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Dienstag, 31. März 2026

Rezension: "Die Hand des Todes" von Kathy Reichs

Eine Reihe bizarrer Mordfälle führt die forensische Anthropologin Tempe Brennan auf die karibischen Turks- und Caicos-Inseln. Stehen die grausam verstümmelten Leichen junger amerikanischer Touristen in Zusammenhang mit Bandenkriminalität? Je tiefer Tempe recherchiert, desto beunruhigendere Dimensionen nimmt der Fall an. Und plötzlich findet sie sich im Mittelpunkt einer Verschwörung wieder, die viele Hunderte Menschenleben kosten könnte …

Auch der bereits 22. Band der Reihe hat mich wieder von Anfang an mitgenommen. Die Geschichte beginnt in Montreal, wo im Hafen ein Toter gefunden wird, der angeblich vom Blitz getroffen wurde. Tempes Untersuchungen ergeben etwas anderes und die Spur führt sie in die Karibik. Die dort ermittelnde Polizeibeamtin glaubt, dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen den ungeklärten Fällen von amerikanischen Touristen, die während ihres Aufenthalts auf den Inseln verschwanden und irgendwann später tot aufgefunden wurden.  

Der Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen. Durch die Erzählung in der ersten Person aus Sicht von Tempe Brennan ist man immer nah am Geschehen und erlebt alles hautnah mit. Ich mag auch den teilweise trockenen Humor und die verbalen Schlagabtausche zwischen ihr und Ryan. Und auch über ihre Diskussionen mit ihrem Kater Bird muss ich immer schmunzeln. Wir wissen nun, dass Ryan und Birdy Death Metal lieben. 😄

Die Länge der Kapitel war für mich genau richtig, so bleibt die Spannung erhalten. Andeutungen wie "Es sollte anders kommen" oder "Da war sie schon tot" halten den Leser natürlich "bei der Stange".  

Das Szenario, das Kathy Reichs entwirft, ist schon recht beängstigend und geschickt führt sie zum Ende hin die losen Fäden zusammen.  
Eins hat mir allerdings gar nicht gefallen und das war die Sache mit dem Hund. Ich bin da sehr empfindlich, auch wenn diese Entwicklung hier vielleicht dramaturgische Gründe hatte.

Alles in allem wieder ein gelungener neuer Fall für die forensische Anthropologin, der für Fans der Reihe natürlich ein Muss ist. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹

 



Montag, 16. März 2026

Rezension: "Angels - Meine Rache währt ewig" von Lisa Jackson

Als Kristi an ihr College in New Orleans zurückkehrt, ist ihr Vater, Detective Rick Bentz, beunruhigt. Vier Studentinnen sind dort spurlos verschwunden. Kristi, die unbedingt Kriminalschriftstellerin werden will, entdeckt eine Sekte, die sich einem mysteriösen Vampir-Kult verschrieben hat. Sie ermittelt auf eigene Faust. Doch bevor sie sich einen Eindruck von dieser dubiosen Gruppe verschaffen kann, ist sie auch schon in den tödlichen Fängen des Killers ...

Ich habe das Buch letztes Jahr auf einem Büchermarkt entdeckt und fand den Klappentext direkt interessant. Was ich allerdings nicht wusste: Es handelt sich um den fünften Teil einer Reihe rund um die Polizisten Rick Bentz und seinen Kollegen Montoya. Ob das der Grund war, warum ich mit den Charakteren nicht richtig warm geworden bin, kann ich nicht genau sagen – die Fälle an sich sind zwar abgeschlossen, dennoch fehlte mir irgendwie der Bezug.

Es wird regelmäßig auf Ereignisse aus dem Vorgängerband angespielt, die Kristi Bentz betreffen. Diese werden hier jedoch nur angerissen – vermutlich, um nicht zu spoilern. Für mich bewirkte das allerdings eher das Gefühl, dass mir wichtiges Hintergrundwissen fehlt. 

Insgesamt war das Buch zwar unterhaltsam, zog sich aber stellenweise in die Länge. Zudem empfand ich vieles als unschlüssig. Ohne zu viel zu verraten: Kristis „Gabe“, die wohl einen Hauch Mystery einbringen sollte, wirkte deplatziert, und auch das Studienfach „Vampirismus“ an einer Universität fand ich sehr merkwürdig. Auch die Handlungsweisen der Figuren waren für mich oft nicht nachvollziehbar, besonders bei Kristi: Warum riskiert sie, nachdem sie gerade erst knapp dem Tod entronnen ist, erneut so viel, nur um ein True-Crime-Buch zu schreiben? Auch die Auflösung und die Motive des Täters am Ende konnten mich nicht ganz überzeugen.

Ein Kritikpunkt ist zudem der deutsche Titel. „Angels – Meine Rache währt ewig“ passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zum Inhalt. Wer sind die „Angels“ und wessen Rache ist gemeint? Der Originaltitel „Lost Souls“ wäre deutlich passender gewesen.

Positiv gefallen hat mir jedoch der Schreibstil. Die Autorin schreibt sehr spannend und anschaulich; man hat das Gefühl, gemeinsam mit Kristi über den Campus zu laufen.

Bewertung: 🌹🌹🌹





Mittwoch, 18. Februar 2026

Rezension: "Ragdoll" von Daniel Cole

Ein grausamer Fund erschüttert London. An unzähligen Fäden hängt im riesigen Fenster eines Hauses eine zusammengeflickte Leiche. Ein Finger zeigt auf die gegenüberliegende Wohnung. Ihr Mieter: Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf. Als der Presse eine Liste mit sechs Namen und genauen Todesdaten zugespielt wird, besteht kein Zweifel mehr, was dieser Fingerzeig zu bedeuten hat. Denn einer der Todeskandidaten ist Wolf selbst. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und nichts deutet darauf hin, dass er und sein Team den Mörder stoppen können.

London im Sommer 2014. Die Hitze hat die Stadt fest im Griff, als die zusammengeflickte Leiche gefunden wird. Schnell gibt die Presse dem Fall den Namen Ragdoll, Flickenpuppe, und ausgerechnet Wolfs Ex-Frau erhält die Liste mit den Todeskandidaten und sie ist Journalistin. 
Wolf ist noch nicht lange wieder im Dienst und im Prolog und in Rückblenden, erfahren wir auch warum. Ein Fall vor vier Jahren hat ihn fast zerstört, er war besessen davon, den sogenannten "Feuerbestatter" zu erwischen. Bei der Gerichtsverhandlung kommt es zu einem Zwischenfall, der ihn in eine Psychiatrische Klinik bringt. 
Nun wieder im Dienst, ist Wolf sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Ragdoll-Fall und dem des Feuerbestatters gibt. Seine Kollegen und Vorgesetzten dagegen sind skeptisch, bis der Neue im Team, Edmunds, den selben Spuren nachgeht. 

"Ragdoll" lag schon eine ganze Zeit auf meinem SUB und ich habe es extra auf meine Liste 12 für 26 gepackt, damit ich es dieses Jahr lesen "muss". Es war mein erstes Buch von Daniel Cole. Ein wirklich sehr spannender Thriller, dessen knapp 480 Seiten im Nu verflogen sind. Und während ich noch gerätselt habe, wie alles zusammenhängt, gibt es einen Twist, mit dem ich nicht gerechnet habe. 

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, sehr anschaulich und bildhaft führt der Autor durch die Straßen Londons. Die Kapitel sind nicht zu lang und erzählt wird in der dritten Person. So erfährt man nicht nur eine Seite der Geschichte, sondern begleitet Wolf, seine Kollegen Baxter und Edmunds, aber auch seine Ex-Frau Andrea. Man erfährt auch private Dinge der Ermittler, das steht aber nicht im Vordergrund. Die Hauptfiguren sind interessant und facettenreich gezeichnet. Alle haben ihre Ecken und Kanten und wirken dadurch sehr authentisch.

Wer spannende Unterhaltung mit einem flüssig geschriebenen Thriller und interessanten Charakteren sucht, in dem es auch ab und zu was zum Schmunzeln gibt, der ist mit "Ragdoll" gut bedient. 

Es gibt inzwischen zwei Fortsetzungen: "Hangman" und "Wolves". Mal sehen, ob ich diese auch lesen werde.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹






Mittwoch, 28. Januar 2026

Rezension: "Die Kolonie" von C. J. Tudor

In einer Kleinstadt in Alaska wird ein Junge tot aufgefunden. Die Brutalität des Mordes erinnert an eine Tat, die 25 Jahre zurück liegt. Detective Barbara Atkins wird Unterstützung des örtlichen Sheriffs hinzugezogen. Die Einwohner von Deadhart begegnen Barbara jedoch mit Misstrauen, denn sie glauben zu wissen, der der Schuldige ist: ein Mitglied der nahe gelegenen Vampirkolonie, die in einer alten Bergbausiedlung tief in den Bergen lebt. Barbara gerät unter Druck, die gesamte Kolonie gezielt töten zu lassen. Doch die Beweise sind nicht stichhaltig und die Menschen lügen. Als der Sheriff durch einen Unfall außer Gefecht gesetzt wird, benennt Barbara Jensen Tucker zum Deputy. Tucker hat bereits den Fall vor 25 Jahren untersucht und schon damals war die Beweislage nicht eindeutig, dass der beschuldigte Vampir der Täter war. Was dem Sheriff nicht gerade Sympathien entgegenbrachte und er seitdem alleine abgeschieden im Wald lebt. Ihm und Barbara bleibt jetzt nicht mehr viel Zeit, um die Wahrheit herauszufinden: Jagen sie einen kaltblütigen Mörder – oder ein blutdürstiges Monster?

Zitat: „Vor ihnen, im Licht der Scheinwerfer, tauchte jetzt ein handgefertigtes Ortsschild auf: Deadhart, Einwohner: 673. Darunter hatte ein Scherzbold gekritzelt: LEBEND.“
C. J. Tudor führt uns mit ihrem Thriller „Die Kolonie“ mitten in eine eiskalte Kleinstadt in Alaska. Und damit ist nicht nur das Wetter gemeint, denn ein Schneesturm zieht auf. Auch die Stimmung in der Stadt ist kalt und düster. Die Einwohner sind sich einig, die nahe gelegene Siedlung der Vampire hat wieder einen der ihren getötet. Und nun wollen sie Blut sehen und die Untoten ausrotten.
Das Buch spielt in einer Welt, in der Vampire real sind. Es gibt sogar ein Vampirschutzgesetz nach dem Vampire den Schutzstatus einer vom Aussterben bedrohten Art genießen. Gezielte Tötungen sind nur dann erlaubt, wenn sie dem Schutz der Allgemeinheit dienen. Und dafür ist Barbara Atkins vom Institut für forensische Vampirstudien in Deadhart, um die Schuld der Vampire zu beweisen und eine Keulung der Kolonie zu rechtfertigen. Aber für Barbara ist erst einmal jeder unschuldig, so lange seine Schuld nicht erwiesen ist, ob nun Mensch oder Vampir. Im Lauf der Geschichte erfahren wir auch, warum. 

„Die Kolonie“ ist mal eine ganz andere Vampirstory. Die Untoten sind keine romantischen Helden und glitzern auch nicht. Sie werden viel mehr als indigene Spezies bezeichnet, denn sie waren lange vor den Menschen in Alaska und wurden dann terrorisiert und verjagt. Aber nun sind sie zurück und wollen sich nicht wieder vertreiben lassen. 
Auch wenn es um Vampire geht, wirkt das Ganze auf mich sehr authentisch, denn das Verhalten der Stadtbewohner ist typisch für Menschen. Was sie nicht kennen, macht ihnen Angst und gegen das muss man vorgehen. Ob nun Ureinwohner oder Vampire. 

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ich war sofort mittendrin in der Geschichte. Die Spannung wird durchweg aufrecht erhalten und durch Perspektivwechsel in den Kapiteln noch erhöht. Die düstere und beklemmende Atmosphäre der unwirtlichen Natur wird sehr gut beschrieben, man kann die Kälte fast spüren. 
Es gibt Überraschungen und Wendungen und wenn man denkt, jetzt haben sie den Täter, taucht wieder ein neuer Ermittlungsansatz auf. Das Ende und die Auflösung haben mich dann tatsächlich überrascht. 

Nach „Der Kreidemann“ und „Schneewittchen schläft“ war das mein drittes Buch der Autorin und es hat mir bisher am besten gefallen. Auch wenn ich den Spruch „Englands weiblicher Stephen King“ für ein wenig übertrieben halte. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Donnerstag, 22. Januar 2026

Rezension: "Vergessene Gräber" von Leo Born

Eine grausame Mordserie hält Frankfurt in Atem. Der Täter schlägt scheinbar willkürlich zu. Doch alle Opfer sind jung und erfolgreich. Ihre Ermittlungen führen Mara Billinsky und Jan Rosen zu einer ehemaligen russischen Ballett-Tänzerin, die etwas über die Morde zu wissen scheint. Selbst als ihr eigener Sohn verschwindet, schweigt sie eisern weiter. Aber Mara lässt nicht locker und gerät - ohne es zu ahnen - mitten in einen tödlichen Rachefeldzug.

In "Vergessene Gräber", dem mittlerweile fünften Fall der Frankfurter Thriller-Reihe, schickt Leo Born das Ermittlerduo Billinsky und Rosen in einen eiskalten Februar. Eine Mordserie an jungen, erfolgreichen Menschen hält die Stadt in Atem. Das Erschreckende: Es gibt kein erkennbares Motiv und keine Verbindung zwischen den Opfern. Während die Ermittlungen im Sande verlaufen, kämpft Mara an einer zweiten Front gegen einen alten Erzfeind – sehr zum Missvergnügen ihres Chefs. Doch die „Krähe“ lässt sich nicht zurückpfeifen, was sie wie gewohnt in Teufels Küche bringt. 

Besonders gut gefallen hat mir in diesem Teil die Charakterentwicklung. Mara hat sich ihren Platz im Team erkämpft, und sogar der brummige Chef Klimmt zeigt erste Anzeichen von Wertschätzung. Auch das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater wird gewohnt authentisch und glaubwürdig weitererzählt. Parallel dazu muss sich Jan Rosen den Schatten seiner eigenen Vergangenheit stellen.

Leo Born beherrscht das Handwerk: Kurze Kapitel, geschickte Perspektivwechsel und fiese Cliffhanger sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Die Auflösung des Täters und dessen Motive bleibt bis zum Schluss im Dunkeln und überrascht mit unerwarteten Wendungen.

Ein gelungener Thriller über menschliche Abgründe mit viel Spannung und emotionaler Tiefe. Absolute Leseempfehlung!


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Donnerstag, 8. Januar 2026

Rezension: "Kalte, kalte Knochen" von Kathy Reichs

Der Winter hat North Carolina fest im Griff und mit den sinkenden Temperaturen fällt auch die Verbrechensrate. Tempe Brennan verbringt diese Atempause damit, sich um ihre heimgekehrte Tochter Katy zu kümmern. Sie sie eines Abends ein mysteriöses Paket auf ihrer Veranda findet. Darin: ein menschlicher Augapfel. Die Ermittlungen führen schnell zu weiteren makabren Funden. Ihr Instinkt sagt der forensischen Anthropologin, dass die Toten ein schreckliches Schicksal teilen. Und dass es jemand auf sie abgesehen hat.

Ich habe die Reihe bereits in den Neunziger Jahren entdeckt und bisher jeden Teil gelesen. „Kalte, kalte Knochen“ ist inzwischen Band 21 und nach wie vor lese ich jeden neuen Fall der forensischen Anthropologin Dr. Temperence Brennan sehr gerne. Es ist schon fast wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. 
Es sind nicht nur die spannenden Fälle, die mich jedes Mal begeistern, es ist auch das Persönliche in den Geschichten. Das Auf und Ab in Tempes Beziehung mit dem kanadischen Polizist Andrew Ryan, die verbalen Schlagabtausche der beiden, die mich oft zum Schmunzeln bringen. Oder auch Tempes Diskussionen mit ihrem Kater Bird, der nie eine Antwort gibt 😊 Und seit einigen Teilen sorgt ja auch Cop Skinny Slidell für Unterhaltung, denn er und Tempe sind zwar wie Feuer und Wasser, arbeiten aber gut zusammen. 
Nun ist also Tempes Tochter Katy nach acht Jahren bei der Army und verschiedenen Auslandseinsätzen wieder zuhause in Charlotte. Tempe macht sich Sorgen, da Katy nicht darüber spricht, warum sie die Army verlassen hat. Dann findet Tempe vor ihrer Tür in einem Paket einen menschlichen Augapfel und damit sind wir mitten drin in einem neuen Fall. Wem gehört das Ding und warum ist es bei Tempe gelandet? Erste Ermittlungen führen zu einem Kloster und dort gibt es einen weiteren makabren Fund. Und so geht es weiter. Mehrere Opfer tauchen auf, aber es scheint keine Verbindung zu geben, keine Handschrift des Täters, keine gemeinsame Todesursache. Aber dann fällt Tempe die Ähnlichkeit zu älteren Fällen auf. Sind die neuen Morde ein Racheakt und hat es in Wahrheit jemand auf sie abgesehen?

Aufgrund von Katys Rückkehr aus der Army, wird hier auch der Umgang Amerikas mit ihren Kriegsveteranen thematisiert. Sie schicken ihre Soldaten in alle möglichen Kriege, aber wenn diese dann körperlich und seelisch krank zurückkommen, kümmert man sich nicht um sie. Viele landen als Obdachlose auf der Straße. Ein Armutszeugnis für die USA. 

Insgesamt wieder ein spannender Fall, auch wenn ich nach zwei Dritteln schon ahnte, wer der Täter ist. Vermutlich habe ich inzwischen schon zu viele Thriller und Krimis gelesen. 😊 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Donnerstag, 11. Dezember 2025

Rezension: "Schnee" von Yrsa Sigurdardottir

Was zwang die Freunde, sich mitten im harten Winter im isländischen Hochland zu bewegen, in Dunkelheit und Schneestürmen? Und warum verließen sie das kleine Obdach, das sie hatten, kaum bekleidet und den harten Bedingungen vollkommen ausgeliefert? Ein Rettungsteam wird in die abgeschiedene Gegend geschickt, um nach den Vermissten zu suchen. Währenddessen gehen an der einsam gelegenen Radarstation in Stokksnes seltsame Dinge vor sich. Nichts ist so, wie es scheint: Sei es die Blutlache, die im unberührten Schnee fernab der Zivilisation entdeckt wird oder der kleine Kinderschuh, der Jahrzehnte nach der Vergrabung wiedergefunden wird... 

Mit "Schnee" zeigt die isländische Autorin Yrsa Sigurdardottir, dass sie das Spiel mit der Imagination perfekt beherrscht. Die schmale Grenze zwischen Einbildung und Realität wird von ihr gekonnt in Szene gesetzt. Sehr anschaulich und atmosphärisch beschreibt sie die kalte, erbarmungslose und tief verschneite  isländische Natur. Eine grausame Schönheit, der man hilflos ausgeliefert ist, wenn man zu leichtsinnig und achtlos ist. 
Der Einstieg ist noch recht ruhig, aber Kapitel um Kapitel steigt die Spannung an. 
Parallel gibt es verschiedene Handlungsstränge. Da ist zum einen Johanna, die zum Rettungsteam gehört, das die vermissten Wanderer sucht. Sie macht diesen Job ehrenamtlich, arbeitet eigentlich in einer Fischfabrik und ist mit einem Polizisten aus dem Ort verheiratet, in dem sie wohnen. Dieses Mal stößt ein neuer Kollege dazu, der aus Reykjavik zur Suche abkommandiert wurde. 
Dann gibt es Hjörvar, der bei der Küstenwache arbeitet und zum Wachdienst an der Radarstation eingeteilt ist. Mit einem zweiten Kollegen und einem zugelaufenen Kater teilt er sich die Schichten in der ansonsten einsamen Station. Einzige Abwechslung ist der Helikopter, der sich an der Suche nach den Vermissten beteiligt und zum Auftanken die Radarstation anfliegt.  
Der dritte Handlungsstrang ist eine Woche vorher angesiedelt und wir lernen die Leute aus der Wandergruppe kennen, die später vermisst wird. Nach und nach wird klar, wie es zu den tragischen Ereignissen in der eiskalten Wildnis gekommen ist. 

Die drei Handlungsstränge werden geschickt bis zum Ende zusammengeführt und es wird klar, wie alles zusammenhängt, wie ein Ereignis zum nächsten kam, eine Entscheidung gefallen ist, die der nächsten vorausging. Dazu dann noch die düstere und manchmal sogar gruselige Stimmung, das macht das Buch zu einem spannenden Leseerlebnis. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Sonntag, 23. November 2025

Rezension: "Knochenkälte" von Simon Beckett

Eigentlich ist der Forensische Anthropologe Dr. David Hunter unterwegs zu einem neuen Fall. Aber ein Schneesturm zwingt ihn zu einem Aufenthalt in Edendale, einem kleinen Ort in den Cumbrian Mountains. Die Bewohner lassen keinen Zweifel daran,  dass er unerwünscht ist. Er würde auch nichts lieber tun, als den Ort sofort wieder zu verlassen, aber die einzige Zufahrtstraße wurde beim Sturm zerstört. Strom- und Telefonnetz sind ebenfalls tot. Als Hunter auf der Suche nach einem Handysignal in die Berge klettert, macht er eine grausige Entdeckung. In den Wurzeln einer durch das Unwetter zu Fall gebrachten mächtigen Fichte hängt ein Skelett. Das Wurzelwerk scheint in den verwesenden Körper über Jahre hineingewachsen zu sein und hält ihn umklammert wie in einer Umarmung. Unter diesen Bedingungen kann der Forensiker allerdings nicht viel machen, um zur Identifizierung beizutragen. Als die Dorfbewohner von dem Skelett hören, sind sie allerdings schnell sicher, dass es sich um einen vor zwanzig Jahren verschwundener Mann handelt. Aber ist es wirklich der Sohn von Wynn Beddoes, dem Mann, der seit Jahren den Ort regiert und bei allem das Sagen hat? Und dann gibt es eine weitere Leiche.

"Knochenkälte" ist der siebte Fall für den britischen forensischen Anthropologen David Hunter. Ich durfte mein Rezensionsexemplar in einer Leserunde bei Lovelybooks lesen. 
Der Fall entwickelt sich langsam und der Spannungsbogen steigt ebenfalls  langsam an, fällt zwischendurch auch mal ab, steigert sich dann aber zum Ende wieder. Durch die Erzählperspektive in der ersten Person aus Hunters Sicht, ist man immer ganz nah am Geschehen, erlebt auch seine Gedanken und Gefühle. Hunter ist kein Superheld, er hat auch Angst und kommt mehr als einmal in gefährliche Situationen, aus denen er auch nicht immer unverletzt wieder raus kommt. Ich finde, das macht die Bücher realistischer und die Figur authentisch. 
Die Beschreibung des Dorfes und die beklemmende Atmosphäre während des Schneesturms sind sehr anschaulich und bildhaft.  Auch das alte Hotel und dessen Beschreibung sind fast schon gruselig. Die ganze düstere Grundstimmung passt perfekt, um das Buch im November zu lesen. 

Mir hat "Knochenkälte" gut gefallen. Es gibt immer wieder Überraschungen und Wendungen und das Ende ist in meinen Augen ebenfalls realistisch, denn auch im wahren Leben kann nicht jeder Fall restlos aufgeklärt und zur Zufriedenheit Aller abgeschlossen werden. 


Bewertung:  🌹🌹🌹🌹🌹





Freitag, 14. November 2025

Rezension: "Blutige Gnade" von Leo Born

Mara Billinsky sieht sich mit mehreren mysteriösen und grausamen Morden konfrontiert. Gleichzeitig wird sie von einem Schatten aus der Vergangenheit verfolgt, der ihr ebenfalls Rätsel aufgibt - bis sie begreift, dass alle Ereignisse in Verbindung zueinander stehen. Als sie erkennt, wer im Hintergrund die Fäden zieht, ist es fast zu spät: Ab jetzt kämpft Mara nicht mehr nur um ihr eigenes Leben...

Es war eine Weile her, seit ich den dritten Teil der Reihe gelesen hatte. Das macht aber nichts, denn die Fälle sind ja in sich abgeschlossen. Trotzdem kann ich empfehlen, die Reihe chronologisch zu lesen, da sich die Charaktere und deren Beziehung zueinander weiterentwickeln. 

Mara Billinsky ist eine Rebellin, was nicht immer zu ihrem Job bei der Polizei passt, wo man ja eigentlich im Team arbeitet, sich aufeinander verlässt. Aber da auch ihr Partner Jan Rosen eher ein Einzelgänger ist, passen die beiden hervorragend zusammen. Auch das Verhältnis zu ihrem Chef ist mit der Zeit besser geworden, er hat erkannt, dass "die Krähe" eine gute Polizistin ist. 

Der Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen, die Beschreibungen sind anschaulich und ich konnte alles vor meinem inneren Auge sehen. Manche Szenen in der Fleischfabrik hätten allerdings nicht so detailreich beschrieben sein müssen. ;-) Aber ich denke, dadurch wird die ganze Geschichte authentisch und glaubwürdig. 

Durch das Auftauchen einer Person aus Maras Vergangenheit erfahren wir auch noch etwas mehr von ihrem früheren Leben. Das erklärt auch, warum sie diesen Schutzpanzer trägt und ich finde, das macht sie noch sympathischer.

Der Spannungsbogen wird durchweg aufrecht erhalten, dazu trägt auch der Wechsel der Erzählperspektive in den einzelnen Kapiteln bei. Man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Wobei ich bei einer Figur schon nach einiger Zeit einen Verdacht hatte und dieser wurde auch bestätigt. Das tat der Spannung aber keinen Abbruch. 

Ich kann das Buch nur empfehlen und freue mich schon auf den nächsten Fall der "Krähe" und die Rückkehr nach Frankfurt.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Sonntag, 2. November 2025

Rezension: "Ich bin kein Serienkiller" von Dan Wells

Clayton, eine Kleinstadt im Mittleren Westen der USA: Der fünfzehnjährige John will eigentlich ein ganz normaler Teenager sein, die Schule besuchen und Mädchen kennenlernen. Doch er weiß, dass in ihm ein düsteres Geheimnis schlummert. Er ist nicht nur das Interesse an Serienkillern, das sein ganzes Leben bestimmt, nicht nur seine Faszination vom Tod. Er ist die Furcht, dass eines Tages selbst zum Killer wird. Denn John trägt ein Monster in sich. Und als unerklärliche Morde in der Stadt geschehen, muss er sich nicht nur einem dämonischen Gegner stellen, sondern auch sich selbst...

John Wayne Cleaver ist fünfzehn Jahre alt und weiß, dass im seinen Inneren etwas Böses schlummert, das er im Zaum halten muss. Dafür hat er sich selbst etliche Regeln auferlegt, an die er sich eisern hält. Zum Beispiel weigert er sich, Interesse an anderen Menschen zu zeigen, Gefühle sind tabu und er versucht krampfhaft "normal" zu sein. Allerdings ist er überzeugt, dass schon sein Name ihn zu einem Außenseiter macht. Seine Mutter sagt zwar, den hat er dem berühmten Schauspieler zu verdanken, aber schließlich war John Wayne Gacy einer der berühmtesten Serienkiller aller Zeiten. 
Nur wenn John im Beerdigungsinstitut seiner Mutter und seiner Tante hilft, fühlt er sich halbwegs normal und auf sicherem Terrain. Als nach zwei Morden Johns Interesse an den Leichen für seine Mutter allerdings viel zu groß und "unnatürlich" wird, verbietet sie ihm die weitere Mitarbeit bei den Vorbereitungen für die Beerdigungen. 
Da er nun viel Zeit hat, macht sich John selbst auf die Suche nach dem Killer. Aber kann er ihn aufspüren und zur Strecke bringen,  ohne sein eigenes Monster freizulassen?

Der Thriller von Dan Wells ist bereits von 2009 und er lag einige Jahre auf meinem SUB. Irgendwie dachte ich, nachdem ich bereits alle geplanten Bücher für die Zeit bis Halloween gelesen hatte, das dies doch jetzt vielleicht genau passend sei. Und schon nach ein paar Kapiteln habe ich mich gefragt, wieso ich das Buch so viele Jahre unbeachtet gelassen habe. 

Die Idee finde ich wirklich originell und richtig gut umgesetzt. Es scheint auch, dass der Autor zum Thema Soziopathen und Serienmörder intensiv recherchiert hat.  Aus der Ich-Perspektive von John erfährt man als Leser immer hautnah, was gerade passiert. Man ist Teil seiner Gedanken- und Gefühlswelt und das ist manchmal schon erschreckend. Er ist überzeugt davon, sein Schicksal sei es, ein Serienmörder zu werden und dass in seinem Inneren eine Bestie schlummert, die er niemals entfesseln darf. Er ist besessen von berühmten Serienkillern, weiß alles über Ted Bundy, John Wayne Gacy oder den Son of Sam. Eisern versucht er, seine Regeln einzuhalten und geht sogar zu einem Therapeuten. 

"Ich bin kein Serienkiller" ist nichts für Zartbesaitete, denn nach einigen Kapiteln ist klar, es ist ein Mix aus Thriller, Horror und Fantasy. Damit habe ich so nicht gerechnet und war positiv überrascht. Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen, Sprache und auch Gedanken sind einem Jungen von fünfzehn Jahren angemessen. Die innere Zerrissenheit stellt der Autor sehr überzeugend dar und ich kam nicht umhin, das eine oder andere Mal Mitleid mit John zu haben. Die Teenagerzeit und Pubertät ist so schon schwer genug, ohne dass man davon überzeugt ist, man sei ein potentieller Serienkiller. 
Überhaupt sind die Charaktere gut gelungen und vielschichtig, wie z. B. Johns Mutter, sein Therapeut oder auch die Crowleys, die Nachbarn. 
Es gibt einige blutige Szenen und Schockmomente, aber auch schwarzen Humor und emotionale Momente. Diese zeigen besonders, wie schwer es Johns Mutter fällt, sich einzugestehen, dass mit ihrem Sohn vielleicht etwas nicht stimmt. 

Das Buch ist wirklich ein echter Pageturner, den ich aufgrund der durchgehenden Spannung nur schwer zur Seite legen konnte. Interessant fand ich übrigens auch, dass jedes Kapitel mit einer leeren Seite beginnt, auf der die Zahl wie auf einer Mauer eingeritzt zu sehen ist. Vielleicht die Mauer, die John errichtet hat, um sein Monster dahinter im Zaum zu halten.

Mittlerweile gibt es einige Fortsetzungen, die ich sicherlich auch noch lesen werde. Teil 2 ist "Mr. Monster". 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



Montag, 6. Oktober 2025

Rezension: "Der Fluch von Ashburn House" von Darcy Coates

„Die Leute sagen, dass nachts die Geister einer ermordeten Familie durch die Flure von Ashburn House irren…“
Als Adrienne vor der Haustür des gotischen Hauses ankommt, hat sie nur einen Koffer, 20 Dollar und ihren Kater. Sie weiß nicht, warum Tante Edith ihr Ashburn House vermacht hat, aber es ist ein Erbe, das sie unmöglich ablehnen kann.
Adrienne glaubt nicht an Geister, aber wie sonst lässt sich erklären, was in den nächsten Tagen passiert? Und dann entdeckt sie im Wald ein verstecktes Grab…
Etwas Böses lebt in Ashburn House. Etwas Unnatürliches, dessen hungrige Augen Adrienne wachsam beobachten. Und es hat ein schreckliches, unverzeihliches Geheimnis.

Adrienne ist mehr als überrascht, als sie Ashburn House von einer Großtante erbt, die sie nie kennengelernt hat. Ihre Mutter hat immer behauptet, sie hätte keine weiteren Verwandten. Aber abzulehnen ist keine Option, denn nachdem Adrienne ihre Mutter bis zum Tod gepflegt und dafür ihren festen Job aufgegeben hat, die Hypotheken auf das Haus von den Kosten verschlungen wurden, ist sie obdach- und mittellos. So hofft sie auf einen Neuanfang in einem neuen Zuhause in einer neuen Stadt. Kater Wolfgang ist davon weniger begeistert, muss sich aber natürlich fügen. 
Schon die erste Nacht wird zu einer Bewährungsprobe. Dann sind da die vielen merkwürdigen Nachrichten und Notizen. Es gibt keinen einzigen Spiegel im ganzen Haus, stattdessen steht an den Stellen „Keine Spiegel“. Und in den Esstisch hat jemand „Am Freitag zünd die Kerze an“ geritzt. Von ein paar Frauen aus der Stadt in ihrem Alter, erfährt sie einige Gerüchte, die seit Jahren über das Haus und deren Bewohner erzählt werden. Und jeden Freitag erscheint ein merkwürdiges Licht in einem Fenster. Adrienne versucht, mehr über die Ereignisse von vor fast 100 Jahren herauszufinden, als angeblich eine ganze Familie in Ashburn House ermordet wurde.

„Der Fluch von Ashburn House“ ist mein dritter Roman von Darcy Coates und auch dieser hat mir wieder richtig gut gefallen. Atmosphärisch, düster und sehr bildhaft beschreibt die Autorin die Geschehnisse in dem alten Haus. Es kam mir vor, als würde ich einen Gruselfilm schauen, so anschaulich ist alles dargestellt. Erzählt wird aus der Sicht von Adrienne, aber in der 3. Person. Ab und zu gibt es auch ein paar Szenen zum Schmunzeln, meistens, wenn Kater Wolfgang ins Spiel kommt. Die Spannungskurve steigt zwischendurch immer wieder an, flacht auch mal kurz wieder ab, um dann wieder anzusteigen und am Ende noch mal mit einer Überraschung aufzuwarten. 

Das Cover passt perfekt zur Geschichte, so würde man sich das Haus aufgrund der Beschreibungen sicher vorstellen. 
Die Hauptfigur war mir gleich sympathisch und ich konnte mich gut in sie hinein versetzen. Eigentlich will sie nicht in diesem Haus bleiben, aber wo soll sie hin? Und es muss doch einen Grund geben, warum ihre Großtante ausgerechnet ihr das Haus vererbt hat. Also hält sie durch und versucht, die Geheimnisse zu lüften. 

Fazit: Eine spannende Spukhausgeschichte, die ohne literweise Blut auskommt und mich von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten hat. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹







Montag, 21. Juli 2025

Rezension: "Aschetod" von Linda Castillo

Mitten in der Nacht wird Polizeichefin Kate Burkholder von einem Anruf geweckt: Bei einem Feuer in einem einsamen Waldstück ist ein Mann umgekommen. Der Verstorbene wurde an einen Pfahl gefesselt und lebendig verbrannt. Wie es aussieht, gehörte er der Amischen Gemeinde an. Kate weiß nur zu gut, dass die Amischen ihre Probleme lieber ohne Einmischung der Außenwelt lösen, doch nach und nach erfährt sie, dass der Tote vor kurzem aus der Gemeinde ausgeschlossen wurde. Warum wurde er so bestraft? Um die Wahrheit herauszufinden, muss Kate tief in die Geschichte der Amischen eintauchen. Bis sie ein Geheimnis aufdeckt, das alles erschüttert, was sie über die Amischen - und damit ihre eigenen Wurzeln - zu wissen glaubt.

Kaum zu glauben, aber dies ist bereits der 16. Fall für die ehemals amische Kate Burkholder, Chief of Police in Painters Mill. Inzwischen ist jeder neue Teil fast wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten, nicht nur mit Kate und Tomasetti, auch mit ihrem gesamten Team.

Mich hat die Geschichte wieder von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Sie ist spannend und anschaulich geschrieben, sodass man sich direkt in die Handlung hineingezogen fühlt. Der Beginn mit der Beschreibung des Brandopfers ist nichts für empfindliche Gemüter oder Mägen. ;-) 

Wie immer beweist die Autorin, dass sie ein tiefes Verständnis der amischen Lebensweise hat, was dem Ganzen eine besondere Authentizität verleiht und die Charaktere und ihre Welt auf eine sehr greifbare Weise zum Leben erweckt. Man merkt, dass hier wieder gründlich recherchiert wurde. Auch Kates eigene Vergangenheit in der Amischen Gemeinde spielt eine Rolle und Geschichten aus ihrer Kindheit sind dieses Mal sehr hilfreich. 

Es gibt auch emotionale Momente durch private Verwicklungen von Kates Familie in den Fall. Dadurch ist sie in ihrem Job natürlich hin und her gerissen und ihre Vorgesetzten zweifeln an ihrer Neutralität. Aber in erster Linie gilt es, einen brutalen Mörder zu finden. Und auch wenn sie dadurch in Schwierigkeiten gerät, lässt sie nicht locker. 

Nun heißt es wieder warten und ich hoffe, es geht im nächsten Jahr weiter.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Dienstag, 18. März 2025

Rezension: "Der Code der Knochen" von Kathy Reichs

Inhalt:
Die forensische Anthropologin Tempe Brennan durchlebt stürmische Zeiten. Ein schwerer Hurricane nimmt Kurs auf ihre Heimatstadt Charlotte. Sie leitet die Untersuchung zweier Skelette, die in einem Container an der Küste gestrandet sind. Die Art des Todes dieser zwei jungen Frauen, erinnert Tempe an einen fünfzehn Jahre alten Cod Case in Kanada - ein grausamer Doppelmord. Und in Charlotte geht die Angst vor einem hochansteckenden Bakterium um, gegen das bestimmte Gene angeblich schützen sollen. Ihre Ermittlungen führen Tempe auf die Spur eines Mannes, der dubiose Geschäfte mit Gen-Analysen macht. Als Tempe und Ex-Detective Andrew Ryan nur knapp einem Mordanschlag auf offener Straße entkommen, wird klar: Jemand will um jeden Preis verhindern, dass die Forensikerin den Code dieses Falls entschlüsselt...

Seit den Neunziger Jahren verfolge ich die Thriller-Reihe um die forensische Anthropologin Dr. Temperence Brennan. "Der Code der Knochen" ist der zwanzigste Teil und bisher gab es für mich noch keinen Fall, der mich langweilte. Ich habe jedes Buch gerne gelesen.
Auch hier ist das wieder der Fall, denn abgesehen vom spannenden Schreib- und Erzählstil, gibt es auch immer etwas zu schmunzeln. Besonders in den verbalen Schlagabtauschen zwischen Tempe und Ryan. Oder bei Tempes "Diskussionen" mit ihrem eigenwilligen Kater Bird. Alleine diese Szenen sind immer ein Lesegenuss.
Außerdem gelingt es der Autorin auch nach so vielen Jahren immer noch, neue und interessante Themen ins Spiel zu bringen und diese gut zu verpacken in eine spannende Story. Diesmal ist die Szenerie erschreckend realistisch und gar nicht so weit hergeholt, denn was tun Menschen nicht alles für Geld und Profit? 

In der Vergangenheit gab es ja oft Kritik, dass in den Büchern von Kathy Reichs zu viel Fachchinesisch verwendet wird und zu viele Abkürzungen. Mittlerweile stört mich das nicht mehr, denn ich finde, dadurch sind die Bücher authentischer. Und es wird ja auch alles erklärt. 

Ich freue mich jetzt jedenfalls auf den nächsten Teil der Reihe, den ich bestimmt irgendwann in diesem Jahr lesen werde. Der Titel ist "Kalte, kalte Knochen". 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Montag, 18. November 2024

Rezension: "Jigsaw Man" von Nadine Matheson

Der menschliche Körper ist ein wunderbares Puzzle, einzigartig in seiner Präzision und seiner aufeinander abgestimmten Perfektion! Der Jigsaw Man liebt Puzzles über alles. Doch ein perfektes Puzzle ist nur eines, das in seine Einzelteile zerlegt ist. Nur so kann er die wahre Schönheit erkennen - indem er jedes Teil für sich betrachtet. Hände, Füße, Beine, Arme, Köpfe. Welche Freude! Und wahre Freude muss man teilen, nicht wahr? In der ganzen Stadt. Wirst du sein nächstes Opfer sein?

Anjelica Henley arbeitet mit ein paar anderen Kollegen in einer Spezialeinheit für Serienverbrechen, der Serial Crime Unit (SCU). Vor drei Jahren hat der Jigsaw Killer sie bei der Jagd auf ihn schwer verletzt und fast hätte sie dadurch ihr ungeborenes Baby verloren. Seitdem ist sie im Innendienst, aber als nun Leichenteile in London auftauchen, wird jeder verfügbare Detective draußen gebraucht. Ihr Chef schickt sie zu ihrem ersten Einsatz wieder auf die Straße und macht sie direkt zur leitenden Ermittlerin. Ihr zur Seite stellt er ausgerechnet einen "Azubi", Trainee Police Constable Salim Ramouter, wovon Anjelica zunächst wenig begeistert ist. Außerdem gibt es Probleme zuhause. Ihr Mann hätte am liebsten, dass sie den Polizeidienst quittiert oder zumindest weiterhin im Innendienst arbeitet. 
Anhand der neuen Morde hat die SCU den Verdacht, dass der Jigsaw Killer wieder aktiv ist. Allerdings sitzt Peter Olivier seit drei Jahren im Hochsicherzeitstrakt. Gibt es einen Nachahmungstäter?

"Jigsaw Man" ist das Debut von Nadine Matheson und ich fand es wirklich sehr gut. Eine spannende Story mit Überraschungen und Wendungen, interessante Charaktere und die Möglichkeit zum Miträtseln. 
Die Figuren sind gut ausgearbeitet. Ich muss allerdings sagen, dass ich mit Anjelica nicht ganz warm wurde. Ja, sie liebt ihren Job, aber in meinen Augen vernachlässigt sie dafür ihren Mann und vor allen Dingen ihre Tochter, die sie ja fast nicht gehabt hätte. Manchmal kommt sie mir ziemlich kalt und gefühllos vor. 
Ramouter dagegen ist mir sympathischer und in meinen Augen auch menschlicher. 

Am Anfang hatte ich das Gefühl, es gab schon einen Teil davor, da immer mal wieder Ereignisse erwähnt wurden, die vorher geschehen sind. Aber "Jigsaw Man" ist tatsächlich erste Teil und nach und nach wird auch die Vorgeschichte "aufgedröselt". 
Insgesamt bietet das Buch auf jeden Fall rund 480 Seiten spannende Unterhaltung, die ich jedem Thriller- und Krimi-Leser empfehlen kann. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹 





Freitag, 18. Oktober 2024

Rezension: "Schwarzer See" von Riley Sager

Der Lake Midnight: Ein einsamer See mitten in den Wäldern Nordamerikas. Hier hat sich im Camp Nightingale vor fünzehn Jahren etwas Schreckliches ereignet, das die junge Künstlerin Emma bis heute verfolgt. Ihre drei Freundinnen verschwanden eines Nachts. Man fand bis heute keine Spur von ihnen. Bei einer Ausstellung ihrer Bilder, in denen sie das Erlebte immer wieder verarbeitet, erhält sie das Angebot der Eigentümerin des Feriencamps bei der Wiedereröffnung nach fünfzehn Jahren dabei zu sein. Zunächst zögert Emma, aber dann sieht sie eine Chance endlich herauszufinden, was damals passiert ist. Sie kehrt zurück an den Lake Midnight und die Geschichte scheint sich auf grauenvolle Weise zu wiederholen: Wieder verschwinden drei Mädchen...

Emma Davis ist achtundzwanzig, als sie nach fünfzehn Jahren an einen Ort zurückkehrt, den sie eigentlich niemals wiedersehen wollte. Aber sie konnte nie mit der Vergangenheit abschließen und vielleicht ist dies jetzt endlich die Gelegenheit herauszufinden, was damals mit den drei Mädchen, mit denen sie eine Hütte teilte, passiert ist. Vivian, Natalie und Allison waren ein paar Jahre älter als sie, echte Freundinnen waren sie daher zwar nicht, aber trotzdem will Emma endlich wissen, was mit ihnen geschehen ist. Jahrelang gibt sie sich selbst die Schuld an vielen Dingen, die das Verschwinden der Drei mit sich gebracht hat. 
Dieses Mal soll sie den Mädchen, die den Sommer im Camp verbringen, das Malen und Zeichnen näherbringen. Anstatt mit anderen Erwachsenen muss sie sich eine Hütte mit drei Mädchen teilen. Die Begeisterung darüber ist auf beiden Seiten nicht sehr groß, aber sie raufen sich irgendwie zusammen. Hinzu kommt noch, dass es dieselbe Hütte ist, aus der damals Vivian, Natalie und Allison verschwunden sind.
Emma trifft auch auf Personen, die auch vor fünfzehn Jahren dabei waren, als das Camp nach den Vorfällen geschlossen wurde. Zwei Mädchen von damals sind wie sie heute als Betreuerin und Aufsicht dabei. Und dann sind da die Söhne der Eigentümerin des Camps. Einen davon hatte Emma damals beschuldigt, mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun zu haben.

Nach "Home" ist "Schwarzer See" mein zweites Buch von Riley Sager. Ein wirklich spannender Thriller, sehr atmosphärisch und lebendig geschrieben. Obwohl das Ganze ja in einem Sommercamp spielt, ist die Grundstimmung nicht fröhlich und heiter, sondern düster und manchmal sogar fast unheimlich. Allein die Geistergeschichte, die sich um die Entstehung des Stausees Lake Midnight dreht, wäre schon ein eigenes Buch wert. ;-)
Erzählt wird in der ersten Person aus Emmas Sicht, so dass man immer nah am Geschehen ist und die Gefühle und Gedanken der Hauptfigur hautnah miterlebt. In Rückblenden wird erzählt, was damals geschehen ist und es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, Wendungen und Überraschungen, die die Spannung aufrecht erhalten. 
Bis zum Schluss passiert immer wieder etwas Neues und Unerwartetes.

Fazit: Absolute Leseempfehlung für Thrillerfans, ein echter Pageturner. 

 
Bewertung:  🌹🌹🌹🌹🌹


 

Mittwoch, 24. Juli 2024

Rezension: "Zorniges Herz" von Linda Castillo

Polizeichefin Kate Burkholder steckt mitten in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit, als sie zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Verbrechens gerufen wird: Der junge Amische Aden Karn wurde mit einer Armbrust brutal ermordet. Die Familie des allseits beliebten jungen Mannes ist am Boden zerstört, und Kate ist fest entschlossen, den Fall zu lösen. Das Opfer war gerade in seiner Rumspringa, einer Zeit, in der junge Amische das Leben außerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft kennenlernen. Was ist während dieser Zeit geschehen, dass Aden sterben musste? Bei ihren Ermittlungen stößt Kate auf ein düsteres Geheimnis, das auch sie selbst in große Gefahr bringt.

"Zorniges Herz" ist bereits der 15. Fall für die ehemals Amische Kate, die jetzige Polizeichefin der Kleinstadt Painters Mill. Gerade ist sie noch bei der Anprobe ihres Hochzeitskleides, als sie zu einem neuen Tatort gerufen wird. Auf einer einsamen Landstraße wird der Amische Aden Karn gefunden, brutal getötet durch eine Armbrust. War es ein Jagdunfall oder Mord? Aber wer sollte den jungen Mann umbringen wollen und warum? Egal, wen Kate befragt, alle sagen, Aden war ein guter Kerl, ein freundlicher Mensch, stets fröhlich und nett zu allen. Der Grundsatz "Wenn wir das Motiv finden, finden wir auch den Täter" scheint hier wichtiger denn je zu sein. 
Kate gräbt immer tiefer und lässt nicht locker, denn ihr Instinkt sagt ihr, dass da irgendetwas nicht stimmt. Was sie dann allerdings aufdeckt, macht sie ungeheuer wütend und erinnert sie an ihre eigene amische Vergangenheit. 

Mir hat das Buch wieder richtig gut gefallen. Der Fall ist gut aufgebaut, man rätselt mit, wer der Täter sein könnte. Von Anfang bis Ende ist die Geschichte spannend und lebendig erzählt. Überraschende Wendungen lassen die Spannungskurve immer wieder ansteigen. 
Es gibt auch ein paar emotionale Momente, einmal im Fall selbst, aber auch in Kates Privatleben, die ja gerade ihre Hochzeit mit Tomasetti vorbereitet. Was auch wirklich Zeit wird, denn die beiden sind ein so tolles Paar und ergänzen sich gegenseitig. Die Szene auf dem Friedhof fand ich z. B sehr schön. 
Auch lernen wir wieder viel über das Leben in der Amischen Glaubensgemeinschaft, was ich immer sehr interessant finde. 
Mit der Hochzeit kommt die Geschichte von Kate und Tomasetti zu einem schönen Abschluss, aber ich hoffe, dass damit die Reihe nicht auch beendet ist.

Zum Schluss bedanke ich mich noch beim S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Fazit: Für alle Fans der Reihe ist "Zorniges Herz" natürlich ein Muss. Neulingen empfehle ich aber, die Reihe chronologisch zu lesen, denn so erlebt man die Weiterentwicklung der Charaktere richtig mit. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Dienstag, 11. Juni 2024

Rezension: "Der Totenarzt" von Chris Carter

Bei der Autopsie eines Verkehrsopfers entdeckt Gerichtsmedizinerin Dr. Hove etwas Seltsames. Tödliche Wunden unter der Haut, die nicht vom Unfall stammen können. Sie ist auf das Werk eines Serienkillers gestoßen. Unbemerkt und mit enormer Expertise lässt er jeden seiner brutalen Morde wie ein zufälliges Unglück aussehen. Dr. Hove meldet ihren Verdacht Robert Hunter und Carlos Garcia vom LAPD Ultra Violent Crimes Unit. Die Detectives stehen vor einem Problem. Wie ermittelt man in einer Mordserie, wenn die Opfer nicht bekannt sind? Wie fängt man einen Killer, wenn es keinen Tatort gibt? Wie stellt man einen sadistischen Jäger, der ausgesprochen vorsichtig vorgeht? Wie hält man einen Unsichtbaren auf, dessen Existenz nicht zu beweisen ist? 

Fast zwei Jahre mussten wir auf den neuen Thriller von Chris Carter warten. Aber es hat sich gelohnt. Wie immer hat mich die Handlung von Anfang bis Ende gefesselt. Warum einige sagen, die Geschichte kommt erst langsam in Fahrt, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Der Schreibstil ist packend und lebendig wie immer. 

"Der Totenarzt" ist weniger blutig, als man es von der Reihe um die Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia gewohnt ist. Trotzdem sind die Verbrechen nicht weniger grauenhaft und das Leiden der Opfer nicht weniger brutal. Es geht mehr um die seelischen Abgründe, sowohl der Opfer, als auch des Täters.
Ich finde übrigens, dass der Originaltitel "The Death Watcher" den Inhalt des Buches besser trifft, denn der Täter schaut seinen Opfern beim sehr langsamen Sterben zu. Aus seiner Sicht haben sie genau die Art des Todes verdient und manchmal kann man die Motive sogar ein bisschen nachvollziehen. 

Mit Cliffhangern am Ende vieler Kapitel und dem raschen Wechsel in eine andere Erzählperspektive wird die Spannung zusätzlich aufrecht erhalten. Auch Momente zum Schmunzeln gab es zwischendurch in den Unterhaltungen von Hunter und Garcia.

Mein Fazit: Der 13. Fall für die beiden Detectives der UV-Einheit ist zwar weniger blutig, aber deswegen keineswegs schlechter oder weniger spannend. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹






Donnerstag, 15. Februar 2024

Rezension: "Das Gesicht des Bösen" von Kathy Reichs

Es ist Hochsommer in Charlotte und eine drückende Hitze liegt über North Carolina. Die forensische Anthropologin Tempe Brennan erholt sich von einer OP und leidet unter Migräneattacken und Albträumen. Dann erhält sie eine Reihe von Fotos einer Leiche, ohne Gesicht und ohne Hände. Wer ist dieser Tote, den man mitten im Wald gefunden, wer schickt ihr diese Bilder und warum? Um Antworten zu erhalten, muss Tempe den vorgeschriebenen Dienstweg verlassen, denn sie wurde von ihrer neuen Vorgesetzten quasi kaltgestellt. Diese hegt einen tiefen Groll gegen sie und will sie mit allen Mitteln von dem Fall fernhalten. Aber mit Unterstützung des ebenso hartnäckigen Detectives "Skinny" Slidell kommt Tempe der Wahrheit allmählich, bringt dich damit aber auch selbst in Gefahr. Und je mehr sie aufdeckt, desto düsterer und bedrohlicher erscheint das Bild...

Mit "Das Gesicht des Bösen" liegt bereits der 19. Band der Reihe vor. Gewohnt routiniert und mit Spannung führt uns die Autorin durch die Geschichte.
Dieses Mal hat Tempe mit ein paar gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, denn bei ihr wurde kürzlich ein Aneurysma im Gehirn festgestellt. Was sie aber nicht davon abhält, den Toten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, auch wenn sie das offiziell gar nicht darf. Ihre neue Vorgesetzte ist überhaupt nicht gut auf die Anthropologin zu sprechen, was aber auf Gegenseitigkeit beruht und bei Tempe mit einem Fall in der Vergangenheit zu tun hat.
Ich gebe zu, ich hatte zunächst das Gefühl, ich hätte etwas verpasst. Wieso eine neue Chefin und was ist mit Tim Larrabee passiert? Im letzten Buch war er noch dabei. Aber anscheinend war dies Thema in einem Kurzroman, die in einem Sammelband veröffentlicht wurde und wohl zeitlich zwischen "Die Sprache der Knochen" und "Das Gesicht des Bösen" angesiedelt ist. 

Nach ein paar Startschwierigkeiten bin ich aber dann gut in die Geschichte reingekommen und habe auch diesen neuen Fall wieder sehr gerne gelesen. Tempe verbeißt sich wie immer in ihre Recherchen und lässt sich nicht abschrecken. Es gibt Überraschungen und Wendungen, die die Spannung aufrecht halten. Und auch wieder Momente zum Schmunzeln, zum Beispiel in den Dialogen mit Slidell oder den Auftritten von Kater Bird. 
Einzig Ryan kommt ein bisschen zu kurz dieses Mal, was ich schade fand.


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹




Sonntag, 31. Dezember 2023

Rezension: "Die Einladung" von Sebastian Fitzek

Klappentext: 
In Vorfreude auf ein verlängertes Wochenende in den  Alpen folgt Marla Lindberg der Einladung zu einem Klassentreffen. Doch schon kurz nach der Ankunft wird ihr klar: Es gibt nur eins, was tödlicher ist, als das abgeschiedene Berghotel nachts im eisigen Schneetreiben wieder zu verlassen. Es nicht zu tun...

"Die Einladung" war ein Weihnachtsgeschenk meines Vaters und eine Empfehlung der Buchhändlerin. Ich selbst hätte es mir wohl nicht gekauft. Ich habe bisher zwei oder drei Bücher des Autors versucht, aber irgendwie springt der Funke nicht über. Manchmal glaube ich, man mag Fitzek oder eben nicht. 

Aber nun zum Buch. Der Prolog war auf jeden Fall schon mal spannend und versprach eine gute Geschichte. Das ist "Die Einladung" auch, also spannend. Allein schon durch die kurzen Kapitel und die Perspektivwechsel an fast jedem Ende. Man will auf jeden Fall dran bleiben und weiterlesen, um zu sehen, was als nächstes kommt. Auch gibt es oft nur Andeutungen, wenn z. B. ein Gegenstand gefunden wird und die Erklärung folgt dann erst später. Mit diesem Stil hält man den Leser natürlich bei der Stange.

Es gibt viele Wendungen und Überraschungen, für meinen Geschmack aber manchmal schon zu viele. Irgendwie wirkt das Ganze ein wenig zu konstruiert und zum Ende hat mich eigentlich nicht mehr viel überrascht. 

Wie gesagt, spannend geschrieben ist das Buch, das sollte ein Psychothriller ja auch sein und ich habe mich auch gut unterhalten. Aber das ist bei vielen anderen Thrillern oder Krimis auch der Fall. Mag sein, dass ich schon zu viele Bücher dieses Genres gelesen habe und verwöhnt bin oder zu hohe Erwartungen hatte. 


Bewertung: 📖📖📖📕📕



Freitag, 3. November 2023

Rezension: "Southern Gothic" von Grady Hendrix

Patricia Campbells scheinbar perfektes Leben wird auf den Kopf gestellt, als der gutaussehende Neffe ihrer Nachbarin in ihr Leben tritt. James Harris ist viel gereist, belesen und geradezu gefährlich anziehend. Doch irgendetwas stimmt ganz und gar nicht mit ihm. Zusammen mit ihren Freundinnen aus dem True-Crime-Buchclub nimmt Patricia den Fremden genauer unter die Lupe - und muss schon bald feststellen, dass James Harris eine sehr viel gefährlichere Sorte Monster ist, als gedacht...

"Das Grauen wohnt nebenan", so lautet der Untertitel des Romans, der schwer in ein Genre einzuordnen ist, finde ich. Das Ganze spielt in den Neunzigerjahren in einem Vorort von New Orleans und verbreitet ein gewisses Südstaatenflair. 
Patricia Campbell ist Hausfrau und Mutter zweier Kinder im Teenageralter. Während ihr Mann als Psychiater ein Workaholic ist, schmeißt sie den Haushalt, kümmert sich um die Kinder und alles was eben so anfällt. Dann ist da noch Miss Mary, ihre Schwiegermutter, die aufgrund ihrer Demenz nicht mehr allein leben kann. 
Patricias einziger Lichtblick ist ihr Buchclub...der kein Buchclub ist, wie immer wieder betont wird. Zusammen mit ihren Freundinnen liest sie jeden Monat ein neues Buch und kann so ihre Leidenschaft für True Crime und Serienkiller ausleben. 
Eines Abends wird Patricia beim Müll rausbringen von ihrer älteren Nachbarin attackiert. Kurz darauf taucht deren Neffe James Harris auf, von dem Patricia zunächst beeindruckt ist, weil sie endlich jemanden hat, mit sie sich unterhalten kann. Aber immer öfter hat sie den Eindruck, er ist mehr Ted Bundy als Brad Pitt. Oder geht ihre Phantasie mit ihr durch? Und wieso verschwinden im ärmeren Viertel der Stadt seit James' Auftauchen immer mehr Kinder? Eines Nachts sieht sie allerdings etwas, das James Harris als etwas viel Gefährlicheres enttarnt. Aber wie wird man ein Monster los, das man freiwillig in sein Haus gelassen hat? 

Das Cover zeigt eine Frau mit einem Holzpflock, was auf einen Vampirroman hindeutet.  In den Augen des Autors ist ein Vampir der Prototyp eines Serienkillers. Der moderne Dracula trägt Jeans und T-Shirt statt Umhang. Er hat keine Familie, keine Kinder, keine Freunde, keine Wurzeln. Er zieht von Stadt zu Stadt ohne Bindungen. Wie ein Ted Bundy. 
"Southern Gothic" ist aber noch mehr.  Die Geschichte hat Horror- und Thriller-Elemente, ist aber auch gesellschaftskritisch und deswegen für mich nicht ganz so einfach in ein Genre einzuordnen. 

Der Autor schreibt im Vorwort, dass er mit diesem Buch auch ein Plädoyer für Mütter schreiben wollte und das ist ihm gut gelungen, finde ich. Patricia und Ihre Freundinnen sind viel mehr als nur Hausfrauen, die ihren Kindern in einer gewissen Altersphase eigentlich nur peinlich sind. Sie ehren ihre Männer und sorgen für ihre Kinder und kommen dabei selbst oft zu kurz. 
Aber durch ihre Beschäftigung mit True Crime werden sie eben auch misstrauisch und besonders Patricia ist sich sicher, dass mit James Harris etwas nicht stimmt. Nur was? Vampire gibt es schließlich nicht...oder?
Durch den relativ normalen Alltag der Frauen wirkt die gesamte Handlung sehr realistisch und lebensecht. Trotz der Ereignisse in der Nachbarschaft müssen Patricia und ihre Freundinnen alles "am Laufen" halten. Wenn sie nicht mehr funktionieren, funktioniert gar nichts mehr. 

Der Schreibstil hat mir jedenfalls gut gefallen und nach und nach wird auch die Spannung immer weiter aufgebaut. Es gibt brutale und fast schon ekelige Momente, aber ab und zu kann man auch schmunzeln.

Sicher ist "Southern Gothic" nicht für jeden das Richtige und vor allen darf man keinen typischen Vampirroman erwarten, mit dem der Markt vor einigen Jahren überschwemmt wurde. Mich hat die Geschichte auf jeden Fall gut unterhalten. 


Bewertung: 📖📖📖📖📕