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Montag, 25. August 2025

Rezension: "Das Glück liegt am Strand" von Christin-Marie Below

Liv liebt ihren Job als Intensivkrankenschwester, auch wenn sie kaum noch Zeit für sich findet. Doch als eine alte Schulfreundin auf ihrer Station nur knapp überlebt, beschließt Liv, sich endlich wieder mehr um sich selbst zu kümmern. Sie fährt nach Norderney, wo sie früher oft mit ihren Großeltern war und ihre Schwester Johanna mittlerweile ein Café betreibt. Zwischen den unterschiedlichen Schwestern kracht es allerdings schon beim ersten Treffen. Doch als Liv erfährt, dass es schlecht um Johannas Café steht, beschließt sie, ihr zu helfen. Und dann klopft plötzlich die Liebe an die Tür. Liv muss sich entscheiden. Welches Leben passt wirklich zu ihr?

Wenn das Meer die Seele freipustet. 

Dieser Satz auf der Rückseite über dem Klappentext trifft perfekt den Kern des Buches. Liv steht kurz vor einem Burnout. Als eine Schulfreundin von früher mit Krebs auf ihrer Station landet und bei einem Notfall nur knapp gerettet wird, zieht sie endlich die Reißleine. Zusammen mit einem alten Holzkästchen, dass sie von ihrer Mutter bekommen hat, fährt sie nach Norderney zu ihrer Schwester. In diesem Kästchen befinden sich Nachrichten von ihrer Oma, die sie jeden Morgen an ihren Mann, also Livs Opa, schrieb. Eine sehr schöne Idee, wie ich finde. Auch Liv helfen einige Sätze ihrer Oma, wieder zur Ruhe zu kommen, um herauszufinden, was wirklich wichtig ist. Hat sie einen Plan für ihr weiteres Leben? Welche Träume möchte sie unbedingt noch wahr machen? 
Auch die Insel, das Meer und die raue Seeluft tun ihr unheimlich gut. Und auch wenn das Wiedersehen anfangs nicht so einfach ist, fühlt sie sich doch wohl in der Nähe ihrer chaotischen Schwester Johanna. Gemeinsam erinnern sie sich an die Ferien ihrer Kindheit, die sie hier mit ihren Großeltern auf Norderney verbracht haben, denn ihre Eltern hatten eigentlich nie Zeit für sie. 
Und gemeinsam versuchen sie schließlich auch, Johannas Café zu retten.

"Das Glück liegt am Strand" ist kein Liebesroman, auch wenn die Liebe natürlich eine Rolle spielt. Aber genauso wichtig sind Familie und Freundschaft. Es geht darum, zu sich selbst zu finden und vielleicht mal zu hinterfragen, ob man wirklich glücklich ist mit seinem Leben oder ob man etwas ändern sollte. Welche Ziele, Träume und Pläne hatte man als Kind oder Teenager und welche habe ich bisher tatsächlich erfüllt oder erreicht?
Es gibt übrigens ein Wiedersehen mit Yve, die auch eine Rolle in "Unser Reetdachhaus am Strand" spielt. Leser von Christin-Marie Below werden sich erinnern. ;-) 

Und am Ende findet man leckere Rezepte für Kuchen und Kekse. :-) 

Eine Geschichte zum Wohlfühlen und Eintauchen, perfekt für den Sommer. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹




Dienstag, 12. August 2025

Rezension: "Unsere Tage am Fluss" von Karin Lindberg

Deutschland, heute: Eine rätselhafte Botschaft im Nachlass ihrer Großmutter führt Elisa nach England auf das majestätische Rosewood Manor. Unter einem Vorwand beginnt sie dort zu arbeiten, um nach einem verschollenen Tagebuch zu suchen –, und trifft auf den reservierten Hausherrn Calam. Beide gehen sich anfangs aus dem Weg, bis Elisa erkennt, dass sie mehr mit Calam verbindet als gedacht. Bei ihren gemeinsamen Recherchen kommen sie sich näher und ihr Geheimnis lastet immer schwerer auf ihr. Als sie endlich das Tagebuch findet, droht alles zu zerbrechen …

England, 1908: Harriett Lyndham führt ein Leben im goldenen Käfig. Ihre Ehe gleicht einer Fassade, hinter der sich nur noch Leere verbirgt. Doch dann kommt der charismatische Arzt Arthur Schelling nach Rosewood Manor – und zum ersten Mal seit Jahren fühlt Harriett wieder. Zwischen heimlichen Blicken und verbotenen Berührungen entflammt eine Leidenschaft, die beide in den Abgrund zu reißen droht. Denn Harrietts Ehemann ist nicht bereit, sie gehen zu lassen …

Zunächst vielen Dank an Lovelybooks und den Verlag für den Buchgewinn. 

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. 
In der Gegenwart arbeitet Elisa als Investigativjournalistin in Hamburg, aber ihre letzte Enthüllung hat sie ihren Job und auch ihren guten Ruf gekostet. Da kommt ihr der Fund ihrer Schwester im Haus ihrer verstorbenen Großmutter sehr recht. Ein Foto aus dem Jahr 1908 zeigt eine fremde Frau und einen Hinweis auf ein Tagebuch in einem herrschaftlichen Haus in England. Elisa bewirbt sich als Reinigungskraft auf Rosewood Manpr und flüchtet nach England. Sie hofft, so hat sie Gelegenheit irgendwo das Tagebuch zu finden. Der Hausherr, Calam Lyndham erwischt sie gleich zu Beginn in einer unschönen Situation, gibt ihr aber eine Chance. Gemeinsam suchen sie nach Spuren von Harriett Lyndham und begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit. 

Im Jahr 1908 steht Harriett im Mittelpunkt der Geschichte. Nach dem Tod ihres Vaters hat die Stiefmutter sie mit dem um einiges älteren Lord Edward Lyndham verheiratet, um ihr eigenes Ansehen in der Gesellschaft zu festigen. Dabei hätte Harriett viel lieber Medizin studiert. Aber ihr Mann will nur eins von ihr: einen Erben. Leider ist die Ehe seit vier Jahren kinderlos und Harriett sitzt in einem Goldenen Käfig, der Willkür ihres kalten, brutalen und herzlosen Mannes hilflos ausgeliefert. Hier wird die Situation der Frauen zu damaligen Zeit sehr deutlich, denn wenn sie verheiratet waren, hatten sie praktisch keine Rechte mehr. 
Trotzdem ist sie eine starke Frau und als sie den Arzt Arthur Schelling kennenlernt, erfährt sie zum ersten Mal wahre Zuneigung und Fürsorge. Aber das Spiel ist gefährlich und für eine gemeinsame Zukunft muss sie alles riskieren, auch ihr Leben. 

"Unsere Tage am Fluss" war mein erstes Buch von Karin Lindberg. Tatsächlich hat mir der historische Teil besser gefallen, als der in der Gegenwart. Vielleicht, weil mir die Geschichte mit Calam und Elisa doch ein bisschen zu viel in Richtung Liebesroman geht, das ist ja nicht so ganz mein Beuteschema. :-) 

Insgesamt war der Roman gut zu lesen. Ein lebendiger und flüssiger Schreibstil, vielschichtige Charaktere und anschauliche Beschreibungen der jeweiligen Zeit, auch die Sprache passt. Der Perspektivwechsel in den Kapiteln hält die Spannung aufrecht. Und auch wenn nicht in der Ersten Person erzählt wird, ist man immer mittendrin im Geschehen, sowohl bei Elisa als auch bei Harriett. Bei den Recherchen von Elisa zum Tagebuch gibt es immer wieder Überraschungen und Rückschläge. Die Auflösung war für mich dann zwar nicht sehr überraschend, aber der Weg dorthin ist auf jeden Fall sehr interessant erzählt.

Fazit: Wer Romane auf zwei Zeitebenen mag, in denen es um Familiengeheimnisse geht und kein Problem mit ein bisschen Romantik hat, dem wird "Unsere Tage am Fluss" sicher gefallen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 30. Juli 2025

Rezension: "Annas kleiner Teeladen" von Fay Keenan

Nach dem Unfalltod ihres Mannes ihres Mannes vor zwei Jahren möchte Anna Hemingway endlich einen Neuanfang wagen. Sie zieht mit ihrer kleinen Tochter Ellie in ein malerisches Cottage in ihrem Heimatort Little Somerby und übernimmt das Café ihrer Patentante. So hat sie ihre Eltern und auch ihre beste Freundin seit Kindheitstagen, Charlotte, ganz in der Nähe. Und dann trifft sie auch noch auf Matthew Carter, den Besitzer der örtlichen Cider-Farm. Langsam nähern sich die beiden an. Doch auch Matthew musste im Leben einige Enttäuschungen verkraften, nachdem ihn seine Frau vor einigen Jahren und mit einer halbwüchsigen Tochter zurückgelassen hat. Sein einziger Lichtblick ist Anna und bald gehören urige Dorffeste und Cider-Verkostungen unter den Sternen und Annas und Matthews neuem Leben. Doch dann geschieht eine Tragödie und das neu gewonnene Glück gerät in Gefahr…

Anna ist Mitte Dreißig als sie plötzlich Witwe wird. Nach zwei Jahren ergreift sie die Chance und übernimmt zunächst für ein Jahr das Café ihrer Patentante Ursula. Sie kauft das Pippin Cottage zwei Häuser neben ihrer besten Freunden Charlotte. Anna ist mir gleich sympathisch und ich finde es mutig, dass sie einen Neuanfang wagt, schon alleine für ihre Tochter.  Zunächst für ein Jahr - solange begleiten wir sie auch in ihrer neuen Heimat - und dann will sie schauen, wie es weitergehen wird.

Ich konnte direkt in die Geschichte eintauchen und der flüssige Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Autorin schafft es, die Szenen so bildhaft zu gestalten, dass man das Gefühl hat, direkt am Geschehen teilzuhaben – sei es bei einem Spaziergang durch Little Somerby, im Café oder bei der traditionellen Baumsegnung im Apfelgarten.

Im Kern ist dies schon ein klassischer Liebesroman, aber ich fand ihn trotzdem nicht zu kitschig. Die Charaktere haben Tiefgang, ihre Motivationen und inneren Konflikte werden nachvollziehbar und einfühlsam dargestellt. Man lernt sie mit all ihren Stärken und Schwächen kennen und schließt sie schnell ins Herz. Das gilt wie gesagt vor allem für Anna, aber auch für Matthew, Meredith oder Charlotte. Gerade die kleinen Marotten in ihren Persönlichkeiten sorgen immer wieder für Momente zum Schmunzeln, die dem Roman an den richtigen Stellen etwas mehr Leichtigkeit verleihen. So sieht man gerne auch mal über ein paar "funkelnde Augen" zu viel hinweg. ;-) 

Für mich persönlich war es teilweise ein bisschen zu viel Romantik, ich hätte mir gewünscht, dass das Café mehr im Mittelpunkt steht. Für Liebhaber gefühlvoller Geschichten ist "Annas kleiner Teeladen"  aber sicher genau das Richtige. Wer also auf der Suche nach einer herzerwärmenden Lektüre mit der passenden Dosis Humor ist, die das Herz höherschlagen lässt und Mut macht, wird dieses Buch lieben. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Montag, 14. Juli 2025

Rezension: "Das kleine Bücherdorf - Sommerzauber" von Katharina Herzog

Im vierten und leider auch letzten Teil der "Kleinen Bücherdorf"-Reihe von Katharina Herzog geht es dieses Mal um Ann Webster. Die Inhaberin des Second Hand Geschäfts "Vintage & Couture" verkauft wunderschöne Kleidungsstücke und jedem liegt in einem Briefumschlag die Geschichte seiner früheren Besitzerinnen bei. Nur einem nicht: dem traumhaften Brautkleid von Valentino im Schaufenster - das nicht zum Verkauf steht. Warum,  darüber schweigt Ann. Und das ist nicht ihr einziges Geheimnis. Ann schreibt heimlich und sehr erfolgreich historische Liebesromane unter einem Pseudonym. Als ein großer Verlag auf sie aufmerksam wird, ist sie überglücklich. Doch die Lektorin möchte ausgerechnet, dass sie die Geschichte des unverkäuflichen Brautkleids erzählt. Und somit auch die Geschichte von ihr und Ray, der ihr vor vielen Jahren das Herz gebrochen hat - und der nun nach Swinton gekommen ist, weil er im alten Herrenhaus Swinton Manor ein Hotel eröffnen will. Ann wird klar, dass sie sich der Vergangenheit stellen muss, wenn ihr Traum vom Glück war werden soll...

Dies ist mein vierter Besuch in Schottlands Bücherstadt Swinton-on-Sea und auch in "Sommerzauber" habe ich mich wieder sehr gut unterhalten gefühlt. 
Ann steht eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben. Sie hat ihre gutgehende Boutique, Tochter Isla ist erwachsen und steht selbst kurz vor ihrer Hochzeit und mit ihrem Ex-Mann Colin verbindet sie ein freundschaftliches Verhältnis. Aber als der Mann, der sie damals vor dem Traualtar stehen ließ, plötzlich in Swinton auftaucht, um das alte Herrenhaus zum Hotel umzubauen, bringt das ihre Welt gehörig ins Wanken. Und dann ist er auch noch Islas Chef! 
Und dann die Sache mit ihrem zweiten Standbein als Autorin historischer Liebesromane, die sie auch noch als E-Book veröffentlicht, was in einer Bücherstadt wie Swinton-on-Sea absolut verpönt ist. Bisher weiß niemand davon außer ihre Freundin Shona. Was soll sie tun? Von einem Verlagsvertrag hat sie natürlich immer geträumt, aber ist sie bereit, das Geheimnis des Brautkleids zu offenbaren und damit auch ihr eigenes?

Anns Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. Sie berührt emotional, ohne kitschig zu sein, ist lebendig geschrieben und mit einem feinen, manchmal typisch britischem Humor. Der gelungene Schreibstil schafft Atmosphäre, und lässt Bilder im Kopf entstehen.  Man hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, die Orte zu sehen und die Charaktere persönlich zu kennen. Es gibt auch ein Wiedersehen mit vielen Figuren der vorherigen Teile wie Graham und Vicky, Shona und Nate und Eliyah und Betty. Auch Nanette, Nancy und Dorothy und der selbst ernannte "Dorfsheriff" Paul sind wieder dabei. 

Fazit: Ein gelungener Abschluss der "Kleinen Bücherdorf"-Reihe. Schade, dass dies mein letzter Buch in Swinton-on-Sea" war.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹


Die anderen Teile sind:

Mit einem Klick auf die Titel kommt ihr zu meinen Rezensionen.
Und nicht wundern, dass die chronologische Reihenfolge nicht zur Reihenfolge der Jahreszeiten passt, das hat dramaturgische Gründe. 



Montag, 7. Juli 2025

Rezension: "Strandkorbbriefe" von Marie Merburg

Das Krummhörner Wochenblatt will die Tradition des Briefeschreibens wieder aufleben lassen und hat seine männlichen Leser dazu aufgerufen, der Liebe ihres Lebens öffentlich zu schreiben. Gewonnen hat ein anonymer Liebesbrief, der so wundervoll romantisch ist, dass die ganze Gegend darüber spricht. Und alle sind sich einig: Merle ist diejenige, die dem mysteriösen Dichter das Herz gestohlen hat. Die hält das jedoch für Humbug. Wenn jemand ihr so zugetan wäre, wüsste sie schließlich davon! Oder etwa nicht?! Um auf Nummer sicher zu gehen, versucht sie, die Identität des Schreibers herauszufinden. Leider weigert sich Bastian, der attraktive Redakteur des Wochenblatts, Informationen herauszurücken. Er wittert nämlich eine herzergreifende Story und heftet sich bei Merles Suche ungefragt an ihre Fersen.


Mit „Strandkorbbriefe“ führt uns die Autorin zurück nach Greetsiel. Merle kannte ich schon aus „Nordseesterne“, da steht allerdings ihre Cousine Luisa im Mittelpunkt der Geschichte.

Hier geht es nun um Merle. Die taffe Polizistin ist nach einem Vorfall im Dienst arbeitsunfähig und verbringt ihre Zeit beim Physiotherapeuten, Psychologen und mit dem Hund ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Clara. Die als Lehrerin absolut davon begeistert ist, dass noch jemand Liebesbriefe schreibt und das ganz ohne Rechtschreibfehler. Auch sie ist überzeugt, dass der Brief nur an Merle gerichtet sein kann, wofür nicht nur die Anrede „Liebe M.“ spricht. 
Merle selbst ist skeptisch, sie kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass jemand aus ihrer Vergangenheit so etwas für sie tun würde. Aber schließlich wird sie doch neugierig und wegen einer dummen Idee hat sie bei der Suche nach ihrem Verehrer dann den Zeitungsredakteur Bastian „an den Hacken“. Zusammen machen sie sich auf eine Reise in Merles Vergangenheit zu ihren Ex-Freunden, denn der Brief deutet darauf hin, dass es nur jemand sein kann, den sie zumindest schon mal geküsst hat. Dass dies zu einigen komischen Situationen, Verwirrungen und Missverständnissen führt, kann man sich denken. 

Auch der verbale Schlagabtausch zwischen Merle und Bastian hat mich oft schmunzeln lassen, denn jeder muss immer das letzte Wort haben und beide haben einen ausgeprägten Sturkopf. 
Letztendlich ist natürlich klar, wie die Geschichte endet, aber bis dahin gibt es noch einige überraschende, interessante und auch emotionale Momente. Aber es wird dabei nie kitschig.

Der Schreibstil ist sehr lebendig und bildhaft. Ich war schon ein paar Mal in Greetsiel und kenne auch viele der anderen genannten Orte, daher konnte ich alles besonders gut vor mir Sehen. 

Alles in allem habe ich mich sehr gut unterhalten und Merles Geschichte gerne gelesen. Ein kleiner Kurzurlaub in Ostfriesland. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹







Mittwoch, 4. Juni 2025

Rezension: "Das Geheimnis der verborgenen Bibliothek" von Felicity Whitman

Bei ihrer Doktorarbeit über die Entstehung von Heldenmythen macht Zoe Farwell eine Entdeckung: Ihr Vorfahre Gerald Farwell, der wie ein Heiliger verehrt wird, ist anscheinend ermordet worden. Doch warum findet sich dazu nichts in den Akten? Ihre Neugierde ist geweckt.
Liverpool, 1839. Ein Mörder geht um in der Stadt, der es speziell auf Prostituierte abgesehen hat. Doch für ermordete Dirnen fühlt sich die örtliche Polizei nicht zuständig. Einzig Madeline Brown, mit einer der getöteten Huren eng befreundet, verlangt Aufklärung. Doch die Polizei bleibt untätig. Erst als Gerald Farwell, Bruder des Earls of Wooverlough und Pfarrer der Gemeinde, gewaltsam ums Leben kommt, schaltet sich die Metropolitan Police ein. Und auch Madeline begibt sich auf Spurensuche …

„Das Geheimnis der verborgenen Bibliothek“ ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. 
In der Gegenwart ist Zoe Farwell die Hauptfigur, eine Doktorandin in Oxford, deren Dissertation ausgerechnet einen ihrer Vorfahren zum Thema haben soll. Gerald Farwell hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahe Liverpool als Pfarrer gelebt und gearbeitet. Sein Bruder war der Earl of Wooverlough.
Zoes Mentorin, die Historikerin Charlotte, ist fasziniert von Geralds Geschichte und möchte unbedingt das Geheimnis seines Todes lüften. Schließlich wird Zoes Neugierde selbst geweckt, denn warum wurde Gerald ermordet, wenn er doch so ein frommer und guter Mensch war? Um mehr herauszufinden, muss Zoe allerdings zurück in ihr Elternhaus Wooverlough Court. Kein leichter Schritt, denn sie hat seit Jahren keinen Kontakt und weiß nicht, welcher Empfang sie erwartet. Grund ist, dass ihr Vater sie damals quasi aus dem Haus warf, weil er mit ihrem Outing nicht klar kam. Sie sollte erst zurück kommen, wenn sie diese fixe Idee, Frauen zu lieben, überwunden hätte. 

Im Jahr 1839 lernen wir die resolute Madeline Brown kennen. Die junge Frau lebt zwar ein gutes Leben, denn sie hat einen reichen Liebhaber, der ihr ein teures Haus, schöne Kleider und Dienstboten bezahlt, aber sie ist nicht wirklich frei. Ihr verheirateter Geliebter besucht sie, wann es ihm passt und dann hat sie ihm zur Verfügung zu stehen. Genauso gut kann das alles von einem Tag auf den anderen wieder vorbei sein, wenn er plötzlich keine Lust mehr auf sie hat. Dann müsste sie ihr Geld auf der Straße verdienen, wie viele Frauen in Liverpool und davor hat sie Angst. Gerade zur Zeit ist es gefährlich, denn es werden immer wieder Prostituierte auf brutale Weise ermordet, doch die Polizei unternimmt nichts. Bis schließlich die Metropolitan Police aus London die Ermittlungen übernimmt. 

Der Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen, es wird abwechselnd aus Zoes und aus Madelines Perspektive erzählt. Die Sprache ist auch im historischen Teil angemessen. 
Ich muss aber sagen, mir hat Madelines Geschichte besser gefallen als Zoes und ich fand sie auch glaubwürdiger und authentischer. 
In der Gegenwart nimmt Zoes „Liebesgeschichte“ für mich zu viel Raum ein und auch Charlottes Verhalten überzeugt mich nicht. Vermutlich will die Autorin hier mit der Zeit gehen, aber dramaturgisch hätte es nicht sein müssen. Für das Zerwürfnis mit den Eltern hätte man auch einen anderen Grund erfinden können. Irgendwann war ich auch ein wenig genervt von den „funkelnden Augen“, „glänzenden Haaren“ und „geheimnisvollem Lächeln“. 

Das Ende bzw. die Auflösung um Geralds Tod und seinen Ruhm hat mich dann aber überrascht und wieder ein wenig gnädig gestimmt. Insgesamt habe ich mich dann doch noch gut unterhalten gefühlt. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Montag, 30. September 2024

Rezension: "Der Weg ins Apfelreich" von Anna Fredriksson

Der Herbst ist im südschwedischen Kivik angekommen und die Apfelbäume tragen bereits Früchte. Vanja kann ihre erste Kunstausstellung seit langer Zeit feiern, sie wird ein großer Erfolg. Doch ein Geist aus der Vergangenheit taucht bei der Eröffnung auf und wirft sie ganz schön aus der Bahn …
Ihre Tochter Sally bekommt in ihrem Bed & Breakfast tatkräftige Unterstützung von ihrem neuen Freund Peter, mit dem sie im Liebesglück schwebt. Doch eine Sache lässt sie nicht los: Sie hat einen Onkel, doch ihre Mutter Vanja hüllt sich über ihren Bruder in Schweigen. Sally bleibt nichts anderes übrig, als selbst Nachforschungen anzustellen, um die Familie wieder komplett zu machen.
Auch Sallys Tochter Josefin eröffnet endlich ihre eigene Vintage-Boutique, doch die Kunden bleiben aus. Ist ihr Traum bereits vorbei, bevor er richtig angefangen hat?

"Der Weg ins Apfelreich" ist der dritte und abschließende Teil der Familiengeschichte um drei Frauen aus drei Generationen. Spielten die ersten beiden Teile im Frühling und Sommer, ist es nun Herbst in Kivik. 

Vanja hat mit Anfang siebzig ihre erste Kunstausstellung und diese wird ein großer Erfolg. Außerdem trifft sie dort auf jemanden aus ihrer bewegten Vergangenheit, mit dem sie nicht gerechnet hat. Dadurch werden aber auch viele alte Erinnerungen und Gefühle wieder wach, die sie am liebsten für immer begraben hätte.
Die Pension ihrer Tochter Sally läuft richtig gut und sie ist bis zur Schließung über den Winter Ende Oktober ausgebucht. Unterstützt wird sie dabei von Peter, mit dem die Beziehung nun offiziell ist, auch mit der Ernte seiner Apfelplantage.  
Sallys Tochter Josefin und ihr Lebensgefährte Harald haben auf ihrem Hof nebenbei eine Vintage-Boutique eröffnet, aber so richtig will das Geschäft nicht anlaufen. Sie hoffen, durch das jährliche Fahrradfest im Ort mehr Kontakte zu knüpfen und so durch Mundpropaganda auch mehr Kunden anzulocken. Zunächst scheint es auch zu funktionieren. Aber anscheinend treibt ein einflussreiches Paar aus dem Ort ein falsches Spiel. 

Im ersten und zweiten Teil hatte ich immer so meine Schwierigkeit mit Vanja, ich wurde mit ihr einfach nicht warm. Das war auch in diesem dritten Teil zunächst so. Aber gegen Ende, nachdem man mehr über ihre Familiengeschichte erfährt, hat sich das geändert. Ich konnte viele ihrer Handlungen und Gedankengänge besser nachvollziehen.
Sally und Josefin fand ich von Anfang an sympathisch und hoffte daher sehr, dass sich die anbahnenden Probleme irgendwann in Luft auflösen würden.  

Wie immer sind die Kapitel abwechselnd aus Sicht von Vanja, Sally und Josefin geschrieben und haben für mich genau die passende Länge. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und die Beschreibungen des herbstlichen Österlen sind sehr anschaulich. Dazu passt auch das wunderschöne Cover. 

Sollte man die ersten beiden Teile gelesen haben? Ja, ich finde schon, denn sonst hat man sicher Probleme in die Geschichte reinzukommen und gewisse Handlungen und Gedankengänge der Figuren nachzuvollziehen. Auch werden einem nur die Weiterentwicklungen der drei Frauen bewusst werden, wenn man die Vorgeschichten kennt. 

Für mich ist "Der Weg ins Apfelreich" ein gelungener und passender Abschluss der Trilogie, die ich auf jeden Fall allen Lesern von Familiengeschichten empfehlen kann. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Freitag, 20. September 2024

Rezension: "Das kleine Bücherdorf - Herbstleuchten" von Katharina Herzog

 Betty Andrews lebt in Boston, ist Hollywoodschauspielerin und erfolgreiche Kinderbuchautorin. In den Sachen ihrer Großmutter stößt sie auf farbenfrohe Zeichnungen, die perfekt für ihr neues Buch wären. Doch ihre Oma ist nicht bereit, darüber zu sprechen, woher sie stammen, und über den Künstler E. Smith ist nur bekannt, dass er oder sie in einem Dorf an der Südwestküste von Schottland lebt. Kann dieses Dorf Swinton-on-Sea sein? Gerade hat Betty eine Einladung für das dortige Book Festival erhalten und obwohl sie normalerweise öffentliche Auftritte meidet, reist sie nach Schottland, um Nachforschungen anzustellen. Bereits kurz nach ihrer Ankunft wird sie von Fans verfolgt. Der Buchhändler Eliyah hilft ihr und bringt sie ins B&B seiner Großmutter Nanette. Bei den Recherchen über den geheimnisvollen Künstler kommen die Schauspielerin und der zurückhaltende Bücherwurm sich näher. Dann macht Eliyah eine Entdeckung, die ihm zeigt, dass seine tragische Familiengeschichte end mit Bettys verknüpft ist.

"Herbstleuchten" war mein dritter Besuch im kleinen Bücherdorf Swinton-on-Sea und er hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Es gibt ein Wiedersehen mit vielen Charakteren aus den vorherigen Bänden wie Vicky, Graham, Shona, Nate, Isla, Ann, Paul, Nanette und natürlich Eliyah. 

Leser der Reihe wissen, dass Nanette zwei Schicksalsschläge erlebt hat. Ihre kleine Tochter Elsie ertrank in einem See und ein Jahr später hat sich deswegen ihr Mann das Leben genommen. Zurück blieb sie mit ihrem Sohn Reggie, Eliyahs Vater. Aus Rückblenden erfährt man schnell, dass Helena, Bettys Großmutter, als Au-Pair-Mädchen für die Betreuung von Elsie zu den MacDonalds kam. Den tragischen Unfall hat sie sich nie verziehen. Später konzentrierte sie sich daher ganz auf die Erziehung ihrer Enkelin Betty, denn ihre Mutter Gigi war damit überfordert. 
Nach einem Zwischenfall bei einer Buchmesse meidet Betty öffentliche Auftritte, aber die Reise nach Schottland muss sie einfach machen, um E. Smith zu finden. Seine Zeichnungen sind einfach perfekt für ihr neues Buchprojekt. 
Das Geheimnis um E. Smith zieht ja schon durch die ganze Reihe und ich war sehr gespannt, ob es nun gelüftet wird und wir erfahren, wer der oder die Künstlerin ist. Ob das der Fall ist, verrate ich hier natürlich nicht. :-)

Betty mochte ich gleich. Sicher, sie hat als Star viele Privilegien, aber es ist auch nicht immer leicht, denn Privatsphäre hat sie kaum und ständig steht sie unter Druck, irgendwas wird immer von ihr erwartet. In der Öffentlichkeit muss sie die Rolle des strahlenden Stars spielen, egal, wie es ihr gerade geht. Ihre Reise nach Schottland ist ein Ausbruch aus ihrem Goldenen Käfig und zu sich selbst. 
Auch das Eliyah hier eine größere Rolle bekommt, hat mir gut gefallen. 

Auch diese Geschichte aus dem kleinen Bücherdorf mit seinen manchmal schrulligen, aber liebenswerten Bewohnern habe ich sehr gerne gelesen. Sie ist warmherzig erzählt, lebendig und auch mit Humor.
Den Winter und den Frühling habe ich bereits dort erlebt, nun kenne ich auch den Herbst mit seinen bunten Farben und der ersten Ahnung von Winter in der Luft. Ich denke, im nächsten Jahr werde ich Swinton-on-Sea auch im Sommer besuchen. 



Bewertung: 🌹🌹🌹🌹



Anmerkung am Rande:
Eine Sache ist mir sauer aufgestoßen und zwar das Gendern. An mehreren Stellen wird Betty Andrews als "Stargästin" des Festivals bezeichnet. 😔 Schlimm genug, dass es dieses Wort in Deutschland gibt bzw. dass es neu erfunden wurde, aber wir sind hier in der Geschichte in Schottland und im Englischen wird nicht "gegendert". Tut mir leid, aber damit hemmt der Verlag für mich ein bisschen den Lesefluss, denn ich glaube, dass die Autorin nichts dafür kann. 
Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass sich irgendeine Frau herabgesetzt fühlt, wenn sie als "Stargast" bezeichnet wird. 








Mittwoch, 11. September 2024

Rezension: "Herbstwege" von Katharina Mosel

Helen wohnt mit ihrem Mann Daniel in Hamburg. Die Kinder sind aus dem Haus und vor einem Jahr ist Helens Mutter gestorben. Seitdem spricht sie nicht mehr mit ihrer Schwester Irene, die in Leverkusen im Elternhaus lebt, das sie von der Mutter geerbt hat. Helen wurde enterbt, da sie sich nach Meinung der Mutter zu wenig gekümmert hat. Irene hingegen war immer für die kranke Mutter da. Nun herrscht Funkstille zwischen den Schwestern. Dabei ging es Helen nie um das Geld, denn sie selbst hat eine Boutique in Hamburg und auch Daniel verdient in seiner Steuerkanzlei gut. Aber die Ungerechtigkeit der Mutter hat sie in ein tiefes Loch gezogen und mit ihrem Selbstmitleid vergiftet sie auch ihre Ehe. Daniel packt kurzerhand seine Koffer und reist nach Mallorca, um über die Zukunft nachzudenken. Helen rafft sich schließlich auch auf und besucht ihre Freundin Marlene auf Sylt. Zusammen mit Yorkshire Terrier Charlie verbringt sie viel Zeit auf der herbstlichen Insel und versucht, wieder zu sich selbst zu finden. Gibt es noch eine Chance für sie und Daniel? Und will sie das überhaupt? 

Pünktlich am 2. September habe ich mit dem Buch begonnen, mein erstes Buch für den diesjährigen Herbst. Ja, "Herbstwege" spielt im September und Oktober auf Sylt und die Jahreszeit ist auch ein Thema. Aber ich denke, dass hier eher der Herbst des Lebens gemeint ist, denn die Hauptfiguren haben alle die Mitte Fünfzig schon überschritten und fragen sich: Was kommt jetzt? 

Ich muss sagen, ich wurde mit Helen nicht wirklich warm, denn ich kann ihr Verhalten ihrer Schwester gegenüber nicht so richtig nachvollziehen. Auch wenn ich natürlich nach dem Lesen des Buches das Familiengeheimnis kenne und weiß, wieso Helens Mutter ihre Schwester in der Vergangenheit vielleicht bevorzugt hat. 
Auch mit Irene hatte ich anfangs so meine Probleme, aber dank Jasper hat sie sich ja doch ein wenig gewandelt.
Direkt sympathisch dagegen waren mir Marlene und Jasper. Zu Nordlichtern habe ich einfach einen Draht. *g* 
Und natürlich nicht zu vergessen Labrador Max und Yorkshire Charlie. Sie geben der Geschichte noch mal ein bisschen Herzenswärme. Manchem Leser mag es ein bisschen "zu viel Hund" sein, mir hat es gefallen. 

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Auch die landschaftlichen Beschreibungen des herbstlichen Sylt sind lebendig und anschaulich. Und dadurch, dass man als Leser schon früh ahnt, dass es ein Zusammentreffen der Schwestern geben wird, hält die Autorin die Spannung aufrecht. Man fragt sich, was passieren wird und wie es ausgeht.

Die Verbindungen zwischen den Hauptfiguren und warum es dann letztendlich zu einem  Aufeinandertreffen der Schwestern kommt, halte ich allerdings schon für einen sehr großen Zufall. Aber gut, es ist ein Roman und Fiktion, es muss ja nicht immer realistisch sein. 

Fazit: Eine Geschichte, die mich zwar unterhalten hat, aber doch nicht so ganz überzeugen konnte. Und es hätte mehr Herbst sein dürfen ;-)


Bewertung: 🌹🌹🌹 








Mittwoch, 14. August 2024

Rezension: "Das Licht in den Bäumen" von Patricia Koelle

Der Wald ist voller Geschichten und jeder Baum erzählt seine eigene...
Viele dieser Geschichten hat Nele von ihrer Großmutter Vio erfahren, als sie klein war. Jetzt, mit Anfang 30, ist Nele erwachsen und sucht noch nach ihrem Platz im Leben. Da bittet Vio ihre Enkelin, eine kleine Kiefer nach Rügen zu bringen, damit sie dort im sogenannten Geschichtengarten weiter wachsen kann. Bei ihrer Ankunft erfährt sie zum ersten Mal mehr über die Vergangenheit ihrer Großmutter und deckt ein Geheimnis auf, das weit in ihre Familiengeschichte reicht. Sie folgt den Spuren zum Darßer Urwald und schon bald lässt dieser Wald sie nicht mehr los. Kann sie auf der Suche nach der Vergangenheit vielleicht auch zu sich selbst finden?

"Das Licht in den Bäumen" ist der erste Teil der Sehnsuchtswald-Reihe von Patricia Koelle und er stand schon länger auf meiner Merkliste. Ich hatte das Glück, das Buch letztens auf dem Büchermarkt zu ergattern. 
Übrigens ist es ein perfektes Buch für den Herbst, denn die Geschichte beginnt im September. 
Zitat Seite 100
Es wird Herbst. [...] Da ist diese erste glückliche Ahnung in der Luft. Ich habe es schon heute morgen gerochen, als Timon das Fenster geöffnet hat. Ich freue mich darauf.
Aber natürlich kann man das Buch das ganze Jahr über lesen, denn es ist wirklich eine wunderbar erzählte Geschichte.
Nele war mir gleich sympathisch. Anfangs ist sie noch ein wenig verloren und weiß nicht, was sie von dem Vorschlag ihrer Großmutter halten soll, eine kleine Kiefer nach Rügen zu bringen. Aber genau wie das Bäumchen findet Nele im Laufe des Buches dort an der Ostsee ihren Platz im Leben und die Entwicklung mitzuerleben, hat mir sehr viel Freude bereitet. 
Auch geht es um den Respekt der Natur, insbesondere den Bäumen gegenüber. Sie sind wunderschöne, lebende und atmende Wesen, die Jahrhunderte an derselben Stelle stehen und unendlich viele Geschichten erzählen könnten. 
Zitat Seite 98:
Das Licht in den Bäumen, das so grün und bewegt war, immer im Tanz mit dem Wind und den Blättern, hatte dieselbe Kraft wie immer schon und wies auf das Filigrane, Erstaunliche hin, das man sonst leicht übersah. 
Der Schreibstil der Autorin ist sehr lebendig,  manchmal fast schon poetisch und magisch. Ich sah beim Lesen alles ganz klar vor mir, die Bäume, das Meer, den Strand. Ich hörte den Wind rauschen, fühlte den beginnenden Herbst in der Luft, spürte am Strand den Sand unter den Füßen. 

Kleine Randnotiz: Es gibt ein Wiedersehen mit Charakteren aus "Das Meer in deinem Namen". Das habe ich vor vier Jahren gelesen, aber mir ist es erst aufgefallen, als Nele auf Carly trifft. Obwohl der Name Joram ja nicht alltäglich ist, hat es nicht sofort "Klick" gemacht. Und dann erinnerte ich mich auch daran, dass mir Jakob schon mal begegnet war. 

Fazit: Eine wirklich schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Ich mochte den Wald und Bäume schon immer, aber nun sehe ich sie noch mal mit anderen Augen, denn im Grunde sind es Wunder, die auf jeden Fall unseren Respekt verdienen und sie sind es wert, geschützt zu werden. 

Bewertung🌹🌹🌹🌹🌹


Es gibt noch drei weitere Bücher aus der Sehnsuchtswaldreihe, die ich sicher auch noch lesen werde:

🍂Das Glück in den Wäldern
🍂Das Leuchten der Blätter
🍂Der Klang des Windes





Freitag, 5. Juli 2024

Rezension: "Die Schwestern vom Waldfriede - Wunderzeit" von Corina Bomann

Berlin-Zehlendorf, 1948: Der Krieg ist vorbei, aber die deutsche Bevölkerung leidet immer noch, am meisten unter der Uneinigkeit der Besatzungsmächte. Die Not ist auch in der Klinik Waldfriede groß und ohne die Hilfsgüter aus den "Rosinenbombern" wäre sie noch schlimmer. Die junge Christina beginnt mit einigen anderen eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie kam vor zwei Jahren aus Schlesien nach Berlin und hat auf dem Flüchtlingstreck Schreckliches erlebt. Im Krieg hat sie ihren Vater und ihren Bruder verloren. Aber selbst mit Schwester Hanna, die sich ihrer annimmt, kann sie nicht über die Vergangenheit reden. Sie leistet tapfer ihren Dienst und steht den werdenden Müttern in der Klinik bei. Ihr Ziel ist es, Hebamme zu werden.  Als sie den Mechaniker Peter kennenlernt, wagt es Christina, zum ersten Mal auf eine glücklichere Zukunft zu hoffen. 

In diesem vierten und letzten Teil der Romanreihe um die Krankenschwestern der Klinik Waldfriede geht es um die Zeit von 1948 bis 1950. Es gibt ein Wiedersehen mit Hanna, Dr. Louis Conradi, seiner zweiten Frau Elisabeth sowie Hannas Schwester Leni. 
Wie immer beschreibt die Autorin die damalige Zeit sehr authentisch und atmosphärisch. Eigentlich müsste es eine positive und hoffnungsvolle Zeit sein. Der Krieg ist vorbei, man kann wieder nach vorn schauen. Aber die Besatzungsmächte sind sich nicht einig, was die Zukunft Deutschlands betrifft. Die Sowjets richten eine Blockade ein und es kommt zur Teilung Berlins. Wohin das schließlich führte, wissen wir heute. 

Dreißig Jahre habe ich die Belegschaft in der Klinik Waldfriede begleitet und ich habe die Geschichten sehr gerne gelesen. Die Figuren sind mir richtig ans Herz gewachsen, allen voran Schwester Hanna, die von der ersten Stunde dabei war. Nach zwei Kriegen und drei Jahrzehnten als Mitglied der Anstaltsfamilie steht sie mit Mitte Fünfzig nun vor der Frage, was einmal werden soll. Und ihrem Chef, Dr. Conradi, geht es nicht anders. Das Waldfriede ist sein Lebenswerk und viel mehr als ein Job. In diesem letzten Teil der Reihe gab es viele bewegende Momente. 
Auch Christina mochte ich gleich. Sie war noch so jung, als sie auf der Flucht vor dem Krieg so viel Schreckliches durchgemacht hat. Aber sie ist eine starke und tapfere junge Frau, die mutig ihren Weg geht. 

Der Schreibstil ist lebendig, die Sprache der Zeit angemessen, aber nicht altmodisch. Sehr anschaulich wird das Leben in und um die Klinik dargestellt, ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. 


Fazit: Ein gelungener Abschluss einer tollen Buchreihe, die auf wahren Begebenheiten beruht. Was wahr und was Fiktion ist, erfahrt ihr jeweils im Nachwort von der Autorin. 



Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Montag, 24. Juni 2024

Rezension: "Unser Reetdachhaus am Strand" von Christin-Marie Below

Marla, Sonja und Yve sind Anfang Dreißig. Früher waren sie ein Herz und eine Seele. Heute lebt Marla in Kassel und Yve in Köln. Durch einen Brief erfahren sie, dass Sonja wieder auf Norderney lebt, dem Ort ihrer gemeinsamen Kindheit. Diese haben sie überwiegend bei ihrer Tagesmutter Oma Jella verbracht, denn die Eltern der Mädchen hatten berufsbedingt damals nur wenig Zeit. Nun lädt Sonja sie ein, gemeinsam wieder Zeit auf Norderney zu verbringen, denn nach dem Tod von Oma Jella soll das Reetdachhaus abgerissen werden, in dem die drei zusammen mit dem Vierten im Bunde, Henrik, fast ihre gesamte Kindheit verbracht haben. 
Als ein Investor auftaucht, der seine eigenen Pläne mit dem alten Haus verfolgt, besinnen sich Marla, Sonja und Yve auf die Dinge, die wirklich wichtig sind und die Oma Jella ihnen einst mit auf den Weg gegeben hat.

Und wieder eine wunderschöne Geschichte der Autorin. Auch wenn ich noch nie auf Norderney war, gelingt es Christin-Marie Below durch ihren anschaulichen Schreibstil, die Insel vor meinen Augen lebendig werden zu lassen. Man hört die Wellen, spürt den Wind und die Sonne, riecht die salzige Luft. Stimmungsvoll und zum Wohlfühlen, man kann wunderbar in das Buch eintauchen und abschalten. 

Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, Loyalität und natürlich Liebe, das sind die Themen, um die es hier geht. Es geht aber auch um verpasste Chancen und den Mut, diese neu zu ergreifen und etwas im Leben zu ändern. 
Schade, dass Oma Jella nur in Erinnerungen im Buch auftaucht und nicht mehr dabei ist (abgesehen vom Prolog). Ich hätte sie gerne kennengelernt.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹



Rezension: "Nordseesterne" von Marie Merburg

Luisas große Leidenschaft ist das Kochen, doch beruflich steht ihre Zukunft seit jeher fest: Sie soll die Leitung der Kosmetikfirma "Natürlich schön" ihrer Mutter übernehmen. Als ihre Mutter eine erschreckende Diagnose erhält, bittet sie Luisa, mit ihr nach Ostfriesland zu fahren. Im idyllischen Fischerdorf Greetsiel warten jedoch nicht nur Sonne und Meer auf die beiden, sondern auch einige Geheimnisse, die ihre Mutter bisher vor Luisa verborgen hat. Dadurch gerät Luisa in einen Wirbelsturm der Gefühle, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Noch komplizierter wird es, als den Restaurantbesitzer Holger kennenlernt, der dringend Unterstützung in der Küche sucht. Obwohl in Hamburg Luisas Verlobter wartet, würde sie am liebsten für immer bleiben. Doch dann geschieht etwas, das nicht nur das Lebenswerk ihrer Mutter bedroht... 

Ein Sommerbuch, dessen Handlung in Greetsiel angesiedelt ist? Das war natürlich ein Muss für mich. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon in diesem wunderbaren Fischerdorf war. Ganz in der Nähe, im Pilsumer Leuchtturm, haben mein Mann und ich geheiratet.

Mir hat Luisas Geschichte wirklich sehr gut gefallen. Die Autorin versteht es, eine ganz besondere Stimmung beim Lesen aufkommen zu lassen. Lebendig und anschaulich beschreibt sie die Ereignisse rund um Luisa und ihre Familie. Denn das diese größer ist, hat ihre Mutter ihr bisher verschwiegen. 

Luisa mochte ich gleich und sie kann einem wirklich leid tun mit so einer Mutter. Marianne sagt zwar, sie will nur das beste für ihre Tochter, fragt sie aber nicht einmal, was sie selbst will. Sie bestimmt ihr Leben, legt fest, wen sie heiraten soll und tut Luisas Leidenschaft fürs Kochen als kleines Hobby ab. 
Durch die Notizen in ihrem Tagebuch erfährt man zwar, dass sie selbst auch keine einfache Kindheit und Jugend hatte, aber das macht sie mir auch nicht viel sympathischer. 

Fazit: Ein Sommerroman zum Eintauchen und Wohlfühlen, in dem es um Familie, Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe und den Mut zum Neuanfang geht. Und das vor der herrlichen Kulisse von Greetsiel im wunderschönen Ostfriesland.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹
 






Rezension: Mittsommer in Smaland

Gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter Tilda führt die Glasgaleristin Anne ein beschauliches Leben in der Lüneburger Heide. Doch das scheinbare Idyll wire von einer großen Herausforderung überschattet: Annes Vater leidet an Demenz. Ein schwerer Schicksalsschlag. Zudem hat ihre beste Freundin Birte ihren Mann kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag verlassen und zieht bei Anne ein. 
Tilda ist schon eine ganze Weile mit ihrem Freund Luka zusammen und die beiden wollen zusammen ziehen, aber Luka möchte nicht aufs Land und Tilda kann sich eine Wohnung in Hamburg nicht leisten. Außerdem möchte sie endlich Lukas Eltern kennenlernen. Eine Segeltour durch den Göta-Kanal bietet ihr die Möglichkeit dazu. Doch auf der Reise kommt es zu einer unerwarteten Begegnung, die längst verborgene Geheimnisse an Licht befördert. Am  Tag der Sommersonnenwende verändern sich die Leben aller Beteiligten.

Zunächst mal möchte ich mich bedanken beim Verlag HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar. 

Als ich das Cover sah, den Titel und den Klappentext gelesen habe, dachte ich, das ist genau das Richtige. Ein Sommerbuch, das in Schweden zur Zeit der Sommersonnenwende spielt. Leider wurde ich enttäuscht. Allein schon der Titel ist irreführend. Nur ein ganz kleiner Teil der Geschichte findet in Schweden statt, etwa siebzig Prozent der Handlung ist in Hamburg und der Lüneburger Heide angesiedelt. Während des Lesens dachte ich die ganze Zeit: Und? Wann ist es endlich soweit, wann geht es nach Schweden?

Die Bewertung fällt mir nicht leicht, denn im Grunde hat mir das Buch trotzdem gefallen, denn sonst hätte ich es nicht bis zum Schluss gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist lebendig und anschaulich, die Szenen in der Heide und auch die Kapitel, die dann tatsächlich in den Schären spielen, sind toll beschrieben und ich kann die Landschaft vor mir sehen. 
Auch die Charaktere haben mir gefallen, Anne, Tilda und Birte waren mir gleich sympathisch. Annes Situation mit ihrem Vater konnte ich sehr gut nachfühlen, denn ich hatte so ziemlich dieselbe Situation mit meiner Mutter.

Aber von einem Buch mit dem Titel "Mittsommer in Smaland" erwarte ich einfach etwas Anderes, denn mindestens nach den ersten vier oder fünf Kapiteln hätte die Handlung in Schweden stattfinden müssen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹









Freitag, 31. Mai 2024

Rezension: "Der Traum vom einfacheren Leben" von Anna Fredriksson

Dies ist der zweite Teil der schwedischen Jahreszeiten-Saga von Anna Fredriksson und wir sind im Sommer in Skane angekommen. Sally steht kurz vor der Eröffnung ihres Bed & Breakfast in Kivik und ist gespannt, ob alles so gut anläuft, wie sie es sich erhofft hat. 
Ihre Tochter Josefin hingegen, die mit ihrem Lebensgefährten Harald seit drei Jahren auf einem Selbstversorgerhof lebt, macht sich Sorgen, ob ihre Entscheidung richtig war. Finanziell sieht es sehr schlecht aus und so hilft sie ihrer Mutter in der Pension aus. Aber ist dies das Leben, das sie sich gewünscht hat? 
Währenddessen versucht Sallys Mutter Vanja, sich in Kopenhagen zurechtzufinden, aber sie sehnt sich zurück nach Kivik. Soll sie wieder zurückgehen? Und gibt es eine Chance auf eine Versöhnung mit ihrer Tochter?

Auch in diesem Teil geht um die Frauen von drei Generationen: Großmutter, Tochter und Enkelin. Vanja ist Anfang 70, Sally Anfang 50 und Josefin 24. Alle drei sind starke Frauen, die im Leben etwas erreicht haben oder noch erreichen möchten. 
Mir hat das Buch wieder sehr gut gefallen, eigentlich sogar noch etwas besser als Teil 1. Der Schreibstil ist kurzweilig, anschaulich und bildhaft wird das Leben auf dem Hof, in Kivik in der Pension und in Kopenhagen beschrieben. Der blühende Sommergarten, das Meer am Kai von Kivik, der Bauernhof Valmogarden, dazu der Kontrast des pulsierenden Kopenhagens, alles wird beim Lesen vor den Augen lebendig.

"Der Traum vom einfacheren Leben" ist kein luftig-leichter Sommer- oder gar Liebesroman. Natürlich geht es auch um Gefühle, aber die sind meistens nicht einfach, denn die Beziehung der drei Frauen ist schwierig aufgrund der Vergangenheit. Sally hat ihre Mutter erst vor kurzem wieder getroffen, nachdem diese die Familie verlassen hatte, als ihre Tochter noch klein war. Sie müssen sich erst wieder kennenlernen, aber Vanja steht sich dabei selbst im Weg. 
Wie schon im ersten Teil, bin ich auch hier nicht wirklich mit ihr warm geworden. Am meisten mag ich immer noch Sally, vielleicht, weil wir im gleichen Alter sind. :-)  Außerdem liebt sie ihre Märta und Hundemenschen sind mir eh sympathisch. 

Die Trilogie schließt mit dem im Herbst spielenden "Der Weg ins Apfelreich" ab und ich bin gespannt, wie es mit Vanja, Sally und Josefin weitergeht, denn zum Ende hin gibt es ein paar neue Ideen und es bleiben einige Fragen offen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹






Dienstag, 28. Mai 2024

Rezension: "Island Dreams - Die Imkerei am Meer" von Charlotte McGregor

Hazel Armstrong lebt seit ein paar Jahren auf Tresco, einer der Inseln der Scilly Islands. Ihr altes Leben in London hat sie hinter sich gelassen und wohnt nun  in einem kleinen Cottage zusammen mit ihrem Hund Toby einem verrückten Terrier-Mix. Hazel ist die Insel-Imkerin und kümmert sich um verschiedene Bienenstöcke auf den Inseln, stellt Honig her und verkauft diesen u. a. an Hotels und Restaurants. Außerdem arbeitet sie im örtlichen Supermarkt und ist Kapitän einer Damen-Gig-Boot-Mannschaft. Eigentlich fühlt sie sich sehr wohl in ihrem neuen Zuhause und mit ihrem Leben im Einklang mit der Natur. Ihre beste Freundin Pippa ist ebenfalls erst vor ein paar Jahren nach Tresco gezogen und beide sind auf der gleichen Wellenlänge. Aber Pippa weiß nichts von Hazels dunkler Vergangenheit und den wahren Gründen, warum sie dem Leben in London den Rücken gekehrt hat. Diese erfährt man als Leser nach und nach. 
Dann taucht eines Tages der Fotograf Chris auf der Insel auf und Hazels sorgfältig gebaute Schutzmauer beginnt zu bröckeln. Doch auch Chris hat sein Päckchen aus seiner Vergangenheit zu tragen. Und dann ist da auch noch Bodyguard Ben, der Hazels Gefühlswelt durcheinander bringt...

"Die Imkerei am Meer" ist mein erstes Buch von Charlotte McGregor. Ich habe auch erst beim Lesen festgestellt, dass es bereits einen Vorgängerband gibt. In "Der Garten am Meer" geht es aber um die Geschichte von Pippa und man muss diesen Teil nicht gelesen haben, um Hazels Geschichte zu verstehen. In "Die Imkerei am Meer" wird ein bisschen auf Pippas Vorgeschichte eingegangen und das reichte mir völlig als Hintergrundwissen. 
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und es als Liebesroman abzustempeln, wird der Geschichte nicht gerecht. Es geht natürlich auch um die Liebe, aber auch um Freundschaft, Loyalität, Vertrauen, Mut, Stärke und Ehrlichkeit, auch gegenüber sich selbst. Und nicht zuletzt um Hoffnung, denn irgendwie geht das Leben immer weiter und manchmal braucht es einfach den Mut zur Veränderung. 
Sehr interessant fand ich auch, was man über Bienen und deren Leben lernt.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Die Beschreibung der Scilly Inseln lässt die sommerliche Landschaft beim Lesen vor den Augen  lebendig werden. Es gibt emotionale Momente, aber auch viel zum Schmunzeln, besonders wenn Hazels Hund Toby auf der Bildfläche auftaucht. 

Das Lesen von Hazels Geschichte hat mir unterhaltsame und schöne Lesestunden beschert und ich kann das Buch wirklich empfehlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹

Vielen Dank auch an das Bloggerportal für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. 





Dienstag, 9. April 2024

Rezension: "Das Geheimnis von Dikholmen" von Michaela Abresch

Lillemor, Inga und Eira, drei Frauen verschiedener Generationen, finden Zuflucht auf der Schäreninsel Dikholmen: Für die völlig verzweifelte Eira, die schweren Herzens ihr bisheriges Leben hinter sich lässt, wird die Insel im Jahr 1960 zu selbst gewählten Exil. Die aus wohlhabenden Hause stammende Inga bringt dort 1968 ihr uneheliches Kind zur Welt. Und Lillemor, die Dikholmen seit ihrer Kindheit kennt, kehrt in der Gegenwart dorthin zurück, hoffnungsvoll auf der Suche nach der Frau, die sie war, bevor ein Unglück ihr alles genommen hat. Als sie einander im Hier und Jetzt begegnen, ahnen sie nichts von dem Band, das das Leben bereits zwischen ihnen geknüpft hat...

Ich durfte dieses Buch in einer Leserunde bei der Lesejury lesen und es hat mir viel Spaß gemacht, mich dort auszutauschen.
Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen, denn es gibt viele Schicksale, die hier aufeinander treffen. Und erst nach und nach werden die Fäden zusammengeführt.

Lillemor lebt in Deutschland. Nachdem sie dort studiert hat, heiratete sie Bernhard, kaufte mit ihm zusammen eine Töpferwerkstatt und sie bekamen einen Sohn, Timmy. Man ahnt zwar anfangs, dass etwas Schlimmes passiert sein muss und Lillemor die Beiden verloren hat, aber was genau passiert ist, wird erst eine Weile später klar. Auf Anraten einer Therapeutin begibt sich Lillemor auf eine Wanderung, bei der sie Rieke kennenlernt. Diese Wanderung verändert ihr Leben und ihre Sichtweise auf ihre Vergangenheit und Zukunft. In Rückblenden erfahren wir von ihrer Kindheit als Inselmädchen und ihrem Leben mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester Malin. Wir lernen die ältere Inga kennen und ihren Sohn Eskil, Lillemors besten Freund aus Kindertagen. Oder ist da doch mehr?

In den Passagen von Inga erfahren wir von ihrer Ankunft auf Dikholmen und ihrer Verbindung zu Jesper, Lillemors Onkel, der seiner Nichte das Kunstverständnis und die Liebe zur Keramik und Töpferei vererbt hat. 

Eiras Kapitel sind in der Ich-Form geschrieben und anfangs weiß man nicht, um wen es sich handelt, aber im Laufe der Geschichte hat man natürlich eine Vermutung. Ihr Schicksal ist besonders hart, denn sie hat alles zurück gelassen, ihren Mann und ihre Kinder, ihr ganzes bisheriges Leben und das nur, um ihre Familie in Sicherheit zu wissen. Damit hat sie auch die späteren Entscheidungen ihrer Kinder beeinflusst. 

Mir hat "Das Geheimnis von Dikholmen" sehr gut gefallen. Der Erzählstil ist flüssig und atmosphärisch. Auch die Beschreibung der Landschaft im Schärengarten ist anschaulich und lebendig, man hat das Gefühl, direkt vor Ort zu sein. 
Interessiert fand ich eine Entwicklung zum Ende hin, die die Beziehung einzelner Personen noch mal in eine andere Richtung führt und das war für mich dann ein runder Abschluss. 

Wer Geschichten auf zwei oder mehreren Zeitebenen mag, dem wird diese hier sicher gefallen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



  

Montag, 1. April 2024

Rezension: "Wort für Wort zurück ins Leben" von Beth Miller

Die 52-jährige Pearl lebt mit ihrem fürsorglichen Mann Denny abgeschieden in den Wäldern Frankreichs. Ihr Tagesablauf ist gereglt und vorhersehbar. Bis eine Nachricht aus Großbrittanien alles durcheinanderbringt: Pearls Vater Francis liegt im Sterben. Obwohl sie seit über 30 Jahren entfremdet sind, hinterlässt Francis seiner Tochter ein ungewöhnliches Vermächtnis: seine in Kurzschrift verfassten Tagebücher. Durch Francis' berührende Berichte lernt Pearl nicht nur ihren eigenen Vater besser zu verstehen. Sie wird auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Wird sie es schaffen, sich ihrem Leben neu zu stellen?

"Wort für Wort zurück ins Leben" habe ich als Leseexemplar bei Vorablesen gewonnen. Die Leseprobe hatte mir schon sehr gut gefallen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Pearl weitergeht. 
Ich habe das Buch wirklich sehr gerne gelesen und Pearl dabei begleitet, wie sie wieder in ein eigenständiges Leben zurückfindet. Dabei war es ihr eigentlich gar nicht so bewusst, dass sie dies nicht hat. Nach einem traumatischen Erlebnis, von dem der Leser aber erst recht spät erfährt, bringt ihr Mann Denny sie nach Frankreich in ihr Haus, das sie eigentlich nur als Ferienhaus nutzen wollten. Dort leben sie allein für sich mit wenig Kontakt zur Außenwelt. Bei Pearl beschränkt sich dieser auf ihre Hausbesuche als Frisörin bei ein paar Kundinnen im angrenzenden Dorf. 
Zu ihren zwei Brüdern in England hat sie kaum Kontakt und das gleiche gilt auch für ihre Schwägerin, die früher ihre beste Freundin war. 

Erzählt wird hauptsächlich in der ersten Person aus Sicht von Pearl, so ist man immer nah am Geschehen und erlebt ihre Gefühlswelt hautnah mit. Außerdem gibt es da noch Carrie, von der man aber zunächst nicht weiß, wie sie in die Geschichte rein passt. Und zwischendurch lesen wir immer wieder die Tagebucheinträge von Francis, Pearls Vater, der die Familie verließ, als sie 15 Jahre alt war. Nach und nach wird klar, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, nichts so einfach zu erklären, wie es scheint. Und Pearl erkennt, dass ihr Vater sehr wohl noch Anteil an ihrem Leben hatte.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Anhand des Inhalts könnte man eine sentimentale und sehr traurige Geschichte erwarten. Aber das ist es eigentlich nicht. Natürlich gibt es auch viele emotionale Momente, aber auch einige Situationen zum Schmunzeln. Es ist eine Geschichte über Mut und Freundschaft, Familie, verpasste Gelegenheiten und Chancen, diese neu zu nutzen.


Bewertung🌹🌹🌹🌹🌹