Reihe
Hamburg


10.
Die Schwestern vom Waldfriede - Sternstunde von Corina Bomann
Teil 1 der vierteiligen Reihe 
Berlin





Freitag, 5. Juli 2024

Rezension: "Die Schwestern vom Waldfriede - Wunderzeit" von Corina Bomann

Berlin-Zehlendorf, 1948: Der Krieg ist vorbei, aber die deutsche Bevölkerung leidet immer noch, am meisten unter der Uneinigkeit der Besatzungsmächte. Die Not ist auch in der Klinik Waldfriede groß und ohne die Hilfsgüter aus den "Rosinenbombern" wäre sie noch schlimmer. Die junge Christina beginnt mit einigen anderen eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie kam vor zwei Jahren aus Schlesien nach Berlin und hat auf dem Flüchtlingstreck Schreckliches erlebt. Im Krieg hat sie ihren Vater und ihren Bruder verloren. Aber selbst mit Schwester Hanna, die sich ihrer annimmt, kann sie nicht über die Vergangenheit reden. Sie leistet tapfer ihren Dienst und steht den werdenden Müttern in der Klinik bei. Ihr Ziel ist es, Hebamme zu werden.  Als sie den Mechaniker Peter kennenlernt, wagt es Christina, zum ersten Mal auf eine glücklichere Zukunft zu hoffen. 

In diesem vierten und letzten Teil der Romanreihe um die Krankenschwestern der Klinik Waldfriede geht es um die Zeit von 1948 bis 1950. Es gibt ein Wiedersehen mit Hanna, Dr. Louis Conradi, seiner zweiten Frau Elisabeth sowie Hannas Schwester Leni. 
Wie immer beschreibt die Autorin die damalige Zeit sehr authentisch und atmosphärisch. Eigentlich müsste es eine positive und hoffnungsvolle Zeit sein. Der Krieg ist vorbei, man kann wieder nach vorn schauen. Aber die Besatzungsmächte sind sich nicht einig, was die Zukunft Deutschlands betrifft. Die Sowjets richten eine Blockade ein und es kommt zur Teilung Berlins. Wohin das schließlich führte, wissen wir heute. 

Dreißig Jahre habe ich die Belegschaft in der Klinik Waldfriede begleitet und ich habe die Geschichten sehr gerne gelesen. Die Figuren sind mir richtig ans Herz gewachsen, allen voran Schwester Hanna, die von der ersten Stunde dabei war. Nach zwei Kriegen und drei Jahrzehnten als Mitglied der Anstaltsfamilie steht sie mit Mitte Fünfzig nun vor der Frage, was einmal werden soll. Und ihrem Chef, Dr. Conradi, geht es nicht anders. Das Waldfriede ist sein Lebenswerk und viel mehr als ein Job. In diesem letzten Teil der Reihe gab es viele bewegende Momente. 
Auch Christina mochte ich gleich. Sie war noch so jung, als sie auf der Flucht vor dem Krieg so viel Schreckliches durchgemacht hat. Aber sie ist eine starke und tapfere junge Frau, die mutig ihren Weg geht. 

Der Schreibstil ist lebendig, die Sprache der Zeit angemessen, aber nicht altmodisch. Sehr anschaulich wird das Leben in und um die Klinik dargestellt, ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. 


Fazit: Ein gelungener Abschluss einer tollen Buchreihe, die auf wahren Begebenheiten beruht. Was wahr und was Fiktion ist, erfahrt ihr jeweils im Nachwort von der Autorin. 



Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Montag, 24. Juni 2024

Rezension: Mittsommer in Smaland

Gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter Tilda führt die Glasgaleristin Anne ein beschauliches Leben in der Lüneburger Heide. Doch das scheinbare Idyll wire von einer großen Herausforderung überschattet: Annes Vater leidet an Demenz. Ein schwerer Schicksalsschlag. Zudem hat ihre beste Freundin Birte ihren Mann kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag verlassen und zieht bei Anne ein. 
Tilda ist schon eine ganze Weile mit ihrem Freund Luka zusammen und die beiden wollen zusammen ziehen, aber Luka möchte nicht aufs Land und Tilda kann sich eine Wohnung in Hamburg nicht leisten. Außerdem möchte sie endlich Lukas Eltern kennenlernen. Eine Segeltour durch den Göta-Kanal bietet ihr die Möglichkeit dazu. Doch auf der Reise kommt es zu einer unerwarteten Begegnung, die längst verborgene Geheimnisse an Licht befördert. Am  Tag der Sommersonnenwende verändern sich die Leben aller Beteiligten.

Zunächst mal möchte ich mich bedanken beim Verlag HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar. 

Als ich das Cover sah, den Titel und den Klappentext gelesen habe, dachte ich, das ist genau das Richtige. Ein Sommerbuch, das in Schweden zur Zeit der Sommersonnenwende spielt. Leider wurde ich enttäuscht. Allein schon der Titel ist irreführend. Nur ein ganz kleiner Teil der Geschichte findet in Schweden statt, etwa siebzig Prozent der Handlung ist in Hamburg und der Lüneburger Heide angesiedelt. Während des Lesens dachte ich die ganze Zeit: Und? Wann ist es endlich soweit, wann geht es nach Schweden?

Die Bewertung fällt mir nicht leicht, denn im Grunde hat mir das Buch trotzdem gefallen, denn sonst hätte ich es nicht bis zum Schluss gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist lebendig und anschaulich, die Szenen in der Heide und auch die Kapitel, die dann tatsächlich in den Schären spielen, sind toll beschrieben und ich kann die Landschaft vor mir sehen. 
Auch die Charaktere haben mir gefallen, Anne, Tilda und Birte waren mir gleich sympathisch. Annes Situation mit ihrem Vater konnte ich sehr gut nachfühlen, denn ich hatte so ziemlich dieselbe Situation mit meiner Mutter.

Aber von einem Buch mit dem Titel "Mittsommer in Smaland" erwarte ich einfach etwas Anderes, denn mindestens nach den ersten vier oder fünf Kapiteln hätte die Handlung in Schweden stattfinden müssen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹









Dienstag, 14. Mai 2024

Rezension: "Sterbekammer" von Romy Fölck

Dunkel ragt die Silhouette der alten Deichmühle in den Himmel. Es ist ein unheimlicher Ort, an den sich der alte Josef Hader vor vielen Jahren zurückgezogen hat. Seither meidet er jeden Kontakt mit den Menschen im Dorf. Als eines Nachts von Polizistin Frida Paulsen die Leiche dieses Eigenbrötlers entdeckt wird, ist das nicht ihr einziger grausiger Fund in dem alten Gemäuer: Unter einer Bodenklappe verbirgt sich eine spärlich möblierte Kammer, die Schreckliches erahnen lässt. Auf dem Bett liegt ein Sommerkleid, das Fridas Kollegen Bjarne Haverkorn nur allzu bekannt vorkommt. Vor zehn Jahren verschwand in der Marsch eine junge Frau, von ihr fehlt bis heute jede Spur ...

"Sterbekammer" war mein erstes Buch von Romy Fölck. Es ist der dritte Teil einer Reihe, die Vorgänger kenne ich bisher nicht, aber ich hatte keinerlei Schwierigkeiten in die Geschichte rein zu finden. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, auch wenn die Figuren zum größten Teil dieselben sind. Da ist zum einen die Polizistin Frida Paulsen, die noch relativ neu in der Abteilung ist und bisher anscheinend "Welpenschutz" hatte bei ihrem alten Chef. Das ist aber nun vorbei, denn Nick Wahler übernimmt als neuer Vorgesetzter und hat hohe Erwartungen an sein Team. 
Bjarne Haverkorn steht eigentlich schon kurz vor der Pensionierung, zur Zeit ist er noch krankgeschrieben wohl aufgrund von Ereignissen im vorherigen Buch. Er war mir gleich sympathisch, auch wie er sich um seine Tochter kümmert, von deren Existenz er erst kurzem erfahren hat. 

Neben dem Kriminalfall geht es auch um das Privatleben der Ermittler. Bjarne hat vor kurzem erst seine Tochter kennengelernt und dadurch ganz neue Perspektiven. Und Fridas Eltern machen sich Sorgen um das weitere Bestehen ihres Apfelhofs in der Elbmarsch. Das Geschäft geht schlecht und die Konkurrenz ist groß, aber schließlich ist der Hof Fridas Zuhause, eine Lösung muss her.

Der Fall der verschwundenen Frau und das Geheimnis Kammer in der alten Mühle nimmt aber trotzdem den größeren Teil der Handlung ein. Mir hat der Schreibstil gut gefallen, die Spannung wird durch den Wechsel der Erzählperspektiven aufrecht erhalten. Zwischendurch gibt es Kapitel in der Ich-Form, bei denen man natürlich ahnt, wer hier erzählt, was aber trotzdem nichts über den Ausgang der Geschichte verrät. Es gibt immer wieder überraschende Wendungen und neue Erkenntnisse. Irgendwann hatte ich zwar einen Verdacht, den Täter betreffend, aber trotzdem blieb es weiter spannend.

Fazit: Ein gut konstruierter Kriminalroman mit sympathischen und realistischen Hauptfiguren, den ich gerne gelesen habe und sicher werde ich auch noch weitere Teile der Reihe lesen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹


Montag, 22. Januar 2024

Rezension: "Alte Schuld" von Lea Stein

 Hamburg 1948. Die Währungsreform steht vor der Tür, Bargeld soll an die Zivilbevölkerung verteilt werden und die komplette Polizei ist in Bereitschaft versetzt worden. Doch Schutzpolizistin Ida Rabe hat einen viel brisanteren Fall auf dem Tisch: Eine misshandelte Frau, Vera, sucht ihre Hilfe. Der mutmaßliche Täter: ein Brite, der enge Kontakte zur Hamburger Polizei hat. Als wenig später der Verdächtige ermordet aufgefunden wird, womöglich mit einem hoch gefährlichen Kampfstoff vergiftet, und man Vera verhaftet, geht Ida einen riskanten Weg: Sie beginnt in den eigenen Reihen zu ermitteln.

"Alte Schuld" ist der zweite Krimi mit Polizistin Ida Rabe von der Davidwache Hamburg. Die Besatzer haben nach englischem Vorbild eine Weibliche Polizei ins Leben gerufen, die sich hauptsächlich um Fälle von Kindern und Frauen kümmern soll. Ida und ihre Kollegin Heide sind seit etwa einem Jahr dabei. Nun soll Ida auf Empfehlung ihrer Vorgesetzten Watson zu einem Lehrgang in die niedersächsische Provinz, was sie einerseits erfreut, aber andererseits der Zeitpunkt nicht schlechter hätte sein können. 
Vera Pape fühlt sich bedroht und wendet sich an die Polizei. Ida ist überzeugt, dass mehr dahinter steckt und es macht sie zudem wütend, dass die männlichen Kollegen die Ängste der Frau nicht ernst genommen haben. 
Dann wird in den Trümmern halb verdeckt unter Schutt eine schwer verletzte Frau gefunden. Zudem steht die Währungsreform an, niemand weiß etwas Genaues über den Ablauf, aber es werden alle Polizeikräfte benötigt. Und Ida soll in drei Tagen nach Niedersachsen...

Ich habe schon den ersten Teil der Reihe gerne gelesen und mochte Ida Rabe. Dieser zweite Teil hat mir sogar noch etwas besser gefallen. 
Vor dem Hintergrund des zerbombten und teilweise völlig zerstörten Hamburg erzählt die Autorin eine spannende Geschichte mit lebhaften Bildern, die sehr authentisch wirkt. Wir begleiten Ida durch die Ruinen Hamburgs, in denen die Menschen ums Überleben in der Nachkriegszeit kämpfen. Der Hunger ist immer noch allgegenwärtig und jeder ist sich selbst der Nächste. Dadurch ist der gesamte Krimi eher düster, aber eben auch realistisch. 
Durch Überraschungen und Wendungen wird die Spannung von Beginn an aufrecht erhalten und wenn man denkt, das ist es jetzt, das ist die Lösung, kommt wieder etwas Unerwartetes. 

Ida Rabe hat in ihrem Leben schon einiges durchgemacht und kann sich auch in der dominanten Männerwelt der Polizei behaupten. Sie lässt sich nicht so leicht einschüchtern und geht auch mal unkonventionelle Wege. 

Muss man den ersten Teil gelesen haben? Eigentlich nicht, obwohl man dort etwas mehr über Idas Vergangenheit erfährt und das erklärt, dass sie ist, wie sie eben heute ist. Empfehlen kann ich jedenfalls beide Teile und hoffe, es geht weiter mit Ida Rabe und ihren Kollegen der Davidwache. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Dienstag, 12. September 2023

Rezension: "Herbstgrab" von Sylvia Bergman

Sandra lebt als Autorin von Liebesromanen mit ihrem Mann und ihrem Stiefsohn in einem schicken Lüneburger Vorort. Ab und zu trifft sie sich mit ihrer Nachbarin Irina, die auch ihre beste Freundin ist und führt augenscheinlich ein ganz normales Leben. Aber dann erhält sie E-Mails von einem Fan, der immer aufdringlicher wird, so dass Sandra sich irgendwann bedroht fühlt. Und anscheinend kennt der Mann ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, das sie am liebsten für immer begraben hätte...

"Herbstgrab" war mein erstes Buch von Sylvia Bergmann. Ich bin eigentlich nur wegen des Titels darauf aufmerksam geworden, weil ich Herbstromane gesucht habe. Gut, der Herbst spielt hier nur eine Nebenrolle, ab und zu wird mal die Jahreszeit erwähnt und es wird gesagt, wie das Wetter gerade ist. Aber trotzdem hat mich das Buch am letzten Wochenende richtig gut unterhalten. 

Die Spannung wird im Laufe der Handlung immer weiter aufgebaut, es gibt mehrmals überraschende Wendungen und besonders einen Twist, mit dem ich nicht gerechnet habe. Der Autorin gelingt es, die Leser mit falschen Fährten bei der Stange bzw. auf den Seiten zu halten. Die Geschichte wirkt sehr authentisch. Sandra fühlt sich von ihrem Stalker bedroht, aber ihr Mann tut ihn zunächst als harmlos ab. Was dann wieder Misstrauen beim Leser sät. Aufgrund ihrer Vergangenheit sollte Mike eigentlich zu ihr halten. Andererseits fragt man sich, ob Sandra nicht genau wegen dieser Vergangenheit ein wenig überreagiert. 

Ich habe "Herbstgrab" an einem Wochenende gelesen, was zeigt, dass es ein echter Pageturner ist. Fans von Psychothrillern kommen hier sicher auf ihre Kosten, auch wenn es - bis auf die ersten Szenen - kaum blutige Szenen gibt. 


Bewertung: 📖📖📖📖📕





Freitag, 23. Juni 2023

Rezension: "Leuchtturmsommer" von Marie Merburg

Nach einer Lebenskrise zieht Eva mit ihrer fünfzehnjährigen Tochter an die Ostsee, um sich dort ihren Traum zu erfüllen und neu zu starten. Doch ihr Optimismus wird auf eine harte Probe gestellt, denn ihre Teenagertochter scheint Probleme magisch anzuziehen, und die Übernahme des örtlichen Cafés läuft alles andere als rund. Besonders der brummige Standesbeamte Jakob sieht die Neuzugänge im Ort kritisch. Dabei benötigt Eva für das Café dringend die Hochzeitsempfänge, um Geld in ihre Kasse zu spülen. Erst als Eva Jakob näher kennenlernt, erkennt sie, wie es gelingen könnte, seine harte Schale zu knacken. 

Ein Tapetenwechsel ist dringend nötig für Eva, denn ihr Noch-Ehemann hat sie finanziell übelst betrogen. Sie musste sogar das Hotel am Tegernsee verkaufen, das seit Generationen im Familienbesitz war. Mit dem Erlös zieht sie mit ihrer Tochter an die Ostsee in den kleinen Ort Liebwitz, wovon Nele wenig begeistert ist, was sie ihre Mutter nur allzu oft spüren lässt. Und dann trifft sie auch noch auf Jakob, der anscheinend dauerhaft schlecht gelaunt ist. Allerdings wäre es gut für den Erfolg des Cafés, wenn die beiden zusammen arbeiten würden, denn Hochzeit bringen gutes Geld und außerdem würde das das Image von Liebwitz steigern.  Das Problem ist nur, dass Jakob so gar keinen Sinn für Romantik hat, was bei den Trauungen leider auch so rüberkommt. Also schließen die beiden einen Kompromiss: Jakob zeigt Eva ihre neue Heimat, wenn sie ihm dafür in Sachen Romantik ein wenig auf die Sprünge hilft.

Das klingt jetzt vielleicht nach einem kitschigen Liebesroman, aber ich habe das beim Lesen gar nicht so empfunden. Es geht um den Mut, ganz neu anzufangen, etwas Neues zu beginnen und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Es geht um Familie und Freundschaft. 
Mir hat der Schreibstil gut gefallen, ich war sofort mittendrin in der Geschichte. Erzählt wird in der ersten Person aus Sicht von Eva und oft musste ich schmunzeln bei ihren Gedankengängen. Überhaupt gibt es viele witzige Momente und interessante Figuren. 
Auch die landschaftlichen Beschreibungen fand ich sehr schön, allein der Moment im Darßwald. 

Ein passender Roman für den Sommer, zum Abtauchen und Wohlfühlen. 



Bewertung: 📖📖📖📖📕





Dienstag, 9. Mai 2023

Rezension: "Der Strand - Verraten" von Karen Sander

Vor einer Woche verschwand Lilli Sternberg. Ist sie die Tote am Strand von Sellnitz? Oder ist ein Serienmörder am Werk? Alle Bewohner des Küstenortes auf dem Darß haben sich an der fieberhaften Suche nach der gehörlosen Lilli Sternberg beteiligt – vergeblich. Ihr mutmaßlicher Mörder ist tot, doch die Leiche der Neunzehnjährigen wurde nicht gefunden.  Ermittlungsleiter Tom Engelhardt widersetzt sich dem Druck seiner Vorgesetzten, den Fall zu den Akten zu legen, und hat in der Kryptologin Mascha Krieger eine Verbündete – es gibt zu viele offene Fragen, die beiden glauben nicht, dass der Fall abgeschlossen ist. Als die stark verweste Leiche einer jungen Frau am Strand von Sellnitz angespült wird, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Lilli handelt. Doch es gibt keine Übereinstimmung der DNA. Wer ist die unbekannte Tote? Wurde sie das Opfer eines Serientäters, der ein weiteres Mal zugeschlagen hat? Und wo ist Lilli?
Ich habe erst nach dem Kauf gesehen, dass es sich hier um den Teil 2 einer Trilogie handelt. Den ersten Teil habe ich nicht gelesen und ich hatte zunächst die Befürchtung, dass mir hier Wissen fehlen würde, da es sich beim Verschwinden von Lilli Sternberg um einen Fall handelt, der sich über die drei Teile erstreckt. Letztendlich hatte ich aber keine Probleme, in die Geschichte rein zu finden. Es gibt immer wieder erklärende Anmerkungen zu den vorherigen Geschehnissen, so dass ich nicht das Gefühl hatte, bisher etwas verpasst zu haben.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen, er ist lebendig und fesselnd und auch die kurzen Kapitel erhöhen die Spannung. Es gibt überraschende Wendungen und neue Verdächtige. Ein weiteres Todesopfer taucht auf und es stellt sich die Frage, ob Lillis Verschwinden damit zu tun hat oder getrennt zu betrachten ist. 
Ich finde den Beruf von Mascha sehr interessant und hätte mir gewünscht, dass ihre Arbeit als Kryptologin ein wenig mehr im Vordergrund steht. Aber vielleicht war das schon im ersten Teil der Fall oder kommt noch mal im nächsten. 
Sowohl sie als auch ihr Kollege Tom Engelhardt haben privat ihr Päckchen zu tragen, aber das Privatleben der beiden nimmt nicht zu viel Raum in der Handlung ein. Das Berufliche und damit die Suche nach Lilli und dem Mörder steht im Vordergrund und so sollte es auch sein. 

Die Entwicklungen am Ende machen jedenfalls Hoffnung auf einen spannenden Abschluss der Trilogie und ich bin sehr gespannt, welche Überraschungen den Leser hier noch erwarten werden. Der nächste Teil mit dem Titel "Vergessen" erscheint übrigens am 13. Juni. 




Bewertung📖📖📖📖📕







Montag, 27. Februar 2023

Rezension: "Altes Leid" von Lea Stein

Hamburg, 1947. Nach nur wenigen Wochen Ausbildung tritt Ida Rabe ihre erste Stelle als Polizistin an. Mitten auf St. Pauli, in der Davidwache, soll sie die neu gegründete Weibliche Polizei verstärken. Und schon bald bekommt sie viel zu tun: Im nachkriegszerbombten Hamburg trifft man das Elend an jeder Ecke – in Form von Bettlern, Prostituierten und stehlenden Kindern. Als eine Frau im Umland tot aufgefunden wird, grausam verstümmelt und mit aufgeschnittenem Unterleib, scheint sich niemand besonders für den Fall zu interessieren. Doch Ida, deren eigene dunkle Vergangenheit mit der Unterwelt Hamburgs verschlungen ist, macht sich auf die Suche nach dem Täter. Bald ist klar: In Hamburg geht ein Monster um. Und um es zu fassen, muss Ida ihm gefährlich nahe kommen ...
 
"Altes Leid" ist der Start einer neuen historischen Krimireihe. Jedenfalls hoffe ich, dass es mit Ida Rabe weitergeht, denn das Buch hat mir sehr gut gefallen.
Schonungslos und authentisch wird das vom Krieg zerstörte Hamburg beschrieben. Die Menschen leben in bitterer Armut, zumeist Frauen und Kinder, denn viele Männer sind nicht aus dem Krieg zurückgekehrt. Aus Verzweiflung unternehmen die Frauen "Hamsterfahrten" in das Umland, um wenigstens dort ein wenig Essbares zu erbetteln. Das steht allerdings im von den Briten besetzten Hamburg unter Strafe und wenn die Frauen bei ihrer Rückkehr erwischt werden, müssen sie den Apfel oder zwei Matschkartoffeln, die sie vielleicht für ihre Kinder ergattern konnten, wieder abgeben. Auch diese Aufgabe fällt in Ida Rabes Zuständigkeit als neues Mitglied der weiblichen Polizei und sie kommt ihr nur mit Widerwillen nach. Ida geht es schließlich selbst nicht besser, sie hat selbst kaum etwas zu essen und wohnt in einem Zimmer, das sie sich mit einer fremden Frau teilt. Aber Ida lässt sich nicht unterkriegen, auch nicht von ihrem Chef, der der Meinung ist, Frauen haben bei der Polizei nichts zu suchen.
Als sie dann von einem Kollegen hört, dass in letzter Zeit ungewöhnlich viele Frauen Schmuckstücke und persönliche Gegenstände als gestohlen melden und den Eindruck machen, dass viel mehr hinter den jeweiligen Fällen steckt, wird Ida hellhörig und nimmt Kontakt zu den Frauen auf. Geht in Hamburg ein Vergewaltiger um, der Trophäen sammelt? Und hängt der Fall der toten Frau, die man im Umland findet, sogar damit zusammen?
Idas Engagement ist nicht überall gerne gesehen, denn solche Aufgaben obliegen der Kriminalpolizei und mehr als einmal gerät sie deswegen mit ihrer Vorgesetzten Mary Watson aneinander. Einzig der Gerichtsmediziner Ares Konstantinos zeigt Interesse an ihren Vermutungen und unterstützt sie. 

Der anschauliche und lebendige Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen und vor meinem geistigen Auge habe ich Ida Rabe durch das zerstörte Hamburg begleitet. Fesselnd und emotional, atmosphärisch und spannend, unterhaltsam von der ersten bis zur letzten Seite. Was will man mehr von einem Krimi erwarten?
Auch die Figuren sind bis in die "Nebenrollen" gut ausgearbeitet und nicht nur schwarz oder weiß, gut oder böse. Bei vielen wird deutlich, was der Krieg aus einem Menschen machen kann und dass es manchmal nur noch um das eigene Überleben geht.


Bewertung: 📖📖📖📖📖

 
Vielen Dank auch an das Bloggerportal für die Zusendung des Rezensionsexemplars.






Dienstag, 4. Oktober 2022

Rezension: "Brennende Narben" von Leo Born

Die Vergangenheit lässt der eigenwilligen Frankfurter Kommissarin Mara Billinsky keine Ruhe. Vor zwanzig Jahren wurde ihre Mutter ermordet und der Mörder wurde nie gefunden. Zudem halten der Mord an einer Edel-Prostituierten und ein Bombenanschlag auf der Autobahn das gesamte Kripo-Team in Atem. Eines Tages erhält Mara einen anonymen Tipp: "Der Wolf" sei in der Stadt. Als Mara endlich erkennt, dass sie und ihre Kollegen nur Spielfiguren in einem kaltblütigen Krieg sind, ist es fast zu spät. 
 
Schwarze Kleidung, schwarze Haare, schwarze Augen und Tattoos. Von ihren Kollegen wird Mara Billinsky auch "Die Krähe" genannt, aber das kratzt sie wenig. 
Seit zwanzig Jahren nagt der Tod ihrer Mutter an ihr, die sie damals Zuhause ermordet aufgefunden hat. Seitdem hat sie sich auch von ihrem Vater, einem bekannten Anwalt, mehr und mehr entfremdet, weil sie ihm vorwirft, nicht genug getan zu haben, um den Mörder ihrer Mutter zu finden. Nun scheint es neue Spuren zu geben.
Gleichzeitig muss die Kripo mehrere Todesfälle aufklären, die anscheinend zunächst nichts miteinander zu tun haben. Und wer ist der geheimnisvolle Anrufe, der Mara Tipps gibt, um Verbrecher auffliegen zu lassen? 
 
Wie schon die anderen Teile spielt auch dieser in Frankfurt und es geht in erster Linie um Drogen- und Menschenhandel. Hier wird anhand der Prostituierten Anyana sehr deutlich, wie hilflos und verängstigt solche Opfer sind, die in gutem Glauben ihre Heimat verlassen um "ein besseres Leben" zu beginnen. 
Von Beginn bis zum Ende ist die Geschichte spannend erzählt, meistens aus der Sicht von Mara, aber auch aus der anderer Personen. Oft gibt es einen Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln, was die Spannung zusätzlich aufrecht erhält. 
Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch die Nebenfiguren, und es gibt nicht nur schwarz und weiß, gut und böse, was die Geschichte authentischer macht.
 
"Brennende Narben" ist der dritte Teil der Thriller-Reihe und auch wenn die Fälle in sich abgeschlossen sind, empfehle ich, die vorherigen Teile zu lesen. So lernt man auch Mara besser kennen, versteht ihre Handlungen und kann ihre Entwicklung besser nachvollziehen. 


 Bewertung: 📖📖📖📖📖
 

 



 
 

Freitag, 26. August 2022

Rezension: "Juni 53" von Frank Goldammer

Am 17. Juni 1953 gehen auch in Dresden die Leute auf die Straße und prostestieren gegen die DDR-Regierung. Als in derselben Nacht in einem ortsansässigen Betrieb ein grausamer Mord geschieht, hat Oberkommissar Max Heller einen neuen Fall zu lösen. Während er in den Wirren des Volksaufstandes einen Mörder sucht, drängt seine Frau Karin auf eine Entscheidung: Sollen sie in den Westen gehen?
 
Seit acht Jahren ist der Krieg vorbei, aber noch immer sind die Nachwirkungen in der noch jungen DDR zu spüren. Für die Bewohner des "Arbeiter- und Bauernstaates" sind die Zeiten nicht wirklich besser geworden. Waren es zur Zeit des Krieges die Nationalsozialisten, die alles und jeden kontrollierten, ist es nun das Ministerium für Staatssicherheit. 
Max Heller ist es langsam müde, immer auf der Hut zu sein und Rechenschaft für sein Handeln abzulegen. Wieder ist er außen vor, weil er nicht einer Partei angehören will und das bekommt auch seine Familie zu spüren. Dabei will er einfach nur gute Arbeit als Polizist machen. Aber das ist nicht so einfach, denn auch beim Fall des Toten in der Fabrik mischt sich das MfS ein und scheint immer im Voraus über alles informiert zu sein. 
Besonders hart ist für ihn und seine Frau Karin, dass ihr Sohn Klaus ebenfalls für das Ministerium arbeitet und glühender Anhänger des Sozialismus ist. Sogar bei ihm muss Max aufpassen, was er sagt. Kein Wunder also, dass sie überlegen, in den Westen zu gehen, wo ihr anderer Sohn Erwin lebt und dort anscheinend ein gutes Leben mit seiner Familie führt.
 
Der Mordfall in der Fabrik zieht weite Kreise und es bleibt auch nicht bei einem Toten. Aber hat das Ganze wirklich einen politischen Hintergrund oder passierte die Tag nur zufällig zur Zeit der Aufstände in der DDR? Für Heller und seinen Kollegen Oldenbusch wird es immer undurchsichtiger. Und sie wissen auch bald nicht mehr, wem sie trauen können.
 
Frank Goldammer gelingt es in diesem 5. Teil der Krimireihe wieder sehr gut, die damalige Stimmung in der DDR darzustellen. Die Menschen sind wütend, der Krieg ist seit acht Jahren vorbei, aber nichts ist besser geworden. Die Resignation von Heller ist absolut nachvollziehbar. Mehr als einmal fragt er sich: Wozu das Ganze? Was bringt es mir wirklich, wenn ich weiterhin gegen den Strom schwimme? Aber gerade das macht Heller so sympathisch. Er weiß, dass er ziemlich allein auf weiter Flur steht, aber bleibt seinen Prinzipien treu. 
 
Die meisten wissen sicher, dass der 17. Juni bis 1990 ein nationaler Feiertag in Deutschland war. Ein Tag zum Gedenken an den Volksaufstand in Ost-Berlin und der DDR, den das sowjetische Militär am 17. Juni 1953 blutig niederschlug. Zunächst ging es um die Rücknahme zur Erhebung von Arbeitsnormen, was aber dann im Ruf nach dem Sturz der SED-Regierung endete. Hierbei starben 125 Menschen. Insgesamt beteiligten sich an den Protesten mehr als eine halbe Millionen Menschen.

Fazit: Ein spannender Kriminalfall vor dem geschichtlichen Hintergrund des Volksaufstandes in der DDR.


Bewertung: 📖📖📖📖📕






Montag, 4. Juli 2022

Rezension: "Die Schwestern vom Waldfriede - Leuchtfeuer" von Corina Bomann

Klappentext:
Berlin-Zehlendorf, 1933. Gerade als sich das Waldfriede endlich einen Namen gemacht hat und Klinikleiter Conradi in die Berliner Chirurgische Gesellschaft aufgenommen wird, ziehen mit der Machtergreifung der Nazis dunkle Wolken am Horizont auf. Plötzlich steht das Waldfriede und sein Personal unter Beobachtung. Doch die junge Kinderschwester Lilly sorgt sich weniger um sich selbst als um ihre kleinen schutzbedürftigen Patienten und die Menschen, die ihr nahestehen: Längst hat sie erkannt, dass ihre Gefühle für den Arzt Rudolph Kirsch über ein rein berufliches Verhältnis hinausgehen. Sie ahnt, dass sie nicht als Einzige ein Geheimnis verbirgt. Die Zeiten werden immer bedrohlicher, und Lilly immer verzweifelter: Soll sie alles riskieren – um am Ende vielleicht alles, was ihr am Herzen liegt, zu verlieren?
 
"Leuchtfeuer" ist der zweite Teil der historischen Romanreihe "Die Schwestern vom Waldfriede" von Corina Bomann. Während im ersten Teil die Krankenschwester Hanna Richter im Mittelpunkt steht, ist es hier Lilly Wegner. Aber auch Hanna und natürlich der Klinikchef Dr. Louis Conradi haben hier wieder großen Anteil an der Geschichte. 

Die Romanreihe ist inspiriert durch die Chronik der tatsächlich existierenden Klinik "Waldfriede" in Berlin. Gegründet wurde sie 1910 von Dr. Louis Conradi, Angehöriger der Evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Die meisten der Ärzte und Schwestern gehören ebenfalls dieser Glaubensgemeinschaft an. Im Gegensatz zu den Katholiken oder Protestanten ist für die Adventisten der Samstag der "Sabbat", also der Ruhetag, an dem sie nicht arbeiten. Deswegen hielten viele diese Glaubensgemeinschaft für eine Abspaltung des Judentums, was besonders im Deutschland der Dreißiger Jahre ein Problem war.

Corina Bomann gelingt es hier sehr gut, die immer düster werdende Stimmung darzustellen. Atmosphärisch und beklemmend malt sie ein Bild von Deutschland, in dem die Bedrohung durch die Nazis immer mehr zunimmt. Zunächst schleicht sich das Grauen nur langsam an und das Leben und der Klinikalltag im "Waldfriede" läuft von den politischen Entwicklungen noch relativ unberührt ab. Aber als Lilly sich in den jüdischen Arzt Rudolph Kirsch verliebt, nimmt das auch Einfluss auf ihr Leben. Ihre Zukunft ist ungewiss, niemand weiß, was noch kommen wird, auch für den Alltag in der Klinik. Man fühlt richtig die Machtlosigkeit von Conradi und seinen Leuten, die ja eigentlich nur eins wollen: kranken Menschen nach bestem Wissen und Gewissen zu helfen. Aber die Willkür der neuen Regierung verhindert dies.

Authentisch, fesselnd und emotional, eine Geschichte, in die man eintaucht und die einen so schnell nicht wieder los lässt. 
 
Ich bin schon gespannt auf den dritten Teil "Sturmtage", der Ende Dezember erscheint.
 
Und vielen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal und den Verlag, dass ich das Buch lesen durfte.  
 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹