"...beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz."
Der Verfasser dieses alten, persischen Sprichwortes ist mir nicht bekannt, aber genau so empfinde ich es. Und das ist ein Grund, warum mir ein E-Book nicht ins Haus kommt. Mir würde das Gefühl beim Halten eines Buches fehlen, das Blättern der Seiten, der Duft des Papiers. Ein E-Book wäre mir viel zu unpersönlich, zu steril, zu...kalt. Ihr findet hier nicht nur Rezensionen, auch viele andere Themen rund um Bücher und das Lesen.

Montag, 21. Oktober 2013

"Die Burg der Könige" von Oliver Pötzsch


Als ich das Buch über Vorablesen bekommen habe, habe ich gar nicht so wirklich registriert, dass es die Hardcover-Ausgabe ist und 913 Seiten hat. Ich dachte schon, dafür brauche ich bestimmt 3 Wochen.

Aber es ist so interessant, spannend und anschaulich geschrieben, dass die Seiten nur so dahin flogen. Schon nach kurzer Zeit ist man im Jahr 1524 in der Pfalz auf der Burg Trifels und mitten in der Geschichte um die junge Vogtstochter Agnes und Mathis, ihren Freund seit Kindertagen. Sein Vater ist der Burgschmied und auch Mathis soll diesen Beruf ausüben, aber er interessiert sich mehr für das Schmieden von Waffen, denn die Zeiten werden unruhiger. Die Bauern beginnen sich gegen die Adeligen aufzulehnen, die in Saus und Braus leben, während sie selbst nichts zu essen haben. Deswegen kommt es auch immer wieder zum Streit zwischen Agnes und Mathis, obwohl Agnes Vater, Philipp von Erfenstein, kein so grausamer und rücksichtsloser Herr ist. Aber auch er muss seinen Teil an den Herzog abgeben. Daher hofft er, seine Tochter mit einem reichen Kaufmann oder Edelmann verheiraten zu können. Aber Agnes will davon nichts wissen, sie streift lieber gekleidet wie ein Junge durch die Wälder und geht mit ihrem Falken Parcival auf die Jagd. Außerdem liebt sie alte Geschichten und Sagen, wie die von König Artus und dem Heiligen Gral. Die Bibliothek auf dem Trifels ist ihr liebster Zufluchtsort und ihr Lehrer und Mentor Pater Tristan hat einen unerschöpflichen Vorrat an solchen Geschichten, auch über Kaiser Barbarossa, der einst in der Burg gelebt hat.
Als Agnes einen geheimnisvollen Ring erhält, hat sie plötzlich merkwürdige Träume. Oder sind es Erinnerungen an vergangene Zeiten? Aber wessen Erinnerungen und wer ist diese Frau, die ihr so ähnlich sieht? Gemeinsam mit Mathis und dem Barden Melchior macht sie sich schließlich auf die Suche nach Spuren ihrer Herkunft. Eine gefährliche Reise, denn die Bauernkriege sind in vollem Gange und im ganzen Land brennen Kirchen, Klöster und Burgen….

Ich kann das Buch wirklich allen Lesern von historischen Romanen sehr empfehlen, besonders wenn man Burgen und deren Geschichten mag. Dem Autor gelingt es mal wieder, historische Ereignisse, Orte und Personen perfekt mit Fiktion zu verbinden. Im Nachwort gibt es auch einige Anmerkungen dazu, was erfunden und was tatsächlich passiert ist. Für mich selbst war der Teil sehr interessant von Orten, wo ich selbst schon war, wie z.B. St. Goar und an der Loreley. Aber ich will nicht zu viel verraten.
Auch die Charaktere haben mich überzeugt, besonders Agnes und Mathis mochte ich sehr. Agnes ist für eine junge Frau ihrer Zeit sehr selbständig, klug und eigenwillig, was ihr nicht nur Sympathien einbringt, besonders bei den Männern. Frauen haben schließlich nur zu reden, wenn sie gefragt werden. Und ihre Faszination für Bücher, alte Sagen und Legenden hat mir sehr gut gefallen. Wen wundert's? *g*

Und was mir noch sehr gut gefallen hat: Oliver Pötzsch zeigt hier, dass Deutschland auch noch eine andere historische Vergangenheit hat, als die, von der sonst immer nur gesprochen wird. Man erfährt viel über diese Zeit und ich finde, es sollte viel mehr solcher Geschichten geben.

Mein Fazit: Absolute Leseempfehlung!

Kommentare:

  1. Ui, das hört sich nach einem Buch für mich an, wobei mich die Seitenanzahl wieder ein bisschen abschreckt! Das wird wohl eher ein Buch für meinen Weihnachtsurlaub! ;)
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Ja, dafür ist es sicher perfekt geeignet. :-)

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  2. Ist das nun rein historisch oder auch fantastisch?

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    1. Uwe, es ist fantastisch historisch. *g* Nein, es sind keine Fantasy-Elemente enthalten, aber an einigen Stellen durchaus mystisch, würde ich sagen.

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  3. Schöne Rezi! Jetzt freu ich mich noch mehr drauf! Ich bekomme das Buch in den nächsten Tagen zu einer Leserunde :D
    Kennst du auch die "Henkerstochter" Reihe von Pötzsch? Die ist sehr speziell geschrieben aber ich finde sie klasse!
    GlG, A.

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    1. Danke schön :-) Ja, ich kenne die "Henkerstochter", aber bisher nur den ersten Teil.
      Ich wünsche dir schon mal viel Spaß bei der Leserunde. Mit Autor?

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    2. Jupp, läuft auf lovelybooks ;)
      Warte nur noch auf das Buch! LG

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  4. Ja, die Leserunde ist auf lovelybooks! Ich hab das erste Drittel schon gelesen und es wirklich toll! Ich hab fast die Befürchtung, dass die 900 Seiten viel zu schnell gelesen sind ;)

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