"...beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz."
Der Verfasser dieses alten, persischen Sprichwortes ist mir nicht bekannt, aber genau so empfinde ich es. Und das ist ein Grund, warum mir ein E-Book nicht ins Haus kommt. Mir würde das Gefühl beim Halten eines Buches fehlen, das Blättern der Seiten, der Duft des Papiers. Ein E-Book wäre mir viel zu unpersönlich, zu steril, zu...kalt. Ihr findet hier nicht nur Rezensionen, auch viele andere Themen rund um Bücher und das Lesen.

Montag, 21. Dezember 2015

"Was aus den Schatten steigt" von Neil White



In der Stadt Blackley in Lancashire im Norden Englands werden seit einiger Zeit Jugendliche entführt und nach etwa einer Wochen äußerlich unverletzt wieder irgendwo aufgefunden. Alle kommen aus sozial benachteiligten Familien, die sie augenscheinlich vernachlässigt haben. Nachdem die Kinder wohlbehalten wieder daheim sind, ändert sich dies. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Bei den Kindern findet man kleine Visitenkarten mit dem Kopf eines Kindes und zwei "heilenden Händen" darüber. Der Entführer scheint sich also für einen Wohltäter zu handeln.  
Die Polizistin Laura McGanity ist erst seit kurzem in Blackley im Dienst, wohin sie aus Liebe zu Reporter Jack Garrett mit ihrem vierjährigen Sohn Bobby gezogen ist. Blackley ist Jacks Heimatstadt und er und Laura sind beide aus London hergekommen. Was Bobbys Vater allerdings gar nicht passt.
Eines Morgens wird Laura zu einem Tatort gerufen, an dem eine junge Frau brutal ermordet wurde. In ihrer Wohnung findet man Tagebücher, in denen Jess Goldie offensichtlich ihre Träume aufgeschrieben hat. Und in denen beschrieben steht, wie sie gestorben ist.
Verdächtig macht sich Eric Randle, ein älterer Mann, der die Tote gefunden hat und erzählt, er hätte von Jess Goldies Tod geträumt. Angeblich kannte er Jess von einer Art Selbsthilfegruppe, zu der Menschen gehörten, die in ihren Träumen Vorahnungen haben und Ereignisse voraussagen können. Oder ist Eric der Täter?
Am Tatort wurde allerdings auch das Auto von Luke gesehen, dessen Vater ein großer Immobilienhai in Blackley ist. Anwalt Sam Nixon soll ihn zur Polizei begleiten, um ihn als Täter auszuschließen. Vor der Polizeistation macht Luke ihm dann ein Geständnis.
Laura erfährt, dass Eric Kontakt zu den Familien der entführten Kindern hatte und als Reporter Jack Garrett von der ganzen Sache hört, wittert er eine gute Story. Was Laura gar nicht gefällt....

Die Krimis von Neil White sind bisher nur bei Weltbild erschienen. Ich habe vor ein paar Jahren "Hexenblut" von ihm gelesen, in dem er die historische Geschichte der Hexen von Pendle Hill verwendete und fand das Buch klasse und total spannend. 
"Was aus den Schatten steigt" ist ebenfalls ein guter Krimi, allerdings nicht ganz so fesselnd wie "Hexenblut". Trotzdem ist er flüssig geschrieben, in meinen Augen auch schlüssig aufgelöst und durchaus spannend. Aber es wäre noch Luft nach oben gewesen. Da dies aber glaube ich der erste Teil der Reihe ist, drücke ich mal ein Auge zu. ;-)
Neben der Kriminalgeschichte gibt es da auch den privaten Teil von Laura und Jack, der aber meiner Meinung nicht zu viel Raum einnimmt, sondern genau passend ist. Ich mochte beide und die Probleme, die durch ihre Arbeit entstehen, konnte ich nachvollziehen. Als Polizistin darf Laura natürlich nicht über laufende Ermittlungen berichten, aber Jack verdient nun mal mit solchen Storys seine Brötchen. Nicht so einfach.

Also wer solide Krimis mag, dem kann ich "Was aus den Schatten steigt" empfehlen. Im Original heißt es übrigens "Lost Souls", was meiner Meinung nach zu der Geschichte besser gepasst hätte.

Bewertung: ☥ ☥ ☥ ☥

© Blackfairy71

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