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Montag, 29. Juni 2026

Rezension: "Das kalte Herz von Oxford" von Simon Mason

Für Rachel Clarke beginnen an einem strahlenden Sommertag in Oxford die dunkelsten Stunden ihres Lebens: Ihre vierjährige Tochter Poppy verschwindet, während Rachel kurz abgelenkt ist. Niemand will etwas gesehen haben. Sofort wird die Polizei eingeschaltet, und auch Ryan Wilkins nimmt Anteil an der Suche. Zwar ist er vom Dienst suspendiert, sodass nur sein Ex-Partner DI Ray Wilkins offiziell ermittelt, doch Ryan kann nicht tatenlos bleiben. Zumal ihn ein Ereignis in der Nacht nach der Tat nicht loslässt: »Mick Dick«, ein Kleinkrimineller, kommt bei einem Unfall ums Leben, nachdem ihn irgendetwas in Panik versetzt hatte. Ryan ahnt, dass Mick in Poppys Verschwinden verwickelt war. Und er nutzt seine Kontakte in Oxfords Unterwelt, um das Mädchen zu finden, bevor es zu spät ist...

"Das kalte Herz von Oxford" ist der zweite Teil der Krimireihe von Simon Mason. Teil 1 kenne ich nicht, aber ich denke, das muss für das Verständnis auch nicht unbedingt sein. Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn ich es manchmal etwas zäh fand.

Und ich gebe zu, zwischendurch musste ich manchmal aufpassen, welcher "Wilkins" gerade gemeint ist, da auch die Vornamen recht identisch sind - Ryan und Ray. Das war manchmal etwas verwirrend. 

Für meinen Geschmack nimmt auch das Privatleben der beiden Hauptfiguren etwas zu viel Raum ein, zumindest das von Ray Wilkins, dem "echten" DI. Die Passagen mit seiner Frau Diane fand ich teilweise recht anstrengend, auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass sie sich wünscht, ihr Mann wäre mehr für sie da. Dass er das nicht ist, sondern eher noch Interesse an einer anderen Frau zeigt, macht ihn mir nicht gerade sympathisch. 
Der andere Wilkins, also Ryan, der zur Zeit als Wachmann arbeitet, war dagegen schon sympathischer. Amüsant fand ich auch die Szenen mit seinem Sohn, ein paar Mal musste ich schmunzeln. Auch Ryans Art, sich überall um Kopf und Kragen zu reden und immer klar heraus zu sagen, was er denkt, macht ihn zu einem interessanten Charakter in der Geschichte. 

Der Fall der verschwundenen Poppy ist gut aufgebaut und die Auflösung hatte ich so nicht erwartet. Ich hatte einen anderen Verdacht, was aber beweist, dass der Autor seine falschen Fährten gut gelegt hat. 

Was mir auch gut gefallen hat, ist der Schreibstil des Autors. Die Beschreibungen von Oxford lassen die Stadt beim Lesen vor dem inneren Auge lebendig werden. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹


Dankeschön an das Bloggerportal und den Goldmann-Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 





Montag, 22. Juni 2026

Rezension: "Ostseefinsternis" von Eva Almstädt

Die blinde Helmgard Böttcher regiert ihre große Familie an der Ostsee mit fester Hand. Als ihre Enkelin auf dem Heimweg überfallen wird, lässt die Rache nicht lange auf sich warten: Ein junger Mann aus dem Nachbarort erleidet eine schwere Vergiftung und stirbt. Ausgerechnet eine Pflanze, die auch in Helmgards Garten wächst, war die Ursache dafür. Kommissarin Pia Korittki, die eigentlich ein entspanntes Wochenende mit ihrem Sohn Felix und ihrem Freund Marten in dessen neuem Haus an der Ostsee verbringen wollte, stößt bei den Ermittlungen in einen tödlichen Morast aus Hass, Lügen und alter Feindschaft ...

Der Klappentext ist nicht so ganz korrekt, wie man nach dem Lesen des Buches feststellen muss. 
Eigentlich ist Kommissarin Pia Korittki im Urlaub und möchte die nächsten zwei Wochen mit ihrem Sohn Felix bei ihrem neuen Freund Marten in dessen Haus an der Ostsee verbringen. Aufgrund chronischer Unterbesetzung der Abteilung bittet sie aber gleich am ersten Tag ihr Chef darum, sich um einen Todesfall ganz in der Nähe am Strand zu kümmern. So nach dem Motto "Wenn du schon mal da bist und das geht bestimmt schnell". 
Außerdem wurde einige Tage vorher eine junge Frau namens Stella Böttcher auf dem Heimweg überfallen und wie sich herausstellt, waren Stella und der Tote, Benno Hagendorf, zusammen. Oder besser gesagt, sie hatten eine Affäre, denn Benno war verheiratet. 
Hängen die beiden Fälle zusammen? Immer wieder stoßen Pia und ihre Kollegen (die dann doch irgendwie alle dabei sind, obwohl es "Personalmangel" gibt) auf neue Erkenntnisse und Geheimnisse, die die Ermittlungen nicht einfacher machen. So viel dazu, dass der Fall schnell gelöst sein wird und Pia ihren Urlaub fortsetzen kann. 

Ehrlich gesagt, zog sich das Ganze für mich stellenweise ein bisschen hin und mehr Spannung wäre schon schön gewesen.  
Auch konnte ich Pias Verhalten in Bezug auf das Verhältnis zwischen Marten und Felix nicht immer ganz nachvollziehen. 
Und es wird immer wieder auf eine alte Fehde und eine seit Generationen bestehende Feindschaft zwischen den Familien Böttcher und Hagendorf angespielt. Als dann fast schon am Ende Broders versucht der Lösung des Geheimnisses auf die Spur zu kommen, war ich doch ziemlich enttäuscht, dass dies nur in einem Nebensatz abgehandelt wird. 

Was den Täter betrifft, muss ich sagen, überrascht hat es mich jetzt nicht wirklich. Aber insgesamt finde ich alles ein bisschen zu sehr konstruiert. Was genau mich stört, schreibe ich hier jetzt nicht, das würde zu viel verraten. 

Fazit: Dieser Teil der Reihe hat mich leider nicht wirklich überzeugt. Schade, denn bisher mochte ich die Ostseekrimis von Eva Almstädt sehr. 



Bewertung: 🌹🌹🌹







Freitag, 12. Juni 2026

Rezension: "Dänische Brandung" von Frida Gronover

Sonne, Smörrebröd und kilometerlange Sandstrände an der dänischen Südsee in Marielyst. Bestatterin Gitte Madsen will sich diesen Sommer endlich mal zurücklehnen und die Urlaubszeit in ihrem neuen Zuhause genießen. Doch dann landet plötzlich die Mutter des Inseljournalisten auf ihrem Tisch. Beim Waschen der Leiche stößt Gitte auf einen ungewöhnlichen Bluterguss und schlägt Alarm. Kommissar Ole Ansgaard findet heraus, dass Ella an einer Insulininjektion gestorben ist. Es gibt auch bald einen Verdächtigen: Gittes Vater Mads, fast zwei Jahrzehnte lang verschollen, ist zurück in Marielyst und wurde als letzter Besucher bei Ella gesehen...

Gitte Madsen ermittelt in ihrem vierten Fall. Seit sie vor gut einem Jahr auf die Insel Falster gezogen ist, stolpert sie ständig über Leichen. Nils, der Sohn der nun tot aufgefundenen Ella, hat ihr bereits den Spitznamen "Leichenspürhund" verpasst. Der Journalist ist tief betroffen und kann sich überhaupt nicht vorstellen, wer seine Mutter tot sehen will. Ganz im Gegensatz zu ihm, hält sich die Trauer seiner Schwester Birte allerdings in Grenzen. Tief traurig ist allerdings Ellas Ex-Mann Piet, den sie vor einiger Zeit ohne richtige Erklärung vor die Tür gesetzt hat. Bis heute versteht er nicht, warum er plötzlich nicht mehr in ihr Leben passte.
Und was hat Gittes Vater mit Ella zu tun? Wieso war er noch kurz vor ihrem Tod bei ihr? Mads beteuert zwar seine Unschuld, aber immerhin hat Gitte ihn zwanzig Jahre nicht gesehen. Kann sie ihm überhaupt vertrauen?

Wie immer gelingt es der Autorin sehr gut, den Kriminalfall und das private "Drumherum" unter einen Hut zu bringen. Gitte ist inzwischen richtig in Marielyst angekommen, denn sie hat ihr früheres Ferienhaus gekauft und sich nun ein gemütliches Zuhause eingerichtet. Nun ist auch ihr Vater wieder aufgetaucht und die beiden nähern sich langsam wieder an. Auch die Beziehung zwischen Gitte und Ole ist intensiver geworden, woran sie sich aber erst noch gewöhnen muss. Und dann ist da ja auch noch Oles Frau Anita im Pflegeheim. 

Der Fall der toten Ella ist sehr interessant aufgebaut und es gibt Überraschungen und Wendungen, die die Spannung durchweg aufrecht erhalten. Natürlich sind auch wieder die Schweden Erik und Kate mit von der Partie und wollen unbedingt mit Feuereifer das Rätsel lösen. Sehr zum Verdruss von Ole. Allerdings scheint er es langsam aufzugeben, Gitte im Voraus ständig zu ermahnen, sich nicht einzumischen. Wozu den Mund fusselig reden? 😉

Gut gefallen haben mir auch wieder die kurzweiligen Beschreibungen der Gegend, des Strands usw. So sollte ein Urlaubskrimi sein. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹






Dienstag, 2. Juni 2026

Rezension: "Die Tote im Küstenfeuer" von Anette Hinrichs

In Egernsund an der jütländischen Küste verbrennt die Leiche eines jungen Mädchens unter den Holzscheiten eines Sankt-Hans-Feuers. Wurde die deutsche Gastschülerin mit türkischen Wurzeln das Opfer eines grausamen Ritualmordes? Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg von der deutsch-dänischen Sondereinheit GZ Padborg übernehmen den Fall und stoßen in der Familie der Toten auf eine Mauer des Schweigens. Auch die Ermittlungen in der beschaulichen dänischen Küstenstadt gestalten sich schwierig, denn die Bewohner sind sich einig: Der Täter muss von außerhalb kommen. Als eine Spur zu den Betreibern der örtlichen Ziegelei führt, beginnt der Zusammenhalt der eingeschworenen Gemeinschaft zu bröckeln ...

"Die Tote im Küstenfeuer" ist der 3. Teil der Nordlicht-Reihe. Dieses Mal ermittelt die deutsch-dänische Sondereinheit in Egernsund, wo nach einer Mittsommerfeier bzw. Sankt Hans, wie es in Dänemark heißt, am nächsten Tag die Leiche der jungen Elin Akman gefunden wird. 
Die Ermittlungen sind schwierig. Elins Vater ist Türke und seine neue Frau mochte das Mädchen anscheinend nicht besonders. Ihrer Meinung nach hat sie Schande über die Familie gebracht. Elins deutsche Mutter ist am Boden zerstört und kann sich nicht erklären, wer ein sechzehnjähriges Mädchen so gehasst haben kann. 
Auch in Egernsund kommen Nyborg und Boisen nicht wirklich weiter. Die Gemeinde hält zusammen. 

Ein spannender neuer Fall für das Team. Der Schreibstil hat mir wie immer sehr gut gefallen. Bis zum Schluss rätselt man mit, was mit Elin passiert ist. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse und Spuren, Überraschungen und Wendungen, die die Spannung durchgehen aufrecht erhalten. 
Dazu die Dynamik der der beiden Hauptfiguren, deren unterschiedliche Charaktere und Vorgehensweise sich perfekt ergänzen. Typisch deutsch trifft auf typisch dänisch, was manchmal auch zum Schmunzeln anregt. 
Das Privatleben der Ermittler spielt zwar auch eine Rolle, nimmt aber nur einen kleinen Teil der Handlung ein. Der eigentliche Fall und die Ermittlungen stehen im Vordergrund. 

Das Ende hat mich dann doch überrascht und ich dachte: So muss ein guter Krimi sein. 😊 Ich kann die Nordlichtreihe wirklich empfehlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





 






Montag, 27. April 2026

Rezension: "Tatort Trelleborg" von Mattias Edvardsson

Trelleborg, Südschweden, 1989: Polizeimeisterin Gunni Hilding wird überraschend vom Dezernat für Gewaltverbrechen rekrutiert. Doch die junge Beamtin fühlt sich der Aufgabe alles andere als gewachsen: Von ihren eigenen Eltern verstoßen, muss ausgerechnet Gunni ein Verbrechen aufdecken, das eine Familie zu zerreißen droht. Denn ein achtjähriges Kind ist spurlos im Wald verschwunden … Fünf Jahre später wiederholt sich ein ähnlicher Fall – Gunni sieht als Einzige eine Parallele. Und wenn sie recht hat, bedeutet das, dass ein gefährlicher Serientäter noch immer auf freiem Fuß ist...

Gunni Hilding ist siebenundzwanzig Jahre alt und vor zehn Jahren hat sie die Gemeinschaft der Zeugen  Jehovas nach einem unschönen Vorfall verlassen. Seitdem hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, telefoniert nur heimlich mit ihrer jüngeren Schwester. Sie findet Zuflucht bei ihrer Tante und ihre Freizeit verbringt sie mit ihrem Pferd Stjärna. 
Als der achtjährige Robin in ihrer Gegend verschwindet, ist die Polizeimeisterin mit ihrem Kollegen als erstes vor Ort. Das Dezernat für Gewaltverbrechen übernimmt die Ermittlungen und der leitende Kommissar ist so beeindruckt von Gunnis Gespür und ihrer Art, mit der betroffenen Familie umzugehen, dass er sie in seine Abteilung versetzen lässt. Gunni selbst ist sich nicht sicher, ob sie dem gerecht werden kann, denn auch nach all den Jahren hat sie immer noch Schwierigkeiten, sich im "normalen" Leben zurecht zu finden. So erdrückend die Regeln bei den Zeugen Jehovas auch waren, die Gemeinschaft gab ihr auch Sicherheit und Halt. Diesen inneren Zwiespalt stellt der Autor sehr gut dar und ich konnte Gunnis Verhalten und ihre Gedankengänge sehr gut nachvollziehen.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ebenso der Aufbau der Handlung. Es gibt zwei Zeitebenen, 1989 im 1. Teil und 1994 im 2. Teil. Erzählt wird immer in der dritten Person, abwechselnd aus Gunnis Sicht, sowie aus der der Eltern des Jungen und anderer Einwohner der Gegend.  
Geschickt legt der Autor immer wieder falsche Fährten, es gibt überraschende Wendungen und fast ganz zum Schluss wird alles erst aufgeklärt. 
Auch wenn es keine große "Action" gibt, war das Buch von Anfang bis Ende für mich fesselnd und die Geschichte wirkte außerdem sehr authentisch. Es wird deutlich, wie schnell Zeugenaussagen in eine falsche Richtung weisen können und wie wichtig es ist, auch wirklich alle Beweise auszuwerten. 

Das Ende deutet auf eine Fortsetzung hin und ich hoffe sehr, dass wir darauf nicht zu lange warten müssen. 
"Tatort Trelleborg" ist für mich auf jeden Fall ein Highlight in diesem Jahr. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Freitag, 6. Februar 2026

Rezension: "Das Grab von Trueslow Hall" von Katherine Webb

Bei Grabungen im Jahr 1999 stößt eine Gruppe von Archäologen auf dem Gelände von Trueslow Hall, einem kleinen Herrenhaus in Wiltshire, auf eine Grabstätte aus der Bronzezeit. Die Archäologen feiern ihren Erfolg, bis plötzlich ein Mitglied der Gruppe spurlos verschwindet: eine junge Frau namens Nazma Kirmani. Trotz einer fieberhaften Suche laufen alle polizeilichen Ermittlungen ins Leere und der Fall bleibt ungeklärt. Als im Jahr 2020 ein Zufallsfund neue Beweise zu Nazmas Verschwinden liefert, versuchen Inspector Matthew Lockyer und Constable Gemma Broad Licht in den alten Cold Case zu bringen. Wollte Nazma damals freiwillig verschwinden? Oder wurde sie Opfer eines Verbrechens, wovon auch ihre Eltern immer überzeugt waren. Und wer ist die fremde Frau, die sich damals als Nazma ausgegeben hat?

Zunächst einmal vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. 

Der dritte Fall für Lockyer & Broad hat mich wieder sehr gut unterhalten. Das sympathische Ermittlerduo Matt und Gemma ist inzwischen ein eingespieltes Team, sie ergänzen sich gegenseitig.
Die Geschichte beginnt damit, dass die beiden die Eltern der verschwundenen Nazma aufsuchen, weil in einem Fluss unweit von Trueslow Hall eine Tasche gefunden wurde. Der Vater und die Stiefmutter bestätigen, dass die Sachen Nazma gehören und dass sie nach wie vor sicher sind, dass Nazma niemals einfach so verschwunden wäre und ihr etwas zugestoßen sein muss. Ihrer Meinung nach hat die Polizei damals zu schnell aufgegeben und ihnen auch keinen Glauben geschenkt. Auch wenn der Vater keine großen Hoffnungen hat, verspricht Lockyer ihnen, alles zu tun, damit Nazma gefunden wird. Er weiß, die Ungewissheit ist das Schlimmste. 
Gemeinsam mit seiner Kollegin Gemma sucht er die Mitglieder des Grabungsteams von damals auf und sie stellen fest, dass jeder so sein kleines Geheimnis hat. 

Neben dem Fall und der Arbeit geht es auch um das Privatleben der Ermittler. Lockyer wird Vater, die Geburt steht kurz bevor, aber er fühlt sich der ganzen Situation nicht so richtig gewachsen. Gemma hat Probleme mit ihrem Freund Pete, der ein Kontrollproblem zu haben scheint. Und außerdem sind wir mitten in der Pandemie. Wer jetzt aufstöhnt, keine Sorge. Es wird manchmal erwähnt, z. B. die Kontaktverbote, der Gesichtsschutz oder der bevorstehende zweite Lockdown. Aber es steht keinesfalls im Vordergrund und ich habe es zwischendurch tatsächlich auch immer wieder vergessen. Aber ich finde, das macht die Geschichte auch authentischer, denn schließlich gab es ja die Pandemie und die Umstände, die daraus entstanden sind. 

Ich weiß nicht, ob man „Das Grab von Trueslow Hall“ als Krimi bezeichnen kann, aber es ist auf jeden Fall ein Spannungsroman, den ich keine Minute langweilig fand. Hier wird deutlich, dass Polizeiarbeit eben zu neunzig Prozent aus Ermittlungsarbeit besteht und nicht aus pausenloser Action. 
Der Schreibstil ist bildhaft und anschaulich. Katherine Webb versteht es, die Gegend um Salisbury vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Die Spannung wird immer weiter aufgebaut und man rätselt bis zum Schluss mit, was damals wirklich passiert ist. 

Muss man die Vorgänger gelesen haben? Nicht unbedingt, der Fall ist in sich abgeschlossen. Aber wie immer geht es bei solchen Reihen ja auch um die Weiterentwicklung der Hauptfiguren. Wen das interessiert, der sollte sich Teil 1 „Der Tote von Wiltshire“ und Teil 2 „Die Morde von Salisbury“ nicht entgehen lassen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Freitag, 2. Januar 2026

Rezension: "Rauhnächte - Sie werden dich jagen" von Gerold /Hänel

Dies ist zwar meine erste Rezension in 2026. Gelesen habe ich das Buch aber schon in den letzten Tagen des Dezembers. 

Junge Frauen verschwinden. Immer in diesen magischen Nächten zwischen den Jahren. Nach zwölf Tagen kehren sie zurück, verwirrt und verstört. Zwei von ihnen haben es nicht ausgehalten, sie gingen freiwillig in den Tod. Andere sind aus dem Tag weggezogen und nie wieder zurückgekehrt. Die wenigen, die geblieben sind, schweigen. Als Lisa an Weihnachten zu ihren Großeltern ins Tal fährt, ist wieder ein Mädchen verschwunden. Warum spricht niemand darüber?

Lisa hat ihr Heimatdorf in den Bergen vor vielen Jahren verlassen. Sie studierte die alten Bräuche und ihr ganz besonderes Interesse gilt dem Mythos der Rauhnächte, den alten Geschichten und Sagen, die man sich ganz besonders zuhause erzählt hat. Im Rahmen ihrer Professur zu diesem Thema kehrt sie zurück. Und erfährt, dass Katharina, die Tochter eines Hotelwirtes, verschwunden ist. Und niemanden scheint es wirklich zu kümmern. Selbst die Eltern nehmen es als gegeben hin. Es sind eben die Rauhnächte und danach wird die Jugendliche schon wieder auftauchen. So war es bisher immer. Lisa kann das nicht auf sich beruhen lassen, sie kommt nicht klar mit diesem in der Dorfgemeinschaft fest verwurzelten Aberglauben. Das war auch einer der Gründe, warum sie damals gegangen ist. 

Anfangs hatte ich ein paar Probleme, in die Geschichte reinzukommen. An den Schreibstil musste ich mich auch erst gewöhnen. Aber nach ein paar Kapiteln wurde es spannend und die düstere und beklemmende Atmosphäre in dem Tal wird sehr gut beschrieben. Teilweise dachte ich: Wie kann man sich nur so vom Aberglauben beeinflussen lassen? Aber vermutlich muss man in so einem Dorf aufgewachsen sein, um die Handlungen und Gedanken der Menschen dort nachvollziehen zu können. Wie kann man die Angst vor der Wilden Jagd über das Wohl seiner eigenen Tochter stellen?

Die Meinungen zum Buch sind unterschiedlich. Ich glaube, wer sich nicht für Themen wie die Rauhnächte, die Wilde Jagd, die Perchten und überhaupt alte Bräuche und Mythen interessiert, dem wird die Geschichte vielleicht nicht so zusagen. Ich interessiere mich sehr dafür und habe den Krimi extra an Weihnachten begonnen, zu Beginn der Rauhnächte. Und nach ein paar Anfangsschwierigkeiten habe ich mich dann auch sehr gut unterhalten gefühlt. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹






Samstag, 27. Dezember 2025

Rezension: "Schneesturm" von Triona Walsh

Eiskalter Wind, tosendes Meer: Cara und ihre Freunde treffen sich auf der irischen Insel Inishmore wieder. Zehn Jahre sind seit der Tragödie vergangen, die sie auseinandergerissen hat. Cillian, Caras Mann, kam damals bei einem Unfall ums Leben. Cara blieb auf der Insel und arbeitet bei der Garda als Polizistin. Dann sind da noch Daithi, der ebenfalls auf der Insel blieb und den örtlichen Pub führt und Maura, die Grundschullehrerin, Caras beste Freundin. Ebenfalls zum Treffen kommt Cillians Bruder Seamus, der inzwischen in Kalifornien als Drehbuchautor lebt. Und das Ehepaar Ferdy und Sorcha, die heute in London ihr Leben haben. 
Direkt am ersten Tag des Wiedersehens wird die Insel von einem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten, kein Strom, kein Telefon- und Handynetz, der Fährverkehr ist eingestellt und ein Helikopter kann ebenfalls nicht fliegen. Da kommt die Schreckensnachricht: Ein Mensch ist von den berüchtigten Steilklippen gestürzt worden. Cara muss zum Fundort und es ist klar, dass das kein Unfall war. Und es ist einer von ihrer Clique.
Nun sitzen alle in der Falle. Aus Freundschaft werden Lügen und Neid. Niemand weiß, wem er noch vertrauen kann. Und der oder die Mörderin muss noch auf der Insel sein. Wird es bei dem einen Opfer bleiben?

Zunächst hatte ich ein bisschen Probleme, in die Geschichte reinzukommen. Der Anfang zog sich ein wenig, ohne dass viel passierte. Auch zwischendurch gibt es ein paar Längen und manchmal wird für meinen Geschmack ein bisschen zu viel diskutiert. Aber insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und als die Spannung erst mal da war, blieb sie auch bis zum Schluss. 

Die Isolation der Insel durch die Kälte und den Schneesturm sind fast wie eine Metapher für Caras Situation auf der Insel. Sie ist nicht dort aufgewachsen, hat aber jeden Sommer dort bei ihrer Großmutter verbracht. Trotzdem ist sie immer noch "die Zugezogene", die nur englisch spricht. Und dass sie rothaarig ist, hilft auch nicht wirklich, denn die Insulaner sind sehr abergläubisch. Aber Cara ist fest entschlossen, sich nicht entmutigen zu lassen und den Mörder zu finden und zu stoppen.

Ein Krimi mit interessanten Überraschungen und Wendungen, bei dem man gut miträtseln kann, wer denn nun der Täter ist. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Montag, 1. Dezember 2025

Lesetipps zur Winter- und Weihnachtszeit Teil 2: Krimis und Thriller


Heute möchte ich euch gerne ein paar Krimis und Thriller vorstellen, die im Winter spielen und für mich daher perfekt in diese Lesezeit passen. 



Das letzte Ritual von Yrsa Sigurdardottir



Neuschnee von Lucy Foley


Kalt und still von Viveca Sten


Schwedischer Todesfrost von Christoffer Holst

 

Todeskalt von Nikolas Stoltz


Knochenkälte von Simon Beckett



Totenmontag von Kathy Reichs
Dieses Buch habe ich vor meiner Bloggerzeit gelesen und es gibt dazu daher keine Rezension von mir. Hier der Inhalt: Was könnte frostiger sein als ein kanadischer Wintersturm? Tempe Brennan, Forensikerin in Montreal, wird an einem tristen Montagmorgen zu einem Fundort gerufen, der ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt. Verscharrt in einem Kellergewölbe liegen die Leichen dreier junger Frauen. Nicht eine Gewebefaser gibt Aufschluss darüber, warum diese Mädchen sterben mussten. Dank akribischer Ermittlungen und weiblicher Intuition kommt Tempe einem Verdächtigen auf die Spur. Doch sie muss auf alles gefasst sein, denn ihr Gegner ist an Kaltblütigkeit nicht zu übertreffen.


Und hier findet ihr noch Lesetipps aus dem Bereich Fantasy/Mystery: Klick




Montag, 18. August 2025

Rezension: "Das Gift deiner Lügen" von Jenny Blackhurst

 Im englischen Villenviertel Severn Oaks fühlen sich die Menschen sicher. Wäre da nicht der rätselhafte Tod von Erica Spencer, einer allseits geschätzten Nachbarin, die letzten Herbst bei einer Halloweenparty ums Leben kam. Ein Jahr später ist der Fall längst als tragischer Unfall zu den Akten gelegt, als ein rätselhafter Podcast die Runde macht: Der Mord an Erica Spencer. Wöchentlich postet ein anonymer Absender neue Folgen seiner makabren Sendung, in der er hinter die scheinbar makellosen Fassaden des Ortes blickt und so manches dunkle Geheimnis seiner Bewohner enthüllt. Seine Absicht: Er will den Mörder von Erica entlarven - und ruft ihn damit erneut auf den Plan...

„Das Gift deiner Lügen“ war mein erstes Buch von Jenny Blackhurst. Ich muss sagen, ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten in die Geschichte rein zu kommen und war tatsächlich versucht, sie erst mal wieder weg zu legen. Der Beginn zog sich ein wenig und ging für mich zu sehr in Richtung „Desperate Housewives“, obwohl die Handlung in England angesiedelt ist, nicht in den USA. 
Auch an den Schreibstil musste ich mich erst mal gewöhnen und die vielen Figuren (im Endeffekt sind es eigentlich dann doch nur acht, die wichtig sind), waren auch ein wenig verwirrend. Ich musste zwischendurch immer mal wieder überlegen: Wer ist jetzt noch mal Peter? Und Jack, das ist der Mann von…? 

Die Handlung kreist eigentlich um die Frage, wer Erica Spencers Mörder ist bzw. war es überhaupt Mord (wie der Betreiber des Podcast behauptet) oder war es doch ein Unfall? Und es geht darum, welche Geheimnisse man in einer eingeschworenen Gemeinschaft hat, in der angeblich jeder jeden kennt, welche Lügen man lebt und was passiert, wenn diese plötzlich herauskommen. 

Prolog und Epilog sind jeweils in der ersten Person aus Sicht von Erica Spencer geschrieben, was ich recht interessant fand. In den anderen Kapiteln wird immer in der dritten Person erzählt, aber die Perspektiven wechseln, mal ist es Karla, mal Felicity, mal Miranda, die gerade im Mittelpunkt stehen. 

Als Psychothriller, wie es auf dem Cover steht, würde ich das Buch nicht bezeichnen, eher als psychologischen Spannungsroman. Wobei die Spannung dann doch erst in der zweiten Hälfte aufkommt, besonders zum Ende hin. Wenn man denkt, das ist es jetzt, das ist die Auflösung, dann kommt wieder eine neue Wendung. 
Allerdings plätschert die Geschichte zwischendurch auch einfach mal nur so dahin und wirklich dramatisch wird es auch nicht, als aufgelöst wird, wer der mysteriöse Podcaster ist. 

Insgesamt im Nachhinein betrachtet finde ich „Das Gift deiner Lügen“ zwar ganz unterhaltsam, zumindest ab der zweiten Hälfte und es gibt auch einige interessante Twists, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich was verpasst hätte, wenn ich es nicht gelesen hätte. 


Bewertung: 🌹🌹🌹




Dienstag, 5. August 2025

Rezension: "Dänische Gier" von Frida Gronover

Gitte Madsen lebt mittlerweile seit einem Jahr in Marielyst auf Falster. Sie hat sich gut eingelebt und in ihrem neuen Job als Bestatterin ist sie auch angekommen. Zusammen mit ihrem Chef Paul ist sie zu einem Richtfest eingeladen. Auf dem Heimweg fährt sie dann quasi mit ihrem Rad in eine Leiche hinein. Es ist der Polier August Borg, der vorher noch am Neubau den Richtspruch aufgesagt hat. Als Pauls Bestattungsunternehmen mit der Beisetzung beauftragt wird, kann Gitte sich natürlich nicht zurückhalten und stellt erste Untersuchungen an, denn der Tod des Poliers war kein Unfall. Kommissar Ole Ansgaard ist natürlich wenig begeistert von Gittes Ermittlungseifer. 

„Dänische Gier“ ist der dritte Teil der Krimireihe um Bestatterin Gitte Madsen. Die Tochter einer deutschen Mutter und eines dänischen Vaters ist vor einem Jahr von Münster auf die Insel Falster gezogen und hat ihren Job als Opferbetreuerin bei der Polizei für ihre neue Arbeit als Bestatterin aufgegeben. Und sie kann es nicht lassen, bei Mordfällen eigene Recherchen anzustellen. Natürlich immer unter dem Vorwand, mehr über die Opfer zu erfahren, um die Bestattungen persönlicher zu machen. 
Auch dieses Mal ist wieder der Schwede Erik dabei, der wie jeden Sommer das Ferienhaus neben dem von Gitte gemietet hat. Seine Frau Kate ist ebenfalls mit von der Partie und ihre etwas morbilde Veranlagung bringt Ole mehr als einmal zur Verzweiflung.
Spannend und amüsant, mit einem flüssigen Schreibstil führt uns die Autorin durch die Geschichte. Neben der Handlung, in der es immer wieder überraschende Wendungen gibt, erfährt man auch wieder Interessantes über Dänemark und die dänischen Sitten und Gewohnheiten. Auch ein Besuch in Christiania in Kopenhagen ist dieses Mal dabei. 
In einem zweiten Handlungsstrang geht es weiter um die Suche von Gitte nach ihrem Vater, der vor 18 Jahren spurlos in Marielyst verschwunden ist. Seine Schwester, Stine, hat sich auf den Weg gemacht nach Kiew, um ihn zu suchen. Ob sie ihn findet? Das verrate ich hier natürlich nicht. 

Ein wieder rundum gelungener Urlaubskrimi mit viel dänischem Flair, liebenswerten Charakteren, Spannung und der richtigen Dosis Humor. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹







Samstag, 28. Juni 2025

Rezension: "Nordlicht - Die Spur des Mörders" von Anette Hinrichs

Am Sockel des Idstedt-Löwen auf dem Alten Friedhof in Flensburg wird die Leiche des 73-jährigen Karl Bentien gefunden. Er wurde brutal zu Tode getreten und ausgeraubt. Ein zufälliges Opfer oder gezielter Mord? Der pensionierte Studienrat gehörte der dänischen Minderheit an, Medien und Behörden sehen nach dem Mordfall bereits das friedliche Zusammenleben im Grenzland in Gefahr. Hauptkommissarin Vibeke Boisen und ihr Kollege Rasmus Nyborg von der dänischen Polizei stehen unter Hochdruck und müssen rasch Ergebnisse liefern. Dann stoßen sie im Keller des Toten auf eine versteckte Kammer mit brisantem Inhalt...

"Die  Spur des Mörders" ist der zweite Teil aus der Krimireihe "Nordlicht" von Anette Hinrichs. Dieses Mal geht es zwar um einen Toten in Deutschland, aber da dieser der dänischen Minderheit angehörte, ist auch die dänische Polizei an den Ermittlungen beteiligt. 
Es stellt sich heraus, dass der Tote eine Verbindung zu einem Flüchtlingslager in Oksböl hat. Hierher kamen zum Ende des 2. Weltkrieges Zehntausende Menschen aus Ostpreußen, Pommern usw. auf der Flucht vor der Russischen Armee. Unter ihnen waren auch Tausende Kinder, die teils als Waisen im Lager endeten. Krankheit und Tod waren allgegenwärtig. Das Grausame daran beschreibt die Autorin in ihrem Nachwort: Der dänische Ärzteverband untersagte deutschen Flüchtlingskindern medizinische Hilfe. Es starben Siebentausend deutsche Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung und Infektionskrankheiten. Grund dafür war natürlich der Hass auf die Deutschen wegen der Besetzung Dänemarks, aber was können Kinder dafür? 
So ist das Buch nicht einfach nur ein Krimi, sondern war für mich auch sehr lehrreich in Sachen deutsch-dänischer Geschichte., denn dieses Kapitel deutscher Flüchtlinge war mir bisher nicht bekannt. 

Von diesem Aspekt abgesehen ist aber auch die gesamte Handlung wieder sehr spannend mit Überraschungen und Wendungen und einer Auflösung, die für mich  überraschend kam. Bis dahin gibt es viele Verdächtige und das regt zum Miträtseln an.
Neben den beiden Hauptfiguren Vibeke und Rasmus gibt es auch ein Wiedersehen mit dem Team der Sondereinsatztruppe in Padborg: Sören, Jens, Pernille und Luis. 
Besonders für Vibeke ist der Fall nicht leicht, denn sie ist wie Karl Bentien selbst in Heimen und Pflegefamilien aufgewachsen. Daher ist es ihr besonders wichtig, dem Toten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Auch Rasmus hat aufgrund des Todes seines Sohnes Probleme mit dem sinnlosen Tod der vielen Flüchtlingskinder umzugehen. 



Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



Übrigens gibt es auf dem Gelände des  ehemaligen Flüchtlingslagers inzwischen ein Museum und damit einen weiteren wichtigen Schritt zur Aufarbeitung der dänisch-deutschen Vergangenheit. Und 15 Kilometer von Esbjerg findet man die Deutsche Kriegsgräberstätte Osböl, wo 121 deutsche Soldaten und 1675 Flüchtlinge begraben sind. Hier wurde als erstes Zeichen der Versöhnung im Jahr 1997 von deutschen und dänischen Jugendlichen ein Gingko-Baum gepflanzt. 





Freitag, 27. Juni 2025

Rezension: "Dänische Schuld" von Frida Gronover

Die Bestatterin Gitte Madsen hat sich gut in ihrer neuen Heimat, dem dänischen Ferienort Marielyst, eingelebt. Doch die Ruhe währt nicht lang: Als sie im Restaurant Schou's zu Abend isst, fällt ein anderer Gast tot vom Stuhl. Was zunächst wie eine fatale Pilzvergiftung aussieht, entpuppt sich schnell als heimtückischer Giftmord - und ehe sie sich's versieht, ermittelt Gitte in einem neuem Fall.

"Dänische Schuld" ist der zweite Teil der Krimireihe mit der sympathischen Gitte Madsen. Die Bestatterin ist vor ein paar Monaten nach Dänemark gezogen, um hier zu leben und zu arbeiten. Der zweite Grund ist das Verschwinden ihres Vaters vor fast zwanzig Jahren. Der gebürtige Däne verließ Frau und Tochter in Münster und kehrte nie wieder aus Marielyst zurück. 

Dieses Mal ist sie dabei, als der Geschäftsmann Lars Andresen stirbt, wovon Kommissar Ole Ansgaard wenig begeistert ist. Erst recht nicht, als er erfährt, dass Björn, der Sohn des Opfers, Gitte bittet, ihm bei der Suche nach dem Mörder zu helfen. Für ihn zählt der junge Mann, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, zum Kreis der Verdächtigen. Aber davon gibt es viele, denn anscheinend hat Andresen sich durch seine Geschäfte nicht nur Freunde gemacht. Es gibt immer mal wieder Überraschungen und Wendungen, was die Spannung aufrecht hält. 

Neben dem Fall gibt es auch wieder Interessantes und Amüsantes nebenbei. Wie schon in Teil 1 erfährt man viel über die dänische Lebensart und die Gewohnheiten und Sitten des Landes. Wir waren ja gerade dort im Urlaub und ich musste oft schmunzeln und einige Mal zustimmend nicken. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt und das macht die Geschichten so authentisch.

Schön fand ich das Wiedersehen mit Erik, dem Schweden, der mir schon in Teil 1 sympathisch war. Ob wir nun auch endlich seine Frau kennenlernen? Das verrate ich nicht, lest selbst. :-)

Muss man Teil 1 "Ein dänisches Verbrechen" vorher gelesen haben? Nein, muss man nicht, aber sollte man, denn sonst hat man etwas verpasst. ;-) 

Ich habe mich jedenfalls wieder sehr gut unterhalten und die Seiten flogen nur so dahin. Teil 3 wird auf jeden Fall auch bald gelesen. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹





Mittwoch, 28. Mai 2025

Rezension: "Nordlicht - Die Tote am Strand" von Anette Hinrichs

Das Böse kennt keine Grenzen – Zwei Länder, zwei Ermittler, ein Mord…
Im beschaulichen Küstenort Kollund an der deutsch-dänischen Grenze wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Tote wird als Liva Jorgensen identifiziert, die zwölf Jahre zuvor verschwand. Jetzt stellt sich heraus, dass Liva jahrelang unter falschem Namen in Deutschland gelebt hat. Was ist damals wirklich geschehen? Vibeke Boisen, gerade frisch als Leiterin der Flensburger Mordkommission angetreten, und ihr dänischer Kollege Rasmus Nyborg rollen den Fall wieder auf und stechen damit in ein gefährliches Wespennest.

„Die Tote am Strand“ ist der erste Fall für das deutsch-dänische Ermittlerteam Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg. Inzwischen gibt es sechs Teile der Reihe „Nordlicht“ und im nächsten Jahr erscheint der siebte. 

Vibeke Boisen ist 36 Jahre alt und lebt in Flensburg. Aufgewachsen ist sie bei ihren Adoptiveltern Elke und Werner. Ihre leibliche Mutter hat sie nie kennengelernt. Werner, selbst Polizist, hat sie nach einem Einsatz als kleines Mädchen zu sich genommen. Für Vibeke sind die beiden ihre Eltern. Deswegen ist es besonders schwer für sie, dass Werner zur Zeit nach einem Schlaganfall im Krankenhaus im Koma liegt. 
Vibeke ist bodenständig, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und hält sich stets an die Regeln. Deswegen hat sie auch immer wieder Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit dem dänischen Kollegen Rasmus Nyborg von der Polizei Esbjerg in Südjütland. Dieser ist zwar ein brillanter Ermittler, aber eher ein Bauchmensch und er gibt nicht viel auf Konventionen. Nach der Scheidung von seiner Frau lebt der Sechsundvierzigjährige in einem alten Bulli. Der Tod seines fünfzehnjährigen Sohnes hat ihn tief getroffen und letztendlich seine Ehe zerstört. 
Trotzdem müssen sich die beiden zusammenraufen, um den Tod von Liva Jorgensen aufzuklären. Auch der Rest des Teams passt gut dazu, jeder hat seine Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten und kann so zur gemeinsamen Arbeit beitragen. Zum Schmunzeln fand ich manchmal auch, wenn das „typisch deutsche“ oder das „typisch dänische“ erwähnt wird. Das macht das Ganze sehr authentisch. 

Ein gelungenes Krimidebut. Von Anfang bis Ende habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Die Spannung wird durch viele Überraschungen und Wendungen aufrecht erhalten, immer wieder gibt es neue Ermittlungsansätze. 
Auch der flüssige Schreibstil hat mir gut gefallen, ebenso wie die anschauliche Beschreibung der Gegend im Grenzgebiet Südjütland und die Arbeit der dortigen Behörden. 
Meistens wird aus Sicht von Vibeke oder Rasmus erzählt, ein paar Mal aber auch aus der anderer Charaktere.

Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und freue mich schon auf den 2. Teil. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹






Mittwoch, 7. Mai 2025

Rezension: "Ein dänisches Verbrechen" von Frida Gronover

Gitte Madsen ist Mitte dreißig, halb Deutsche und halb Dänin. Lange Jahre hat sie in Deutschland als Opferbetreuung bei der Polizei in Kiel gearbeitet. Nach der Trennung von ihrem Freund, dem Tod ihrer Mutter und einer entsprechenden Weiterbildung, zieht sie nach Marielyst in Dänemark und fängt einen neuen Job beim örtlichen Bestatter an. Sie kennt den Ort aus ihrer Kindheit und hofft auf eine ruhigere Arbeit. Außerdem hat sie im Hinterkopf, mehr über ihren Vater herauszufinden, der vor fast 20 Jahren auf einer geschäftlichen Reise nach Dänemark spurlos verschwunden ist. 
Aber die Idylle in dem Ferienort mit dem schönsten Strand Dänemarks trügt, denn gleich am ersten Abend findet Gitte auf der Veranda ihres gemieteten Ferienhauses eine Leiche. Den jungen Griechen hatte sie bereits auf der Fähre bei der Hinfahrt getroffen, nun liegt er tot vor ihrer Tür. Wurde er dort abgelegt oder hat er sich aus irgendeinem Grund zu ihr geschleppt? Und was bedeuten die Wikingerrunen, die auf seinem Rücken eingeritzt sind? 
Der einheimische Kommissar Ole Ansgaard leitet die Ermittlungen und es gefällt ihm gar nicht, dass Gitte sich mehr einmischt, als gut für sie ist. 

Normalerweise sind skandinavische Krimis oder Thriller ja eher düster, was hier aber nicht der Fall ist. Was nicht heißen soll, dass die Geschichte zu leicht oder gar komisch ist. 
Mir hat dieser erste Teil der Krimireihe sehr gut gefallen, denn man erfährt außerdem viel über das dänische Leben, Sitten und Gebräuche. Sehr atmosphärisch und lebendig, mit überraschenden Wendungen führt die Autorin durch die Geschichte und erklärt nebenbei viele Dinge, die "typisch dänisch" oder auch "typisch westfälisch" sind, denn Gitte hat vorher in Münster gelebt. 
Gitte ist ein sehr sympathischer Charakter. Sie steht mit beiden Beinen fest im Leben, geht Herausforderungen direkt an und lässt sich nicht so leicht einschüchtern. 
Auch sonst gibt es ein paar interessante Charaktere, wie Gittes Tante Stine, die anscheinend gerne Miss Marple spielt. Oder auch ihr Nachbar Erik, ein Schwede, der alleine Urlaub macht, weil seine Frau nicht gerne verreist und der ebenfalls gerne Detektiv zu spielen scheint. 

Ein Krimi mit Spannung, Herz und ein bisschen Humor an den passenden Stellen. Cosy Crime aus Dänemark, ja, das geht. Oder nennt man das dann "Hygge Crime"? 😉

Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹



Montag, 31. März 2025

Rezension: "Der irische Fremde" von Matthias Moor

Journalistin Mary musste als Kind erleben, wie ihre Eltern bei einem Brand ums Leben kamen. 25 Jahre später begegnet sie zufällig einem Mann, den sie damals gesehen zu haben glaubt – und gerät Schritt für Schritt in einen Alptraum. Verstörende Erinnerungen tauchen auf, die eine ganz andere Geschichte vom Tod ihrer Eltern erzählen. Wurden sie ermordet? Welche Rolle spielte der mysteriöse Mann? Auf der Suche nach der Wahrheit kehrt Mary nach Irland zurück und gerät in eine gefährliche Welt voller Lügen und Geheimnisse, in der sie bald um ihr Leben fürchten muss.

Ich habe das Buch in einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen. Danke an dieser Stelle an den Verlag für das Exemplar. 
Leider konnte mich die Geschichte nicht komplett begeistern und mitreißen. Ich hatte zunächst Probleme in die Handlung hineinzufinden. 

Das Cover, der Titel, das Setting, auch der Klappentext, all das klang für mich vielversprechend nach einem spannenden Kriminalroman, so wie es auch auf dem Cover steht. Aber so wirklich kam für mich die Spannung nicht auf, jedenfalls nicht über weite Strecken. Zwischendurch dachte ich dann wieder, jetzt nimmt das Ganze Fahrt auf, aber für meinen Geschmack ging es zu sehr um die Psyche der Hauptfigur und die Frage, was ist Erinnerung und wirklich passiert und was ein Schutzmechanismus des Gehirns. 
Ich muss auch sagen, dass mir Mary nicht wirklich sympathisch war und ich mit ihr nicht warm wurde. Normalerweise hätte ich Mitleid mit einer Person, die schon so viel in ihrem jungen Leben ertragen musste, aber hier hielt sich mein Mitleid in Grenzen.

Die Auflösung kam auch nicht unbedingt überraschend, denn bei Krimis aus Irland ist die Politische Geschichte eben häufig Teil der Handlung. Und ein paar Hinweise gab es zwischendurch für mich schon. 

Anhand der Meinungen in der Leserunde sieht man mal wieder, dass Geschmäcker verschieden sind und das ist ja auch gut so. Wem das Buch gefällt, der wird sicher gut unterhalten. Meins war es leider nicht so. 


Bewertung: 🌹🌹🌹






Mittwoch, 26. März 2025

Rezension: "Outback - Niemand hört dich schreien" von Patricia Wolf

Eigentlich ist Detective Sergeant Lucas Walker im Sonderurlaub, da seine Großmutter im Sterben liegt. Er ist in der kleinen Stadt Caloodie im Outback Australiens aufgewachsen und obwohl er nun in Sidney lebt, ist der Busch sein eigentliches Zuhause. Als zwei deutsche Rucksacktouristen spurlos verschwinden, bittet ihn sein Chef, als Verbindungsmann zwischen der örtlichen Polizei und dem Auswärtigen Amt ein wenig vor Ort zu unterstützen und ein Auge auf die Ermittlungen zu haben. 
Das Paar war auf dem Weg zu einem Job auf einer Rinderfarm, wo es aber nie angekommen ist. Zuletzt gesehen wurde es in einem Hotel in Caloodie. Hier steigt nun auch Barbara ab. Sie ist die ältere Schwester des verschwundenen Mädchens und davon überzeugt, dass Rita etwas passiert sein muss. Barbara ist Polizistin beim LKA in Berlin und setzt sich in Verbindung mit Walker.  Gemeinsam versuchen sie, eine Spur der Vermissten zu finden, aber jeder weitere Tag ohne Ergebnisse zeigt, dass es ein Wettlauf gegen die Zeit und die gnadenlose Natur Australiens ist. Dann finden sie heraus, dass in den letzten Jahren in derselben Gegend immer wieder Menschen verschwunden sind, es wurden aber nie Leichen gefunden. Walker glaubt nicht an einen Zufall. Jagt ein Serienkiller in der Abgeschiedenheit des Outbacks seine Opfer?  

Der Roman von Patricia Wolf ist aus meiner Sicht vor allen Dingen eins: Eine Liebeserklärung an Australien, ganz besonders an das Outback. Man merkt, wie sehr die Autorin von dem Land fasziniert ist. Im Nachwort erklärt sie auch, warum das so ist.

Ich würde das Buch nicht dem Genre Thriller zuordnen. Gerade die ersten zwei Drittel sind meiner Meinung nach eher Spannungsroman, vielleicht noch Krimi. Was aber nicht negativ gemeint ist, es hat mir durchaus gefallen. Wie gesagt, es geht viel um Australien, das unwirtliche, gnadenlose Outback, die Hitze, die Menschen schneller in Gefahr bringen kann, als man denkt. Sehr bildhaft wird alles beschrieben, so dass man die heiße, staubtrockene Atmosphäre fast spüren kann. Auch das Cover passt hier perfekt.
Barbaras Verzweiflung konnte ich gut nachvollziehen. Allein in einem völlig fremden Land, das einem schnell zeigt, wie gefährlich es sein kann und Tag für Tag vergeht, ohne irgendeine Spur ihrer Schwester. Und die Polizei ist auch keine große Hilfe, zumindest der örtliche Polizeichef nicht. 
Bei Walker dagegen merkt man, dass er zwar auch die Gefahren kennt, aber ihm sind auch die schönen Seiten dieser wilden, ungezähmten Natur bewusst. Und ihm ist die Familie wichtig, weswegen er auch Barbaras Sorge um ihre kleine Schwester versteht und ihr hilft.

Um die Spannung aufrecht zu erhalten, gibt es verschiedene Ermittlungsansätze bei der Suche nach den beiden Touristen und es werden verschiedene Verdächtige ins Spiel gebracht. Auch werden einige Kapitel aus Sicht des Täters geschildert, aber ohne einen Namen zu nennen, so dass man nur raten kann, wer es ist. 
Meine persönliche Heldin ist übrigens Ginger, die Australian Cattle Dog Hündin. 😍

Insgesamt ein wirklich unterhaltsames Buch, das ich gerne gelesen habe. Positiv fand ich auch, dass die Geschichte ohne Liebesszenen und Romantik auskommt, bis auf ein paar kleine Andeutungen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹



 

Mittwoch, 5. März 2025

Rezension: "Der Herzschlag der Toten" von Ralf H. Dorweiler

Hamburg, 1887. Hermann Rieker wurde gerade frisch zum Criminalcommissar befördert, da soll er in seinem ersten eigenen Mordfall ermitteln. Sein Chef traut ihm das nicht recht zu und möchte ihm einen erfahrenen Kollegen vor die Nase setzen. Aber Rieker setzt sich durch und nun hat er drei Tage, um den Fall zu lösen und den Mörder festzunehmen. In einem verlassenen Kontor ist die Leiche einer jungen Frau gefunden worden, auf brutale Art erstochen. Gewissen Umstände beim Entdecken der Toten erschweren zunächst die Ermittlungen. 
Bei diesen trifft er auf Johanna Ahrens, Tochter eines Richters, die heimlich arme Frauen im Gängeviertel unterrichtet. Da Johanna in dem Mordopfer eine ihrer Schülerinnen erkennt, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Dabei lernt sie einen Totenfotografen kennen, dessen Anatomiekenntnisse eine entscheidende Wendung für den Fall bringen. Doch als ein weiterer Mord die Stadt erschüttert, wird klar: Der Täter kann jeden Moment erneut zuschlagen.

"Der Herzschlag der Toten" ist ein wirklich spannender historischer Krimi. Atmosphärisch, düster, fesselnd. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen, ebenso die Sprache. Ich finde, sie ist der damaligen Zeit angepasst, aber nicht zu altmodisch. Und der Autor lässt Hamburg zu Ende des 19. Jahrhunderts vor den Augen des Lesers lebendig werden. 
Sehr interessant finde ich das Thema der Totenfotografie. Es klingt zwar morbide, aber wenn man mal darüber nachdenkt, war das eigentlich eine gute Sache. Es war ja nicht so wie heute, wo von jedem Menschen in allen Lebensjahren ausreichend Fotos existieren, so dass man sich auch nach Jahren noch an die Gesichter erinnern kann. Die Fotografie war in den Kinderschuhen und nur wenige konnten es sich überhaupt leisten. Und erst recht hatten normale Leute kein Geld, von sich Porträts malen zu lassen. 

Auch die Charaktere sind sehr interessant. Hermann Rieker kommt eigentlich aus Berlin und im Laufe der Geschichte erfährt man, was er dort hinter sich gelassen. Außerdem kämpft er mit Erinnerungen an den Krieg gegen die Franzosen. In seinem Job will er hundert Prozent geben.
Johanna ist zwar eine Tochter aus reichem Haus, aber sie nutzt dieses Privileg, um anderen Frauen zu helfen. Für sie ist Bildung der wichtigste Schritt, etwas aus seinem Leben zu machen. 

Am Ende erfährt man, dass es einen guten Grund gibt, warum das Ganze im Jahr 1887 spielt und diese Wendung finde ich wirklich gelungen. 

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es auf jeden Fall weiter empfehlen. 


Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹



Mittwoch, 19. Februar 2025

Rezension: "Die Schrift des Todes" von C. J. Sansom

Sommer, 1546. Die Ära König Henrys VIII neigt sich ihrem Ende zu. Unerbittlich bekämpfen sich Katholiken und Protestanten, die Jagd auf Ketzer wird immer gnadenloser. In dieser aufgeheizten Stimmung wird Matthew Shardlake in den Palast der Königin gerufen. Er soll ein brisantes Buch wiederfinden, das sie verfasst hat und das aus ihren Gemächern gestohlen wurde. Der Inhalt dieses Werks könnte sie aufs Schafott bringen. Doch bevor Shardlake und sein Gehilfe Jack Barak die Suche aufnehmen, wird in London ein Drucker tot aufgefunden. Bei ihm findet sich eine Seite des Manuskripts der Königin…

Es ist das letzte Regierungsjahr von König Henry VIII. Er ist krank und aufgrund der großen Gewichtszunahme kaum noch in der Lage, sich zu selbst zu bewegen. Heute deutet vieles darauf hin, dass er Diabetes hatte. Da diese Krankheit aber damals völlig unbekannt war, wurde sie nicht behandelt und so starb er an den Folgen. 
C. J. Sansom gelingt es in „Die Schrift des Todes“ mal wieder, die Tudorzeit lebendig werden zu lassen. Hervorragend recherchiert führt er den Leser durch das damalige London. Wie immer begleiten wir den Ich-Erzähler Matthew Shardlake zum einen bei seiner Arbeit als Anwalt und dann bei seinem Auftrag, das verschwundene Manuskript „Die Klage einer Sünderin“ von Königin Catherine Parr zu finden. Trotz seines festen Vorsatzes, sich nie wieder in Politik oder die Angelegenheiten des Hofes verwickeln zu lassen, kann er der verzweifelten Königin den Wunsch nicht abschlagen, ihr zu helfen. Denn bei der Wankelmütigkeit des Königs in Glaubensfragen, würde eine Veröffentlichung des Manuskriptes eine große Gefahr und sehr wahrscheinlich die Hinrichtung Catherines bedeuten. 
Überhaupt ist Religion ein wichtiges Thema, die Nation ist gespalten, wer nicht den „richtigen“ Glauben hat, landet auf dem Scheiterhaufen. Öffentliche Äußerungen zu diesem Thema sind gefährlich und so versucht Shardlake, sich möglichst neutral zu verhalten. Seine Zeit im Tower vor einem Jahr hängt ihm immer noch nach. Das ist es auch, was ihn sympathisch macht. Durch einen verwachsenen Rücken nennen ihn viele den „Buckligen“. Er ist kein Held und hat vor vielen Dingen Angst, am meisten vor dem König. Aber er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und das Herz am rechten Fleck. Was ihn allerdings auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt. 
Zusammen mit Jack Barak und seinem jungen Kanzleimitarbeiter Nicholas begibt er sich auf die Suche nach dem verschwundenen Manuskript. Die Spur führt bis in höchste Kreise und es wird klar, dass jemand sehr Mächtiges im Hintergrund die Fäden ziehen muss. Durch Überraschungen und Wendungen wird die Spannung auf den rund 730 Seiten durchweg aufrecht erhalten. 

Wie immer gelingt es dem Autor, historische Fakten und Fiktion authentisch zu verknüpfen. Das gilt auch für historische Personen, die er geschickt in die Geschichte einbaut, wie z. B. Richard Rich, Bischof Cranmer und Kardinal Gardiner und natürlich den König und die Königin. 

C. J. Sansom ist im April letzten Jahres leider verstorben, er wurde 71 Jahre alt. Das bedeutet natürlich, dass die historische Kriminalromanreihe um Anwalt Matthew Shardlake nicht fortgeführt wird. Mir bleibt somit nur noch der letzte Teil zu lesen: „Die Gräber der Verdammten“. 

Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹


Für Interessierte hier die chronologische Reihenfolge:
1. Pforte der Verdammnis
2. Feuer der Vergeltung
3. Der Anwalt des Königs
4. Das Buch des Teufels
5. Der Pfeil der Rache
6. Die Schrift des Todes
7. Die Gräber der Verdammten