"...beim Betrachten der Blätter öffnet sich dem Leser das Herz."
Der Verfasser dieses alten, persischen Sprichwortes ist mir nicht bekannt, aber genau so empfinde ich es. Und das ist ein Grund, warum mir ein E-Book nicht ins Haus kommt. Mir würde das Gefühl beim Halten eines Buches fehlen, das Blättern der Seiten, der Duft des Papiers. Ein E-Book wäre mir viel zu unpersönlich, zu steril, zu...kalt. Ihr findet hier nicht nur Rezensionen, auch viele andere Themen rund um Bücher und das Lesen.

Montag, 30. Juli 2012

Mary Shelley: Frankenstein

Am letzten Wochenende waren wir in Hessen bei Freunden und  haben dort u. a. auch die Burg Frankenstein besichtigt.
Ich habe mich gefragt: Was bringt eine junge Frau wie Mary Shelley dazu, eine Schauergeschichte wie „Frankenstein, der neue Prometheus“ zu schreiben? Über einen Menschen, der aus Leichenteilen selbst einen Menschen erschafft und sich damit über Gott erhebt?

Dazu gibt es zwei interessante Geschichten.
Ausschlaggebend für die Entstehung des Romans war der berühmte „Genfer Sommer“ im Jahre 1816. Diesen verbrachte Mary zusammen mit ihrem späteren Ehemann Percy Shelley, ihrer Stiefschwester Claire Clairmont, dem Dichter Lord Byron sowie dessen Leibarzt John Polidori in der Schweiz in Byrons Haus.
Im Zuge eines Wettstreits um die beste Geistergeschichte schrieb Polidori „Der Vampyr“. Soweit ich weiß, hat Polidori für die Figur des Lord Ruthven den charismatischen Dichter Byron als Vorbild gesehen, dies aber nie zugegeben.
Mary schrieb schließlich einen der faszinierendsten und aufregendsten Romane der englischen Literatur: „Frankenstein, der neue Prometheus“.


Aber wie kam Mary dazu? Die Gebrüder Grimm sind nicht ganz unschuldig daran. Denn sie hörten, als sie am Fuß der Burg Frankenstein Märchen sammelten, zum ersten Mal von einer Schauergeschichte, die sich um den Alchimisten, Theologen und Arzt Johann Konrad Dippel von Frankenstein rankt. Der Sage nach soll der Alchimist aus Leichenteilen und dem Blut von Jungfrauen sowie geheimen Künsten einen neuen Menschen erschaffen haben. Dieser öffnete an einem trüben nebligen Novembernachmittag seine Augen, streckte seinen Erschaffer mit einem Schlag nieder und floh in die Wälder. Dort sitzt der einsame Unhold noch heute, versucht Kinder oder Jungfrauen zu erwischen, mit denen er spielt und sie irgendwann auf Nimmerwiedersehen verschwinden lässt.
Jacob Grimm schrieb 1813 diese Schauergeschichte in einem Brief an die Übersetzerin der Märchen ins Englische, Mary Jane Clairmont. Und diese war Marys Stiefmutter. Als Mary dann 1814 zusammen mit ihrer Stiefschwester Claire und ihrem späteren Ehemann Percy Bysshe Shelley durch Deutschland reiste, besuchte sie auch den Frankenstein. Angeblich faszinierte sie die Geschichte, die ihre Stiefmutter ihr erzählte, schon damals. Und an dem geschichtsträchtigen Tag im Sommer 1816 kam ihr die Idee zu ihrem Roman.

Drei Wissenschaftler sollen für Mary Shelleys Monstererschaffer Pate gestanden haben. Der Großvater des berühmten Charles Darwin, Erasmus Darwin, war einer davon. Erasmus Darwin lehrte damals an der in jener Zeit sehr berühmten Universität von Ingolstadt. Wo Mary im Roman dann auch Victor von Frankenstein studieren ließ. Man experimentierte dort zu Erasmus Darwins Zeit mit der Elektrizität sowie mit Leichen und Leichenteilen. Erasmus Darwin machte die Ingolstädter Versuche in England populär.

Und folgender zweiter prominente Wissenschaftler dürfte Mary ebenfalls als Vorlage für ihren gottlosen Forscher gedient haben: Benjamin Franklin (1706 – 1790) mit seinen Versuchen zur Elektrizität. Diese Experimente waren in Marys Elternhaus besonders populär, interessierte sich doch ihr Vater, Charles Godwin, brennend für dieses Thema. Fast genauso stark wie für die Beschwörung von Leichen, die er zwingen wollte, ihm verborgene Geheimnisse zu eröffnen. Beide Interessen teilte auch Percy Bysshe Shelley.

Der dritte Mann war der bereits erwähnte Johann Konrad Dippel von Frankenstein.

Quelle: Burg Frankenstein: „Mythos, Wahrheit, Legende“ von W. Scheele


Wieviel an diesen Legenden dran ist, ist bis heute nicht sicher. Aber der Mythos der Burg Frankenstein lebt bis heute und ist ein Besuchermagnet. Und mal abgesehen von diesen Geschichten ist es auch so ein interessantes und sehenswertes Ausflugsziel.

Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich das Buch selbst noch nicht gelesen habe, aber ich kenne natürlich die Geschichte und die Filme.

1 Kommentar:

  1. Ich finde es immer spannend sich auf die Spuren solcher Geschichten und ihrer Schreiber zu machen.

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