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Mittwoch, 5. März 2025

Rezension: "Der Herzschlag der Toten" von Ralf H. Dorweiler

Hamburg, 1887. Hermann Rieker wurde gerade frisch zum Criminalcommissar befördert, da soll er in seinem ersten eigenen Mordfall ermitteln. Sein Chef traut ihm das nicht recht zu und möchte ihm einen erfahrenen Kollegen vor die Nase setzen. Aber Rieker setzt sich durch und nun hat er drei Tage, um den Fall zu lösen und den Mörder festzunehmen. In einem verlassenen Kontor ist die Leiche einer jungen Frau gefunden worden, auf brutale Art erstochen. Gewissen Umstände beim Entdecken der Toten erschweren zunächst die Ermittlungen. 
Bei diesen trifft er auf Johanna Ahrens, Tochter eines Richters, die heimlich arme Frauen im Gängeviertel unterrichtet. Da Johanna in dem Mordopfer eine ihrer Schülerinnen erkennt, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Dabei lernt sie einen Totenfotografen kennen, dessen Anatomiekenntnisse eine entscheidende Wendung für den Fall bringen. Doch als ein weiterer Mord die Stadt erschüttert, wird klar: Der Täter kann jeden Moment erneut zuschlagen.

"Der Herzschlag der Toten" ist ein wirklich spannender historischer Krimi. Atmosphärisch, düster, fesselnd. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen, ebenso die Sprache. Ich finde, sie ist der damaligen Zeit angepasst, aber nicht zu altmodisch. Und der Autor lässt Hamburg zu Ende des 19. Jahrhunderts vor den Augen des Lesers lebendig werden. 
Sehr interessant finde ich das Thema der Totenfotografie. Es klingt zwar morbide, aber wenn man mal darüber nachdenkt, war das eigentlich eine gute Sache. Es war ja nicht so wie heute, wo von jedem Menschen in allen Lebensjahren ausreichend Fotos existieren, so dass man sich auch nach Jahren noch an die Gesichter erinnern kann. Die Fotografie war in den Kinderschuhen und nur wenige konnten es sich überhaupt leisten. Und erst recht hatten normale Leute kein Geld, von sich Porträts malen zu lassen. 

Auch die Charaktere sind sehr interessant. Hermann Rieker kommt eigentlich aus Berlin und im Laufe der Geschichte erfährt man, was er dort hinter sich gelassen. Außerdem kämpft er mit Erinnerungen an den Krieg gegen die Franzosen. In seinem Job will er hundert Prozent geben.
Johanna ist zwar eine Tochter aus reichem Haus, aber sie nutzt dieses Privileg, um anderen Frauen zu helfen. Für sie ist Bildung der wichtigste Schritt, etwas aus seinem Leben zu machen. 

Am Ende erfährt man, dass es einen guten Grund gibt, warum das Ganze im Jahr 1887 spielt und diese Wendung finde ich wirklich gelungen. 

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es auf jeden Fall weiter empfehlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



Freitag, 24. Januar 2025

Rezension: "Alter Zorn" von Lea Stein

Hamburg, 1949. Auf die Schutzpolizistin Ida Rabe wartet ein neuer Fall, der ihr persönlich sehr nahe geht. Am Strand von Övelgönne wird die Leiche eines Jungen angeschwemmt. Handelt es sich dabei um das Kind, das sie und ihre Kollegin Heide bereits vor einigen Monaten in einem Hauseingang aufgegriffen haben? Der Junge war mehr tot als lebendig und sprach kein Wort. Sie nannten ihn Theo und brachten ihn in ein Kinderheim. Ida hat ein schlechtes Gewissen, weil sie sich nie wieder nach ihm erkundigt hat. Sie ist einfach davon ausgegangen, dass es ihm gut geht. Hat sie sich geirrt? Die erste Spur führt Ida allerdings auf die Elbinsel Waltershof zu einer eingeschworenen kleinen Gemeinde um den selbsternannten Wunderheiler Wilhelm Maurer. Wenn der tote Junge tatsächlich Theo ist, wie ist er dahin gekommen? Ida mischt sich unter die Anhänger des Heilers, was nicht ungefährlich ist, denn eine von ihnen ist eine Frau, die Ida noch von ihrer Heimatinsel Amrum kennt...

"Alter Zorn" ist der dritte Teil der historischen Kriminalromanreihe um die eigensinnige Ida Rabe. Nicht nur ihrer Kollegin Heide macht sie mit ihrer Starrköpfigkeit oft das Leben schwer, dieses Mal hat auch ihr neuer Vorgesetzter die Nase voll von Idas Alleingängen. Was Ida natürlich nicht davon abhält, weiter zu ermitteln,  denn die Polizei scheint nicht wirklich interessiert zu sein am Tod des Jungen. Auch die Kriminalpolizei, zu der Heides Vater gehört, beharrt auf Tod durch Ertrinken und stuft das Ganze als Unfall ein. Aber woher hat Theo die vielen Verletzungen? 

Mit flüssigem Schreibstil führt Lea Stein durch ihre Geschichte. Hamburgs immer noch zerstörte Straßen werden vor den Augen lebendig, man sieht alles direkt vor sich. Durch Wendungen und Überraschungen wird die Spannung aufrecht erhalten. 
Das betrifft zum einen den Fall, aber auch das Privatleben von Ida. Am Ende kommt es zu einer entscheidenden Veränderung und ich frage mich, ob das der letzte Teil war oder ob die Reihe doch weitergeht. Ich würde es mir wünschen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Montag, 22. Januar 2024

Rezension: "Alte Schuld" von Lea Stein

 Hamburg 1948. Die Währungsreform steht vor der Tür, Bargeld soll an die Zivilbevölkerung verteilt werden und die komplette Polizei ist in Bereitschaft versetzt worden. Doch Schutzpolizistin Ida Rabe hat einen viel brisanteren Fall auf dem Tisch: Eine misshandelte Frau, Vera, sucht ihre Hilfe. Der mutmaßliche Täter: ein Brite, der enge Kontakte zur Hamburger Polizei hat. Als wenig später der Verdächtige ermordet aufgefunden wird, womöglich mit einem hoch gefährlichen Kampfstoff vergiftet, und man Vera verhaftet, geht Ida einen riskanten Weg: Sie beginnt in den eigenen Reihen zu ermitteln.

"Alte Schuld" ist der zweite Krimi mit Polizistin Ida Rabe von der Davidwache Hamburg. Die Besatzer haben nach englischem Vorbild eine Weibliche Polizei ins Leben gerufen, die sich hauptsächlich um Fälle von Kindern und Frauen kümmern soll. Ida und ihre Kollegin Heide sind seit etwa einem Jahr dabei. Nun soll Ida auf Empfehlung ihrer Vorgesetzten Watson zu einem Lehrgang in die niedersächsische Provinz, was sie einerseits erfreut, aber andererseits der Zeitpunkt nicht schlechter hätte sein können. 
Vera Pape fühlt sich bedroht und wendet sich an die Polizei. Ida ist überzeugt, dass mehr dahinter steckt und es macht sie zudem wütend, dass die männlichen Kollegen die Ängste der Frau nicht ernst genommen haben. 
Dann wird in den Trümmern halb verdeckt unter Schutt eine schwer verletzte Frau gefunden. Zudem steht die Währungsreform an, niemand weiß etwas Genaues über den Ablauf, aber es werden alle Polizeikräfte benötigt. Und Ida soll in drei Tagen nach Niedersachsen...

Ich habe schon den ersten Teil der Reihe gerne gelesen und mochte Ida Rabe. Dieser zweite Teil hat mir sogar noch etwas besser gefallen. 
Vor dem Hintergrund des zerbombten und teilweise völlig zerstörten Hamburg erzählt die Autorin eine spannende Geschichte mit lebhaften Bildern, die sehr authentisch wirkt. Wir begleiten Ida durch die Ruinen Hamburgs, in denen die Menschen ums Überleben in der Nachkriegszeit kämpfen. Der Hunger ist immer noch allgegenwärtig und jeder ist sich selbst der Nächste. Dadurch ist der gesamte Krimi eher düster, aber eben auch realistisch. 
Durch Überraschungen und Wendungen wird die Spannung von Beginn an aufrecht erhalten und wenn man denkt, das ist es jetzt, das ist die Lösung, kommt wieder etwas Unerwartetes. 

Ida Rabe hat in ihrem Leben schon einiges durchgemacht und kann sich auch in der dominanten Männerwelt der Polizei behaupten. Sie lässt sich nicht so leicht einschüchtern und geht auch mal unkonventionelle Wege. 

Muss man den ersten Teil gelesen haben? Eigentlich nicht, obwohl man dort etwas mehr über Idas Vergangenheit erfährt und das erklärt, dass sie ist, wie sie eben heute ist. Empfehlen kann ich jedenfalls beide Teile und hoffe, es geht weiter mit Ida Rabe und ihren Kollegen der Davidwache. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Montag, 14. März 2022

Rezension: "Der Traum von Freiheit" von Fenja Lüders

Hamburg 1925. Der Kaffeehandel der Firma Kopmann & Deharde läuft gut, Mina ist inzwischen eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie und Edo haben auch endlich zueinander gefunden. Allerdings halten sie es geheim, denn offiziell ist Mina immer noch mit Frederik Lohmeyer verheiratet und darf auch nur deswegen an der Börse handeln. Ihre Schwester Agnes ist mit Anton Rose verheiratet und ihre beste Freundin Irma ist in ihrer Ehe mit Heiko Peters erneut schwanger. Als Minas Großmutter stirbt, entdecken die Schwestern ein lang gehütetes Familiengeheimnis und auch Edo bringt eine Überraschung mit, als er von einer Amerikareise zurückkehrt. 
Mit Beginn der Dreißiger Jahre ändern sich die Zeiten, als die Nationalsozialisten an die Macht kommen. Wer nicht für die Regierung ist, ist dagegen und Mina macht gute Miene zum bösen Spiel, um ihre Firma so lange wie möglich über Wasser zu halten. Heimlich hilft sie denen, die das Land verlassen wollen und versucht auch Agnes dazu überreden, aber ihr Mann weigert sich. Auch als der Krieg ausbricht, macht Mina unbeirrt weiter und kämpft für ihre Firma und ihre Familie. Zunächst ist der Krieg noch weit weg, aber dann wendet sich das Blatt und die Amerikaner und Engländer beginnen, die deutschen Großstädte dem Erdboden gleich zu machen. Auch Hamburg wird nicht verschont. Doch wenn Mina eines von ihrem Vater und ihrer Großmutter geerbt hat, dann ist es der eiserne Wille, niemals aufzugeben. 
 
"Der Traum von Freiheit" ist der dritte und damit letzte Band der Speicherstadt-Saga von Fenja Lüders. Und es ist ein würdiger und gelungener Abschluss. Wie schon bei den vorherigen Bänden, ist der Schreibstil sehr anschaulich und lebendig. Auch die immer beklemmender werdende Atmosphäre in der Zeit des Nationalsozialismus ist sehr authentisch dargestellt. Auf der einen Seite verabscheut Mina das Regime und dessen Machenschaften, auf der anderen Seite ist sie aber auf das Wohlwollen der Gesellschaft angewiesen, wenn sie ihre Firma weiter mit Erfolg führen möchte. Ein Spagat, den sie mit viel Mut, Kraft und Optimismus meistert. 
 
Sicher haben die sympathischen Charaktere auch dazu beigetragen, dass ich die Trilogie gerne gelesen habe. Neben Mina ist da ihre Schwester Agnes, die ebenso kämpferisch ist. Dann natürlich Edo, der bereits im ersten Weltkrieg einiges erlebt hat, aber trotzdem irgendwie versucht, in seinem Leben zurecht zu kommen. Auch Heiko mit seinem echten Hamburger Sturkopf war mir immer sympathisch.
 
Dieser Band der Speicherstadt-Saga endet dort, wo Teil 1 anfing und schließt Minas Geschichte damit für mich gelungen ab. Eine spannende Familiengeschichte, lebendig, emotional und authentisch. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹

 
 
 

Montag, 11. Januar 2021

Rezension: "Der Glanz der neuen Zeit" von Fenja Lüders

Hamburg 1919. Der Erste Weltkrieg ist vorbei und die Geschäfte der Kaffeeimportfirma Kopmann & Deharde laufen nur schlecht. Mina muss sich etwas einfallen lassen, um das Familienunternehmen zu retten, denn inzwischen ist sie die Chefin und hat die Zügel in der Hand, wenn auch in aller Heimlichkeit. Denn eine Frau als Leitung einer Firma, das ist immer noch ein Ding der Unmöglichkeit. Aber ihr Mann Frederik ist nach seinem Kriegseinsatz lieber in Berlin, vergnügt sich dort und macht Spielschulden. Und er ist nicht begeistert, als Mina in ihrer Verzweiflung ihren Schwiegervater um Hilfe bittet, denn er ist Kaffeeproduzent und kommt sofort nach Hamburg, auch um endlich seine kleine Enkelin kennenzulernen. Dann erzählt ihr alter Freund Heiko ihr, dass sein Bruder und Minas früherer Verlobter anscheinend in Amerika verschollen ist und als die beiden schon überlegen, ihn zu suchen, taucht in einer Klinik in Hamburg ein Soldat auf, der durch den Krieg ein schweres seelisches und körperliches Trauma erlitten hat. sich aber an nichts erinnern kann. Heiko ist überzeugt, dass es sich um Edo handelt. Nach einem Besuch trifft Mina eine Entscheidung, die alles verändern wird.

"Der Glanz der neuen Zeit" ist der 2. Teil der Speicherstadt-Saga, die in Hamburg zu beginn des letzten Jahrhunderts spielt. 
Lebendig, emotional und anschaulich erzählt die Autorin vom Leben einer Hamburger Kaufmannsfamilie. Da ist Mina, die verzweifelt versucht, die Firma über Wasser zu halten, denn das hat sie ihrem Vater auf dem Sterbebett versprochen. Unterstützt wird sie von ihrer jüngeren Schwester Agnes, die im 1. Teil noch eine eher verzogene Göre war und ihr nun im Kontor hilft.
Außerdem ist da noch Großmutter Hiltrud, die sich an alte Konventionen klammert, an Regeln einer Gesellschaft, die sich langsam verändert. Aber dieses Mal hat sie mich ein paar Mal überrascht und gezeigt, dass sie eben doch ein Herz für ihre Enkelin hat. Das sorgte für einige emotionale Momente.
Auch die Situation der Soldaten wird deutlich gemacht. Kämpfen für ihr Land durften sie, aber wenn sie kaputt aus dem Krieg zurück kamen, wurden sie allein gelassen und viele endeten auf der Straße.

Wie schon Teil 1 hat mich auch diese Fortsetzung begeistert und in die Vergangenheit abtauchen lassen. Wunderbare Unterhaltung über eine Zeit, in der Frauen gerade begannen, sich in der von Männern domierten Geschäftswelt durchzusetzen.
Ich freue mich schon auf Teil 3, der dieses Jahr erscheinen wird.


Bewertung:





Mittwoch, 28. Dezember 2016

"Drei Wünsche" von Petra Oelker

Hamburg 1773. Drei Frauen, drei Wünsche. Werden Sie sich so kurz Weihnachten erfüllen?
Theda wurde als Hausangestellte entlassen, da ihre Herrin zu ihrem Sohn nach Antwerpen gezogen ist. Eigentlich sollte sie zurück nach Ostfriesland und eine Vernunftehe eingehen, damit sie versorgt ist. Aber das hat auch Zeit bis nach Weihnachten.
Auf dem Weihnachtsmarkt im alten Dom trifft sie auf die junge Elsi, die ihrem Vater am Verkaufsstand hilft. Elsi ist in den jungen Mann vom Nachbarstand verliebt, aber der ist ihrem Vater nicht gut genug für sie. 
Und schließlich ist da Madam Augusta, die ein großes Haus in Hamburg führt...aber leider keine Vertraute mehr hat, da diese plötzlich verstorben ist.
Wird es für die drei Frauen ein Weihnachtswunder geben?



Dies war das dritte der Weihnachtsbücher aus dem Rowohlt-Verlag, das ich gelesen habe und auch dieses war wieder sehr schön geschrieben. Genau wie die passenden Illustrationen. Hamburg im 18. Jahrhundert wird mit dieser Geschichte lebendig, der Weihnachtsmarkt im Dom ist so anschaulich beschrieben, dass man alles vor Augen hat und die Weihnachtsdüfte fast riechen kann, Mandeln, Zuckerwerk und Gewürzwein, einfach herrlich. 
Auch "Drei Wünsche" ist gefühlvoll geschrieben, aber es wird nie kitschig. Im Gegenteil, ich könnte mir gut vorstellen, dass alles zur damaligen Zeit genau so hätte geschehen können. 

Eine schöne Geschichte, bei dem es einem wieder warm ums Herz wird. 

Meine Bewertung: ☥ ☥ ☥ ☥ ☥