"...beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz."
Der Verfasser dieses alten, persischen Sprichwortes ist mir nicht bekannt, aber genau so empfinde ich es. Und das ist ein Grund, warum mir ein E-Book nicht ins Haus kommt. Mir würde das Gefühl beim Halten eines Buches fehlen, das Blättern der Seiten, der Duft des Papiers. Ein E-Book wäre mir viel zu unpersönlich, zu steril, zu...kalt. Ihr findet hier nicht nur Rezensionen, auch viele andere Themen rund um Bücher und das Lesen.

Samstag, 23. April 2016

Zum Welttag des Buches - Faszination Dracula


Heute ist es soweit, der Feiertag für alle Leseratten und Buchfreunde ist da: Der Welttag des Buches.
Zu diesem besonderen Anlass möchte ich euch - auch im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude  - heute ein Buch etwas genauer vorstellen, das mich im Grunde seit Jahrzehnten begleitet und immer wieder aufs Neue fasziniert:
 
Die Handlung ist ja soweit eigentlich bekannt, daher versuche ich mich kurz zu fassen. 

Der junge Anwalt Jonathan Harker reist im Auftrag seiner Kanzlei ins entlegene Transsilvanien und führt vom ersten Tag an ein Reisetagebuch. Hauptsächlich, um seine Erlebnisse später mit seiner Verlobten Mina zu teilen, die daheim England auf ihn wartet. Ziel ist die Burg des Grafen Dracula, der durch die Kanzlei in London eine alte Abtei gekauft hat und demnächst dorthin übersiedeln will. Schon auf der Reise geschehen merkwürdige Dinge und die Menschen in Transsilvanien scheinen in tiefem Aberglauben zu leben und warnen Harker vor einer Weiterreise zur Burg. Aber der junge Anwalt lässt sich nicht abschrecken. Schon hier gelingt es Stoker, eine schaurige Atmosphäre zu schaffen.
Nach seiner Ankunft auf der Burg muss Harker nach und nach erkennen, dass der Graf nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Er ist sich nicht mal sicher, ob sein Gastgeber wirklich menschlich ist.
Währenddessen wartet Mina daheim auf Nachricht von ihrem Verlobten und vertreibt sich die Zeit mit einem Besuch bei ihrer Freundin Lucy an der Küste in Whitby die Zeit. Aber die unbeschwerte Zeit wird getrübt, denn Lucy scheint krank zu sein und sie schlafwandelt. Ein Freund der Familie, der Arzt John Seward, ruft schließlich seinen alten Studienprofessor Van Helsing zu Hilfe, der sich mit ungewöhnlichen Fällen und Methoden auskennt. Dieser befürchtet schließlich, dass Lucy das Opfer eines Vampirs geworden ist.
Aufgrund der Tagebucheinträge von Mina und Jonathan Harker kommen Van Helsing und Seward zusammen mit Lucys Verlobtem Arthur sowie seinem alten Freund, dem Texaner Quincey Morris, dem Grafen auf die Schliche und versuchen, ihn endgültig zu vernichten.



Was soll ich noch sagen? Ich liebe dieses Buch. Und ich finde den Aufbau der Geschichte aus Tagebucheinträgen, Phonografenaufnahmen, Briefwechseln und Zeitungsberichten einfach total gelungen. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, keiner ist oberflächlich dargestellt und von Anfang an gelingt es dem Autor eine durchgehende Spannung zu erzeugen. 

Was mir beim erneuten Lesen des Buches vor gut einem Jahr aufgefallen ist: die Titelfigur Dracula taucht im Grunde nur am Anfang auf und zum Ende hin. Trotzdem beherrscht sie die gesamte Handlung und die Bedrohung durch den Vampir schwebt die ganze Zeit über den Hauptfiguren und zieht sich bis zum Schluss zu einem dunklen Netz zusammen. 

Heute ist Dracula ein Klassiker und ein Meisterwerk. Es gibt kaum jemanden, der den Namen nicht schon mal gehört hat. 1897, als der Roman veröffentlicht wurde, war das ganz anders. Sieben Jahre arbeitete Bram Stoker an seinem Roman und starb, ohne etwas von dem späteren großen Erfolg mitbekommen zu haben. Seine Witwe Florence lebte in ziemlich bescheidenen Verhältnissen. 
Erst zehn Jahre nach Stokers Tod, der am 20.04.1912 starb, war die Welt anscheinend langsam bereit für Dracula, denn Schauerliteratur wurde immer populärer. 
1922 verfilmte die deutsche Filmfirma Prana Film den Roman unter dem Titel Nosferatu....ohne eine Genehmigung. Florence Stoker verklagte die Firma wegen Verletzung der Urheberrechte, gewann zwar nach drei Jahren den Prozess, sah aber trotzdem keinen Cent, da die Firma inzwischen pleite war. Dacre Stoker, der Urgroßneffe von Bram, sagt im Nachwort zu seinem Roman Dracula - Die Wiederkehr, dass das Buch seiner Familie kein Glück gebracht habe. Und das war auch ein Grund, warum er zusammen mit Ian Holt später die Fortsetzung schrieb. Dacre war übrigens der Meinung, dass sein Großonkel schon immer geplant hatte, eine Fortsetzung zu schreiben und zwar begründet er das mit Draculas Ende. Denn es ist kein Holzpflock, der ihm am Schluss ins Herz gestoßen wird, sondern ein Dolch. Und sogar Van Helsing weiß, dass man einen Vampir damit nicht endgültig vernichten kann. ;-)

Habt ihr euch schon mal gefragt, wieso es so viele verschiedene Dracula-Verfilmungen gibt und kaum einer inhaltlich mit der Handlung des Buches zu tun hat? Nun, in den USA galten die Urheberrechte nicht, da Stoker irgendeine kleine Bedingung der Urheberrechtsbehörde nicht erfüllt hatte. Somit galt Dracula in Amerika als gemeinfrei und Hollywood "verwurstete" den Stoff zu allem möglichen....und unmöglichen. Ich kenne eigentlich nur eine Verfilmung, die das Recht hat, als Adaption des Romans bezeichnet zu werden und das ist Bram Stokers Dracula von Francis Ford Coppola. Meiner Meinung nach gibt es keinen Film, der in der Handlung so genau dem Buch entspricht.

Zu Lebzeiten arbeitete Bram Stoker als Journalist und Theaterkritiker. So lernte er den Schauspieler John Henry Irving kennen und Gerüchten zufolge soll dieser als Vorbild für die Figur des Grafen Dracula gedient haben. Ob das stimmt...wer weiß. Stoker ließ sich aber auch von vielen anderen Dingen beeinflussen. So war er sehr beeindruckt von Joseph Sheridan Le Fanus Vampirgeschichte Carmilla. Eigentlich sollte auch sein Roman zunächst in der Steiermark spielen, aber dann verlegte er das Ganze doch nach Transsilvanien. Das ursprüngliche Eröffnungskapitel entfiel und wurde später als Kurzgeschichte Draculas Gast gesondert veröffentlicht. Hier findet Jonathan Harker das Grab der Vampirin. Zu finden ist die Geschichte u.a. in der Anthologie Denn das Blut ist Leben, erschienen im Festa Verlag.
Transsilvanien wurde es wohl deshalb, weil Stoker die historische Figur des walachischen Fürsten und Feldherrn Vlad Draculea als Vorbild für seinen Grafen Dracula nahm. Bis heute ist er damit untrennbar verbunden. Ebenso wie die so genannte "Blutgräfin" Bathory. Er recherchierte ausgiebig das Thema Vampire und stieß in alten Legenden auf Dinge wie Knoblauch, pfählen, Sonnenlicht vermeiden, Blut trinken, usw. Übrigens ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Dracula sich nur in der Nacht und bei Dunkelheit draußen bewegen kann. Er ist sehr wohl auch am Tage unterwegs, allerdings ist er dann nicht so mächtig wie in der Nacht und kann sich beispielsweise nicht in eine Fledermaus oder einen Wolf verwandeln. Nur direktes Sonnenlicht bekommt ihm gar nicht. 

Quellen: Wikipedia, Dracula - die Wiederkehr von Dacre Stoker/Ian Holt

Bram Stokers Dracula ist für mich mit Abstand der beste Vampirroman , den ich kenne. Und es gibt ein paar andere Bücher, die das Thema aufgreifen und die es meiner Meinung nach durchaus wert sind, gelesen zu werden:


Dracula kehrt zurück von Freda Warrington
Dracula, my love von Syrie James
Dracula - Die Wiederkehr von Dacre Stoker und Ian Holt
Der Historiker von Elisabeth Kostova
Die Geständnisse des Grafen Dracula von Fred Saberhagen

Ich kann gar nicht mal genau sagen, was mich letztendlich so an Dracula fasziniert, dass ich es immer wieder lesen könnte. Und auch alles andere rund um dieses Thema. Auf jeden Fall hat Bram Stoker mit seinem Buch den Urvater aller Vampire erschaffen und manche von den späteren Blutsaugern hätten ohne ihn sicher nie das Licht der Welt erblickt. 

Das brachte mich auf die Idee einige der heutigen Autoren von Vampirromanen mal zu diesem Thema zu befragen. Hier findet Ihr nun die Antworten.



Hope Cavendish, Autorin der historischen Vampirromanreihe Zeitgenossen schreibt:

1. Hast du "Dracula" von Bram Stoker gelesen?
Ja.

2. Hast du das Buch bisher einmal gelesen oder öfter?
Einmal ganz und vereinzelte Szenen öfter, um gewisse Aspekte wie z.B. die "Tageslichttauglichkeit" des Grafen nachzuschlagen. ;-)

3. Wann hast du es zum ersten Mal gelesen?
Ich glaube, vor ungefähr 6 Jahren.

4. Wie ist deine Meinung zum Buch?
Das Buch vermittelt die klassische Atmosphäre eines viktorianischen Schauerromans.
Dadurch, dass Stoker die Ereignisse über Briefe, Tagebucheinträge und Protokolle der beteiligten Figuren erzählt, wird man als Leser sofort in das Geschehen hineingezogen und empfindet schnell einen latenten Grusel. Man muss dabei allerdings auch gewillt sein, sich auf diesen Stil einzulassen.


5. Hat Stokers Roman dich inspiriert, selbst Vampirromane zu schreiben und hat „Dracula“ Einfluss auf deine eigenen Bücher?
Vermutlich ist jeder Vampirroman-Autor letztendlich irgendwie auch durch Stoker inspiriert. Schließlich gilt sein Graf als der Inbegriff des klassischen Vampirs, wenngleich er auch nicht der erste Vampir der Literaturgeschichte war.  Auf meine historische Vampirromanreihe "Zeitgenossen" hatte Bram Stoker tatsächlich auch einen ganz konkreten Einfluss, da viele reale historische Figuren und Ereignisse in die Handlung mit eingebunden sind. Und in "Pakt mit den Rittern des Dan", dem dritten Band der Reihe, ist die Begegnung der Protagonisten mit Bram Stoker und dem Orientalisten Arminius Vámbéry eines solcher Ereignisse. Die Protagonisten erhalten dabei nämlich einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte des "Dracula"-Romans.


Weitere Infos zu Hopes Romanen findet Ihr hier: http://www.zeitgenossen-romane.de/




Auch die Autorin Sandra Florean war so nett, ihre Meinung zum Buch mitzuteilen : 

1. Hast du "Dracula" von Bram Stoker gelesen?
Ich muss gestehen, nur teilweise. Von meiner Mama habe ich drei wirklich alte Vampirromane bekommen. Einer davon war Dracula. Vielleicht lag es an der Ausgabe oder daran, dass ich so ziemlich jeden Film zig Mal gesehen habe, aber ich habe das Buch nie ganz gelesen. (Asche auf mein Haupt)

Hm, ich hab jetzt mal beantwortet, was doch noch irgendwie passen würde ....

5. Hat Stokers Roman dich inspiriert, selbst Vampirromane zu schreiben und hat „Dracula“ Einfluss auf deine eigenen Bücher?
Auch ohne den Roman "Dracula" komplett gelesen zu haben, kenne ich natürlich die Hintergründe, die zu dieser Figur führten, und etliche andere Geschichten um den großen "Meister" Dracula. Die haben mich tatsächlich wesentlich mehr interessiert. Wo kam er her? Was wäre ein historischer Beleg für seine Existenz? (Ich bin ja historischer Reenactor, da ist sowas enorm wichtig ;) ). Wieso diese "Eigenarten" mit der Schwäche gegen Tageslicht und heilige Symbole und und und. Also, insofern hat mich eher der Mythos Vampir oder die Legende Dracula inspiriert als der Roman an sich. Wobei ich die Geschichte von Bram Stoker auch sehr spannend finde ;) 

Ist die Antwort „Nein“, dann würde ich natürlich gerne wissen, warum du „Dracula“ noch nicht gelesen hast. *grins*
 siehe oben ;)

Mehr Infos über Sandras Bücher findet ihr hier: 


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Die nächste Antwort kommt von der Autorin Linda K. Heyden: 


Tatsächlich gehöre ich zu denen, die Dracula noch nicht gelesen haben - obwohl ich mich in diesem Genre so wohl fühle und selbst Vampirromane schreibe.
Viele Jahre war für mich "Dracula" untrennbar mit Christopher Lee in der Filmhauptrolle verbunden, und auch wenn ich ihn als Schauspieler ungemein schätze, löste die Erinnerung an das Nachtprogamm meiner Kindheit nicht den Wunsch in mir aus, die Bücher von Bram Stoker zu lesen. Auch war mein Interesse an Vampiren äußerst gering.
Dies hat sich erst geändert, als neue Vampirromane auf dem deutschsprachigen Markt erschienen. Einige der teilweise sehr unterschiedlichen Werke mit unterschiedlichen Schwerpunkten haben mich begeistert  (z.B. war mein "erster" Vampirroman einer von Tanya Huff) und meine Fantasie beflügelt, sodass ich dem Vampir-Genre verfallen bin und mir meine eigene Vampirwelt "erschrieb". Wunderbarerweise stehen uns Autoren für die Vampirwelten, die wir erschaffen, ja vielen Motive zur Verfügung: Liebe, Freundschaft, Verlust, Schönheit, Ewigkeit u.v.m.
Jedenfalls hast du mich dadurch, dass du so leidenschaftlich für "Dracula" einstehst, sehr neugierig gemacht. Dafür danke ich dir. Gestern habe ich mir eine Leseprobe von "Dracula" vorgenommen und war angenehm überrascht, wie gut und spannend sich der Roman liest. Auf dem Klappentext stand, dass es in der Geschichte insbesondere um Freundschaft geht. Das hat mich sehr angesprochen. Freundschaft ist auch ein wichtiges Thema innerhalb der Nacht-Patrouille, "meiner" Vampirgemeinschaft in Berlin.
Also, aufgeschoben ist bestimmt nicht aufgehoben. Bram Stoker steht auch in der nächsten Zeit nicht ganz oben auf meiner Prioritätenliste, aber ich werde das "Original" bestimmt noch lesen.
Versprochen.

Und hier erfahrt Ihr mehr über Lindas Bücher: 
Website: www.lindakheyden.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Linda-K-Heyden-Autorin/123520454467739?ref=hl



    

Vielen Dank an Hope, Sandra und Linda, dass ihr Euch die Zeit genommen habt. Drei Autorinnen, drei unterschiedliche Meinungen, wirklich sehr interessant.  

So, das war also mein Beitrag zum Welttag des Buches. Auch wenn es hier nichts zu gewinnen gibt, vielleicht gefällt es dem einen oder anderen ja trotzdem. Und vielleicht habe ich ja einige von euch neugierig auf den unsterblichen Grafen Dracula gemacht und ihr gehört bald auch zu seinen Fans. 

Ich wünsche euch noch einen schönen "Feiertag" und ein schönes Wochenende. Macht das Beste daraus. 


Kommentare:

  1. Huhu,

    da dich "Dracula" so interessiert, dachte ich, ich lasse mal einen Buchtipp hier, der dich vielleicht ebenfalls interessieren könnte. :)
    Ich möchte dir "Vlad" von C.C. Humphreys ans Herz legen. Dieses Buch ist eine fiktive Interpretation der Geschichte von Vlad III. Drăculea, der ja als Inspiration für Stokers Klassiker diente. Mich hat es sehr beeindruckt. Vielleicht ist es ja auch etwas für dich. :)

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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    1. Vielen Dank für deinen Tipp. "Vlad" habe ich natürlich gelesen. ;-) Ich habe es hier allerdings nicht erwähnt, weil es um den "echten" Dracula geht. Aber kennst du "Das dunkle Herz der Welt" von Liliana Le Hingrat? Da geht es um Vlad II. und auch um Vlad III., als er noch jünger ist. Kann ich sehr empfehlen.
      LG
      Silke

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  2. Huhu,
    danke für den tollen Beitrag und die Interviews :) Das war eine tolle Idee von dir! jetzt habe ich Lust bekommen, das Buch noch einmal zu lesen. Bei mir ist das schon ewig her.

    LG Katharina

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    1. Lieben Dank für deinen Kommentar. Und es freu mich, dass dich mein Posting vielleicht zu einem erneuten Lesen des Buches animieren konnte. ;-)

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  3. Hi :D

    Ein sehr interessanter und abwechslungsreicher Beitrag zum Welttag des Buches. Dracula und alles drumherum hat mich als Teenie auch sehr fasziniert! :D

    Übrigens stalke ich deinen Blog jetzt mal, ich kannte ihn noch gar nicht! :D Vielleicht magst du auch mal bei mir vorbeischauen?

    Liebe Grüße
    Jessi
    http://in-buechern-leben.blogspot.de

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Das zeigt mir doch, dass sich ein, zwei Leute auch ansehen, was ich poste. ;-)
      Natürlich schaue ich gerne auch auf deinem Blog vorbei.
      LG
      Silke

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  4. Ist ja interessant. Soviele bekennende Vampirfans.
    War schön hier reinzulesen. Wünsche noch einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Heike Rissel

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