Samstag, 11. April 2026

Rezension: "Sommerglück in Schweden" von Lisa Andersson

Sofia lebt und arbeitet in Stockholm. Sie ist bei der Finanzbehörde und dort auch zuständig für die Kunden, die ihre Steuern nicht pünktlich zahlen können. So hat sie Milla und ihren kleinen Sohn Emil kennengelernt. Milla ist vor kurzem Witwe geworden und Sofia hat Mitleid und gewährt ihr immer wieder Zahlungsaufschub. Das passt Rune, Leiter der Abteilung und Sofias Lebensgefährte aber gar nicht. Als Mila dann nach einem Unfall ins Krankenhaus muss, scheint der geplante Urlaub von ihr und Emil zu platzen. Dabei wünscht sich Emil nichts mehr als einen Sommer in "Bullerbü", dort wo seine Lieblingsgeschichten von Astrid Lindgren spielen. Sofia übernimmt kurzentschlossen Millas Platz, denn sie ist in Smaland aufgewaschen. Zusammen mit Emil reist sie in die Gegend, die sie vor zehn Jahren überstürzt verlassen hat. Als sie beim Versuch, einem Hund auszuweichen, dessen Besitzer anfährt, bleibt sie im Dorf Byn hängen. Bengt, der Tierarzt, braucht wegen seiner Verletzung nun Hilfe in der Praxis und Emil freundet sich direkt mit Bengts Kindern Lasse, Greta und Ronja. Und dann ist da noch Gösta, Bengts Schwiegervater. Aber wo ist Bengts Frau? 
Sofia hat ein schlechtes Gewissen und willigt ein, zwei Wochen in der Praxis auszuhelfen und Bengt zu "Hausbesuchen" zu fahren. Außerdem scheint Emil sich direkt wohlzufühlen und Byn ist für ihn sein Bullerbü. 

Was für eine schöne und herzerwärmende Geschichte. Einfach zum Wohlfühlen, Träumen und Abtauchen. Ein Sommer in einem Dorf in Schweden, wunderbar gezeichnete Charaktere, Szenen zum Schmunzeln, aber auch emotionale Momente.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, sehr lebendig und anschaulich führt die Autorin uns durch die Geschichte und macht das sommerliche Bullerbü....Verzeihung, Smaland vor dem geistigen Auge sichtbar. 

Natürlich weiß man, wohin die Reise geht und vielleicht ist die eine oder andere Fügung des Schicksals ein wenig zu viel des Guten. Aber "Sommerglück in Schweden" ist schließlich kein Tatsachenbericht, sondern ein Roman, der unterhalten soll und das hat die Autorin bei mir zu hundert Prozent erreicht. 


Meine Bewertung: 🌹🌹🌹🌹





Rezension: "Die Frauen am Fluss" von Katherine Webb

England 1922: Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr – und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder und zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf voller Schuld zurückließ.

Slaughterford ist ein kleines Dorf in der Grafschaft Wiltshire. Jeder kennt jeden und Irene hat es nicht leicht, sich in ihrer Ehe und in der Gemeinschaft zurechtzufinden. Dabei müsste sie Alistair Hadleigh eigentlich dankbar sein, dass er sie trotz des Skandals, in den sie in London verwickelt war, geheiratet hat. Alistair ist im ganzen Dorf beliebt. Er ist der größte Arbeitgeber in Slaughterford, niemand lässt ein böses Wort über ihn fallen und alle lieben ihn. Nur Irene nicht, so scheint es. Damit fällt sie direkt in Ungnade bei Alistairs Tante Nancy, die ihn nach dem Tod seiner Eltern wie ihren eigenen Sohn großgezogen hat. Als Irene schließlich zögerlich Vertrauen zu ihrem Mann aufbaut und sicher ist, sie könnte sich eines Tages auch in ihn verlieben, wird er brutal ermordet. Nun ist sie die neue Gutsherrin . Aber will sie diese Rolle überhaupt? 

Die zweite Hauptfigur in der Geschichte ist die fünfzehnjährige Pudding, die als Stallmädchen auf dem Gut arbeitet. Sie hat es nicht leicht in ihren jungen Jahren. Ihr Vater ist der Dorfarzt und tagsüber fast nie zuhause. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt, was damals natürlich noch nicht erforscht war. Und Puddings älterer Bruder Donald kam mit einer schweren Kopfverletzung aus dem Weltkrieg zurück und ist seitdem nicht mehr der Alte. Als man ihn blutverschmiert nach dem Mord an Alistair in der Mühle findet, sind alle überzeugt, dass er den Gutsherrn getötet hat.
Alle bis auf seine Schwester. Pudding ist sicher, niemals wäre ihr Bruder zu einer solchen Tat fähig. Welches Motiv hätte er? Alistair war immer freundlich zu ihm. Er war selbst im Krieg und wusste, welche schrecklichen Dinge Donald gesehen hat. 
Weil sie alleine nicht weiterkommt, bittet sie Irene um Hilfe, denn schließlich wird sie doch auch wissen wollen, wer ihren Mann tatsächlich ermordet hat und warum. Pudding ist überzeugt, dass die Familie Tanner damit zu tun hat, deren Mitglieder alle schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind.

Und dann ist da noch Clemmie, siebzehn Jahre alt und stumm von Geburt an. Da sie auch nicht schreiben kann, hat sie kaum Möglichkeiten sich mitzuteilen, wenn man ihr nicht direkt die richtigen Fragen stellt. Das bringt sie oft zur Verzweiflung, da sie ihrer Umwelt unbedingt etwas mitteilen will, aber nicht weiß, wie. Dieser Erzählstrang ist sehr interessant und geschickt in die Handlung eingewoben. Ich hatte zwar mit der Zeit einen Verdacht, aber damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Erst recht spät klärt sich alles auf und die Fäden werden für mich zufriedenstellend zusammengeführt. 

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, auch die Sprache passt sehr gut in die damalige Zeit. Bildhaft erzählt die Autorin vom Dorf Slaughterford, dem Fluss, der Mühle, den dort lebenden Familien und ich konnte alles beim Lesen direkt vor mir sehen. 

Ein fesselnder historischer Spannungsroman, den ich gerne gelesen habe und auch ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann.


Meine Bewertung: 🌹🌹🌹🌹🌹