Montag, 23. Juli 2018

Rezension: "Das geheime Spiel" von Kate Morton

Zum Inhalt:
Mit 99 Jahren kann Grace Bradley auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Bevor sie "abtritt", möchte sie aber unbedingt ein Geheimnis lüften, das sie bereits 75 Jahre hütet. Begonnen hat alles im Jahr 1914 in Essex. Die erst vierzehnjährige Grace tritt ihre Stellung als Dienstmädchen auf dem herrschaftlichen Landsitz Riverton Manor der Familie Hartford an, wo schon ihre Mutter früher arbeitete. Besonders fasziniert ist sie von den Töchtern Hannah und Emmeline und wird später auch Hannahs Vertraute und Zofe. Die Mädchen führen ein sorgloses Leben zusammen mit ihrem Bruder David und verbringen ihre Ferien stets bei ihrer Großmutter auf Riverton Manor. 
Eines Tages bringt David einen Studienkollegen mit, den jungen Dichter Robert S. Hunter und diese Begegnung verändert das Leben von Emmeline und Hannah. Auch der erste Weltkrieg hinterlässt bald darauf seine Spuren und beeinflusst sowohl das Leben der Familie Hartford als auch das von Grace. 
Im Jahr 1924 passiert während einer Sommernachtsparty etwas Schreckliches, über das Grace lange Zeit schweigt. Erst 75 Jahre später, als ein Film über den Dichter Robert S. Hunter gedreht wird, bricht Grace endlich ihr Schweigen. Sie weiß, sie hat nicht mehr viel Zeit und will endlich erzählen, was damals am See passierte.

"Das geheime Spiel" ist der erste große Roman dieser Art von Kate Morton. Wie in ihren anderen Geschichten geht es auch hier um Familiengeheimnisse und große Gefühle. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Zunächst lernen wir die ältere Grace kennen, die im Jahr 1999 Post von einer Filmproduzentin bekommt, die das Leben des Dichters Robert S. Hunter auf die Leinwand bringen möchte. Hunter hat sich im Jahr 1924 in Riverton das Leben genommen, was seine Figur um so tragischer macht. Nach und nach erzählt Grace dann von ihrem Leben als Dienstmädchen auf Riverton und wie sie zum ersten Mal auf Hannah und Emmeline traf. Unwillkürlich musste ich an "Das Haus am Eaton Place" oder "Downton Abbey" denken, denn auch hier ist das Leben der Dienstboten und der "Herrschaften" streng getrennt und es gibt ungeschriebene Regeln und Gesetze, die zu befolgen sind. Der Butler hat das Sagen beim Personal und erfüllt seine Aufgaben mit Stolz, selbst noch, als der Rest der Welt im Ersten Weltkrieg unterzugehen scheint. Nach dem Motto, wenn schon überall sonst Chaos herrscht, dann muss wenigstens auf Riverton alles seinen gewohnten Gang gehen. 
Kate Morton schreibt, dass besonders die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts sie schon immer fasziniert hat. Und das merkt man, denn sie schreibt sehr lebendig und anschaulich und durch die Erzählperspektive war ich immer hautnah dabei, habe Grace stets in den Räumen von Riverton und später in London begleitet. 
Sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit mochte ich Grace sehr. Auch Hannah war mir sehr sympathisch und das Schicksal der Hartford-Schwestern hat mich sehr berührt.

Fazit: Ein gelungenes Debüt, eine interessante Familiengeschichte und große Gefühle, aber ohne Kitsch. Ein paar Dinge sind allerdings offen geblieben und ich hätte mir gewünscht, dass darauf mehr eingegangen worden wäre.

Bewertung: ☥ ☥ ☥ ☥ 


©S. Klaus


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