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Montag, 29. Juni 2026

Rezension: "Das kalte Herz von Oxford" von Simon Mason

Für Rachel Clarke beginnen an einem strahlenden Sommertag in Oxford die dunkelsten Stunden ihres Lebens: Ihre vierjährige Tochter Poppy verschwindet, während Rachel kurz abgelenkt ist. Niemand will etwas gesehen haben. Sofort wird die Polizei eingeschaltet, und auch Ryan Wilkins nimmt Anteil an der Suche. Zwar ist er vom Dienst suspendiert, sodass nur sein Ex-Partner DI Ray Wilkins offiziell ermittelt, doch Ryan kann nicht tatenlos bleiben. Zumal ihn ein Ereignis in der Nacht nach der Tat nicht loslässt: »Mick Dick«, ein Kleinkrimineller, kommt bei einem Unfall ums Leben, nachdem ihn irgendetwas in Panik versetzt hatte. Ryan ahnt, dass Mick in Poppys Verschwinden verwickelt war. Und er nutzt seine Kontakte in Oxfords Unterwelt, um das Mädchen zu finden, bevor es zu spät ist...

"Das kalte Herz von Oxford" ist der zweite Teil der Krimireihe von Simon Mason. Teil 1 kenne ich nicht, aber ich denke, das muss für das Verständnis auch nicht unbedingt sein. Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn ich es manchmal etwas zäh fand.

Und ich gebe zu, zwischendurch musste ich manchmal aufpassen, welcher "Wilkins" gerade gemeint ist, da auch die Vornamen recht identisch sind - Ryan und Ray. Das war manchmal etwas verwirrend. 

Für meinen Geschmack nimmt auch das Privatleben der beiden Hauptfiguren etwas zu viel Raum ein, zumindest das von Ray Wilkins, dem "echten" DI. Die Passagen mit seiner Frau Diane fand ich teilweise recht anstrengend, auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass sie sich wünscht, ihr Mann wäre mehr für sie da. Dass er das nicht ist, sondern eher noch Interesse an einer anderen Frau zeigt, macht ihn mir nicht gerade sympathisch. 
Der andere Wilkins, also Ryan, der zur Zeit als Wachmann arbeitet, war dagegen schon sympathischer. Amüsant fand ich auch die Szenen mit seinem Sohn, ein paar Mal musste ich schmunzeln. Auch Ryans Art, sich überall um Kopf und Kragen zu reden und immer klar heraus zu sagen, was er denkt, macht ihn zu einem interessanten Charakter in der Geschichte. 

Der Fall der verschwundenen Poppy ist gut aufgebaut und die Auflösung hatte ich so nicht erwartet. Ich hatte einen anderen Verdacht, was aber beweist, dass der Autor seine falschen Fährten gut gelegt hat. 

Was mir auch gut gefallen hat, ist der Schreibstil des Autors. Die Beschreibungen von Oxford lassen die Stadt beim Lesen vor dem inneren Auge lebendig werden. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹


Dankeschön an das Bloggerportal und den Goldmann-Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 





Samstag, 11. April 2026

Rezension: "Die Frauen am Fluss" von Katherine Webb

England 1922: Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr – und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder und zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf voller Schuld zurückließ.

Slaughterford ist ein kleines Dorf in der Grafschaft Wiltshire. Jeder kennt jeden und Irene hat es nicht leicht, sich in ihrer Ehe und in der Gemeinschaft zurechtzufinden. Dabei müsste sie Alistair Hadleigh eigentlich dankbar sein, dass er sie trotz des Skandals, in den sie in London verwickelt war, geheiratet hat. Alistair ist im ganzen Dorf beliebt. Er ist der größte Arbeitgeber in Slaughterford, niemand lässt ein böses Wort über ihn fallen und alle lieben ihn. Nur Irene nicht, so scheint es. Damit fällt sie direkt in Ungnade bei Alistairs Tante Nancy, die ihn nach dem Tod seiner Eltern wie ihren eigenen Sohn großgezogen hat. Als Irene schließlich zögerlich Vertrauen zu ihrem Mann aufbaut und sicher ist, sie könnte sich eines Tages auch in ihn verlieben, wird er brutal ermordet. Nun ist sie die neue Gutsherrin . Aber will sie diese Rolle überhaupt? 

Die zweite Hauptfigur in der Geschichte ist die fünfzehnjährige Pudding, die als Stallmädchen auf dem Gut arbeitet. Sie hat es nicht leicht in ihren jungen Jahren. Ihr Vater ist der Dorfarzt und tagsüber fast nie zuhause. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt, was damals natürlich noch nicht erforscht war. Und Puddings älterer Bruder Donald kam mit einer schweren Kopfverletzung aus dem Weltkrieg zurück und ist seitdem nicht mehr der Alte. Als man ihn blutverschmiert nach dem Mord an Alistair in der Mühle findet, sind alle überzeugt, dass er den Gutsherrn getötet hat.
Alle bis auf seine Schwester. Pudding ist sicher, niemals wäre ihr Bruder zu einer solchen Tat fähig. Welches Motiv hätte er? Alistair war immer freundlich zu ihm. Er war selbst im Krieg und wusste, welche schrecklichen Dinge Donald gesehen hat. 
Weil sie alleine nicht weiterkommt, bittet sie Irene um Hilfe, denn schließlich wird sie doch auch wissen wollen, wer ihren Mann tatsächlich ermordet hat und warum. Pudding ist überzeugt, dass die Familie Tanner damit zu tun hat, deren Mitglieder alle schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind.

Und dann ist da noch Clemmie, siebzehn Jahre alt und stumm von Geburt an. Da sie auch nicht schreiben kann, hat sie kaum Möglichkeiten sich mitzuteilen, wenn man ihr nicht direkt die richtigen Fragen stellt. Das bringt sie oft zur Verzweiflung, da sie ihrer Umwelt unbedingt etwas mitteilen will, aber nicht weiß, wie. Dieser Erzählstrang ist sehr interessant und geschickt in die Handlung eingewoben. Ich hatte zwar mit der Zeit einen Verdacht, aber damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Erst recht spät klärt sich alles auf und die Fäden werden für mich zufriedenstellend zusammengeführt. 

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, auch die Sprache passt sehr gut in die damalige Zeit. Bildhaft erzählt die Autorin vom Dorf Slaughterford, dem Fluss, der Mühle, den dort lebenden Familien und ich konnte alles beim Lesen direkt vor mir sehen. 

Ein fesselnder historischer Spannungsroman, den ich gerne gelesen habe und auch ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann.


Meine Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Dienstag, 3. März 2026

Rezension: "Sturmhöhe" von Emily Bronte

Auf einer Anhöhe inmitten der rauen Landschaft des englischen Yorkshire liegt das Anwesen »Wuthering Heights«, dem Wind schutzlos ausgesetzt, der hier strenger als anderswo weht. Sein Besitzer, der herzensgute Mr Earnshaw, nimmt den Findling Heathcliff zu sich. Bald schon verliebt sich Earnshaws Tochter Cathy heftig in ihn. Doch ihre Liebe endet im Unglück und ein Gespinst aus Rache und Verrat liegt fortan über dem Landgut. Emily Brontës düstere Liebesgeschichte ist bis heute eines der intensivsten Leseerlebnisse überhaupt – tragisch, wild und romantisch.

"Sturmhöhe" ist ein Klassiker, den ich schon lange mal lesen wollte. Als nun im Zuge der Neuverfilmung "Wuthering Heights" das Buch neu veröffentlicht wurde, habe ich mich über das Bloggerportal für ein Rezensionsexemplar beworben und Glück gehabt. Ein wirklich wunderschönes Cover mit Farbschnitt hat diese Hardcoverausgabe vom Anacondaverlag.  
Ich war sehr gespannt auf die Geschichte von Heathcliff und Cathy, gilt sie doch als eine der größten Liebesgeschichten in der Literatur. Viel mehr wusste ich eigentlich auch nicht darüber, da ich auch noch nie eine der bisherigen Verfilmungen gesehen habe.

Eigentlich ist es keine direkte Handlung, sondern die Erzählung durch eine dritte Person und zwar die Haushälterin Ellen Dean. Diese erzählt dem neuen Pächter des Nachbarhauses, Mr. Lockwood, die Familiengeschichte der Lintons und der Earnshaws, die durch das Findelkind Heathcliff eng miteinander verbunden sind. Cathys Vater bringt den Jungen mit der dunklen Haut, dem schwarze Haar und den intensiven dunklen Augen von einer Reise mit nach Hause. Niemand weiß, woher er kommt, aber es fällt immer wieder das Wort "Zigeuner". Cathys älterer Bruder misstraut ihm von Anfang an, aber zwischen Cathy und Heathcliff entwickelt sich mit der Zeit eine intensive Bindung, die allerdings keine Zukunft haben kann. Als Cathy schließlich den Sohn der Lintons heiratet, schwört Heathcliff Rache und seitdem scheint ein Fluch auf Wuthering Heights zu liegen. 

Atmosphärisch und düster, so lässt sich "Sturmhöhe" ganz gut beschreiben. Die karge, raue Landschaft Yorkshires und das stürmische Wetter passen ebenso gut zur Geschichte wie die Figuren und ihre Handlungsweisen. 

Emily Bronte schrieb "Wuthering Heights" bereits im Jahr 1847 und ich finde es sehr faszinierend, dass es nach über 170 Jahren immer noch gelesen wird und auch neue Leser findet. Allerdings sollte einem klar sein, dass es sich hier nicht um eine romantische Liebesgeschichte handelt, es sei denn, man bezeichnet Besessenheit als Liebe. Es ist eher eine Familiengeschichte, dramatisch, dunkel, gewalttätig, mit teils wirklich unsympathischen Charakteren und da steht Heathcliff bei mir an erster Stelle. Er ist kein strahlender Held, kein Ritter in glänzender Rüstung. 

Aktuell scheint es ja einen Hype um Dark Romance zu geben. Ich würde sagen, hätte es diese Bezeichnung schon damals gegeben, hätte "Sturmhöhe" perfekt in dieses Genre gepasst. 

Teilweise fand ich die Dialoge auch recht langatmig und anstrengend, aber trotzdem habe ich es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben.




Bewertung: 🌹🌹🌹🌹








Freitag, 6. Februar 2026

Rezension: "Das Grab von Trueslow Hall" von Katherine Webb

Bei Grabungen im Jahr 1999 stößt eine Gruppe von Archäologen auf dem Gelände von Trueslow Hall, einem kleinen Herrenhaus in Wiltshire, auf eine Grabstätte aus der Bronzezeit. Die Archäologen feiern ihren Erfolg, bis plötzlich ein Mitglied der Gruppe spurlos verschwindet: eine junge Frau namens Nazma Kirmani. Trotz einer fieberhaften Suche laufen alle polizeilichen Ermittlungen ins Leere und der Fall bleibt ungeklärt. Als im Jahr 2020 ein Zufallsfund neue Beweise zu Nazmas Verschwinden liefert, versuchen Inspector Matthew Lockyer und Constable Gemma Broad Licht in den alten Cold Case zu bringen. Wollte Nazma damals freiwillig verschwinden? Oder wurde sie Opfer eines Verbrechens, wovon auch ihre Eltern immer überzeugt waren. Und wer ist die fremde Frau, die sich damals als Nazma ausgegeben hat?

Zunächst einmal vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. 

Der dritte Fall für Lockyer & Broad hat mich wieder sehr gut unterhalten. Das sympathische Ermittlerduo Matt und Gemma ist inzwischen ein eingespieltes Team, sie ergänzen sich gegenseitig.
Die Geschichte beginnt damit, dass die beiden die Eltern der verschwundenen Nazma aufsuchen, weil in einem Fluss unweit von Trueslow Hall eine Tasche gefunden wurde. Der Vater und die Stiefmutter bestätigen, dass die Sachen Nazma gehören und dass sie nach wie vor sicher sind, dass Nazma niemals einfach so verschwunden wäre und ihr etwas zugestoßen sein muss. Ihrer Meinung nach hat die Polizei damals zu schnell aufgegeben und ihnen auch keinen Glauben geschenkt. Auch wenn der Vater keine großen Hoffnungen hat, verspricht Lockyer ihnen, alles zu tun, damit Nazma gefunden wird. Er weiß, die Ungewissheit ist das Schlimmste. 
Gemeinsam mit seiner Kollegin Gemma sucht er die Mitglieder des Grabungsteams von damals auf und sie stellen fest, dass jeder so sein kleines Geheimnis hat. 

Neben dem Fall und der Arbeit geht es auch um das Privatleben der Ermittler. Lockyer wird Vater, die Geburt steht kurz bevor, aber er fühlt sich der ganzen Situation nicht so richtig gewachsen. Gemma hat Probleme mit ihrem Freund Pete, der ein Kontrollproblem zu haben scheint. Und außerdem sind wir mitten in der Pandemie. Wer jetzt aufstöhnt, keine Sorge. Es wird manchmal erwähnt, z. B. die Kontaktverbote, der Gesichtsschutz oder der bevorstehende zweite Lockdown. Aber es steht keinesfalls im Vordergrund und ich habe es zwischendurch tatsächlich auch immer wieder vergessen. Aber ich finde, das macht die Geschichte auch authentischer, denn schließlich gab es ja die Pandemie und die Umstände, die daraus entstanden sind. 

Ich weiß nicht, ob man „Das Grab von Trueslow Hall“ als Krimi bezeichnen kann, aber es ist auf jeden Fall ein Spannungsroman, den ich keine Minute langweilig fand. Hier wird deutlich, dass Polizeiarbeit eben zu neunzig Prozent aus Ermittlungsarbeit besteht und nicht aus pausenloser Action. 
Der Schreibstil ist bildhaft und anschaulich. Katherine Webb versteht es, die Gegend um Salisbury vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Die Spannung wird immer weiter aufgebaut und man rätselt bis zum Schluss mit, was damals wirklich passiert ist. 

Muss man die Vorgänger gelesen haben? Nicht unbedingt, der Fall ist in sich abgeschlossen. Aber wie immer geht es bei solchen Reihen ja auch um die Weiterentwicklung der Hauptfiguren. Wen das interessiert, der sollte sich Teil 1 „Der Tote von Wiltshire“ und Teil 2 „Die Morde von Salisbury“ nicht entgehen lassen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Sonntag, 23. November 2025

Rezension: "Knochenkälte" von Simon Beckett

Eigentlich ist der Forensische Anthropologe Dr. David Hunter unterwegs zu einem neuen Fall. Aber ein Schneesturm zwingt ihn zu einem Aufenthalt in Edendale, einem kleinen Ort in den Cumbrian Mountains. Die Bewohner lassen keinen Zweifel daran,  dass er unerwünscht ist. Er würde auch nichts lieber tun, als den Ort sofort wieder zu verlassen, aber die einzige Zufahrtstraße wurde beim Sturm zerstört. Strom- und Telefonnetz sind ebenfalls tot. Als Hunter auf der Suche nach einem Handysignal in die Berge klettert, macht er eine grausige Entdeckung. In den Wurzeln einer durch das Unwetter zu Fall gebrachten mächtigen Fichte hängt ein Skelett. Das Wurzelwerk scheint in den verwesenden Körper über Jahre hineingewachsen zu sein und hält ihn umklammert wie in einer Umarmung. Unter diesen Bedingungen kann der Forensiker allerdings nicht viel machen, um zur Identifizierung beizutragen. Als die Dorfbewohner von dem Skelett hören, sind sie allerdings schnell sicher, dass es sich um einen vor zwanzig Jahren verschwundener Mann handelt. Aber ist es wirklich der Sohn von Wynn Beddoes, dem Mann, der seit Jahren den Ort regiert und bei allem das Sagen hat? Und dann gibt es eine weitere Leiche.

"Knochenkälte" ist der siebte Fall für den britischen forensischen Anthropologen David Hunter. Ich durfte mein Rezensionsexemplar in einer Leserunde bei Lovelybooks lesen. 
Der Fall entwickelt sich langsam und der Spannungsbogen steigt ebenfalls  langsam an, fällt zwischendurch auch mal ab, steigert sich dann aber zum Ende wieder. Durch die Erzählperspektive in der ersten Person aus Hunters Sicht, ist man immer ganz nah am Geschehen, erlebt auch seine Gedanken und Gefühle. Hunter ist kein Superheld, er hat auch Angst und kommt mehr als einmal in gefährliche Situationen, aus denen er auch nicht immer unverletzt wieder raus kommt. Ich finde, das macht die Bücher realistischer und die Figur authentisch. 
Die Beschreibung des Dorfes und die beklemmende Atmosphäre während des Schneesturms sind sehr anschaulich und bildhaft.  Auch das alte Hotel und dessen Beschreibung sind fast schon gruselig. Die ganze düstere Grundstimmung passt perfekt, um das Buch im November zu lesen. 

Mir hat "Knochenkälte" gut gefallen. Es gibt immer wieder Überraschungen und Wendungen und das Ende ist in meinen Augen ebenfalls realistisch, denn auch im wahren Leben kann nicht jeder Fall restlos aufgeklärt und zur Zufriedenheit Aller abgeschlossen werden. 


Bewertung:  🌹🌹🌹🌹🌹





Freitag, 19. September 2025

Rezension: "Tudor Blood - Queen of Thorns" von Nika S. Daveron

Maria Tudor wächst als Schwester des legendären Henry VIII. heran, wohlwissend, dass sie nur in  der zweiten Reihe steht. Doch ihre Mutter hat andere Pläne mit der Prinzessin und so findet sich Maria plötzlich zur Vampirjägerin des Hofes auserkoren wieder und muss fortan ihren Bruder vor seinen übernatürlichen Feinden schützen. Mit Hilfe von Henrys Berater Thomas Cromwell macht sich Maria daran, die Vampire im Gefolge ihres Königs zu eliminieren, während sie ein Spiel mit dem Feuer beginnt, das sie eigentlich nicht gewinnen kann.

Maria ist sieben Jahre alt, als ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie etwas ganz Besonderes ist, eine Auserwählte, eine Jägerin. Wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter und viele Frauen der Familie vor ihr. Sie erhält Unterricht bei Pater Crawford und er bringt ihr alles bei, was man über Vampire wissen muss. 

"Tudor Blood" ist eine unterhaltsame Mischung aus historischem Roman und Vampirfantasy. Über viele Jahre begleiten wir Henrys Schwester bei ihrem Kampf gegen Vampire und für ihr Land und ihren Bruder. Der davon aber nichts ahnt. Maria bringt viele Opfer, um die Krone zu schützen und zu verhindern, dass sich eine teuflische Macht auf den Thron setzt. 
Wer sich ein wenig in englischer Geschichte auskennt, weiß natürlich, dass Henry seine erste Frau Katharina von Aragon loswerden wollte, weil sie ihm keinen Erben schenken konnte. Dasselbe Schicksal blühte Anne Boleyn, die mit Tochter Elizabeth aber zumindest eine Thronerbin hervorbrachte. Trotzdem musste Anne sterben, weil Henry ihrer überdrüssig war. In dieser Geschichte gibt es andere Gründe für Annes Tod und ich fand diese Version sehr interessant.
Überhaupt versteht es die Autorin sehr gut, historische Fakten und Fiktion zu verbinden. Maria Tudor war tatsächlich als Sechsjährige bei der Hochzeit von Henry und Katharina dabei und sie und die Königin sollen befreundet gewesen sein. Auch war Maria für eine kurze Zeit Königin von Frankreich und später mit Charles Brandon verheiratet, dem Duke of Suffolk. Ebenso stimmt es, dass Maria Anne Boleyn bereits als junges Mädchen kannte und von der späteren Entwicklung zwischen ihr und ihrem Bruder nicht erfreut war. Die Gründe waren aber sicher andere, als hier im Roman ;-)

Wer historische Fantasy mag, dem wird "Tudor Blood" sicher gefallen. Ich habe schon viele Romane gelesen, die in der Zeit von Henry VIII. angesiedelt sind, aber Vampire waren bisher nicht dabei. Eine wirklich gelungene Unterhaltung mit einer sympathischen Hauptfigur. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen, die Sprache ist der Zeit angemessen, aber nicht zu altmodisch. Erzählt wird in der 1. Person aus Sicht von Maria Tudor. Eine einzige Ausnahme ist das letzte Kapitel. Hier wird auch eine interessante Erklärung für die Ehe- und Kinderlosigkeit von Elizabeth I. gegeben. 
Spannung, Herz und eine Prise Humor, was will man mehr? 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹






Montag, 18. August 2025

Rezension: "Das Gift deiner Lügen" von Jenny Blackhurst

 Im englischen Villenviertel Severn Oaks fühlen sich die Menschen sicher. Wäre da nicht der rätselhafte Tod von Erica Spencer, einer allseits geschätzten Nachbarin, die letzten Herbst bei einer Halloweenparty ums Leben kam. Ein Jahr später ist der Fall längst als tragischer Unfall zu den Akten gelegt, als ein rätselhafter Podcast die Runde macht: Der Mord an Erica Spencer. Wöchentlich postet ein anonymer Absender neue Folgen seiner makabren Sendung, in der er hinter die scheinbar makellosen Fassaden des Ortes blickt und so manches dunkle Geheimnis seiner Bewohner enthüllt. Seine Absicht: Er will den Mörder von Erica entlarven - und ruft ihn damit erneut auf den Plan...

„Das Gift deiner Lügen“ war mein erstes Buch von Jenny Blackhurst. Ich muss sagen, ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten in die Geschichte rein zu kommen und war tatsächlich versucht, sie erst mal wieder weg zu legen. Der Beginn zog sich ein wenig und ging für mich zu sehr in Richtung „Desperate Housewives“, obwohl die Handlung in England angesiedelt ist, nicht in den USA. 
Auch an den Schreibstil musste ich mich erst mal gewöhnen und die vielen Figuren (im Endeffekt sind es eigentlich dann doch nur acht, die wichtig sind), waren auch ein wenig verwirrend. Ich musste zwischendurch immer mal wieder überlegen: Wer ist jetzt noch mal Peter? Und Jack, das ist der Mann von…? 

Die Handlung kreist eigentlich um die Frage, wer Erica Spencers Mörder ist bzw. war es überhaupt Mord (wie der Betreiber des Podcast behauptet) oder war es doch ein Unfall? Und es geht darum, welche Geheimnisse man in einer eingeschworenen Gemeinschaft hat, in der angeblich jeder jeden kennt, welche Lügen man lebt und was passiert, wenn diese plötzlich herauskommen. 

Prolog und Epilog sind jeweils in der ersten Person aus Sicht von Erica Spencer geschrieben, was ich recht interessant fand. In den anderen Kapiteln wird immer in der dritten Person erzählt, aber die Perspektiven wechseln, mal ist es Karla, mal Felicity, mal Miranda, die gerade im Mittelpunkt stehen. 

Als Psychothriller, wie es auf dem Cover steht, würde ich das Buch nicht bezeichnen, eher als psychologischen Spannungsroman. Wobei die Spannung dann doch erst in der zweiten Hälfte aufkommt, besonders zum Ende hin. Wenn man denkt, das ist es jetzt, das ist die Auflösung, dann kommt wieder eine neue Wendung. 
Allerdings plätschert die Geschichte zwischendurch auch einfach mal nur so dahin und wirklich dramatisch wird es auch nicht, als aufgelöst wird, wer der mysteriöse Podcaster ist. 

Insgesamt im Nachhinein betrachtet finde ich „Das Gift deiner Lügen“ zwar ganz unterhaltsam, zumindest ab der zweiten Hälfte und es gibt auch einige interessante Twists, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich was verpasst hätte, wenn ich es nicht gelesen hätte. 


Bewertung: 🌹🌹🌹




Dienstag, 12. August 2025

Rezension: "Unsere Tage am Fluss" von Karin Lindberg

Deutschland, heute: Eine rätselhafte Botschaft im Nachlass ihrer Großmutter führt Elisa nach England auf das majestätische Rosewood Manor. Unter einem Vorwand beginnt sie dort zu arbeiten, um nach einem verschollenen Tagebuch zu suchen –, und trifft auf den reservierten Hausherrn Calam. Beide gehen sich anfangs aus dem Weg, bis Elisa erkennt, dass sie mehr mit Calam verbindet als gedacht. Bei ihren gemeinsamen Recherchen kommen sie sich näher und ihr Geheimnis lastet immer schwerer auf ihr. Als sie endlich das Tagebuch findet, droht alles zu zerbrechen …

England, 1908: Harriett Lyndham führt ein Leben im goldenen Käfig. Ihre Ehe gleicht einer Fassade, hinter der sich nur noch Leere verbirgt. Doch dann kommt der charismatische Arzt Arthur Schelling nach Rosewood Manor – und zum ersten Mal seit Jahren fühlt Harriett wieder. Zwischen heimlichen Blicken und verbotenen Berührungen entflammt eine Leidenschaft, die beide in den Abgrund zu reißen droht. Denn Harrietts Ehemann ist nicht bereit, sie gehen zu lassen …

Zunächst vielen Dank an Lovelybooks und den Verlag für den Buchgewinn. 

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. 
In der Gegenwart arbeitet Elisa als Investigativjournalistin in Hamburg, aber ihre letzte Enthüllung hat sie ihren Job und auch ihren guten Ruf gekostet. Da kommt ihr der Fund ihrer Schwester im Haus ihrer verstorbenen Großmutter sehr recht. Ein Foto aus dem Jahr 1908 zeigt eine fremde Frau und einen Hinweis auf ein Tagebuch in einem herrschaftlichen Haus in England. Elisa bewirbt sich als Reinigungskraft auf Rosewood Manpr und flüchtet nach England. Sie hofft, so hat sie Gelegenheit irgendwo das Tagebuch zu finden. Der Hausherr, Calam Lyndham erwischt sie gleich zu Beginn in einer unschönen Situation, gibt ihr aber eine Chance. Gemeinsam suchen sie nach Spuren von Harriett Lyndham und begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit. 

Im Jahr 1908 steht Harriett im Mittelpunkt der Geschichte. Nach dem Tod ihres Vaters hat die Stiefmutter sie mit dem um einiges älteren Lord Edward Lyndham verheiratet, um ihr eigenes Ansehen in der Gesellschaft zu festigen. Dabei hätte Harriett viel lieber Medizin studiert. Aber ihr Mann will nur eins von ihr: einen Erben. Leider ist die Ehe seit vier Jahren kinderlos und Harriett sitzt in einem Goldenen Käfig, der Willkür ihres kalten, brutalen und herzlosen Mannes hilflos ausgeliefert. Hier wird die Situation der Frauen zu damaligen Zeit sehr deutlich, denn wenn sie verheiratet waren, hatten sie praktisch keine Rechte mehr. 
Trotzdem ist sie eine starke Frau und als sie den Arzt Arthur Schelling kennenlernt, erfährt sie zum ersten Mal wahre Zuneigung und Fürsorge. Aber das Spiel ist gefährlich und für eine gemeinsame Zukunft muss sie alles riskieren, auch ihr Leben. 

"Unsere Tage am Fluss" war mein erstes Buch von Karin Lindberg. Tatsächlich hat mir der historische Teil besser gefallen, als der in der Gegenwart. Vielleicht, weil mir die Geschichte mit Calam und Elisa doch ein bisschen zu viel in Richtung Liebesroman geht, das ist ja nicht so ganz mein Beuteschema. :-) 

Insgesamt war der Roman gut zu lesen. Ein lebendiger und flüssiger Schreibstil, vielschichtige Charaktere und anschauliche Beschreibungen der jeweiligen Zeit, auch die Sprache passt. Der Perspektivwechsel in den Kapiteln hält die Spannung aufrecht. Und auch wenn nicht in der Ersten Person erzählt wird, ist man immer mittendrin im Geschehen, sowohl bei Elisa als auch bei Harriett. Bei den Recherchen von Elisa zum Tagebuch gibt es immer wieder Überraschungen und Rückschläge. Die Auflösung war für mich dann zwar nicht sehr überraschend, aber der Weg dorthin ist auf jeden Fall sehr interessant erzählt.

Fazit: Wer Romane auf zwei Zeitebenen mag, in denen es um Familiengeheimnisse geht und kein Problem mit ein bisschen Romantik hat, dem wird "Unsere Tage am Fluss" sicher gefallen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 30. Juli 2025

Rezension: "Annas kleiner Teeladen" von Fay Keenan

Nach dem Unfalltod ihres Mannes ihres Mannes vor zwei Jahren möchte Anna Hemingway endlich einen Neuanfang wagen. Sie zieht mit ihrer kleinen Tochter Ellie in ein malerisches Cottage in ihrem Heimatort Little Somerby und übernimmt das Café ihrer Patentante. So hat sie ihre Eltern und auch ihre beste Freundin seit Kindheitstagen, Charlotte, ganz in der Nähe. Und dann trifft sie auch noch auf Matthew Carter, den Besitzer der örtlichen Cider-Farm. Langsam nähern sich die beiden an. Doch auch Matthew musste im Leben einige Enttäuschungen verkraften, nachdem ihn seine Frau vor einigen Jahren und mit einer halbwüchsigen Tochter zurückgelassen hat. Sein einziger Lichtblick ist Anna und bald gehören urige Dorffeste und Cider-Verkostungen unter den Sternen und Annas und Matthews neuem Leben. Doch dann geschieht eine Tragödie und das neu gewonnene Glück gerät in Gefahr…

Anna ist Mitte Dreißig als sie plötzlich Witwe wird. Nach zwei Jahren ergreift sie die Chance und übernimmt zunächst für ein Jahr das Café ihrer Patentante Ursula. Sie kauft das Pippin Cottage zwei Häuser neben ihrer besten Freunden Charlotte. Anna ist mir gleich sympathisch und ich finde es mutig, dass sie einen Neuanfang wagt, schon alleine für ihre Tochter.  Zunächst für ein Jahr - solange begleiten wir sie auch in ihrer neuen Heimat - und dann will sie schauen, wie es weitergehen wird.

Ich konnte direkt in die Geschichte eintauchen und der flüssige Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Autorin schafft es, die Szenen so bildhaft zu gestalten, dass man das Gefühl hat, direkt am Geschehen teilzuhaben – sei es bei einem Spaziergang durch Little Somerby, im Café oder bei der traditionellen Baumsegnung im Apfelgarten.

Im Kern ist dies schon ein klassischer Liebesroman, aber ich fand ihn trotzdem nicht zu kitschig. Die Charaktere haben Tiefgang, ihre Motivationen und inneren Konflikte werden nachvollziehbar und einfühlsam dargestellt. Man lernt sie mit all ihren Stärken und Schwächen kennen und schließt sie schnell ins Herz. Das gilt wie gesagt vor allem für Anna, aber auch für Matthew, Meredith oder Charlotte. Gerade die kleinen Marotten in ihren Persönlichkeiten sorgen immer wieder für Momente zum Schmunzeln, die dem Roman an den richtigen Stellen etwas mehr Leichtigkeit verleihen. So sieht man gerne auch mal über ein paar "funkelnde Augen" zu viel hinweg. ;-) 

Für mich persönlich war es teilweise ein bisschen zu viel Romantik, ich hätte mir gewünscht, dass das Café mehr im Mittelpunkt steht. Für Liebhaber gefühlvoller Geschichten ist "Annas kleiner Teeladen"  aber sicher genau das Richtige. Wer also auf der Suche nach einer herzerwärmenden Lektüre mit der passenden Dosis Humor ist, die das Herz höherschlagen lässt und Mut macht, wird dieses Buch lieben. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 23. Juli 2025

Buchgeschichte zu den Hexenprozessen von Pendle Hill

 
Die Hexenprozesse von Pendle Hill in Lancashire, England, jähren sich in diesen Tagen zum 413. Mal. Ein guter Anlass, um euch diesen Thriller vorzustellen, den ich vor vielen Jahren gelesen habe, an den ich mich aber noch sehr gut erinnern kann und viele Szenen vor Augen habe. 



Zum Buch: Als der Fitnesstrainer Luke erstochen wird, fällt der Verdacht sofort auf seine Freundin Sarah, die seitdem verschwunden ist. Doch der Journalist Jack Garrett hegt Zweifel an diesem vorschnellen Urteil und beginnt zu ermitteln. Dabei stößt er auf grauenhaft mittelalterliche Hexenrituale und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Zunächst will Jack den Job nicht übernehmen, als sein Freund Sam, ein Anwalt,  ihn bittet mit den Eltern von Sarah zu reden. Sie sind überzeugt, dass ihre Tochter nicht die Mörderin ihres Freundes ist, aber alles spricht gegen sie. Jack findet heraus, dass in den letzten Jahren mehrere junge Frauen in der Gegend verschwunden sind und einige brutal ermordet aufgefunden wurden. Anscheinend waren sie alle Mitglieder eines Hexenzirkels und alle Nachfahren der sogenannten Pendle-Hexen aus dem 17. Jahrhundert. Auch in Sarahs Stammbaum finden sich Verbindungen. 
 

Hintergrund: 
Die Hexen vom Pendle Hill gab es tatsächlich. Sie wurden 1612 der Hexerei angeklagt und hingerichtet. 
Dabei fing alles ganz harmlos an: Im März 1612 braucht Alizon Device ein paar Nadeln, die ihr der fahrende Händler John Law überlassen soll. Der will ihr keine Nadeln schenken. Kurz darauf erleidet der Händler einen Herzinfarkt. Alizon beichtet John Law ihren Fluch, da sie überzeugt ist, den Anfall durch Hexerei ausgelöst zu haben. John Law vergibt ihr.
Zwei Wochen später meldet John Laws Sohn den zuständigen Behörden Alizons Geständnis. Die wiederholt aus freien Stücken ihr Geständnis, das sie noch ausdehnt. Warum, ist mir allerdings ein Rätsel. Außerdem berichtet sie den Behörden von Hexereien, die ihre Großmutter Elizabeth Southerns und eine Frau namens Chattox ausgeführt haben sollen. Daraufhin werden Alizon, ihre Mutter Elizabeth und ihr Bruder James verhört, Alizon daraufhin in Gewahrsam genommen.
Alizon, Elizabeth Southerns, Chattox und ihre Tochter Anne Redfearn werden zunächst zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Freunde der betroffenen Frauen treffen sich an Karfreitag am Malkin Tower, dem Wohnort der Familie Device. Das Gericht geht davon aus, dass es sich um einen Hexensabbat handelt. Ende April gibt es dazu Verhöre.
Jennet Preston, Alizons Schwester, die ebenfalls am Treffen am Malkin Tower teilgenommen hat, wird am 27. Juli des Mordes an Thomas Lister angeklagt. Sie ist erst neun Jahre alt und wird zwei Tage später in York gehängt.
Am 20. August 1612 werden zehn Personen der Hexerei für schuldig befunden und im Gefängnis von Lancaster gehängt.
Mit ein Grund für den Tod der "Hexen" ist vermutlich die damals durch König James I. geschürte und weit verbreitete Angst vor Hexerei. 


Ein weiteres Buch, dass die Hexen von Pendle Hill thematisiert, ist "Der Fluch von Pendle Hill - Ein Fall für Frey & McGrey" von Oscar de Muriel aus dem Jahr 2016. Das habe ich allerdings nicht gelesen und kann dazu nichts sagen. 





Mittwoch, 4. Juni 2025

Rezension: "Das Geheimnis der verborgenen Bibliothek" von Felicity Whitman

Bei ihrer Doktorarbeit über die Entstehung von Heldenmythen macht Zoe Farwell eine Entdeckung: Ihr Vorfahre Gerald Farwell, der wie ein Heiliger verehrt wird, ist anscheinend ermordet worden. Doch warum findet sich dazu nichts in den Akten? Ihre Neugierde ist geweckt.
Liverpool, 1839. Ein Mörder geht um in der Stadt, der es speziell auf Prostituierte abgesehen hat. Doch für ermordete Dirnen fühlt sich die örtliche Polizei nicht zuständig. Einzig Madeline Brown, mit einer der getöteten Huren eng befreundet, verlangt Aufklärung. Doch die Polizei bleibt untätig. Erst als Gerald Farwell, Bruder des Earls of Wooverlough und Pfarrer der Gemeinde, gewaltsam ums Leben kommt, schaltet sich die Metropolitan Police ein. Und auch Madeline begibt sich auf Spurensuche …

„Das Geheimnis der verborgenen Bibliothek“ ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. 
In der Gegenwart ist Zoe Farwell die Hauptfigur, eine Doktorandin in Oxford, deren Dissertation ausgerechnet einen ihrer Vorfahren zum Thema haben soll. Gerald Farwell hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahe Liverpool als Pfarrer gelebt und gearbeitet. Sein Bruder war der Earl of Wooverlough.
Zoes Mentorin, die Historikerin Charlotte, ist fasziniert von Geralds Geschichte und möchte unbedingt das Geheimnis seines Todes lüften. Schließlich wird Zoes Neugierde selbst geweckt, denn warum wurde Gerald ermordet, wenn er doch so ein frommer und guter Mensch war? Um mehr herauszufinden, muss Zoe allerdings zurück in ihr Elternhaus Wooverlough Court. Kein leichter Schritt, denn sie hat seit Jahren keinen Kontakt und weiß nicht, welcher Empfang sie erwartet. Grund ist, dass ihr Vater sie damals quasi aus dem Haus warf, weil er mit ihrem Outing nicht klar kam. Sie sollte erst zurück kommen, wenn sie diese fixe Idee, Frauen zu lieben, überwunden hätte. 

Im Jahr 1839 lernen wir die resolute Madeline Brown kennen. Die junge Frau lebt zwar ein gutes Leben, denn sie hat einen reichen Liebhaber, der ihr ein teures Haus, schöne Kleider und Dienstboten bezahlt, aber sie ist nicht wirklich frei. Ihr verheirateter Geliebter besucht sie, wann es ihm passt und dann hat sie ihm zur Verfügung zu stehen. Genauso gut kann das alles von einem Tag auf den anderen wieder vorbei sein, wenn er plötzlich keine Lust mehr auf sie hat. Dann müsste sie ihr Geld auf der Straße verdienen, wie viele Frauen in Liverpool und davor hat sie Angst. Gerade zur Zeit ist es gefährlich, denn es werden immer wieder Prostituierte auf brutale Weise ermordet, doch die Polizei unternimmt nichts. Bis schließlich die Metropolitan Police aus London die Ermittlungen übernimmt. 

Der Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen, es wird abwechselnd aus Zoes und aus Madelines Perspektive erzählt. Die Sprache ist auch im historischen Teil angemessen. 
Ich muss aber sagen, mir hat Madelines Geschichte besser gefallen als Zoes und ich fand sie auch glaubwürdiger und authentischer. 
In der Gegenwart nimmt Zoes „Liebesgeschichte“ für mich zu viel Raum ein und auch Charlottes Verhalten überzeugt mich nicht. Vermutlich will die Autorin hier mit der Zeit gehen, aber dramaturgisch hätte es nicht sein müssen. Für das Zerwürfnis mit den Eltern hätte man auch einen anderen Grund erfinden können. Irgendwann war ich auch ein wenig genervt von den „funkelnden Augen“, „glänzenden Haaren“ und „geheimnisvollem Lächeln“. 

Das Ende bzw. die Auflösung um Geralds Tod und seinen Ruhm hat mich dann aber überrascht und wieder ein wenig gnädig gestimmt. Insgesamt habe ich mich dann doch noch gut unterhalten gefühlt. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Donnerstag, 17. April 2025

Rezension: "Die stillen Gefährten" von Laura Purcell

England, 1866: Als Elsie den reichen Erben Rupert Bainbridge heiratet, glaubt sie, nun ein Leben im Luxus vor sich zu haben. Doch nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit ist sie bereits verwitwet. Und dazu schwanger. Elsie bezieht das alte Landgut The Bridge ihres verstorbenen Mannes. Da ihre neuen Diener ihr gegenüber äußerst reserviert sind, hat Elsie nur die ungeschickte Cousine ihres Mannes zur Gesellschaft. Zumindest glaubt sie das. Doch in ihrem neuen Zuhause existiert ein verschlossener Raum. Als sich dessen Tür für sie öffnet, findet sie ein 200 Jahre altes Tagebuch und eine beunruhigende, lebensgroße Holzfigur - eine stille Gefährtin...

Ich wollte schon lange mal etwas von Laura Purcell lesen und als ich sah, dass Sabine auf ihrem Blog Buchmomente eine Leserunde dazu veranstaltet und das Buch ja schon auf meinem SUB lag, hat sich das Mitmachen natürlich angeboten. 

Der Klappentext klang vielversprechend und auch der Einstieg hat mir gut gefallen. Wir lernen eine Frau kennen, die in einem Krankenhaus behandelt wird, sie spricht nicht und hat keine Erinnerung an die Ereignisse, sie dort hin brachten. 
Dann wird in Rückblenden die Geschichte von Elsie erzählt. Außerdem gibt es eine zweite Zeitebene, die etwa 200 Jahre vorher ebenfalls in The Bridge spielt. Hier lernen wir Anne kennen, eine Vorfahrin von Elsies Mann Rupert und seiner Cousine Sarah. Im Laufe des Buches erfährt man dann, wie die Geschichten zusammenhängen. Wobei allerdings für mich zu viele Fragen offen bleiben.

Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht. Auf dem Titel steht "Eine viktorianische Geistergeschichte" und ja, es spielt zur viktorianischen Zeit und wahrscheinlich geht es auch um Geister. Zumindest lässt das Ende es vermuten und auch zwischendurch ereignen sich Dinge, die eigentlich nur auf Geister schließen lassen. Aber irgendwie war mir das Ganze...zu wenig. Ich kann es nicht richtig erklären, aber gegruselt habe ich mich nicht wirklich. Gut, würde mir tatsächlich in einem alten Haus so eine Holzfigur begegnen und mich regelrecht verfolgen, würde ich mich wahrscheinlich schon gruseln. Aber hier fehlte einfach die Atmosphäre, es kam kein Gänsehautfeeling beim Lesen auf. Vieles war auch zu vorhersehbar. 

Richtig warm wurde ich auch nicht mit dem Schreibstil, die Sprache war mir teilweise zu modern für die viktorianische Zeit. Ich es mir leider nicht aufgeschrieben, aber an einer Stelle wurde ein Ausdruck verwendet, den es damals mit Sicherheit noch gar nicht gab. 

Fazit: Ich würde sagen, das Potential war da, man hätte mehr daraus machen können. Vor einiger Zeit habe ich etwas von Darcy Coates gelesen und das hat mir sehr viel besser gefallen.  Oder auch "Haus der Geister" von John Boyne.

Ich würde der Autorin allerdings gerne noch eine zweite Chance geben und ein weiteres Buch von ihr lesen. Vielleicht im Oktober zur passenden Zeit vor Halloween. 


Meine Bewertung: 🌹🌹🌹





Montag, 18. November 2024

Rezension: "Jigsaw Man" von Nadine Matheson

Der menschliche Körper ist ein wunderbares Puzzle, einzigartig in seiner Präzision und seiner aufeinander abgestimmten Perfektion! Der Jigsaw Man liebt Puzzles über alles. Doch ein perfektes Puzzle ist nur eines, das in seine Einzelteile zerlegt ist. Nur so kann er die wahre Schönheit erkennen - indem er jedes Teil für sich betrachtet. Hände, Füße, Beine, Arme, Köpfe. Welche Freude! Und wahre Freude muss man teilen, nicht wahr? In der ganzen Stadt. Wirst du sein nächstes Opfer sein?

Anjelica Henley arbeitet mit ein paar anderen Kollegen in einer Spezialeinheit für Serienverbrechen, der Serial Crime Unit (SCU). Vor drei Jahren hat der Jigsaw Killer sie bei der Jagd auf ihn schwer verletzt und fast hätte sie dadurch ihr ungeborenes Baby verloren. Seitdem ist sie im Innendienst, aber als nun Leichenteile in London auftauchen, wird jeder verfügbare Detective draußen gebraucht. Ihr Chef schickt sie zu ihrem ersten Einsatz wieder auf die Straße und macht sie direkt zur leitenden Ermittlerin. Ihr zur Seite stellt er ausgerechnet einen "Azubi", Trainee Police Constable Salim Ramouter, wovon Anjelica zunächst wenig begeistert ist. Außerdem gibt es Probleme zuhause. Ihr Mann hätte am liebsten, dass sie den Polizeidienst quittiert oder zumindest weiterhin im Innendienst arbeitet. 
Anhand der neuen Morde hat die SCU den Verdacht, dass der Jigsaw Killer wieder aktiv ist. Allerdings sitzt Peter Olivier seit drei Jahren im Hochsicherzeitstrakt. Gibt es einen Nachahmungstäter?

"Jigsaw Man" ist das Debut von Nadine Matheson und ich fand es wirklich sehr gut. Eine spannende Story mit Überraschungen und Wendungen, interessante Charaktere und die Möglichkeit zum Miträtseln. 
Die Figuren sind gut ausgearbeitet. Ich muss allerdings sagen, dass ich mit Anjelica nicht ganz warm wurde. Ja, sie liebt ihren Job, aber in meinen Augen vernachlässigt sie dafür ihren Mann und vor allen Dingen ihre Tochter, die sie ja fast nicht gehabt hätte. Manchmal kommt sie mir ziemlich kalt und gefühllos vor. 
Ramouter dagegen ist mir sympathischer und in meinen Augen auch menschlicher. 

Am Anfang hatte ich das Gefühl, es gab schon einen Teil davor, da immer mal wieder Ereignisse erwähnt wurden, die vorher geschehen sind. Aber "Jigsaw Man" ist tatsächlich erste Teil und nach und nach wird auch die Vorgeschichte "aufgedröselt". 
Insgesamt bietet das Buch auf jeden Fall rund 480 Seiten spannende Unterhaltung, die ich jedem Thriller- und Krimi-Leser empfehlen kann. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹 





Mittwoch, 17. Juli 2024

Rezension: "Die Morde von Salisbury" von Katherine Webb

Es ist ein unerträglich heißer Sommer in der Grafschaft Wiltshire im Südwesten Englands. In einem ausgetrockneten Flussbett wird die Leiche des vor Jahren verschwundenen Lee Geary gefunden. Sein Schicksal war 2011 eng mit dem Fall der zwanzigjährigen Holly Gilbert verflochten, die damals von einer Brücke stürzte. Ihr Tod war ein Medienmagnet, die Leute wollten Gerechtigkeit für Holly, sie wollten einen Schuldigen. Rasch wurden drei Verdächtige festgenommen, und Geary war einer davon. Alle drei starben damals innerhalb weniger Monate nach Holly. In der sengenden Hitze versuchen Inspector Matthew Lockyer und Constable Gemma Broad einen kühlen Kopf zu bewahren und die Fäden der Cold Cases zu entwirren. Dabei graben sie alte Geheimnisse aus, die viele lieber unentdeckt gelassen hätten.

Nach "Der Tote von Wiltshire" ist dies der zweite Fall für die Detectives Matt Lockyer und Gemma Broad. Auch hier geht es um Todesfälle, die bereits vor Jahren geschehen sind und die nun durch den "frischen" Fund einer Leiche wieder aktuell werden. Lockyer, vor einiger Zeit in Ungnade gefallen, ist zuständig für Cold Cases und er versucht sein Bestes, den lange Verstorbenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn immer wieder stößt er auf neue Rätsel, auf andere Verdächtige und widersprüchliche Meinungen und Aussagen. Was ist damals wirklich passiert? Was ist wahr, was gelogen und wer versucht, wen zu schützen und warum? Und alle Spuren führen immer wieder zur Old Hat Farm, wo jeder ein Geheimnis zu haben scheint. 
Diese ständigen Wendungen und neuen Ermittlungsansätze halten die Spannung während des gesamten Buches aufrecht. 

Die Geschichte spielt im Jahr 2020, mitten in der Pandemie. Als schon auf der ersten Seite Gesichtsmasken erwähnt wurden, dachte ich: Och nö, muss das jetzt sein? Aber zum Glück kommt Corona nur ganz wenige Male vor und mit der Zeit vergisst man das irgendwie. Es spielt nur insofern eine Rolle, dass gewisse Abläufe, die sonst zu einer polizeilichen Ermittlung gehören, nicht uneingeschränkt möglich sind. Dadurch wird die Handlung für mich noch etwas realistischer und glaubwürdiger. 
 
Wie schon den Vorgänger würde ich auch "Die Morde von Salisbury" nicht als einfachen Krimi bezeichnen. Ich finde, es ist ein sehr vielschichtiger Spannungsroman, ein Kriminalroman, in der es auch viel "Drumherum" gibt. Das Privatleben der Hauptfiguren spielt eine große Rolle. Bei Matt ist es die Farm seiner Eltern, der frühe Tod seines Bruders, die Sorge wegen der Erkrankung seiner Mutter. und Ungewissheit, was mit Hedy ist. Und dann ist da noch die Sache, die seine alte Nachbarin ihm erzählt hat und die Frage, wie er als Polizist damit umgehen soll, was vor Jahrzehnten in seinem Haus passiert ist.

Insgesamt hat mir dieser Teil noch etwas besser gefallen, als der erste. Spannend bis zum Schluss, lebendiger Erzählstil, interessante Charaktere bis in die Nebenfiguren, was will man mehr für unterhaltsame Lesestunden?    


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹







Dienstag, 28. Mai 2024

Rezension: "Island Dreams - Die Imkerei am Meer" von Charlotte McGregor

Hazel Armstrong lebt seit ein paar Jahren auf Tresco, einer der Inseln der Scilly Islands. Ihr altes Leben in London hat sie hinter sich gelassen und wohnt nun  in einem kleinen Cottage zusammen mit ihrem Hund Toby einem verrückten Terrier-Mix. Hazel ist die Insel-Imkerin und kümmert sich um verschiedene Bienenstöcke auf den Inseln, stellt Honig her und verkauft diesen u. a. an Hotels und Restaurants. Außerdem arbeitet sie im örtlichen Supermarkt und ist Kapitän einer Damen-Gig-Boot-Mannschaft. Eigentlich fühlt sie sich sehr wohl in ihrem neuen Zuhause und mit ihrem Leben im Einklang mit der Natur. Ihre beste Freundin Pippa ist ebenfalls erst vor ein paar Jahren nach Tresco gezogen und beide sind auf der gleichen Wellenlänge. Aber Pippa weiß nichts von Hazels dunkler Vergangenheit und den wahren Gründen, warum sie dem Leben in London den Rücken gekehrt hat. Diese erfährt man als Leser nach und nach. 
Dann taucht eines Tages der Fotograf Chris auf der Insel auf und Hazels sorgfältig gebaute Schutzmauer beginnt zu bröckeln. Doch auch Chris hat sein Päckchen aus seiner Vergangenheit zu tragen. Und dann ist da auch noch Bodyguard Ben, der Hazels Gefühlswelt durcheinander bringt...

"Die Imkerei am Meer" ist mein erstes Buch von Charlotte McGregor. Ich habe auch erst beim Lesen festgestellt, dass es bereits einen Vorgängerband gibt. In "Der Garten am Meer" geht es aber um die Geschichte von Pippa und man muss diesen Teil nicht gelesen haben, um Hazels Geschichte zu verstehen. In "Die Imkerei am Meer" wird ein bisschen auf Pippas Vorgeschichte eingegangen und das reichte mir völlig als Hintergrundwissen. 
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und es als Liebesroman abzustempeln, wird der Geschichte nicht gerecht. Es geht natürlich auch um die Liebe, aber auch um Freundschaft, Loyalität, Vertrauen, Mut, Stärke und Ehrlichkeit, auch gegenüber sich selbst. Und nicht zuletzt um Hoffnung, denn irgendwie geht das Leben immer weiter und manchmal braucht es einfach den Mut zur Veränderung. 
Sehr interessant fand ich auch, was man über Bienen und deren Leben lernt.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Die Beschreibung der Scilly Inseln lässt die sommerliche Landschaft beim Lesen vor den Augen  lebendig werden. Es gibt emotionale Momente, aber auch viel zum Schmunzeln, besonders wenn Hazels Hund Toby auf der Bildfläche auftaucht. 

Das Lesen von Hazels Geschichte hat mir unterhaltsame und schöne Lesestunden beschert und ich kann das Buch wirklich empfehlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹

Vielen Dank auch an das Bloggerportal für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. 





Dienstag, 21. Mai 2024

Rezension: "Beste Freundin" von Claire Douglas

Als Kinder waren Jess und Heather die allerbesten Freundinnen. Sie teilten alles miteinander. Bis ein einziger Tag ihre Freundschaft unwiderruflich zerstörte. Jahre später kehrt Jess in ihre idyllische Heimatstadt an der Küste Englands zurück. Dort soll sie die Berichterstattung zu einem brutalen Doppelmord übernehmen. Doch als Jess erfährt, dass Heather die Hauptverdächtige ist, ist sie fassungslos. Kann ihre beste Freundin von damals eine eiskalte Mörderin sein? Jess beginnt zu recherchieren und stellt mit Grauen fest, dass alle Hinweise zu dem Tag führen, den sie für immer aus ihrem Leben streichen wollte. Der Tag, an dem Heathers Schwester spurlos verschwand und sie alle ins Unglück stürzte …

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen, 1994 und 2012, wobei letzteres die Gegenwart ist. Die Erzählperspektiven wechseln sich ab. Es beginnt mit einem Ich-Erzähler, der einen Doppelmord begeht. Noch weiß man nicht, wer der Täter ist, was natürlich ein gelungener Einstieg in die Geschichte ist. Aus dem Klappentext wissen wir, dass Heather die Hauptverdächtige ist. Aber ist sie wirklich eine eiskalte Mörderin? Jessica kann das nicht glauben, auch wenn sie ihre ehemals beste Freundin seit fast zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Als Jugendliche waren die beiden unzertrennlich und Jessica ging bei den Powells ein und aus, es war schon fast ihr zweites Zuhause. Erst das plötzliche Verschwinden von Flora, Heathers älterer Schwester, beendete diese Freundschaft von einem Tag auf den anderen.  
Jessica nimmt Kontakt mit Heathers Mutter auf und gerät so in einen Zwiespalt. Auf der einen Seite hat sie Schuldgefühle wegen der Berichterstattung, auf der anderen Seite ist sie auf ihren Job bei der Zeitung angewiesen und ihr Redakteur will schlagzeilenträchtige Ergebnisse sehen.
Die Kapitel mit Jessica werden ebenfalls in der Ich-Version erzählt, so dass man das Gefühlschaos aus erster Hand miterlebt. 
Es gibt auch viele Abschnitte aus der Sicht von Margot, Heathers Mutter. Kann es wirklich sein, dass ihr kleines Mädchen eine Mörderin ist? Und welches Motiv hätte sie? Und dann ist da noch ihre andere Tochter Flora, deren Verschwinden immer noch ungeklärt ist, was ihr zusätzlich seit fast zwanzig Jahren zu schaffen macht. 

"Beste Freundin" ist mein erstes Buch von Claire Douglas und es hat mir sehr gut gefallen. Von Anfang bis Ende gelingt es der Autorin, die Spannung aufrecht zu erhalten. Immer wieder gibt es Rückblenden und Wendungen in der Handlung. Ich habe das Ende bzw. die Auflösung zwar geahnt, trotzdem konnte ich das Buch zum Schluss nicht mehr aus der Hand legen. Oder vielleicht gerade deswegen, da ich wissen wollte, ob ich Recht hatte. 

Ich würde es jetzt vielleicht nicht als Thriller bezeichnen, aber auf jeden Fall ist es ein atmosphärischer, psychologischer Spannungsroman, der einem unterhaltsame Lesestunden beschert. 



Bewertung: 🌹🌹🌹🌹 



Montag, 29. April 2024

Rezension "Die Toten von Fleat House" von Lucinda Riley

Für Rektor Jones des altehrwürdigen Internats St Stephen’s im idyllischen Norfolk wird ein Alptraum wahr, als einer seiner Schüler unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt: Der 18-jährige Charlie Cavendish, Sohn aus vermögendem Hause und bekannt für seine rebellische Art, wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Vergeblich versucht Jones, das Ereignis als Unfall abzutun, und Detective Inspector Jazz Hunter, die aus persönlichen Gründen gerade ihre Karriere bei der Londoner Polizei aufgegeben hat, lässt sich überreden, den Fall zu übernehmen. Als wenig später ein Lehrer Selbstmord begeht und ein Schüler verschwindet, beginnt Jazz zu ahnen, dass sie eine Reise in die Vergangenheit antreten muss, um die Wahrheit über Charlies Tod zu enthüllen …

Jazmine "Jazz" Hunter hat gerade eine Scheidung hinter sich und ist von London ins ländliche Norfolk geflüchtet. Eines Tages kreuzt ihr Chef bei ihr auf. Ihre Kündigung will er nicht akzeptieren und bietet ihr an, in Norfolk den Fall in St. Stephen's zu übernehmen. Nach anfänglichem Zögern sagt Jazz zu, denn sie liebt die Arbeit bei der Polizei und hier muss sie nicht mit ihrem Ex zusammen arbeiten. 
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Miles untersucht sie den Tod des Schülers Charlie. Der Selbstmord eines Lehrers und das Verschwinden eines weiteren Schülers wirft die Frage auf, ob das alles zusammenhängt und ob des Rätsels Lösung vielleicht in der Vergangenheit liegt. 

Mir hat "Die Toten von Fleat House" richtig gut gefallen. Von Anfang an war ich direkt in der Geschichte drin. Auch die Hauptfigur Jazz mochte ich gleich. Im Laufe der Geschichte wird klar, wie unterschiedlich sie und ihr Ex an einen Fall herangehen. Er will nur schnellstmöglich einen Täter präsentieren und den Fall abschließen. Aber Jazz schaut viel mehr auf jeden Einzelnen, der in den Fall involviert ist. Was spricht für eine bestimmte Person als Verdächtigen, was dagegen. Das macht sie sympathisch und menschlich.

Es gibt auch viel "Drumherum", so z. B. der Handlungsstrang mit Jazz' Eltern, aber auch das passte für mich. Ebenso die Art, wie einige der anderen Charaktere vorgestellt und in die Handlung eingebunden werden. 
Der Schreibstil ist lebendig und anschaulich, die Beschreibungen des Internats und der Landschaft in Norfolk lässt die Handlungsorte vor dem geistigen Auge lebendig werden. Durch Wendungen und neue Erkenntnisse wird die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhalten. Ich konnte das Buch nur ganz schwer aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie das alles zusammenhängt. 

"Die Toten von Fleat House" ist für mich ein wirklich fesselnder Krimi mit Atmosphäre und englischem Charme.  Es ist wirklich sehr schade, dass wir von Lucinda Riley zukünftig nichts Neues mehr lesen werden, denn gerade dieses Buch mit ihrer Hauptfigur hätte für mich Potenzial für eine Serie gehabt. Aus dem Vorwort erfährt man von ihrem Sohn, dass Lucinda Riley diesen Krimi bereits 2006 geschrieben hat, er aber jetzt erst veröffentlicht wurde. 



Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



Eine ganz persönliche Anmerkung habe ich allerdings noch. Es heißt ja immer "Lucinda Rileys erster Krimi". Aber ich finde, ihr Buch "Der Liebesbrief" hat auch schon einige Krimielemente. 






Montag, 1. April 2024

Rezension: "Wort für Wort zurück ins Leben" von Beth Miller

Die 52-jährige Pearl lebt mit ihrem fürsorglichen Mann Denny abgeschieden in den Wäldern Frankreichs. Ihr Tagesablauf ist gereglt und vorhersehbar. Bis eine Nachricht aus Großbrittanien alles durcheinanderbringt: Pearls Vater Francis liegt im Sterben. Obwohl sie seit über 30 Jahren entfremdet sind, hinterlässt Francis seiner Tochter ein ungewöhnliches Vermächtnis: seine in Kurzschrift verfassten Tagebücher. Durch Francis' berührende Berichte lernt Pearl nicht nur ihren eigenen Vater besser zu verstehen. Sie wird auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Wird sie es schaffen, sich ihrem Leben neu zu stellen?

"Wort für Wort zurück ins Leben" habe ich als Leseexemplar bei Vorablesen gewonnen. Die Leseprobe hatte mir schon sehr gut gefallen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Pearl weitergeht. 
Ich habe das Buch wirklich sehr gerne gelesen und Pearl dabei begleitet, wie sie wieder in ein eigenständiges Leben zurückfindet. Dabei war es ihr eigentlich gar nicht so bewusst, dass sie dies nicht hat. Nach einem traumatischen Erlebnis, von dem der Leser aber erst recht spät erfährt, bringt ihr Mann Denny sie nach Frankreich in ihr Haus, das sie eigentlich nur als Ferienhaus nutzen wollten. Dort leben sie allein für sich mit wenig Kontakt zur Außenwelt. Bei Pearl beschränkt sich dieser auf ihre Hausbesuche als Frisörin bei ein paar Kundinnen im angrenzenden Dorf. 
Zu ihren zwei Brüdern in England hat sie kaum Kontakt und das gleiche gilt auch für ihre Schwägerin, die früher ihre beste Freundin war. 

Erzählt wird hauptsächlich in der ersten Person aus Sicht von Pearl, so ist man immer nah am Geschehen und erlebt ihre Gefühlswelt hautnah mit. Außerdem gibt es da noch Carrie, von der man aber zunächst nicht weiß, wie sie in die Geschichte rein passt. Und zwischendurch lesen wir immer wieder die Tagebucheinträge von Francis, Pearls Vater, der die Familie verließ, als sie 15 Jahre alt war. Nach und nach wird klar, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, nichts so einfach zu erklären, wie es scheint. Und Pearl erkennt, dass ihr Vater sehr wohl noch Anteil an ihrem Leben hatte.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Anhand des Inhalts könnte man eine sentimentale und sehr traurige Geschichte erwarten. Aber das ist es eigentlich nicht. Natürlich gibt es auch viele emotionale Momente, aber auch einige Situationen zum Schmunzeln. Es ist eine Geschichte über Mut und Freundschaft, Familie, verpasste Gelegenheiten und Chancen, diese neu zu nutzen.


Bewertung🌹🌹🌹🌹🌹