Trelleborg, Südschweden, 1989: Polizeimeisterin Gunni Hilding wird überraschend vom Dezernat für Gewaltverbrechen rekrutiert. Doch die junge Beamtin fühlt sich der Aufgabe alles andere als gewachsen: Von ihren eigenen Eltern verstoßen, muss ausgerechnet Gunni ein Verbrechen aufdecken, das eine Familie zu zerreißen droht. Denn ein achtjähriges Kind ist spurlos im Wald verschwunden … Fünf Jahre später wiederholt sich ein ähnlicher Fall – Gunni sieht als Einzige eine Parallele. Und wenn sie recht hat, bedeutet das, dass ein gefährlicher Serientäter noch immer auf freiem Fuß ist...
Gunni Hilding ist siebenundzwanzig Jahre alt und vor zehn Jahren hat sie die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas nach einem unschönen Vorfall verlassen. Seitdem hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, telefoniert nur heimlich mit ihrer jüngeren Schwester. Sie findet Zuflucht bei ihrer Tante und ihre Freizeit verbringt sie mit ihrem Pferd Stjärna.
Als der achtjährige Robin in ihrer Gegend verschwindet, ist die Polizeimeisterin mit ihrem Kollegen als erstes vor Ort. Das Dezernat für Gewaltverbrechen übernimmt die Ermittlungen und der leitende Kommissar ist so beeindruckt von Gunnis Gespür und ihrer Art, mit der betroffenen Familie umzugehen, dass er sie in seine Abteilung versetzen lässt. Gunni selbst ist sich nicht sicher, ob sie dem gerecht werden kann, denn auch nach all den Jahren hat sie immer noch Schwierigkeiten, sich im "normalen" Leben zurecht zu finden. So erdrückend die Regeln bei den Zeugen Jehovas auch waren, die Gemeinschaft gab ihr auch Sicherheit und Halt. Diesen inneren Zwiespalt stellt der Autor sehr gut dar und ich konnte Gunnis Verhalten und ihre Gedankengänge sehr gut nachvollziehen.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ebenso der Aufbau der Handlung. Es gibt zwei Zeitebenen, 1989 im 1. Teil und 1994 im 2. Teil. Erzählt wird immer in der dritten Person, abwechselnd aus Gunnis Sicht, sowie aus der der Eltern des Jungen und anderer Einwohner der Gegend.
Geschickt legt der Autor immer wieder falsche Fährten, es gibt überraschende Wendungen und fast ganz zum Schluss wird alles erst aufgeklärt.
Auch wenn es keine große "Action" gibt, war das Buch von Anfang bis Ende für mich fesselnd und die Geschichte wirkte außerdem sehr authentisch. Es wird deutlich, wie schnell Zeugenaussagen in eine falsche Richtung weisen können und wie wichtig es ist, auch wirklich alle Beweise auszuwerten.
Das Ende deutet auf eine Fortsetzung hin und ich hoffe sehr, dass wir darauf nicht zu lange warten müssen.
"Tatort Trelleborg" ist für mich auf jeden Fall ein Highlight in diesem Jahr.

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