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Mittwoch, 18. Februar 2026

Rezension: "Ragdoll" von Daniel Cole

Ein grausamer Fund erschüttert London. An unzähligen Fäden hängt im riesigen Fenster eines Hauses eine zusammengeflickte Leiche. Ein Finger zeigt auf die gegenüberliegende Wohnung. Ihr Mieter: Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf. Als der Presse eine Liste mit sechs Namen und genauen Todesdaten zugespielt wird, besteht kein Zweifel mehr, was dieser Fingerzeig zu bedeuten hat. Denn einer der Todeskandidaten ist Wolf selbst. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und nichts deutet darauf hin, dass er und sein Team den Mörder stoppen können.

London im Sommer 2014. Die Hitze hat die Stadt fest im Griff, als die zusammengeflickte Leiche gefunden wird. Schnell gibt die Presse dem Fall den Namen Ragdoll, Flickenpuppe, und ausgerechnet Wolfs Ex-Frau erhält die Liste mit den Todeskandidaten und sie ist Journalistin. 
Wolf ist noch nicht lange wieder im Dienst und im Prolog und in Rückblenden, erfahren wir auch warum. Ein Fall vor vier Jahren hat ihn fast zerstört, er war besessen davon, den sogenannten "Feuerbestatter" zu erwischen. Bei der Gerichtsverhandlung kommt es zu einem Zwischenfall, der ihn in eine Psychiatrische Klinik bringt. 
Nun wieder im Dienst, ist Wolf sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Ragdoll-Fall und dem des Feuerbestatters gibt. Seine Kollegen und Vorgesetzten dagegen sind skeptisch, bis der Neue im Team, Edmunds, den selben Spuren nachgeht. 

"Ragdoll" lag schon eine ganze Zeit auf meinem SUB und ich habe es extra auf meine Liste 12 für 26 gepackt, damit ich es dieses Jahr lesen "muss". Es war mein erstes Buch von Daniel Cole. Ein wirklich sehr spannender Thriller, dessen knapp 480 Seiten im Nu verflogen sind. Und während ich noch gerätselt habe, wie alles zusammenhängt, gibt es einen Twist, mit dem ich nicht gerechnet habe. 

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, sehr anschaulich und bildhaft führt der Autor durch die Straßen Londons. Die Kapitel sind nicht zu lang und erzählt wird in der dritten Person. So erfährt man nicht nur eine Seite der Geschichte, sondern begleitet Wolf, seine Kollegen Baxter und Edmunds, aber auch seine Ex-Frau Andrea. Man erfährt auch private Dinge der Ermittler, das steht aber nicht im Vordergrund. Die Hauptfiguren sind interessant und facettenreich gezeichnet. Alle haben ihre Ecken und Kanten und wirken dadurch sehr authentisch.

Wer spannende Unterhaltung mit einem flüssig geschriebenen Thriller und interessanten Charakteren sucht, in dem es auch ab und zu was zum Schmunzeln gibt, der ist mit "Ragdoll" gut bedient. 

Es gibt inzwischen zwei Fortsetzungen: "Hangman" und "Wolves". Mal sehen, ob ich diese auch lesen werde.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹






Mittwoch, 8. Januar 2025

Rezension: "Requiem für einen blutroten Stern" von Annika Beer

London, 1873. Cedric Edwards ist Konzertpianist, Klavierlehrer an der Royal Academy of Music – und sterbenskrank. Eine noch weitgehend unbekannte und unheilbare Krankheit droht sein Leben auf wenig verbleibende Jahre zu verkürzen. Doch nachdem ein Jahr zuvor bereits seine Frau verstarb, ist Cedric fest entschlossen, alles zu tun, damit seine Kinder nicht auch noch ihn verlieren. Als ihm seine Ärztin eine ungewöhnliche Therapie vorschlägt, die ihn nicht nur heilen, sondern sogar unsterblich machen soll, kann er daher nicht anders, als zuzustimmen – ohne zu ahnen, dass er sich damit mehr Blut und Dunkelheit ins Haus holt, als er sich je hätte ausmalen können …

Cedric Edwards ist seit einem Jahr wieder verheiratet, nachdem seine erste Frau an der Schwindsucht starb.  Mit seiner zweiten Frau Ruth verbindet ihn nicht gerade ein inniges Verhältnis, aber er bemüht sich für seine Töchter Erica und Ada um ein intaktes Familienleben. Um so schwerer ist es für ihn, als bei ihm ebenfalls eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird. Er überlegt daher auch nicht lange, als seine Ärztin Dr. Shaw ihm eine Therapie anbietet, die für ihn ein unsterbliches Leben bedeuten würde. Erst mit der Zeit wird ihm klar, auf was er sich eingelassen hat.
Parallel zu Cedrics Geschichte gibt es einen Handlungsstrang in Italien, in dem der junge Dorian die Hauptfigur ist. Er kommt von Rumänien in ein "Waisenhaus" nahe Rom und lernt dort die Ungeheuer kennen, vor denen seine Großmutter ihn immer gewarnt hat: Strigoi oder auch Untote oder Vampire. 

Jedes Kapitel beginnt mit dem Titel eines klassischen Musikstücks bekannter Komponisten. Nicht alle sagten mir etwas, aber die meisten kenne ich zumindest vom Titel her. Abwechselnd werden die Geschichten von Cedric und Dorian erzählt und zum Ende hin gekonnt miteinander verknüpft. Einige Fragen bleiben zwar offen, aber wie ich aus dem Nachwort gelesen habe, ist "Requiem für einen blutroten Stern" anscheinend die Vorgeschichte zu einer Trilogie der Autorin. Ich konnte allerdings nicht herausfinden, ob es diese schon gibt oder ob sie noch in Arbeit ist. Vielleicht gibt es dort noch ein paar Antworten.
Ich muss allerdings sagen, dass "Requiem für einen blutroten Stern" auch sehr gut als eigenständige Geschichte funktioniert. Am Anfang und am Ende gibt es einen Teil in der Gegenwart bzw. im Jahr 1999, aber ansonsten würde ich das Buch als historischen Vampirroman bezeichnen. 
Die Sprache und der Schreibstil haben mir sehr gut gefallen. nicht zu altmodisch, aber auch nicht zu modern. Anschaulich und lebendig führt die Autorin durch das historische London bzw. Italien, die fast 500 Seiten flogen nur so dahin. 
Auch die Charaktere sind sehr gut ausgereift und insbesondere die Vampire sind nicht einfach nur schwarz oder weiß, gut oder böse. Cedric war mir direkt sympathisch. Obwohl er nicht sicher ist, auf was er sich einlässt, macht er die "Therapie" und lässt sich in einen Vampir verwandeln. Er nimmt alle Nachteile in Kauf, damit seine Familie nicht in absehbarer Zeit allein da steht und besonders seine Töchter nach der Mutter nicht auch noch den Vater verlieren. Auch Ruth mochte ich und sie tat mir manchmal ein bisschen leid, da sie immer im Schatten der verstorbenen Frau von Cedric steht. 

Ich glaube, wer historische Vampirromane mag, dem wird "Requiem für einen blutroten Stern" sicher gefallen. Ich habe es jedenfalls gerne gelesen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 21. Februar 2024

Rezension: "Wer Blut vergießt" von Deborah Crombie

London an einem eiskalten Tag im Januar: Detective Inspector Gemma James und ihre Assistentin Detective Sergeant Melody Talbot werden zu einem Tatort gerufen: Rechtsanwalt Vincent Arnott liegt tot in einem Hotelbett - nackt und mit gefesselten Händen und Füßen. Ein Sexspiel mit tödlichem Ausgang oder ein Verbrechen? Als kurz darauf ein weiterer Anwalt auf dieselbe Weise zu Tode kommt, ist klar, dass es sich um einen Mord handelt. Haben es Gemma und Melody mit einem Serienmörder zu tun?

"Wer Blut vergießt" ist der 15. Teil der englischen Krimireihe um das Ehepaar Superintendent Duncan Kincaid und Inspector Gemma James. Dieses Mal ermittelt Duncan allerdings nicht offiziell, denn er ist in Elternzeit. Die beiden haben die kleine Charlotte nach dem Tod ihrer Eltern als Pflegekind zu sich genommen. Ganz zufrieden ist er mit der Situation nicht, denn er vermisst seine Arbeit schon sehr. Mit drei Kindern, eins davon ein Teenager, zwei Hunden und einem Kater geht es selten ruhig zu. Deswegen versucht er auch, eine Lösung zur Unterbringung des dreijährigen Mädchens zu finden. Aber als sich Kontakte, die er hat, bei den Ermittlungen in den Mordfällen als nützlich erweisen, unterstützt er seine Frau inoffiziell. Ebenso wie sein Kollege Doug Cullen, den ein Unfall außer Gefecht setzt. 

Spannend und routiniert führt uns die Autorin durch die Geschichte. Parallel zu den Ermittlungen gibt es einen Handlungsstrang mit Rückblenden in die Vergangenheit einer Hauptfigur. Dieser unterbricht immer mal wieder die Gegenwart, was die Spannung zusätzlich aufrecht erhält. Nach und nach werden die losen Enden dann zusammengeführt zu einem nachvollziehbaren Abschluss. 
Auch die anschaulichen Beschreibungen von London haben die winterlichen und vereisten Straßen rund um Chrystal Palace und Notting Hill vor meinem geistigen Auge lebendig werden lassen. 

Wie immer findet man im Buch eine gute Mischung aus dem beruflichen Fall und dem Privatleben der Hauptfiguren. Es gibt große und kleine Probleme, was die Geschichten immer wieder authentisch macht. Das Familienleben von Gemma und Duncan entwickelt sich im Laufe der Teile immer weiter, es kommen auch Charaktere vor, die früher schon mal dabei waren. Sicher kann man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen, aber ich empfehle trotzdem die chronologische Reihenfolge.  


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Montag, 15. März 2021

Rezension: "Das Geheimnis der Themse" von Susanne Goga

London 1894. Zwei Jahre sind vergangen seit der Hochzeit von Charlotte und Tom Ashdown. Durch ihre Kinderlosigkeit liegt ein Schatten über ihrem Glück, aber keiner der beiden möchte so richtig darüber reden. Dann erhält Tom den Auftrag für ein spannendes Buchprojekt über die magischen Orte Londons und Charlottes Mithilfe bringt die beiden einander wieder näher. Doch ohne es zu ahnen, geraten die beiden nach einem Leichenfund an der Themes in tödliche Gefahr...

In "Der verbotene Fluss" haben sich Charlotte und Tom Ashdown kennengelernt. Man muss das Buch aber nicht gelesen haben, um "Das Geheimnis der Themse" zu verstehen. 
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Dass das Ganze in London spielt, ist ja sowieso für mich schon mal ein Pluspunkt. 
Susanne Gogas Schreibstil ist wie immer lebendig und anschaulich und man ist beim Lesen auf Toms und Charlottes Streifzügen durch die Stadt hautnah dabei. 

"Das Geheimnis der Themse" ist ein spannender Mix aus historischem Roman und Krimi mit einem Hauch Mystischem, es geht um alte Bräuche und Geheimbünde. Aber auch  Gesellschaftskritik spielt eine Rolle, denn eine Frau, die nach zwei Jahren Ehe immer noch nicht schwanger ist, hatte es nicht leicht in der damaligen Gesellschaft und man war noch nicht so weit, zu erkennen, dass die Schuld für die Kinderlosigkeit ebenso gut beim Mann liegen konnte. 

Erzählt wird mal aus der Sicht von Charlotte, mal aus der Sicht von Tom, aber auch anderen Personen. Durch den Wechsel in den Kapiteln wird noch mal die Spannung aufrecht erhalten. 

Ich mochte Tom und Charlotte schon in "Der verbotene Fluss" und habe mich über das Wiedersehen gefreut. Wer weiß, vielleicht begegnen sie uns in ein paar Jahren ja mal wieder. 
 
Meine Bewertung:

Montag, 1. März 2021

Rezension: "Elsternherz" von Karin Kehrer

Claudia und Maggie Duncan leben mit ihren Eltern in einer kleinen Stadt in der Nähe von Stirling in Schottland. Vater und Mutter arbeiten den ganzen Tag, damit es der Familie wenigstens einigermaßen gut geht, aber dadurch sind die Mädchen schon als Kinder auf sich gestellt und müssen im Haushalt viel mit anpacken. Während Claudia das ohne zu Murren tut, strebt Maggie nach Höherem und träumt von einer Karriere als Fotomodell. Claudia ist eher bescheiden und schüchtern, geht gern zur Schule und ist ein Büchernarr. Leider lässt sie sich auch sehr von ihrer älteren Schwester ausnutzen und herum schubsen, die genau weiß, wie sie die Jüngere manipulieren muss. Das ändert sich auch nicht, als beide erwachsen sind und Claudia aus Not bei Maggie, die sich nun Eileen nennt, unterschlüpfen muss. Schließlich aber hat Claudia die Nase voll und sucht sich eine Arbeit. So landet sie bei Michael Campbell als Haushälterin. Durch die Arbeit lernt sie auch die private Seite von ihm kennen, die anders ist, als die, die er auf den Partys in der Londoner High Society zeigt. 
Aber auch Eileen, die Michael von verschiedenen Parties kennt, hat ein Auge auf ihn geworfen und will ihn mit allen Mitteln erobern. Schließlich entdeckt Claudia ein dunkles Geheimnis ihrer Schwester und ist hin und her gerissen, wie sie nun damit umgehen soll. 

"Elsternherz" ist der neue Roman von Karin Kehrer. Ich würde ihn als Psychologischen Spannungsroman bezeichnen. 
Mir hat die Geschichte gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und lebendig. Besonders die Szenen in Schottland auf der Isle of Mull sind sehr schön beschrieben, ich habe die Landschaft mit dem Herrenhaus direkt vor mir gesehen. 
Der Wechsel zwischen Rückblende und Gegenwart hält die Spannung aufrecht und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht.
 
Claudia hat mir oft sehr leid getan und manchmal hätte ich ihr etwas mehr Rückgrat und Selbstvertrauen gewünscht. Aber ihre Schwester hat natürlich auch jahrelang dafür gesorgt, dass sie das gar nicht erst entwickelt hat. Im Laufe der Geschichte macht sie zwar eine positive Entwicklung durch, aber verändert sich nicht völlig, so dass das Ganze auch glaubhaft ist. Was sie sicherlich auch ihrem schottischen Dickschädel zu verdanken hat. :-)
 
Fazit:
Ein bisschen Cinderella-Romantik, aber nicht kitschig, dazu der Krimi-Anteil: empfehlenswert für spannende Lesestunden. 


 Bewertung:

 
 
 
 

Sonntag, 3. Januar 2021

Rezension: "Pfeil der Rache" von C. J. Sansom

London im Juni 1545: Anwalt Matthew Shardlake wird zur Königin Catherine Parr gerufen, die einen Auftrag für ihn hat. Der Lehrer Michael Calfhill wurde erhängt in seinem Zimmer aufgefunden. Seine Mutter, früher einmal Angestellte bei der Königin, möchte Gerechtigkeit, denn sie istüberzeugt, dass irgendetwas nicht stimmt. Michael war als Lehrer bei der Familie Hobbey und wurde nicht müde, immer wieder auf ein Unrecht hinzuweisen, dass den beiden Mündeln der Familie, Hugh und Emma, anscheinend widerfahren ist. Um herauszufinden, was dort vor sich ging, reisen Matthew und sein Gehilfe Jack Barak zum Kloster Hoyland, wo die Familie jetzt lebt, nachdem das Kloster aufgelöst und verkauft wurde. Die Zeit drängt, denn Hoyland liegt in der Nähe von Portsmouth, wo die gesamte englische Flotte vor Anker liegt, weil eine Invasion der Franzosen erwartet wird. Auch der König ist mit seinem Gefolge auf dem Weg in die Küstenstadt. 
Gleichzeitig will Matthew bei einem Abstecher im Ort Rolfswood mehr über Ellen Fettiplace in Erfahrung bringen, die er bei seinem letzten Fall in der Irrenanstalt Bedlam kennenlernte. Aber sein Sturkopf und sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit bringen ihn mal wieder in große Gefahr und wenn er nicht aufpasst, kann ihm vielleicht auch die Königin nicht mehr helfen. 

Dies ist der fünfte Teil der historischen Krimireihe um den bucklingen Anwalt Matthew Shardlake, der zwar nichts mit den Verwicklungen bei Hofe zu tun haben möchte, aber immer wieder hineingezogen wird. Auch dieses Mal muss er sich vor einem alten Erzfeind in Acht nehmen.
Wie immer gelingt dem Autor ein spannende Kombination aus Kriminalgeschichte und historischem Roman. Dieses Mal spielt das Ganze überwiegend in der Nähe von Portmouth, wo die englische Flotte bereit liegt, um eine eventuelle Invasion Frankreichs zu verhindern. Sie fürchten die Rache der Franzosen für den Angriff von Henry VIII. auf Boulogne. 

Matthew Shardlake ist beileibe kein Held. Er ist ein "Buckliger" und diese körperliche Beeinträchtigung macht ihm oft zu schaffen, körperlich wie auch seelisch. Die Menschen verspotten ihn und behaupten, er bringe Unglück. Aber er ist intelligent und vor Gericht macht ihm so schnell keiner was vor. Er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, verteidigt Schwache und Hilflose und wenn er sich einmal festbeißt, wird man ihn so schnell nicht mehr los. Er liebt Rätsel und ist besessen davon, diese zu lösen. Was ihn schon so manches Mal in tödliche Gefahr gebracht hat. Ohne seinen treuen Gehilfen Barak wäre er oft aufgeschmissen. Aber gerade das macht Shardlake so sympathisch, dass er so "normal" ist, verletzt wird und auch Angst hat.

In "Pfeil der Rache" gibt es mehrere Handlungsstränge. Da ist zum einen der Fall der Familie Hobbey, dann Matthews Recherchen wegen Ellen Fettiplace. Und auch in seinem Haushalt gibt es Probleme, denn sein neuer Steward ist für ihn untragbar. Dafür wohnt sein Freund Guy seit einiger Zeit bei ihm. 

Sansoms Schreibstil ist lebendig, die Sprache angemessen, nicht zu modern, aber sie passt gut zur damaligen Zeit. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. Besonders die Beschreibungen, als die Gruppe in Portsmouth ankommt und zum ersten Mal die königlichen Schiffe im Hafen sieht, ist sehr anschaulich beschrieben. 

Fazit: Spannend, authentisch, lebendig,  ein gelungener Mix aus Fakten und Fiktion, mit sympathischen und auch fiesen Charakteren, so muss gute Unterhaltung sein. Trotz der rund 750 Seiten ist die Zeit nur so verflogen und ich freue mich sehr, in diesem Jahr ein weiteres Abenteuer von Matthew Shardlake zu lesen.


Bewertung: 








Montag, 3. Februar 2020

Rezension: "Das Buch des Teufels" von C. J. Sansom

London 1543. Es sind unruhige Zeiten in England und Matthew Shardlake ist froh, dass er seit einiger Zeit nicht mehr als Anwalt für die Krone tätig ist, sondern nur ganz gewöhnliche Mandanten hat. Am Ostersonntag findet er allerdings einen guten Freund und Kollegen brutal ermordet in einem Brunnen am Lincoln's Inn. Und es bleibt nicht bei dem einen Toten. Erste Hinweise deuten auf einen religiösen Eiferer hin. Der königliche Coroner Harsnet nimmt die Ermittlungen auf und Erzbischof Cranmer bittet Shardlake um Mithilfe. Es ist allerdings höchste Diskretion geboten, König Henry VIII. darf nichts davon erfahren, da er gerade um die Hand der Witwe Catherine Parr angehalten hat. Cranmer hofft durch diese Heirat die Reformation im Lande weiter voran zu bringen. Shardlake sagt seine Hilfe zu, da er der Witwe seines Freundes versprochen hat, dessen Mörder zu finden. Zusammen mit seinem Gehilfen Barak begibt er sich auf die gefährliche Spurensuche. Dabei stoßen sie auf Prophezeiungen aus dem Buch der Offenbarung und während Harsnet glaubt, der Mörder sei vom Teufel besessen, ist Shardlake mehr und mehr davon überzeugt, es mit einem geisteskranken Fanatiker zu tun zu haben...

"Das Buch des Teufels" ist der vierte Teil der historischen Krimireihe um Anwalt Matthew Shardlake und für mich war es der bisher spannendste. 
Wie immer erzählt Sansom sehr anschaulich und athmosphärisch, beim Lesen sieht man die damaligen Straßen von London vor sich und kann sich sehr gut in die jeweilige Situation hinein versetzen. Auch die Zustände im "Irrenhaus" Bedlam sind sehr gut beschrieben und man kann sich gut vorstellen, wie es damals dort für die Patienten gewesen sein muss. 

Schon seit einiger Zeit schwankt Shardlake in seinem Glauben und zweifelt an der Existenz Gottes, eine gefährliche Einstellung in der damaligen Zeit, während der Machtkampf zwischen Reformern und Katholiken immer schlimmere Formen annimmt. Aber gerade das macht den Anwalt so menschlich, ebenso wie seine körperliche Unzulänglichkeit durch seinen Buckel. Er ist kein Superheld und die brutalen Morde in diesem Fall machen ihm und auch Barak seelisch und körperlich zu schaffen.

Wie immer werden hier historische Fakten und Fiktion wunderbar miteinander verwoben und die Spannung bleibt von Anfang an bestehen. Die Auflösung war für mich dann auch überraschend, als hat Sansom alles richtig gemacht. ;-) 

Das Buch ist zwar Teil einer Reihe, aber man kann es auch gut alleine lesen. 

Bewertung: 🦇 🦇 🦇 🦇 🦇


 

Sonntag, 17. November 2019

Rezension: "Das Haus in der Nebelgasse" von Susanne Goga

London im Jahr 1900. Matilda Gray arbeitet als Lehrerin in der Privatschule Riverview. Nach dem Tod ihrer Eltern hat ihr älterer Bruder sie darin unterstützt, einen Beruf zu ergreifen und unabhängig zu sein. Nicht selbstverständlich zur damaligen Zeit. Auch die meisten ihrer Schülerinnen werden durch die Bildung in der Schule darauf vorbereitet, an der Seite ihrer künftigen Ehemänner einen guten Eindruck zu machen und bei gesellschaftlichen Anlässen Konversation betreiben zu können. Matildas Bemühen, die Mädchen zu unabhängigen, eigenständig denkenden jungen Frauen zu erziehen, wird von der Schulleitung nicht immer gern gesehen. Als Laura Ancroft, eine Schülerin, in die Matilda besonders viel Hoffnung gesetzt hat, plötzlich nicht mehr zur Schule kommt, um stattdessen mit ihrem Vormund eine ausgedehnte Europareise zu unternehmen, kommt ihr das merkwürdig vor. Und als sie dann von Laura eine Postkarte mit einer verschlüsselten Botschaft aus Italien bekommt, ist sie überzeugt, dass das Mädchen nicht freiwillig die Schule verlassen hat und ihr Vormund es keineswegs so gut mit ihr meint, wie er es in der Öffentlichkeit darstellt. Und was bedeuten die Dinge, die Matilda in Lauras Zimmer findet, u.a. anscheinend ein mehr als zweihundert Jahre altes Tagebuch? Zusammen mit dem Historiker Stephen Fleming begibt sie sich auf Spurensuche in die Vergangenheit, in eine dunkle Zeit Londons, als die Pest in der Stadt wütete.

"Das Haus in der Nebelgasse" ist mein drittes Buch von Susanne Goga und auch dieses hier hat mir wieder richtig gut gefallen. Der Autorin gelingt es mit ihrem bildhaften Schreibstil das London um die Jahrhundertwende 1900 wieder lebendig werden zu lassen. Zusammen mit Matilda begibt sich der Leser auf Spurensuche in die teilweise dunklen Straßen der Stadt und begleitet eine mutige junge Frau auf ihrem Weg, um ein Rätsel zu lösen, das mehr als zweihundert Jahre verborgen war. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und ergeben ein schlüssiges Gesamtbild.  
Auch erhält man einen guten Einblick in die damaligen Konventionen und Lebensumstände, besonders was die Stellung der Frau in der Gesellschaft betraf. Oft wird davon gesprochen, was sich "nicht schickte" oder "unziemlich" war. 

Ein bisschen Romantik ist auch dabei, aber wohl dosiert und "Das Haus in der Nebelgasse" ist keinesfalls ein Liebesroman. Es ist die Geschichte einer mutigen Frau, die trotz aller Widrigkeiten versucht, ihren Weg zu gehen und ihr Leben so zu leben, wie sie es möchte. 

Wer andere Bücher der Autorin mochte, wie z. B. "Der verbotene Fluss" oder "Der dunkle Weg" wird auch dieses hier gerne lesen.

Meine Bewertung: 🦇 🦇 🦇 🦇 🦇







Montag, 18. Januar 2016

"Der böse Ort" von Ben Aaronovitch


Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenn auch leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offensichtlich nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie beschäftigt. Was erklären könnte, wieso der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienkillern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechter Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse an den Tag legt. Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen und näher am Geschehen zu sein, ziehen Police Constable und "Zauberlehrling" Peter Grant und seine Kollegin Lesley vorübergehend in eine der Wohnungen im Tower ein. 

Dies ist der vierte Teil der "Rivers of London"-Reihe von Ben Aaronovitch und nachdem mir der vorherige Teil "Ein Wispern unter Baker Street" nicht so zugesagt hatte, lag "Der Böse Ort" doch ziemlich lange auf meinem SUB. Zu Unrecht, wie ich jetzt sagen muss, denn dieser Teil hat mir wieder sehr viel besser gefallen. Was nicht nur an der Geschichte an sich lag, sondern auch am Schreibstil des Autors. Sehr oft musste ich schmunzeln angesichts der Gedankengänge von Peter und seiner Erklärungen in Sachen Magie, aber auch in Sachen typischer Polizeiarbeit. Auch die Dialoge zwischen ihm und Lesley sowie ihrem Chef Nightingale waren wie immer sehr unterhaltsam, genau wie die Beschreibung von Mollys Kochkünsten. 
Natürlich kamen auch einige der Flussgötter wieder in der Handlung vor, dieses Mal aber eher am Rande.
Das Ende war für mich dann doch sehr überraschend und ich bin gespannt, wie es jetzt weitergeht mit Peter, Lesley und dem Gesichtslosen...

Bewertung: ☥ ☥ ☥ ☥

Wen die Reihe interessiert, dem empfehle ich auf jeden Fall, sie chronologisch zu lesen:

1. Die Flüsse von London
2. Schwarzer Mond über Soho
3. Ein Wispern unter Baker Street
4. Der böse Ort
5. Fingerhutsommer

© Blackfairy71






Montag, 24. März 2014

"Das Flüstern der Seelen" von Victoria Álvarez

Klappentext: London 1888. Die kleine Annabel wächst auf dem Friedhof Highgate auf, schläft in einem Sarg und rechnet damit, dass ihr Herzleiden ihrem kurzen Leben bald ein Ende setzen wird. Vielleicht ist dieses Dasein zwischen Leben und Tod schuld daran, dass sie mit Geistern in Kontakt treten kann. Zehn Jahre später ist Annabel zum gefragtesten Medium Englands geworden, selbst Königin Victoria hat ihre Dienste schon in Anspruch genommen. Doch ihre Gabe ist gefährlich: Annabel deckt dunkle Geheimnisse auf und wird von Scotland Yard verfolgt. Einzig der Geist von Lord Victor Rosenfield steht ihr bei.

Ich muss sagen, anhand des Klappentextes waren meine Erwartungen sehr hoch. Als ich von dem Buch hörte, habe ich es direkt vorbestellt und ich freute mich auf einen Schauerroman aus der Zeit des Viktorianischen Englands. Und besonders im ersten Teil, als Annabel noch klein ist und auf dem Friedhof Highgate bei ihrem Onkel Tom und ihrer Tante Heather lebt, wurden diese Erwartungen auch erfüllt. Ihr Onkel ist Friedhofswärter und holte das Mädchen seinerzeit aus White Chapel zu sich, wo ihre Mutter als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdient. Über ihren Vater weiß Annabel nichts. Sie glaubt, ihre Mutter wollte sie nicht bei sich haben, bis sie ihr eines Tages als Geist erscheint. Und das kann nur eines bedeuten: Sie ist tot. Ermordet von Jack the Ripper, der zu der Zeit in White Chapel sein Unwesen treibt? 
Als ihr Onkel erkennt, dass er mit Annabels Gabe ein Vermögen machen könnte, schenkt er ihr jede Menge Bücher und so lernt das Mädchen alles über ihre Fähigkeiten als Medium. Aber bei einer Sitzung geht etwas schief und Annabel muss schließlich mit ihrer Tante aus Highgate fliehen. Dabei hilft ihr ein geheimnisvoller Mann, der ihr seit dem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Zehn Jahre später ist Annabel Lovelace zu einem gefragten Medium geworden. Es ist eine Zeit, in der Spirtismus angesagt ist und in der adeligen Gesellschaft fast zum guten Ton gehört. Sogar die Königin nimmt ihre Hilfe in Anspruch. Andererseits ist es auch gefährlich, denn nicht alle sehen die Tätigkeit eines Mediums gerne. Mancher Ehemann sieht so die Möglichkeit, seine unbequeme Frau zu entsorgen: Endstation Irrenhaus.
Und auch Scotland Yard beobachtet Annabels Tätigkeiten mit Beunruhigung, allen voran Chief Inspector Abberline, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Jack the Ripper zu fassen und davon nahezu besessen ist. Durch seinen Mitarbeiter Nathan, den Annabel von einer früheren, unglücklichen Begegnung aus Highgate kennt, bittet er sie um Mithilfe, denn er ist überzeugt, dass der Ripper auch Rosalie Lovelace, Annabels Mutter, ermordet hat und sie daher an einer Aufklärung interessiert sein müsste.
Neben dieser Krimigeschichte gibt es auch die der Beziehung zum Geist von Lord Victor Rosenfield, dem geheimnisvollen Gentleman, der Annabel damals auf dem Friedhof half. Diese Geschichte nimmt ab dem zweiten Drittel den größten Teil des Romans ein, meiner Meinung nach schon fast ein wenig zu viel. 
Auch wenn alles gut durchdacht war, die Story spannend und schlüssig erzählt und sehr anschaulich. Man sieht die Straßen von London vor sich, hört die Kutschen über das Pflaster holpern, sieht die Menschen in der damaligen Kleidung und nimmt am Leben von Annabel teil. Durch die intensive Liebesgeschichte entstanden für mich ein paar Längen, aber zum Ende hin und als die Autorin auf die Lösung des Ganzen zusteuert, kommt wieder mehr Spannung auf.
Die tatsächliche Verbindung zwischen Annabel und Victor hinterlässt allerdings einen etwas faden Beigeschmack...auch wenn es damals eine andere Zeit war.

Insgesamt gibt es 4 von 5 Punkten, denn ich hätte mir mehr Geister und Mystery und mehr über Annabels Gabe gewünscht, dafür etwas weniger Romantik. Empfehlen kann ich diesen ersten Roman von Victoria Alvarez aber trotzdem, die auf Historische Romane mit Geistergeschichten und Romantik stehen.

Meine Bewertung: ☥ ☥ ☥ ☥

Sonntag, 22. September 2013

"Unter der Asche" von Tom Finnek

Klappentext: London. 1666, vier Tage lang verschlingt ein Feuer die Stadt. Im Armenviertel Southwark lebt der Straßenjunge Geoff, der mehr schlecht als recht versucht, seine Familie durchzubringen. Seine Schwester Jezebel, die sich in einer verruchten Spelunke als Schankmagd verdingt, birgt ein Geheimnis und verschwindet eines Tages spurlos. Auf der Suche nach ihr stößt Geoff auf ein Netz aus Intrigen, Schuld und ungesühnter Rache, ein Gemisch, das schließlich den größten Brand der Geschichte entfachen sollte ... 

Das Buch beginnt damit, dass der junge Geoffrey Ingram von seinem "Lehrer" Master Gerrard den Auftrag bekommt, die Ereignisse aufzuschreiben, die zu dem größten Unglück in der Geschichte Londons geführt haben, das große Feuer, das fast die ganze Stadt vernichtete. 
Im 1. Teil berichtet dann auch der dreizehnjährige Junge über sein Leben und das Leben der Menschen damals im Allgemeinen. Der Leser wird direkt angesprochen und mitgenommen ins Jahr 1666 in die Straßen von Southwark, wo nur eines wichtig war: irgendwie den Tag zu überleben. Die Pest hatte im Jahr zuvor gewütet und viele Menschen getötet. 
Geoffrey hat es nicht leicht, seine Mutter verschwand nach seiner Geburt, seine Schwester Jezebel ist ebenfalls seit kurzem verschwunden und sein Bruder Edward hat die Familie vor zwei Jahren nach einem Streit mit seinem trunksüchtigen Vater verlassen. Geoffrey ernährt sich und seinen Vater durch harte Arbeit in einer Kneipe und als Laufbursche. 
Außerdem lernen wir noch Ray Webster kennen und den verrückten Rat Scabies sowie Mutter Southwood, Besitzerin des Maiden Inn, draußen vor den Toren von London. Auch Master Gerrard ist mehr als nur der Eremit von St. Olave und Lehrer in der Armenschule. 

Das Buch hat acht Teile und mal wird die Geschichte aus der Sicht von Geoff erzählt, mal aus der von Ray und mal aus der von Jezebel oder Master Gerrard. So führt der Autor geschickt die losen Fäden zum Ende zu einem Knoten zusammen. Alles hängt irgendwie zusammen und ist sehr gut durchdacht. Am Schluss macht alles einen Sinn und ich habe gedacht: Ja, genau so könnte es tatsächlich gewesen sein. 
Sicher ist nur, dass das Feuer damals in der Bäckerei in der Pudding Lane seinen Anfang nahm, aber die genaue Ursache wurde niemals gefunden. Warum also nicht so, wie Tom Finnek es hier schreibt? ;-) 

"Unter der Asche" ist ein spannender, großartig erzählter historischer Roman über ein tragisches Kapitel der Stadt London. Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und selbst die  Nebenfiguren bleiben nicht farblos. Geoff war mir gleich sympathisch, denn trotz seiner Lebenssituation gibt er nicht auf. Tom Finnek schreibt sehr lebendig und anschaulich, ich konnte die Stadt direkt vor mir sehen.

2007 war ich in London und habe das "Monument" besichtigt, das als Mahnmal für das Große Feuer gebaut wurde. Wenn ich noch mal in London bin, werde ich sicher beim Anblick der Säule mit der goldenen Flammenkuppel an einen dreizehnjährigen Jungen namens Geoffrey denken.  ;-) 

Wer historische Romane mag, die eine gute Mischung aus Fakten und Fiktion sind, der liegt bei "Unter der Asche genau richtig.

Sonntag, 26. Mai 2013

"Ein Wispern unter Baker Street" von Ben Aaronovitch

Zum Inhalt: Es ist ja nicht so, dass Peter Grant, Zauberer in Ausbildung und Police Constable, nichts für das Pauken von Lateinvokabeln übrighätte – bestimmt nicht! Aber es ist doch immer wieder schön, wenn zur Abwechslung auch mal reelle Polizeiarbeit gefragt ist. Ein Unbekannter wird im U-Bahn-Tunnel nahe der Station Baker Street tot aufgefunden – erstochen, und es deutet alles auf die Anwesenheit von Magie hin. Ein Fall für Peter! Der unbekannte Tote stellt sich als amerikanischer Kunststudent und Sohn eines US-Senators heraus und ehe man »internationale Verwicklungen« sagen kann, hat Peter bereits die FBI-Agentin Kimberley Reynolds mitsamt ihren felsenfesten religiösen Überzeugungen am Hals. Dabei gestalten sich seine Ermittlungen auch so schon gruselig genug, denn in vergessenen Flüssen und viktorianischen Abwasserkanälen hört er ein Wispern von alten Künsten und gequälten Geistern… 

Dank Vorablesen durfte ich den dritten der "Flüsse von London"-Reihe jetzt schon lesen, was mich natürlich sehr gefreut hat.
Peter Grant wird von der Mordkommission um Hilfe gebeten, denn bei dem Fund einer Leiche in der U-Bahn-Station Baker Street kommt Detective Stephanopoulus etwas merkwürdig vor und sie hat früher von mit Peter in solchen Fällen zusammen gearbeitet. Tatsächlich stellt sich heraus, dass der Student offensichtlich durch einen Gegenstand getötet wurde, an dem Peter eindeutig Vestigia spürt, also die "Schwingungen", die darauf hindeuten, dass Magie im Spiel war. Was dem gerade in den Dienst zurück gekehrten Chef der Mordkommission, Inspektor Seawoll, gar nicht passt, denn er glaubt nicht an diesen "abstrusen Scheiß" 
Dennoch ermittelt Peter, unterstützt von seiner Kollegin, die ebenfalls wieder langsam in den Dienst zurückkehrt. Und weil der tote Student Amerikaner und Sohn eines Senators war, wird auch die FBI-Agentin Kimberly Reynolds auf den Fall angesetzt. Was allerdings mehr hinderlich als hilfreich ist, denn in ihrer Gegenwart darf Peter keine Magie anwenden. Seine besondere Gabe soll geheim gehalten werden. Was nicht immer einfach ist.
Und auch Zachary Palmer, der Mitbewohner des Toten, behindert immer wieder die Ermittlungen und erzählt Peter Lügengeschichten. Was hat er zu verbergen? 
Und was hat der Künstler Ryan Carroll damit zu tun, von dem David Gallagher eine magische Statue Zuhause hatte? 
Bei seiner Suche im Untergrund von London, kommt Peter schließlich einem Geheimnis auf die Spur, das die Stadt erschüttern würde und daher auf jeden Fall geheim bleiben muss.

Auch der dritte Teil mit "Zauberlehrling" Peter hat mir wieder sehr gut gefallen. Der gewohnt flüssige Schreibstil führt locker durch die Geschichte, der britische, oft schwarze Humor tut sein Übriges. Oft musste ich grinsen. 
Ich empfehle aber jedem, erst die beiden Vorgänger zu lesen, denn im Gegensatz zu manch anderen Reihen, wiederholt der Autor hier nicht immer wieder alles, was vorher geschah, so dass man vielleicht den Anschluss verpasst oder einige Zusammenhänge nicht ganz nachvollziehen kann. Was ich aber nicht als negativ empfinde, mich nervt es eher, wenn immer alles noch mal durchgekaut wird, was man ja schon weiß.

Ich freue mich jedenfalls auf weitere Abenteuer mit Peter.

Sonntag, 19. Mai 2013

"Schwarzer Mond über Soho" von Ben Aaronovitch

An Jazz kann man nicht sterben, oder? 




Constable Peter Grant ist ein ganz normaler Londoner Bobby. Die Abteilung, in der er arbeitet, ist allerdings alles andere als normal: ihr Spezialgebiet ist – die Magie. Peters Vorgesetzter, Detective Inspector Thomas Nightingale, ist der letzte Magier Englands und Peter seit kurzem bei ihm in der Ausbildung.
Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu ... 

Nachdem seiner Kollegin Lesley zum Ende von "Die Flüsse von London" durch Magie das halbe Gesicht weggerissen wurde, ist Peter nun ganz allein auf sich gestellt. Denn auch sein Chef und Mentor Nightingale ist angeschlagen und Haushaltshilfe Molly wacht mit Argusaugen darüber, dass er sich nicht überanstrengt und durch Peter nicht wieder in Gefahr gerät.
Aber das Leben geht weiter und Kriminelle machen keine Pausen. In Soho stirbt ein bekannter Jazzmusiker während seines Auftritts und die Umstände sprechen dafür, dass Magie im Spiel war. Also ein Fall für Peter. Und nicht der einzige, denn anscheinend hat eine Vampirin, die schon früher ihre männlichen Opfer dort gebissen hat, wo es besonders weh tut, ein weiteres Opfer gefunden. Peter spannt einen der Söhne der Flussgöttin für seine Suche nach der "Bleichen Lady" ein, was aber leider schief geht. 
Und auch die toten Jazzmusiker machen ihm Sorgen. Wieso spürt er Vestigia am Tatort, die schon Jahrzehnte alt sein müssten? Und wieso taucht eine Verdächtige auf Fotos aus den 40er Jahren auf und sieht noch genau so aus wie heute?

Mit gewohnt britischem Humor, einer guten Portion Selbstironie und Spannung gelingt Aaronovitch ein tolle Fortsetzung um "Zauberlehrling" und Cop Peter Grant. Der Autor hat mit seiner Reihe wirklich frischen Wind ins Genre gebracht und sympathische Charaktere erschaffen. Ich liebe es auch, wenn Peter Anekdoten aus London erzählt, historische Ereignisse  beschreibt oder die Polizeiarbeit aus den Fernsehserien mit dem realen Polizeialltag vergleicht. Aaronovitch erzählt so herrlich anschaulich, ich habe die Straßen von Soho direkt vor mir gesehen. 

Nun bin ich auf "Ein Wispern unter Baker Street" gespannt.  :-)

Freitag, 17. August 2012

Sandra Lessmann: Sündenhof

Inhalt:
London 1667: Richter Orlando Trelawney wird nachts an den königlichen Hof gerufen. Dort hat man eine enthauptete Leiche gefunden. Der König persönlich beauftragt Orlando mit der Aufklärung des Falles – und untersagt ihm ausdrücklich, seinen Freund, den katholischen Priester Jeremy Blackshaw, zu Rate zu ziehen. Dies ist leichter gesagt als getan, denn Jeremy bekommt bald Wind von der Sache und errät, dass es sich bei dem Toten um einen Amtsbruder handelt. Unabhängig von Orlando und ohne sein Wissen stellt er eigene Nachforschungen an, unterstützt von der schönen Amoret, der Mätresse des Königs. Als diese herausfindet, wo genau die Leiche gefunden wurde, ahnt sie nicht, dass sie sich in höchste Gefahr begibt

Dies ist der dritte Teil der Reihe von Sandra Lessmann und es gibt ein Wiedersehen mit allen Personen aus „Die Sündentochter“ wie Sir Orlando Trewlaney, Richter des Königs Charles II, seine Frau Jane, Lady Amoret St. Clair, die als ehemalige Mätresse am Hof lebt, dem Iren Breandan MacMathuna, Liebhaber von Amoret und in Diensten des Königs, Wundarzt Alan Ridgeway und natürlich Jeremy Blackshaw, katholischer Priester, der unter dem Namen Dr. Fauconer als Arzt in London lebt.
Es ist Februar 1667 und London erholt sich gerade ein wenig vom Großen Brand, der fast die gesamte Stadt zerstörte.
Als im White Hall Palast eine enthauptete Leiche gefunden wird, lässt König Charles den Richter Orlando Trelawney zu sich rufen und bittet ihn den Fall zu untersuchen. Er verbietet ihm aber, dass er seinen Freund Jeremy zu Hilfe holt, der es liebt Rätsel zu lösen und stets brillante Ideen hat. Alleine ist Trelawney allerdings ziemlich aufgeschmissen. Wie soll er ohne Kopf eine Leiche identifizieren?
Und wieso will der König nicht, dass Jeremy ihm hilft, der mit seinen Gedanken sowieso nicht ganz bei der Sache ist, da seine junge Frau Jane kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes steht. Und was hat James, Herzog von York, Charles Bruder und rechtmäßiger Thronfolger mit dem Vorfall zu tun?
Durch Zufall erfährt Jeremy allerdings von dem Vorfall und es gelingt ihm, die Identität des Toten zu klären. Mit dieser Erkenntnis deckt er allerdings ein Geheimnis auf, dass sich bin in die Spitze des Königshauses zieht und dieses Wissen bringt nicht nur ihn Gefahr.

Ich muss zugeben, bevor ich die Bücher von Sandra Lessmann las, war mir gar nicht so bewusst, dass der katholische Glauben in England zur damaligen Zeit verboten war und dessen Ausübung für einen Priester sogar unter Todesstrafe stand. Ich wusste zwar, dass Henry VIII. die anglikanische Kircher errichtet hatte, aber dass Andersgläubige in dem Maße verfolgt wurden, wusste ich nicht.
Wenn man bedenkt, wie viele Jahrhunderte seitdem vergangen sind, muss ich leider sagen, dass die Menschen nichts aus der Vergangenheit gelernt zu haben scheinen.

Das Buch hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich mag die Figuren sehr, besonders Jeremy und Alan, die diesmal auch noch ganz nebenbei eine wichtige medizinische Entdeckung machen. Der Autorin gelingt es wieder, historische Fakten und Figuren perfekt mit Fiktion zu verbinden und eine spannende Geschichte zu erzählen. Sie schreibt wunderbar anschaulich, man sieht richtig die Straßen Londons vor sich, die Menschen, die vom Feuer zerstörten Häuser. Und sie packt genau die richtige Dosis Herz und Humor hinein. Man fühlt mit den Personen, freut sich und leidet mit ihnen. Besonders den Abschied von einer Figur fand ich sehr traurig….aber mehr verrate ich nicht.

1. Die Richter des Königs
2. Die Sündentochter
3. Sündenhof

Und danke noch mal an meine "Sandkastenfreundin" Britta für die Leihgabe  ;-)

Sonntag, 1. Juli 2012

Sandra Lessmann: Die Sündentochter

Klappentext:
Ein düsterer Abend im London des Jahres 1666: Hilflos muss Richter Orlando Trelawney mit ansehen, wie eine Hebamme kaltblütig ermordet wird. Nur durch beherztes Eingreifen kann verhindert werden, dass auch Anne, die Tochter des Opfers, niedergemetzelt wird. Voll Entsetzen über die grausame Tat wendet sich Orlando an seinen Freund, den Arzt Jeremy Blackshaw, der ihm schon einmal bei der Aufklärung eines Verbrechens geholfen hat. Zunächst steht Jeremy vor einem Rätsel – zumal Anne beharrlich schweigt. Und doch scheint das junge Mädchen mehr über die Hintergründe der Bluttat zu wissen. Wen aber schützt Anne? Was steckt hinter dem scheinbar sinnlosen Mord? Während Jeremy noch eine Antwort auf diese Fragen sucht, bricht der große Brand von London aus, der ihm die Lösung des Falls fast unmöglich macht..

 
Ein historischer Krimi vor dem Hintergrund der Ereignisse des Großen Feuers von London im Jahr 1666. Allerdings....der Titel ist etwas unpassend, da hätte man etwas anderes wählen können, was mehr im Zusammenhang mit dem Inhalt steht.

Die Hebamme Margret Laxton wird zu einem Notfall gerufen. In Begleitung ihrer Tochter Anne kämpft sie sich in einer kalten Februarnacht durch das verschneite London. Im Vorjahr hatte die Pest Tausende Todesopfer gefordert, aber langsam kehrt wieder das normale Leben in die Stadt zurück.
"Die Sündentochter" ist der Nachfolgeband von "Die Richter des Königs". Diesen habe ich nicht gelesen und ich finde auch, es ist nicht unbedingt notwendig, denn die Ereignisse werden in "Die Sündentochter" ausreichend erwähnt und erklärt, die Personen vorgestellt und man kann die Zusammenhänge und die Beziehungen der Charaktere sehr gut nachvollziehen.
Da ist einmal Richter Sir Orlando Trelawney, der durch sein zufälliges Auftauchen verhindern kann, dass Anne Laxton ebenfalls getötet wird. Dabei wird sein Diener schwer verletzt und der Richter bringt ihn zu einem Bekannten, dem Wundarzt und Chirurgen Alan Ridgeway. Dort trifft er auf seinen alten Freund Jeremy, der sich als Dr. Fauconer in London aufhält. In Wahrheit ist er katholischer Priester, darf sich aber nicht öffentlich zu seiner Religion bekennen.
Jeremy versucht etwas über den Mord an der Hebamme herauszufinden, aber Anne schweigt und der Pater ermittelt schließlich mit seinem Freund Alan und dem Richter. Er liebt Rätsel und diese Leidenschaft bringt ihn mehr als einmal in Gefahr.
Mächtige und einflussreiche Familien scheinen in den Fall verstrickt zu sein und diese wollen um jeden Preis verhindern, dass schmutzige Geheimnisse ans Licht kommen. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht und auch vor Mord schrecken sie nicht zurück.

Ich mochte Jeremy, Alan und auch Sir Orlando auf Anhieb. Auch Lady Amoret St. Clair und der Ire Breandán waren mir gleich sympathisch. Entgegen aller Widerstände der damaligen Zeit setzen sie sich füreinander ein, ihre Freundschaft ist ihnen sehr wichtig und füreinander würden sie alles tun. Werte, die in unserer egoistischen Zeit heute leider sehr oft verloren gehen. 
Auch die Mischung aus historischen Fakten und Fiktion der Autorin hat mir sehr gut gefallen und wurde gut umgesetzt. Ich habe sogar noch ein paar Dinge gelernt, z.B. wer die Gabel erfunden hat. ;-)  Ich wusste bereits, dass das Große Feuer in der königlichen Bäckerei in der Pudding Lane ausbrach und es hier wieder zu lesen, war sehr interessant. 
Die meisten Londoner Bürger haben damals alles verloren und in ihrer Verzweiflung suchten sie nach einem Sündenbock. Da sie sowieso misstrauisch gegenüber anderen Religionen wie den Quäkern, Puritanern oder Katholiken waren, war klar, dass der "Zorn Gottes" nur durch einen dieser "Ketzer" auf die Stadt gezogen werden konnte. 
 Eigentlich sehr traurig,  dass sich das bis heute nicht geändert hat und es immer noch religiöse Fanatiker gibt.

Alles in allem ein sehr spannender historischer Krimi, sehr anschaulich geschrieben. Man sieht die Straßen Londons direkt vor sich, die alten Häuser, den Tower, den Palast und das Gefängnis. Und wenn man sich anstrengt, kann man sogar den Rauch des Großen Brandes riechen...  ;-)




Donnerstag, 15. März 2012

Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London


"Manchmal denke ich, dass mein Leben viel weniger interessant und ganz bestimmt sehr viel weniger gefährlich verlaufen wäre, wenn nicht Lesley, sondern ich Kaffee holen gegangen wäre."

Zum Inhalt: Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung für das Magische. Was er selbst aber nicht weiß, seinem Vorgesetzten aber nicht entgeht. Inspector Thomas Nightingale ist selbst der letzte Zauberer Englands und wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Frisch aus der Polizeiausbildung, erspart ihm das so einen langweiligen Schreibtischjob.
Ein grausiger Mord in Covent Garden führt Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand.
Und Nightingale zeigt ihm, dass es in London weitaus mehr gibt, als die Wissenschaft erklären kann. Die Themse und andere Flüsse in London sind nicht einfach nur Flüsse, es sind Götter und die sollte man besser nicht verärgern. Auch Vampire, Wiedergänger und Geister kann man nicht einfach so ins Reich der Märchen verbannen.
Dabei ist Peter doch gerade erst am Beginn seiner Ausbildung....

Ben Aaronovitch bringt mit seinem Fantasy-Krimi frischen Wind ins Genre. Peter Grant ist ein fähiger und cleverer Polizist und Zauberlehrling, der sich nur leider zu schnell ablenken lässt. Was ihn aber um so sympathischer macht.
Auch der herrliche britische Humor hat mich begeistert. So fragt Peter beispielsweise ganz nüchtern einen Geist: "Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?" 
Die Schreibstil ist sehr anschaulich und bildlich und da ich selbst schon zweimal in London war, auch am Covent Garden, konnte ich alles ganz genau vor mir sehen, den Platz, die Markthalle, die Schauspielerkirche,...
Der Autor liebt offensichtlich seine Stadt und ihre Bewohner und das merkt man.

Spannend und "very british". Empfehlenswert. Auch für Fans von Harry Dresden, an den das Buch manchmal erinnerte