Posts mit dem Label Island werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Island werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. Februar 2024

Rezension: "Das gefrorene Licht" von Yrsa Sigurdardottir

Sommer 2006, im Westen von Island. Auf der Halbinsel Snaefellsnes wird die Architektin eines Wellness-hotels tot am Strand aufgefunden. Sie wurde vergewaltigt und brutal erschlagen, in ihren Fußsohlen stecken Nadeln. Rechtsanwältin Dora Gudmundsdottir findet heraus, dass die Ermordete sich sehr für die Geschichte der verlassenen Gegend interessiert hat. Vor vielen Jahrzehnten stand auf dem jetzigen Hotelgrundstück die Höfe zweier Brüder. Offenbar ist sie auf ein unaussprechliches Familiengeheimnis gestoßen...

Nach "Das letzte Ritual" ist dies der zweite Island-Krimi der Autorin mit Anwältin Dora. Dieses Mal bittet sie der Hotelbesitzer Jonas um Hilfe, den sie schon beim Kauf des Grundstücks beraten hat. Die geschiedene Mutter zweier Kinder macht sich auf den Weg zum Hotel. Bei ihren Recherchen stößt sie auf allerhand Geheimnisse der Mitarbeiter des Hotels sowie der Bewohner des kleinen Ortes. Unterstützt wird sie dabei von dem Deutschen Matthias, der gerade Urlaub hat. Die beiden haben sich im ersten Teil der Reihe kennengelernt. 

Die Geschichte ist fast 20 Jahre alt und an manchen Dingen merkt man das. Es gibt noch keine Smartphones, Dora muss für Recherchen den Hotelcomputer mit Internetzugang nutzen. Auch die gute alte Straßenkarte und der Stadtplan werden benutzt. Da wird man fast ein wenig nostalgisch. *g* 
Deswegen hat mich das Buch aber nicht weniger unterhalten. Man ist von Anfang an mittendrin in der Handlung und durch Überraschungen und Wendungen wird die Spannung bis zum Ende aufrecht erhalten. Es gibt auch Momente zum Schmunzeln, denn die Reihe ist nicht ganz so düster wie andere Bücher der Autorin. Aber es wäre kein Island-Krimi von Yrsa Sigurdardottir, wenn nicht doch ein kleiner Hauch des Übernatürlichen dabei wäre. Im Vorwort schreibt sie auch, dass der Glaube daran in Island sehr viel ausgeprägter sei als im Rest der westlichen Welt. Warum auch sonst, sollte es Elfenbeauftragte geben? 

Ein solider Krimi, der mich durchweg gut unterhalten hat mit anschaulichen Beschreibungen der isländischen Landschaft und einem flüssigen Schreibstil.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹




Montag, 6. Juni 2022

"Das letzte Ritual" von Yrsa Sigurdardottir

In der Universität von Reykjavik wird die Leiche eines jungen Deutschen gefunden. Der Geschichtsstudent Harald Guntlieb war fasziniert von alten Hexenkulten und sein Mörder hat ihm ein merkwürdiges Zeichen in die Haut geritzt. Die isländische Polizei glaubt an ein Drogendelikt und verhaftet einen Dealer. Die Eltern des Opfers misstrauen den Ermittlungen. Sie beauftragen die Anwältin Dora Gudmundsdottir, den Fall noch einmal aufzurollen. Zusammen mit dem Deutschen Matthias Reich, einem ehemaligen Polizisten und Mitarbeiter der Familie Guntlieb, begibt Dora sich auf die Suche nach dem wahren Mörder und findet mehr über dunkle Rituale heraus, als ihr lieb ist.

Skandinavische Krimis oder Thriller und ich, das ist eigentlich immer eine schwierige Sache. Nicht so mit "Das letzte Ritual", welches mir gut gefallen hat. 
Sicher liegt das auch am Thema der Hexenverfolgung und Rituale, die Geschichte Islands und die des wohl berüchtigsten Buches der Welt: Malleus Maleficarum, der Hexenhammer. Eine Art Gebrauchsanweisung, wie man im Mittelalter mit angeblichen Hexen verfahren sollte. Damit wurde die Hexenverfolgung quasi legitimiert. Geschrieben wurde das Buch von einem deutschen Theologen, Heinrich Kramer. 

Mir hat auch der Schreibstil gut gefallen, er ist lebendig und die Geschichte durchweg spannend. Aber es gibt auch Szenen zum Schmunzeln, wenn Dora und Matthias sich gegenseitig aufziehen und z. B. die Unterschiede zwischen Deutschen und Isländern aufzeigen. Die Hintergrundinfos über die Hexenverfolgung sowohl in Island als auch in Deutschland sind gut in die Krimihandlung eingebaut. Nach und nach werden die Puzzleteilchen zusammen gesetzt und der Leser wird zum Miträtseln animiert. 

Dora als Hauptfigur war mir sehr sympathisch. Sie ist allein erziehende Mutter eines Teenagers und einer jüngeren Tochter, voll berufstätig und versucht allen gerecht zu werden. Sie ist taff und mutig und glaubt an das Gute im Menschen. Auch ihr Verhalten, als ihr Sohn in Schwierigkeiten gerät, fand ich gut. 

Wie ich gesehen habe, gibt es noch weitere Bücher der Reihe, die ich sicher auch noch lesen werde. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹
 



Samstag, 15. Juni 2019

Rezension: "Sog" von Yrsa Sigurdardottir

Zwölf Jahre nach der Vergewaltigung und dem Tod eines Mädchens wird an einer Schule eine Zeitkapsel geöffnet, die vor zehn Jahren vergraben wurde. Neben Briefen von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahr 2016 vorstellen, wird auch eine Liste mit Initialen von zukünftigen Mordopfern gefunden, eindeutig geschrieben von einem Kind. Komissar Huldar, nach seinem letzten Fall von seinen Leitungsaufgaben entbunden, soll der Sache nachgehen. Wenig motiviert macht er sich an die Arbeit. Aber dann tauchen in einem Hot Tub zwei abgetrennte Hände auf und nach einer ersten, brutal ermordeten Leiche bekommen es die Ermittler bald mit einer zweiten zu tun. Und was hat das Ganze mit dem Kinderschänder Jon Jonsson zu tun, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde? Huldar wird klar, dass die Nachricht aus der Zeitkapsel doch wohl ernster zu nehmen ist als gedacht und holt außerdem die Kinderpsychologin Freyja dazu, die seit dem letzten gemeinsamen Fall bei ihrer Dienststelle ebenfalls in Ungnade gefallen ist. 

Gleich vorweg: Ich kenne den ersten Teil der Reihe nicht, aber wie ich festgestellt habe, ist das auch nicht unbedingt notwendig. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, aber angesichts des Titels hatte ich etwas mehr Spannung erwartet. In einen Lese-"Sog" hat es mich nicht direkt gezogen. Ich kenne von der Autorin ein paar andere Bücher, die mir besser gefallen haben, "Geisterfjord" zum Beispiel. 

Die Geschichte ist auf jeden Fall von Anfang bis Ende gut geschrieben und schlüssig durchdacht. Bei manchen Gedankengängen der Figuren musste ich auch mal schmunzeln. 
Huldar war mir durchaus sympathisch, Freyja auch. Obwohl ich ihr ziemlich gleichgültiges Verhalten Molly gegenüber nicht gut fand, aber das ist mein Problem. *g*

Ich würde sagen, es ist ein guter Krimi, aber als Thriller würde ich "Sog" nicht bezeichnen, denn dafür fehlte mir die durchgehende Spannung, das "Ich muss jetzt unbedingt weiterlesen". Deswegen gibt es auch nur 4 von 5 Fledermäusen. 

Bewertung: 🦇🦇🦇🦇






Dienstag, 11. Juni 2019

Namensgebung in Island

Ich lese gerade mal wieder einen isländischen Thriller von Yrsa Sigurdardottir. Und schon immer hat mich die Namensvergabe in Skandinavien allgemein und besonders in Island interessiert. 
So unaussprechlich die Familiennamen ja erscheinen, so einfach ist die Namensgebung im Grunde. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern setzt sich der Personenname nicht aus einem Vornamen und einem Familiennamen zusammen. Er wird vom Vater des Kindes abgeleitet oder in seltenen Fällen auch mal von der Mutter. Dabei kommt es darauf an, ob das Kind männlich oder weiblich ist. Heißt der Vater z. B. Jon mit Vornamen, würde ein Sohn als "Nachnamen" Jonsson heißen, eine Tochter Jonsdottir.  (dottir = Tochter)

Bis heute wird diese Namensgebung in Island fortgeführt und ich finde diese Tradition sehr schön und sie zeigt meiner Meinung nach die Familienzugehörigkeit noch deutlicher bzw. die Abstammung von den Eltern. So ist in der isländischen Kultur der Nachname nicht Teil des Namens, sondern eine kurze Beschreibung der Familiengeschichte. 
Norwegen und Schweden sind mittlerweile zum Familiennamensystem übergegangen, in Dänemark dagegen ist die Verwendung von Vaternamen seit 2006 wieder erlaubt, auf den Färöer-Inseln (die zu Dänemark gehören) sogar seit 1992. 

Isländer reden sich auch nie mit "Herr" oder "Frau" an, selbst bei formalen Anreden benutzen sie den Vornamen. Oder bei hochgestellten Persönlichkeiten den vollen Namen. Viele denken ja auch, die isländische Sängerin Björk hätte einen Künstlernamen, aber nein, es ist einfach ihr Name. 

Andererseits ist es auch nicht einfach so möglich, seinem Kind irgendeinen beliebigen ausländischen Namen zu geben. Es gibt ein Benennungskomitee, das einen "neuen" Namen erst genehmigen muss, bevor er verwendet werden darf. Wichtig ist, dass er in die isländische Sprache integriert werden kann, also Buchstaben des isländischen Alphabets enthält. Was ich jetzt aber auch nicht schlimm finde, denn so bleiben auch Traditionen und alte Namen erhalten. 

Mein "Familienname" wäre in Island übrigens Karlsdottir. Klingt auch nicht schlecht. 😊 




Sonntag, 23. September 2018

Rezension: "Nebelmord" von Yrsa Sigurdardottir

Der Fotograf Helgi und drei weitere Personen sollen eine Nacht und einen Tag auf einer kleinen Leuchtturminsel vor Island verbringen, um dort Wartungsarbeiten durchzuführen. In der Nacht zieht ein Sturm auf und am Morgen ist einer von ihnen tot. Nur einer der Überlebenden kann der Mörder sein.
Zur gleichen Zeit geschehen in einem Haus in Reykjavik merkwürdige Dinge. Noi und Vala kommen aus einem Florida-Urlaub zurück. Sie haben für zwei Wochen ihr Haus mit einem amerikanischen Ehepaar getauscht und finden bei ihrer Rückkehr Hinweise, dass diese vielleicht gar nicht wieder abgereist sind.
Und dann ist da noch Polizistin Nina, deren Mann nach einem Selbstmordversuch im Koma liegt. Eine Chance, dass er wieder aufwacht, gibt es nicht und Nina muss nun eine schwere Entscheidung treffen...

Im Wechsel werden hier drei Handlungstränge erzählt, am Beginn jedes Kapitels steht das Datum. Zunächst läuft alles mehr oder weniger parallel und man fragt sich natürlich, was das alles miteinander zu tun hat. Zum Ende hin werden die drei Geschichten dann zu einer Auflösung zusammengeführt. Dieses Hinhalten und der Wechsel in fast jedem Kapitel, hält natürlich die Spannung aufrecht und den Leser am Ball.

Der Autorin gelingt es hervorragend, die düstere Stimmung rüber zu bringen, die Beschreibung des isländischen Winters tut ihr Übriges. 

Nach "Geisterfjord" ist dies mein zweiter Thriller von Yrsa Sigurdardottir und auch "Nebelmord" hat mir sehr gut gefallen. Er hat alles, was man von einem nordischen Krimi erwartet. 

Bewertung: 🦇🦇🦇🦇🦇